Freitag, 20. September 2013

Bis Sonntag, ca. 18.00 Uhr



Bis Sonntag 18.00 Uhr ist jetzt Schicht im Schacht.
Ich sag nix mehr
und beginne meine öffentliche Schreiberei erst nach der Qual. Und politische Tätigkeit eh erst nach dem Beginn der Großen Kollapsiration.
Und zwar Außerparlamentarisch. Da wo Opposition Sinn macht.
Schönes Wochenende Euch allen,
ich werde es beim VfL Bochum, meiner Mutter und zu Hause zwischen Hund und Wolf begehen…

Dienstag, 17. September 2013

Billy The Kid Was Allright



Ich mag Arschlöcher
- bis zu einem gewissen Grad
Schließlich bin ich manchmal selber eines
also völlig okay
Nur:
Bei zu viel Arschloch werde ich dann doch sauer

Ich habe nichts gegen Dummheit
Nichts Wirksames
Dummheit ist unheilbar
insofern bleibt mir nichts anderes übrig
als sie zu akzeptieren
auch wenn es weh tut

Wirklicher Hass kommt bei mir nicht mal bei Politikern auf
Zumindest nicht immer
Und ich bin sowieso nicht nachtragend
und ziemlich harmoniebedürftig
Soweit

Was ich überhaupt nicht abkann
sind Hilf-Sheriffs

Solche
die deine Mülltüten und
die Post kontrollieren
Genau darauf achten
wo du parkst
Wann du nach Hause kommst
Und ob du die Hausordnung beachtest
Sie kontrollieren deinen Lebensablauf
und den aller Nachbarn
Sie schimpfen über alle
und verteidigen ihren Besitz und ihr Revier
mit dem Messer zwischen ihrem Maul
Und sie sind scheinbar unausrottbar

Diese Hilf-Sheriffs sind Aushilfs-Hausmeister
und Freizeit-Polizisten
(by the way: Polizei als Ehrenamt gibt es wahrhaftig noch
in ein paar Bundesländern! Das muss man sich mal vorstellen!)
Vielleicht wären sie auch bei der Freiwilligen Feuerwehr
aber da könnte es Ernst werden,
deshalb sind sie da nicht zu finden
Hilf-Sheriffs sind das Material
aus dem sich Diktaturen nähren
Sie sind die geborenen Untertanen und Denunzianten
bilden sich aus einer unerträglichen Masse
an Arschloch, Dummheit und Boshaftigkeit

und du findest sie in jeder Mietshaussiedlung

Ich möchte sie ignorieren
mit Missachtung bestrafen
oder einfach nur auslachen
aber so ganz schaffe ich das nicht

Ich möchte sie mit Hirn beschenken
und mit Liebe übergießen
Einfach den Weg zu ihren Gefühlen frei brennen
aber
daran scheitere ich schon im Ansatz

Ich möchte sie gar nicht ausrotten
(solche Formulierungen sind andererseits besetzt)
Ich möchte einfach eine Welt
in der ihre Existenz ein No Go wäre
Und ich würde gerne die Menschen
hinter ihrem Hilfssheriffsdasein sehen
No Chance

Andererseits könnten sie mir ja auch egal sein
aber sie lassen mich nicht in Ruhe
Zerstören meinen Glauben an die Menschheit
und das nervt
Und ich will meinen Müll einfach nicht verdecken
und mein Leben so leben
wie ich es will und kann
Ohne Hilfs-Sheriffs

Ich glaube
ich verstehe Billy The Kid
Ich habe ähnliche Gelüste






Massig neue Musik zum Herbstanfang:



Break.

Herbstanfang. Kalt. Ein toter Dienstag.

Das Internet ist eine feine Sache. Schon vor dem Erscheinungstermin kann man sich die meisten CD-Produktionen anhören und dann entscheiden, ob man das wirklich haben will.

