Freitag, 17. August 2012

Extraball



Extraball

Ich weiß noch
wie wir uns abrackerten
am Star Treck oder am Eight Ball
das waren uns die liebsten Flipper
und wir hauten mit unseren Fingern auf die Knöpfe
spielten mit ganzem Körpereinsatz
und waren immer an der Grenze
zum Tilt
oder zum Game Over

Locker aus der Hüfte raus
war das Erfolgsgeheimnis
Es galt auch für andere Sachen

Auf der schmierigen Glasplatte stand der Aschenbecher
und das Bier auf einem Barhocker neben dem Flipper
und wir wechselten uns immer ab
auf der Jagd nach neuen High-Scores
Wir spielten zusammen
gegen den Kasten
und jubelten über jeden Extraball
der das Spiel verlängerte
und ein weiteres Freispiel
in realistische Nähe brachte

Die Kneipe war damals rauchverhangen
und es fanden sich Mitspieler
Immer
Zur Abwechslung maßen wir uns auch
am schmutzigen Billardtisch oder am Kicker
um letztendlich bei den Würfeln zu landen und Tequilas auszuspielen

Harte Nächte
harte Zeiten
und ich habe wirklich keinerlei Ahnung mehr
wie ich das damals finanziert gekriegt habe
mein Deckel war oft beängstigend voll
aber irgendwie am Ende des Monats immer bezahlt

Laute Musik aus den Boxen
Gespräche und Baggereien am Tresen
Joints vor der Tür um die Ecke
und wenn ich Glück hatte
ein geiler One-Night-Stand
aber den nahm ich nur mit
darum ging es nicht
Eigentlich ging es
um das Leben
und eigentlich
war dass das Leben:
Möglichst viele Extrabälle
und Freispiele und High-Scores
und legendäre Siege am Kicker
bei Zigaretten, Bier und Musik
Ich brauchte nicht mehr

Wir verabredeten uns nicht
wir waren eh immer da
Irgendeinen traf man jeden Abend
Das Leben war ein Spiel
und das fertige Inventar am Tresen die Schattenseite
zu der wir natürlich nie gehören würden
da waren wir uns sicher

Jetzt
30 Jahre später
kenne ich keine Kneipe mehr
die ähnliche Anziehungskraft wie meine damalige Stammkneipe auf mich hat
Die Kneipen meiner Jugend haben alle dicht gemacht
Statt am Flipper
haue ich mit meinen Fingern auf die Tastatur meines Laps
zu Hause am nächtlichen Schreibtisch
Und es ist nix mehr mit
aus der Hüfte heraus
während mein Nacken schmerzt
und ich ganz andere High-Scores probiere

Nein
ich vermisse es nicht
Nein
ich bereue gar nichts
Ich erinnere mich gerne
mit einem Grinsen im Gesicht
das ist es aber auch schon

Mein heutiger Extraball ist mein geschenktes Leben
Ich genieße jede Sekunde und kämpfe
um ein weiteres Freispiel zu erreichen
Nicht aus der Hüfte
dafür aber aus tiefstem Herzen
oder so ähnlich







Freitag, 10. August 2012

Algarve 7: Abschied von der Algarve



Home again.

Mein Lap ist wieder auf dem Schreibtisch, die Post geöffnet, die erste Maschine Wäsche läuft und Maya liegt wieder zu meinen Füßen.
Schön. Wirklich schön, wieder zu Hause zu sein.
Und auch wenn ein Ein-Raum-Loft für zwei Menschen und Hund sehr unpraktisch ist, wir lieben unser Heim.

Gestern stürzte ich mich dann wirklich in die Wellen des Atlantik. Eigentlich nur Claudia zuliebe, die unbedingt Arm in Arm mit mir im Meer stehen wollte. Und dann packte mich der Ehrgeiz und ich war kaum aus den Wellen wieder rauszukriegen.
Mit dem Effekt, dass ich dann nachts das verschluckte Meerwasser wieder auskotzen musste, aber das ist egal.

