Montag, 2. November 2015

Novembergedanken



Jetzt also November.
Irgendwie n merkwürdiger Monat.
November, das schmeckt nach kaltem Glühwein, nach warmen Bier.
Auch wenn ich mir da nicht ganz sicher bin, weil ich es noch nie probiert habe, schmeckt der November für mich wie ein gebrauchtes Kondom.
Oder so.

Wenn überhaupt, dann ist der November der perfekte Monat, um abzutreten.
Andererseits: Wenn wir den November überlebt haben, kann uns nix mehr schocken. Und wir können neu durchstarten.
Anyway.

Morgens liegt dichter Dunst über den Feldern. Es dauert bis zum Mittag, bis der sich verzieht.
Das sind Feuchtigkeiten, die durch die Kleidung ziehen. Das ist eine Kälte, die mich den Tag über begleitet und meine müden Knochen und Gelenke belastet.
Auch wenn die Herbstsonne des Nachmittags momentan wunderschön ist, ich friere andauernd.

Ich meine – generell ist der Oktober doch irgendwie der goldene Herbst.
Und schön.
Und der Dezember ist die Vorweihnachtszeit. Mit Kerzen und Glühwein und Vorfreude auf Schnee (Doch!).
Aber der November?




Genug gejammert.
Ende des Monats erscheinen „Leben gefährdet die Gesundheit“ und in Neuauflage „Ein Versuch: die Liebe“. Beide bei Rodneys Underground Press. Das ist geil.
Anstatt durchzuatmen muss ich mich mit der MAULhURE No. 5 rumärgern. Das ist aber auch okay. Geile ScheiberInnen – geile Texte – und noch n bisschen Zeit (Erstes Quartal 2016 sage ich mal) …

Und habe noch so viel anderen Kram, zum Beispiel heute zweieinhalb Stunden mit einem Finanzberater. Und das ich!
Es ging um den Finanzkram der Schwiegermutter. Und da muss Claudia jetzt ran. Und ich leider auch. Obwohl ich so etwas hasse …
Aber der Finanzberater war mehr als okay. Und ich habe den Kram gerafft und bin da beruhigt…

Vielleicht sollte ich auch mal anfangen, meinen Kram zu regeln.
Aber bei anderen Menschen geht das immer leichter. Das Problem begleitet mich schon lange …




Ende Dezember ist ja Wunschzeit.
Mein Geburtstag und Weihnachten und so.
Meine Wunschliste:

- Meinen Freunden und FreundInnen ganz viel Liebe und Spaß und so wenig Sorgen, wie möglich
- Das allerbeste für unsere Mütter (was auch immer das sein mag, bei Alterserscheinungen kann man nicht mogeln, da nutzen auch keine Wünsche)
- N angemessener Job für Claudia

- Nie mehr sabbern!
- Ne klare Artikulation!
- Keine Schmerzen!
- Keine Müdigkeit!
- Und überhaupt alles, was mit dem scheiß Krebs und Gesundheit zusammenhängt…

- Einen Kaffeevollautomaten, oder jemand, der mein altes Gerät repariert
- N neuer Compi (ich befürchte…)
- Ne Sofaecke (ich stehe auf geile Lederteile)
- N Fernseher für mein Arbeitszimmer (damit Claudia nicht immer Fußball mitgucken muss…)

- Nächstes Jahr n neues/altes Auto (wahrscheinlich n Muss)
(Ich werde jetzt unverschämt: Da wünsche ich mir n Mini Clubman, nen VW-Bus oder n /8er Benz mit Autogasanlage J )
- Ne geile HiFi-Anlage (jetzt geht es in Richtung unnötiger Luxus)
- Ne Ovation, ne Telecaster und ne Gibson (ich befürchte allerdings, dass die wie meine anderen Gitarren eher verstauben werden – also doch nicht)

- N Lotto-Gewinn

- Aufstieg des VfL Bochum

Ihr bemerkt: Ich bin sehr bescheiden  J




HEIMSPIEL!!!

29.11. 2015, 16.00 Uhr
Cafe Eden, Bochum
Klaus Märkert, Michael Schwessinger, Hermann Borgerding

Muss ich noch was über Klaus Märkert und Michael Schwessinger schreiben?
Wunderbare Wortkombinationen, skurrile Erzählungen, grandiose Beobachtungen.
Der eine legendärer DJ im Zwischenfall in Bochum, der andere Leipziger Verleger der Edition PaperOne, Weltenbummler und Bäcker.
Bochum trifft (momentan) Bukarest.
Und die beiden großartigen Schreiber nehmen mich in ihre Mitte.

Klaus ist ein guter Freund, den ich leider viel zu selten sehe.
Manchmal gibt es das: Die Chemie zwischen zwei Schreibern passt – und ich liebe seine sarkastischen und ironischen Nebensätze.
Michael hat meine ersten Bücher veröffentlicht und immer an mich geglaubt und damit auch Schuld daran, dass ich weiterschreibe. Und dafür kann ich ihm gar nicht genug dankbar sein. Seine Prosa ist (für mich) unbeschreiblich passend und ich bin da wirklich äußerst ehrfürchtig und verneige mich.

