Es tut weh, wenn ein geliebtes Lebewesen geht.
Maya ist jetzt hinterm Regenbogen.
Sie hat ihre Menschen verlassen.
Als endgültig klar war, dass ich nicht mehr arbeiten konnte,
beschloss ich, mir einen Lebenstraum zu erfüllen und mir einen Hund zur Seite
zu stellen.
Ich dachte an einen alten Hund aus dem Tierheim, dem ich
sein Gnadenbrot und eine gute letzte Lebensphase geben würde. Ein ruhiges Tier,
das nicht so anstrengend wäre.
Also fuhr ich mit Claudia (wir waren gerade zusammengekommen)
zum Tierheim nach Castrop-Rauxel.
Die alte Hündin, die ich mir im Internet angeguckt hatte,
war völlig verängstigt. Auch bei langsamer Kontaktaufnahme spürte ich, dass wir
nicht warm miteinander wurden. Traurig sagte ich, dass dieser Hund doch nicht
in Frage käme und wollte wieder nach Hause fahren.
Claudia überredete mich, doch noch mal kurz zu gucken und da
kam schon eine große Hündin an den Zaun gerannt und beschnupperte uns.
Sie ließen uns auf den Hof und die Hündin kam sofort auf
mich zu gerannt und sprang mich beinahe um. Mein erster Kontakt mit Maya:
Und sie hatte sich ihren Menschen ausgesucht und mich
eigentlich sofort überzeugt.
Mir wurde abgeraten und ich wurde gewarnt: Maya wäre ein
kaum zu bändigender Wildfang. Sie sei zwar lieb, aber gegenüber anderen Hunden
sozialunverträglich, außerdem hätte sie eine ganze Wohnung auseinandergenommen,
als man sie unbeaufsichtigt gelassen hatte. Und in der letzten Pflegefamilie
den Kanarienvogel geköpft.
Ihre Biografie war nicht klar: Straßenhund in Rumänien oder Polen, dann trächtig nach Deutschland gekommen. Ihre Welpen fanden Abnehmer, sie landete im Tierheim. Ungefähr sechs Jahre alt sollte sie gewesen sein.
Ihre Biografie war nicht klar: Straßenhund in Rumänien oder Polen, dann trächtig nach Deutschland gekommen. Ihre Welpen fanden Abnehmer, sie landete im Tierheim. Ungefähr sechs Jahre alt sollte sie gewesen sein.
Claudia und ich gingen mit ihr spazieren. In Begleitung von
Tierheimpersonal, nahmen sie zur Probe an einem Wochenende zu uns.
Und behielten sie.
Ich war vorsichtig, aber der Kontakt zu anderen Hunden
gestaltete sich relativ unproblematisch.
Ich war vorsichtig, aber wenn ich sie allein ließ, dann
jaulte sie anfangs, aber machte nichts kaputt. Außer: Alles Essbare und der
Mülleimer – das musste schon in Sicherheit gebracht werden.
Ich war vorsichtig und ließ sie in den ersten Wochen nicht
von der Leine, besorgte mir eine längere Schnappleine und gewöhnte sie an die
Umgebung und an mich.
Es funktionierte.
Eigentlich sollte sie nicht auf das Sofa. Es funktionierte
nicht, wir kapitulierten und sie hatte ihren Platz gefunden. Neben Claudia.
Allabendlich zur Streichelrunde.
Claudia und ich trennten uns kurzfristig. Maya war auf mich
fixiert. Und gab mir die Liebe, die ich brauchte.
Meine persönliche Therapiehündin sorgte dafür, dass ich vor
die Tür ging und täglich drei Stunden draußen war und einen halbwegs geregelten
Zeitablauf hatte.
Ich war (bin) krebskrank. Ich hätte mich sonst nur zum
Einkauf nach draußen bewegt.
Maya und ich wurden unzertrennlich.
Unzertrennlich stimmt. Es sei denn, sie wurde von ihren
Freiheitsdrang und ihren Jagdtrieb übermannt:
Sobald sie ein Kaninchen sah, rannte sie los. Und hörte
überhaupt nicht mehr. Und war dann weg.
Und ich stand am Weg und war sauer und wusste nicht weiter.
Das passierte schon öfters, aber die Alternative wäre gewesen, sie niemals von
der Leine zu lassen.
Ich stand da und hatte Angst um sie.
Sie kam zurück. Aber erst nach über einer Stunde. Horror!
Also wieder Leinenzwang (bis ich dass dann wieder probierte,
es meistens gut ging und sie plötzlich wieder weg war…).
Claudia und ich kamen wieder zusammen, Claudia zog bei uns
ein.
So ein Umzug ist ja immer Stress, auch für eine Hundedame.
Als ein Regal umkippte, rannte sie planlos weg und alle
Umzugshelfer hinterher. Nach einer Stunde fanden wir sie. An der Wursttheke im
Supermarkt.
Das ist eine ihrer Legenden…
Maya fraß alles. Wirklich alles. Und war immer auf
Leckerchen scharf, bettelte also auch schamlos. Wir konnten es ihr bis zum
Schluss nur bedingt austreiben.
Aber wie soll ein Hund auch reagieren, wenn er sechs Jahre auf der Straße gelebt hatte?!
Aber wie soll ein Hund auch reagieren, wenn er sechs Jahre auf der Straße gelebt hatte?!
Maya liebte uns beide, war aber auf mich fixiert.