Mein Schreibtisch wartet mit viel Arbeit auf mich. Ich werde frühestens Sonntag, eigentlich erst Montag damit richtig durchstarten.
Und ich will meine zwei Gedichtbände veröffentlichen und meinen zweiten Roman bis Ende des Jahres fertigstellen.
Und all der unfreundlichere Kram.
Aber ich bin ja noch gar nicht richtig angekommen.

Maya ist ziemlich durch den Wind. Aber sie ist glücklich und zufrieden wieder bei uns. Und wir sind natürlich äußerst glücklich und zufrieden.
Ein Hund zu den Füßen während man am Schreibtisch sitzt hat was Paradiesisches.
Und nach der Dusche werde ich dann mit Claudia und Maya unsere erste Abendrunde nach vierzehn Tagen drehen. Hier im Ruhrpott ist es zwar kalt, aber trotzdem schönes Wetter (keine Ahnung, wie die Aussichten sind…).

Abschied von der Algarve.
Die Farbenpracht, die Sonne, die Felsen und Grotten: all das wird in unserer Erinnerung bleiben.
Die Freundlichkeit und Lockerheit der Portugiesen.
Aber viel wichtiger das Durchatmen und die Sorgen einfach mal hinter sich lassen, den Kopf abschalten und nur genießen: unser Urlaub war notwendig und fantastisch!
Und Claudia und ich sind frisch verliebt wie in den Flitterwochen.

In unserem Appartement hatten wir zwei Flachbildschirmfernseher (ich muss ja mal angeben!). Während der zwei Wochen Urlaub habe ich nur zweimal die Tagesschau gesehen. Das war okay so und ich denke, das sollten wir fortführen. Ohne die Glotze völlig zu verteufeln, macht nämlich auch manchmal Spaß.

Olympiade? Geht mir am Arsch vorbei!
Syrien? Scheiße. Mehr fällt mir da nicht ein.
Pussy Riot? Scheiß auf Putin! Und die Entwicklungen in Russland machen mir Angst.
Deutschland? Fuck off!

Der Urlaub ist vorbei.
Demnächst poste ich dann wieder Gedichte und anderen Kram.

Jetzt höre ich mir erst mal „Home again“ von Kiwanuka an.


Donnerstag, 9. August 2012

Algarve 6: Urlaubsendspurt



Urlaubsendspurte sind doof, aber ich habe beschlossen, mich davon nicht nerven zu lassen.

Die strahlenden Augen meiner Frau, wenn ich mich an das Bett setze und sie vorsichtig zum Frühstück wecke. Die Umarmungen und Küsse. Wir lieben uns tief und innig und ich frage mich manchmal, was dabei schöner ist, so tief geliebt zu werden und sich dessen gewiss zu sein, oder selber so eine tiefe Liebe einem anderen Menschen gegenüber empfinden zu dürfen.
Beides zusammen ist der Himmel auf Erden.
Und einen anderen habe ich ja auch niemals angestrebt.

Eine streunende Katze kommt uns besuchen. Sie ist schlank und schön, aber sehr vorsichtig und skeptisch. Ich stelle ihr eine Schale Milch hin, die sie gerne leer schlürft.
Danach begrüßt sie mich jeden Morgen.
Aber eigentlich bin ich ein Hundefreund. Und betrachte voller Zuneigung die streunenden Hunde von Portugal. Mit einem Stich im Herzen, da ich an unsere Maya denken muss. In ein paar Tagen haben wir sie wieder.

Hier im Urlaub höre ich wenig Musik. Der Sound des Laptops ist mir zu blechern und die Akkuleistung eh nicht die beste. Jetzt zur Abwechslung mal die Stones während ich dies hier tippe. Und mal wieder an der Internetverbindung verzweifele.

Was für ein Tag, an dem du aufwachst und die ganze Zeit „Ma Baker“ von Boney M. im Kopf hast! Ich kann nix dagegen tun, ich werde diese Melodie einfach nicht los!