Ich konnte nicht nein sagen, als Klaus mich fragte, ob ich sie in Bochum begleite. Fühle mich wahnsinnig geehrt und freue mich tierisch.

Auch wenn ich meine Lesungen reduzieren möchte: Das kann ich mir nicht entgehen lassen!
Und da passt es super, dass gerade da meine neuen Gedichtbände rauskommen und ich in meiner Lieblingsstadt und ewigen Heimat lesen darf.

Ich weiß, ich habe FreundInnen in Bochum. Und Umgebung.

Kommt vorbei!




Musik?
Heute läuft Lindenberg. Livehaftig (79) und Intensivstationen (82).
Manchmal brauche ich meine Jugend zurück.
Und die beiden Live-Alben fand ich schon immer grandios.
Ansonsten empfehle ich von Brücken: „Weit weg von fertig.
Der Ex-Sänger von Jupiter Jones hat ein tolles Album rausgehauen.
Absolut hörenswert!
Die Toten Hosen enttäuschen mit dem Sinfonieorchester der Robert Schuhmann Hochschule. „Entartete Musik“ hieß die Konzertreihe, das ist ja keine schlechte Idee. Aber Lindenberg, Bowie, Reed, Faithfull, … brachten all die Lieder in besseren Versionen und ich frage mich, warum diese Platte nötig ist.
Ich liebe die Toten Hosen. Aber sie sollten bei ihrem Kram bleiben.
Da haben sie sich übernommen.




Mein Bücherstapel wächst. Momentan finde ich keine Muße, um zu lesen. Aber ich freue mich auf all die Bücher.




Nach Lindenberg höre ich jetzt Cochise.
Nostalgiekino! Go On!

Blöderweise frage ich mich, warum die Revolutionsträume meiner Jugend mittlerweile nur noch naiv klingen.
Und wir nur noch in Abwehr gegen schlimmere Alpträume stehen.

Die Sozialdemokratie hat sich aufgelöst (nach Willy war es vorbei), Merkel setzt Kohlsche Aussitzerei fort, die Grünen – forget it!
Selbst die Selbstauflösung der FDP macht mich nicht froh, da AFD und ähnlicher Schwachsinn schlechte Alternativen sind.
Demokratie?
Die Linken hatten mit Gysi und Wagenknecht zwei menschlich und rhetorisch überzeugende Zugpferde. Sarah alleine wird es nicht schaffen.
Und der Widerstand und die Proteste gehen nur noch gegen Verschlimmerungen, aber nicht mehr in Richtung positiver Gesellschaftsmodelle oder Utopien.




Und ich?

Ich gestehe mittlerweile, dass ich hier in Dland nicht schlecht lebe. Demokratie zeichnet sich nicht nur durch die Wahlen, sondern durch Meinungsfreiheit, Informationsvermittlung und das Recht auf Opposition aus. Und weltweit gesehen haben wir da eine der besten Demokratien.
Aber jegliche Demokratie wird durch Kapitalismus und Geheimdienste und undurchschaubaren Kram eingeschränkt. Und da sind wir in Dland ganz vorne mit dabei: NSU und NSA machen das mehr als deutlich.
Und bieten einen erschreckenden Nährboden für die faschistischen Übergriffe.
Und wieder bin ich dabei, mich gegen Schlimmeres einzusetzen.
Anstatt für den Fortschritt zu kämpfen.
Ich weiß keine Lösung.
Meine Utopien gehen flöten, weil ich wenigstens das, was wir haben, erhalten will.
Und das ist zu wenig!

Ich will Frieden, Gerechtigkeit für alle,
eine multikulturelle Gesellschaft mit Ehrfurcht vor jeglicher Religion, aber auch mit der Möglichkeit, sie zu hinterfragen.
Ich will, dass ALLE an unserem Wohlstand teilhaben,
ich will kulturelle Freiräume
und ich will Seifenblasen und Purzelbäume!

Ich will nicht gegen Stumpfsinn, Reaktion, Unmenschlichkeit  undundund anschreiben.
Ich will für Liebe schreiben!

Ich will endlich der Pilcher des Social Beat oder Underground oder auch immer werden.
Das kann ich aber nicht mit gutem Gewissen, wenn ich sehe, wie alles den Bach heruntergeht.
Deshalb werdet ihr weiterhin Kram gegen reaktionäre Scheiße und gegen ausländerfeindliche Ängste von mir lesen.
Sonst wäre ich nicht ich.
Mal wieder dazu.




Cochise nervten mich letztendlich.
Also Rio Reiser.
Der kann gar nicht nerven. Der lässt schweben.




"Ich will tauchen bis zum tiefsten Rausch": Rio.
Ich auch.
Ich will mal ganz was anderes machen.
Und bin gerade in der Phase, wo so was entstehen kann …

Ein Kinder- oder Jugendbuch.
Habe ich einem guten Freund versprochen, komm da aber nicht wirklich weiter.

Ein Porno, ein Science-Fiction, ein Krimi – irgendwas fiktionales, was wenig mit mir zu tun hat: Da habe ich Bock drauf.

Komm, Muse! Küss mich!




Ganz viel Gelaber.
Also Schluss jetzt.
Und gute Nacht.
Oder so. – Wie immer …










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