Claudia arbeitete eben und ich war der Futtergeber und Gassi-Gänger.
Claudia arbeitete eben und ich war der Futtergeber und Gassi-Gänger.
Normal.
Als Claudia krank und später arbeitslos wurde verlagerte
sich das etwas.
Maya wusste, dass sie uns beide hat.
Es war nicht alles Gold.
Maya fraß wie erwähnt alles, auch Scheiße und das war schon
eklig. Außerdem konnte es vorkommen, dass sie ihr Geschäft auf dem Pflaster
erledigte. Peinlich!
Wir konnten es ihr bis zum Schluss nur bedingt austreiben.
Straßenhund. Mit den Manieren der Straße. Die meisten liebte
ich und hatte auch keinerlei Interesse an einen Hund, der Kadavergehorsam
beherrschte. Es war okay, dass Maya ihren eigenen Kopf hatte.
Der Futterneid (den man uns leider nicht als Warnung mit auf
dem Weg gegeben hatte…) versaute allerdings den Kontakt mit Janosch, dem
Nachbarhund, da Maya da wirklich aggressiv reagierte und sie so ihre einzige wilde
Rauferei und Janosch verständlicherweise dann keinen Bock mehr auf Maya hatte.
Und dann – ihre Haare!
Maya haarte wie Sau. (Haaren Säue? Auf jeden Fall ne nette
Formulierung…) Wir konnten sie täglich bürsten und auskämmen, es wurde einfach
nicht weniger.
Und ihre Haare waren klein, hart und beinahe wie ein
Widerhaken. Sie lösten Juckreiz und Allergien aus.
Wir nahmen es in Kauf, schließlich war sie trotzdem
wunderschön und hatte tiefe strahlende dunkelbraune Augen. In die man sich
einfach verlieben musste, wenn sie einen anschaute.
Fast alle Menschen mochten Maya. Selbst die, die an sich vor
Hunden Angst hatten. Und Maya wurde bei uns gebildet, da ich sie ab und zu auf
meinen Lesungen mitnahm.
Schließlich liebte sie Autofahren über alles. Und fühlte
sich auf dem Rücksitz unseres Kleinwagens total wohl.
Bei Claudias und meiner Hochzeit gaben wir sie für zwei Tage
in eine Tierpension. Uns brannte das Herz, aber es ging nicht anders.
Wir nahmen sie mit nach Südfrankreich, die holländische
Küste und zu vielen Ausflügen.
Für unseren Urlaub in Portugal mussten wir sie zehn Tage bei
einer lieben Freundin unterbringen.
Ansonsten war sie fast immer mit uns zusammen.
4 wunderschöne Jahre unsere Kleinfamilie: Hündin, Frau,
Mann. Die Reihenfolge ist beliebig, obwohl Maya wirklich oft die Nummer Eins
war.
Mittendrin dann eine Tumorentfernung an der Milchleiste bei
unserer geliebten Hündin, die Claudia und mich beinahe mehr mitnahm als unserem
Stehaufhündchen.
Das fünfte Jahr begann dann mit unserem Umzug nach Essen und
meiner Reha. Ich war von Claudia und Maya zum ersten Mal getrennt. Und
vermisste beide höllisch.
Und sie mich auch. Die Hündin war dann bei Claudia doch
etwas zickig, fast so, als wäre sie beleidigt, dass Claudia mich abgegeben
hatte.
Und als ich nach der Reha dann ins Krankenhaus musste wurde
die Hündin manchmal beinahe zu viel für Claudia.
Aber alles wurde wieder gut. Und Maya und Claudia waren ein
Herz und eine Seele. Und Maya und ich vermissten Claudia während ihrer Reha und
das Leben ging danach dann doch irgendwie weiter.
Wir waren öfters krank. Maya nicht. Maya war Medizin.
Und wurde alt.
Langsamer, noch anhänglicher, noch lieber.
Wir kapitulierten und bauten ihr Hundebett trotz ihrer Haare
im Schlafzimmer auf, da sie eh jede Nacht öfters die Tür öffnete und ins
Schlafzimmer kam, um nach uns zu schauen.
Kaninchen interessierten sie nicht mehr so, manchmal schlich
sie bei den Spaziergängen hinter uns her.
Ich könnte noch einige Geschichten mit ihr erzählen, aber
irgendwie klappt das hier am Schreibtisch momentan nicht so gut. Sie fehlt mir,
lag sie doch oft an meinen Füßen und stupste mich zwischendurch an, um ihre
Streicheleinheiten zu bekommen.
Einzelheiten der letzten Tage verkneife ich mir jetzt.
Wir gingen durch die Hölle.
Maya ging durch die Hölle.
Brach mit den Hinterbeinen ein, war desorientiert, umrundete
die Wohnung, fand keine Ruhe, erkannte uns kaum noch und hatte sichtbar wahnsinnige
Schmerzen.
Wahrscheinlich ein Tumor, der im Hirn auf die Nerven
drückte.
Ohne Hoffnung auf Heilung.
Die Entscheidung fiel uns schwer, andererseits aber auch
sehr leicht.
So konnten wir die beste Hündin der Welt nicht leiden
lassen.
Sie schlief dann leicht und friedlich ein.
Freitag werden wir sie im Garten eines Freundes beerdigen.
Mach es gut, Maya!
Und nochmal herzlichen Dank für alles!
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