Ansonsten werden mir alle Sorten Drogen angeboten.
Und ich frage mich, ob ich entweder noch so jung und flippig, oder schon so alt und fertig aussehe, dass die Straßendealer meinen, mich erfolgreich anquatschen zu können.
Ich lehne alles ab.
Verarschen kann ich mich alleine und Straßendealer in Tourismusorten wollen immer verarschen. Außerdem nehme ich nichts Illegales mehr. Bin ja schon deutlich über dreißig Jahre alt.
Aber warum fragen die mich und zum Beispiel nicht Claudia? Die wird eher angebettelt. Von schauspielernden und weinenden Nerv-Bettlern.
Die dann manchmal doch etwas von uns bekommen.
Da sind wir doof und können nicht anders.

Dann war da noch diese Cocktail-Bar: ein total schönes knallrotes Haus an einer Straßenkreuzung, sieht total klasse aus und wir beschließen dort an einem Abend einen Cocktail zu genießen und beinahe ne Woche lang freuen wir uns darauf.
Als wir das dann gestern in die Tat umsetzen wollten, mussten wir feststellen, dass diese Cocktail-Bar zu den Etablissements gehört, die geschlossen wesentlich reizvoller als geöffnet sind: laute Plastikmusik, hässliche Kids und zwei unsympathische Türsteher lassen uns zu unserem Stammlokal umkehren. Zwar ziemlich einfach, aber leckere Cocktails und freundliche Menschen.


So.
Den letzten Tag werden wir mit einer langen Stranbraterei verbringen. Schließlich wollen wir die Menschen zuhause neidisch machen.
Und es ist jetzt die letzte Chance für mich, mich ebenfalls in die Wellen zu stürzen…

Dienstag, 7. August 2012

Algarve 5: Kleine Quengeleien...



Wolken über Lagos.
Sehe ich heute zum ersten Mal. Schöne, schneeweiße Schäfchenwolken.
Claudia und ich können heute vielleicht ein wenig mehr spazieren gehen und die Strandbraterei verkürzen.

Ich quengele ja ziemlich oft. Gerade hier fällt es mir leicht zu gestehen, dass das dann doch Quengeln auf höchstem Niveau ist.
Ich meine, Claudia und ich lieben uns. Damit ist eigentlich jegliche Quengelei eh schon überflüssig.
Wir sind am Atlantik bei wunderschönem Wetter in einer wunderbaren Unterkunft und genießen die Algarve. Noch haben wir aus unerklärlichen Gründen ein paar Euro um uns gut und lecker zu ernähren.
Das Super Bock ist zwar kein deutsches Pils, aber es ist trinkbar und Claudia hat den Portwein. Alles klasse!
Da sind die psychische Überbelastung und das kaputte Knie meiner Frau.
Da sind meine Schmerzen an der Schulter, am Hals und im Mund.
Da sind unsere Körper, die uns immer wieder klar machen, dass wir auf die 50 zugehen und durch Krankheiten gefühlt die 70 überschritten haben.
Da sind aber auch unsere Gefühle und unsere Seele und damit schlagen wir Purzelbäume wie Kinder.
Da sind unsere intimen und besonderen Momente und die genießen wir in diesem Urlaub wie ein frisch verliebtes Brautpaar und irgendwie sind wir das ja auch immer noch.
Auf die Alltags- und Existenzsorgen scheiße ich momentan, damit können (und müssen) wir uns nach dem Urlaub verstärkt befassen. Ich wiederhole mich – hier tanken wir verdientermaßen Kraft dafür.

Angeblich war heute laut Wetterbericht der einzige Regentag in Lagos während unserer Urlaubszeit. Es hat nicht geregnet. Und ich habe mir einen Sonnenbrand eingefangen…



Was mir schwer fällt (1):

Das Meer ist wunderschön. Fantastisch!
Das Wasser ist ziemlich frisch, aber eigentlich durchaus badetauglich. Nur: Ich bin es nicht mehr.
In einem oder mehreren meiner früheren Leben hätte ich mich ins Wasser geschmissen, hätte in den Fluten rumgetollt und wäre ohne Ende geschwommen.
Jetzt kriege ich meinen Mund nicht mehr zu, verschlucke mich am Salzwasser und stehe wie ein Rentner bis zum Bauch im Wasser oder habe diesen dämlichen Kopf-über-Wasser-Schwimm-Stil. Da habe ich kein Bock drauf. Da gucke ich mir lieber das Meer nur an und genieße die Luft.
Und sehne mich nach den Zeiten vor meinem Krebs zurück.


Was mir schwer fällt (2):

Ich hasse es in der Öffentlichkeit zu essen.
Ich fühle mich beobachtet und stehe unter einem fürchterlichen inneren Druck.
Aber wenn das Ambiente und das Essen stimmen, dann komme ich damit klar. Bisher funktioniert das relativ gut in diesem Urlaub.


Was mir schwer fällt (3):

Maya. Wir vermissen unseren Hund.
Ich genieße es zwar auch irgendwie, nicht immer die Spaziergänge mit der Süßen zu machen.
Ich weiß, dass sie bei Susi massig Liebe, Zuneigung und Fürsorge bekommt. Und natürlich wäre ein Flug für Maya Scheiße gewesen und die Strandbesuche unmöglich. Und damit der Urlaub so nicht möglich.
Trotzdem. Sie fehlt.
Wird sie uns nach dem Urlaub auch noch lieben?
Oder lieber bei ihrer Gast-Mami bleiben?
Nie wieder Urlaub ohne Maya!


Das Internet scheint gut zu funktionieren. Der Akku meines Laps kackt allerdings nach ner dreiviertel Stunde ab (wahrscheinlich ne Einstellungsfrage) und dann muss ich entweder in der Bude weiter tippen, oder die Sitzung unterbrechen.
Ziemlich doof.
Aber nun wirklich kein ernsthaftes Problem.

Hier ist es einfach nur schön. Zum Beispiel so:

Richtig gefrühstückt

Claudia schläft noch
und ich sitze auf der Terrasse
und trinke den ersten Instant-Kaffee
mit einem kleinen Löffel Zucker
weil das Zeug sonst absolut ungenießbar ist

Eine Zigarette nach der anderen und nur ab und zu
wird die Stille von einem anderen Frühaufsteher durchbrochen
und ich frühstücke die Gedichte von Dünnebacke
während ich die beginnende Hitze spüre
und mein Hemd dann doch ausziehe

Später werden wir richtig frühstücken
(selbst ich kaue an einem Brötchen rum)
dann mit einem Fischerboot die Grotten erkunden
uns an den Strand legen
und gegrillten Stockfisch essen

Jetzt
lese ich
wie Arnd vom tristen Dasein in deutschen Mief schreibt
und ich muss oft nicken
und lächeln
Sein handgefertigter Gedichtband heißt „Falsch gefrühstückt“
aber für mich
ist es genau das richtige
an diesem Morgen voller Sonne


Samstag, 4. August 2012

Grüße von der Algarve 4: Obrigado, Portwein und der VfL



Ich bin beruhigt: In Lagos gibt es doch Punks und Freaks.
Und allerlei Rauchwaren.
Nicht, dass ich die bräuchte…

Hier in Portugal gibt es übrigens auch Portwein.
Der ist schwer und herbe, für mich ein wenig zu heftig.
Das Essen ist absolut klasse. Omeletts sind total lecker und für mich natürlich der Hit. Und Fisch. Klar. Empfehlenswert.
Und das alles zu akzeptablen Preisen.                                                                     
Völlig okay!

Sprachlich komme ich mit Portugiesisch nicht klar. Aber alle sprechen Englisch und mein eingerostetes Schulenglisch mit kaputter Artikulation wird merkwürdigerweise gut verstanden. Vielleicht ist mein Englisch auch durch die Sabberei besser geworden. Keine Ahnung, mit kaputtem Mund klappt das auf jeden Fall besser, als zu meinen Jugendzeiten (haben Engländer per se Mundhöhlenkrebs?)…
„Bon dia“ sagt man bis mittags. Und „ola“ heißt „Hallo“. „Obrigado“ wird eigentlich immer gesagt und heißt „Danke“.

Die Inselaffen verhalten sich hier übrigens nicht so, wie sie es meinen Vorurteilen nach machen würden. Selbst Engländer können im Urlaub relativ friedlich und ruhig sein! Vielleicht liegt das an der besonderen Luft oder Atmosphäre hier, vielleicht treiben sich die Krawallmacher und Badelakenreservierer auch nur in anderen Ecken rum. Auf jeden Fall ist es so angenehm.

Portugal. Eusebio und der geniale Figo. N bisschen Ronaldo. Ich mag den portugiesischen Fußball, finde ihn geil. Und gleich startet der VfL Bochum in die Zweitliga-Saison und ich habe den Live-Ticker angestellt.
Und werde wahrscheinlich enttäuscht werden, wie so oft in den letzten Jahren…

Hier in der Algarve (an der Algarve?) hat R.P.S. Lanrue sein Exil gefunden. Ich würde ihn ja liebend gerne treffen, bin aber dann doch nicht so sehr Fan oder Stalker. Außerdem: Ich kenne ihn ja gar nicht. Kenne und schätze nur sein grandioses Gitarrenspiel bei den Scherben und den Soloplatten von Rio Reiser.

Ich renne durch unser Appartement. Aus dem Internetradio Günther Pohl auf Ruhrwelle Bochum, auf dem Bildschirm der VfL-Ticker.
Dresden führt 1:0. Es geht schon wieder los. Warum um alles in der Welt bin ich nur Bochum-Fan geworden?
Egal. Ich kann es mir nicht aussuchen. Als Fan kann man nicht konvertieren. Dabei wäre ich jetzt gerne Pauli-Fan (mein Zweitverein), wäre sogar gerne Fan von Rot Weiß Essen, obwohl die nur in der vierten Liga spielen. Aber nein: VfL Bochum.
Soviel zu meinem Loser-Image…

Portugal und Kultur. Eigentlich habe ich da keine Ahnung.
Natürlich mag ich Saramago, finde „Die Stadt der Blinden“ ein Meisterwerk. Sonst kenne ich keine portugiesische Literatur.
Musik? Fago ist nicht mein Ding. Ich kenne keine portugiesischen Musiker oder Bands, halt: „Moonspell“ kommen doch aus Portugal, oder?
Mit Malerei habe ich eh wenig zu tun.
Aber ich bin mir sicher, dass die Kultur bei diesen tollen Menschen und in diesem wunderbaren Land eine große Rolle spielt.
Wahrscheinlich bin ich da bisher nur an meiner deutschen Überheblichkeit gescheitert.

1:1! Leon Goretzka!!! Unser siebzehnjähriger Hoffnungsträger mit seinem ersten Tor in seinem ersten Ligaspiel! Geil!
2:1! Freier!!!
Abpfiff!!!
Der VfL hat wahrhaftig sein erstes Spiel gewonnen. Und hier in Lagos scheint die Sonne und ich gehe jetzt zu meiner Frau an den Pool…

Donnerstag, 2. August 2012

Algarve3: Titten, Ärsche, Tattoos und so



Strand!
So was gehört einfach zu einem Sommer- Badeurlaub.
Die Strände in Lagos sind von bezaubernder Schönheit. Buchten mit Felsformationen und ein glasklarer Atlantik (der allerdings etwas kühl ist). Sehr entspannte und friedliche Atmosphäre, nicht zu überlaufen und das Wetter spielt voll mit.
Und nah bei den Felsen finde ich sogar Schatten für mich (da ich ja gesundheitlich nicht zu lange in der Sonne braten darf).
Einfach geil das Ganze!
Apropos geil: Titten, Ärsche und Tattoos.
Sonnengebräunte Körper, aber lange nicht mehr so verbrannte Menschen, wie noch überall vor 20 Jahren und heutzutage  am Ballermann zu sehen waren und sind.
Ich bin ja cool: statt Tattoos trage ich meine Narben und meinen entstellten Spargeltarzankörper zur Schau. Das hat auch was, obwohl ich manchmal schon die gestylten Männerkörper beneide.
Und die Mädels: Sorry, ich werde alt. Ich stelle fest, dass mich ein schöner Bikini mehr erregt, als Frauen, die in einem knappen Tanga und ohne Oberteil ihren Körper zur Schau stellen. Mich reizt die Vorstellung der weißen Stellen unter dem Bikini, mich reizt das Verborgene.
Und das Frischfleisch der jungen Frauen hat seine Reize, macht mich aber nicht mehr übermäßig an. Hatte ich alles schon, brauche ich nicht mehr.
Jetzt habe ich meine Frau. Und die liegt neben mir und macht mich wirklich an. Da scheiße ich auf die vergängliche Schönheit der Zwanziger. Claudias Schönheit ist unvergänglich!

Grillenzirpen! Möwenschreie! Wind!
Ach!

Ich glaube die Vegetation nennt man Mediterran. Keine Ahnung.
Mir gefallen die Palmen und die Zypressen und all das Grünzeugs.
Mir gefallen die sandfarbenen Häuser, oft in Rottönen getüncht. Mir gefallen die weißen Pflasterungen. Mir gefällt total viel…

Mir gefallen sogar die zwei Bauruinen. Riesige Komplexe (Hotels?), nie fertig gestellt und jetzt stehen die da als Denkmäler (für mich) und symbolisieren den Verfall des Euros und die Verarschung der Portugiesen durch Spekulantentum und Bankenwesen.
Das passt schon: zu schön wäre wirklichkeitsfremd.

Die Altstadt von Lagos erkunden wir am Abend.
Es ist rummelig. Touristisch.
Wenig Hippies und Freaks, keine Punker. Schade.
Trotzdem: neben Rentnern laufen Menschen jedes Alters, auch Jugendliche, viele Vierziger und irgendwie passt das schon.
Kein Geldadel aber auch kein Billigtourismus.
Fuck it: schließlich sind wir doch genau die gleiche Mischpoke und machen einfach Urlaub!
Die Röcke der Frauen sind kurz. Die Hotpants sind hot. Ich mag das. Ich gucke.
Claudia wird eifersüchtig, dabei ist sie doch die schönste von allen!

Natürlich auch Nepp.
Die Tapas-Bar ist einfach nur Mist und (soweit wir das einschätzen können) teuer. In einem Ramschladen entdecken wir Nippes, der bei Zeeman oder in einer x-beliebigen Ramschkette auch zu kriegen ist. Für den halben Preis. Ich bin angenervt. Egal: es gibt genug Leute, die für so einen Scheiß ihr Geld ausgeben und ich gehöre nicht dazu, außerdem habe ich Urlaub!
Die Straßenmusiker und Künstler sind auch nicht der Bringer, aber mir geht das am Arsch vorbei.
Ich glaube, ich fange an das Klima zu genießen und in Urlaubsfeeling einzutauchen.

Die Seele baumeln lassen ist Quatsch.
Die Seele lasse ich nie baumeln, sie macht mein Menschsein aus.
Ich lasse mein Hirn baumeln. Und das ist wunderbar!
Während ich dies hier tippe schläft Claudia. Und sie hat es nötig. Ich bin seit drei Tagen ohne Nachrichten und genieße das. Scheiß auf den Wahnsinn der Welt! Scheiß auf den Dreck und den Mist der Politik!
Wir haben eine Auszeit und wir brauchen die auch absolut.

Ich habe momentan nix zu sagen bzw. zu schreiben und schreibe dies hier nur, weil ich ohne die Schreiberei eh nicht kann.

Und vielleicht mache ich meine Leser auch n bisschen neidisch. Das wäre okay. Nur so lange, wie sie es mir auch gönnen. Und zehn Tage sind verdammt schnell vorbei.



Mittwoch, 1. August 2012

Algarve 2



Kein Internetzugang. Und das mir!
Na ja, ich denke, morgen kriege ich das in den Griff, heute muss ich halt noch etwas genervt sein und ohne Netz schreiben.

Wir sind angekommen!
Villas Dinis, Largos, Algarve, Portugal.
Der Urlaub geht los.

Die Anreise war Horror und passte in das momentane Schema, wo schief gehen wird, was schief gehen kann.
Es ist völlig okay, dass das mein erster Flug war, aber gerade dann finde ich es Scheiße, wenn es für den Piloten scheinbar genauso war!
Ansagen auf Portugiesisch verstehe ich nicht. Peinlich, wenn selbst mein Englisch besser als das des Piloten ist. Und eine deutsche Bandansage vor Flugbeginn, die sich für das Vertrauen bedankt, einen schönen Urlaub wünscht und sagt „Wir hoffen, Sie hatten einen guten Flug und empfehlen uns weiter“ fand ich dann doch unpassend.
Egal. Ebenso egal wie die Landung, die schlimmer als jede Achterbahnfahrt war. Hartes und zweimaliges Aufsetzen, eine Vollbremsung und Angstschreie der Passagiere sind nicht normal, sagte mir zumindest Claudia, für mich war es ja der erste Flug – also, was weiß ich!
Für mich war die Landung sowieso aus einem anderen Grund der völlige Horror:
mein Hals und mein Kopf fühlten sich an, als würden sie auseinanderplatzen. Mein Tinnitus war vom allerfeinsten und der Druck kaum auszuhalten. Ich war ja vorgewarnt: die Entfernung der Halslymphknoten erschwert eine Flugreise. Trotzdem habe ich sie überlebt.
Und abgestürzt ist das Ding ja auch nicht…
Auch das Umsteigen in Lissabon gestaltete sich schwierig, aber das speichere ich jetzt mal unter „Dumm gelaufen“ ab. Natürlich ist bei unserem Flug ein Passagier unauffindbar. Natürlich haben wir Idioten neben uns. Egal.
Zur Krönung haben wir bei unserem Transfer vom Flughafen zum Hotel noch eine Familie dabei, denen ein Koffer abhandengekommen war. Kann passieren. Aber warum immer uns – Göttin! – was für Prüfungen hast du noch?!
Immerhin: nach über acht Stunden kamen wir dann an.

Und die Anlage hier ist fantastisch!
Die Mitarbeiter und der Service sind unbeschreiblich nett und fürsorglich, leider kam es zu Kommunikationsstörungen und da das Personal mich und Claudia für krank halten, bekamen wir erst am zweiten Tag ein Studio mit Küche (sie wollten uns unbedingt im Erdgeschoss und ohne Treppen unterbringen – dabei geht der Weg zum Strand extrem stufig bergab). Dafür aber das größte ebenerdige Appartement der Anlage!
So.

Und jetzt sind wir da und der Urlaub beginnt.
Sonne, Wärme, Wind, Atlantik.
Die Menschen hier sind freundlich. Superfreundlich. Die können sogar mit Engländern umgehen!

Wir gehen zum Strand. Eine Bucht, zu der eine Treppe mit 160 Stufen führt, die dann aber mit schönem Sand, Felsenwänden und dem klaren Atlantik entschädigt.
Sonnenbraten ist bei mir nur eingeschränkt möglich. Das Wasser ist mir heute noch zu kalt. Aber wir sind da.

Und mehr dazu ab morgen…