Zum Beispiel heute:
- Die neue Jack Johnson verliert. Glatt produziert, weich gespült. Wirkt überhaupt nicht mehr.
- Mark Lanegan enttäuscht da sogar noch mehr. Scheißenglatt. Geht gar nicht. Dabei ist die Stimme und der Typ ansonsten immer ganz weit vorne bei mir…
- Die neue Kings of Leon ist natürlich ein Muss für mich. Und geht sofort gut nach vorn. Massig Gitarren. Treibender Bass und rhythmisches Schlagzeug. Knarziger Gesang. Schöne Melodien. Braucht es mehr?
Die Scheibe gefällt, auch wenn es nicht unbedingt ein Meisterwerk ist.
- Metallica haben eine Live-Aufnahme auf den Markt geschmissen. Meine Lieblingssongs sind alle drauf. Also? Ich lasse sie beim Staubsaugen laufen. „One“, „Nothing Else Matters“ und „Enter Sandman“ hauen mich um: die Energie dieser Songs gewinnt auf der Live-Aufnahme. Und die Gitarrenwichserei hält sich zum Glück in Grenzen. Damit haben mich Metallica nämlich oft genervt.
Im Moment habe ich sogar das Gefühl, dass diese Live-Aufnahme mein Herbstfavorit werden könnte. Göttin! Ausgerechnet Metallica!
Ist das ein Zeichen von wachsender Demenz?
- Sting hat eine neue CD. Ich bin skeptisch. Ich bin mit den ersten Police-Alben aufgewachsen, fand Stings ersten Solo-Sachen klasse. Und konnte ihn dann irgendwann nicht mehr hören. Und jetzt ein neues Album des mittlerweile alten Sängers, der nicht mehr rockt. Aber das dritte Stück lässt mich schon aufhören - jazzig, swingend, gar nicht so schlecht. Viele Seemannslieder, viele Balladen, alles sehr langsam. Aber ich denke, es könnte funktionieren. Tut es aber im Moment bei mir nicht. Übrigens genau wie die neue Elton John. Die ist ziemlich stark auf sein Klavier fokussiert und das ist schon klasse. Aber eben nicht im Moment…
- Rise Against haben wohl auch ein „neues“ Album. Ne Raritätensammlung. Wäre beinahe an mir vorbei gegangen. Ich bin kein großer Fan der Band, aber ich muss gestehen, dieses Album macht Spaß.

Dazu kommt dann noch die neue Elvis Costello (geil!), die neue William Grant Conspiracy (schön!), noch ne Ärzte-Live-Aufnahme (umfangreich, spaßig!) und die fantastische neue Scheibe von Placebo.
Und in einer Woche die neue New Model Army: Between Dog And Wolf.

Eigentlich viel zu viel Musik.
Ein Gefühl der Übersättigung droht.
Früher war mehr Lametta: Ich musste erst zum Plattenladen, hörte da vielleicht kurz rein und musste mich dann für ein, höchstens zwei Scheiben entscheiden, da ich nicht genug Kohle hatte. Zuhause konnte ich es dann nicht erwarten, die Sachen auszupacken und anzuhören. Heute klicke ich mich durch das Internet, entscheide mich dann und klicke auf den nächsten Link, bis ich dann irgendwann die CD in der Post habe. Bis dahin habe ich sie mit Sicherheit schon oft gehört, so dass das CD-Erlebnis kaum noch wirkt.
Jammern auf höchstem Niveau, ich weiß. Anstatt die heutigen Möglichkeiten zu genießen.
Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Musik durch die Übersättigung an Stellenwert bei mir verliert. Und das wäre eine Katastrophe!

Ach ja. Mit obiger Musikbeschreibung habe ich dann auch beinahe den heutigen Tag beschrieben.
Haushalt, Essen, Hundegänge und das gemeinsame Leben mit Claudia, die mich Musik hören lässt und sich in Bügeln und Telefonate  flüchtet.
Neue Musik höre ich am liebsten laut und erst mal alleine. Eben intensiv.

Dazu kommen dann momentan noch (ur-)alte Aufnahmen meiner damaligen Band.
Mein Freund und Mitstreiter Thomas brachte mir am Wochenende Aufnahmen aus dem Archiv. Und ich höre und staune:
Wir waren nicht schlecht!
Wirklich nicht!
Der Sound ist zwar scheiße, aber wir hatten verdammt Potential und die Songs waren stimmig, gingen ab, hatten Feeling. Ich verlinke mal ein Beispiel, dass ich gleich auf YouTube hochlade:

http://www.youtube.com/watch?v=gQRW0g8FeBk&feature=share

Okay.
Auf meinem fünfzigsten Geburtstag spielen wir noch mal. Ich habe sogar einen Ersatzsänger für mich gefunden.
Ich singe nur noch im Herzen.
Aber da bin ich umso lauter…



Meine Fellweste (don’t panic: Kunstfell) hat heute ihren ersten Herbsteinsatz. Ich friere. Und werde auch meine dicken Wollsocken wieder auspacken.
Schal, Handschuhe und Mützen müssen noch etwas warten. Obwohl: lieber scheiße aussehen, als sich scheiße fühlen.
Und ich habe halt nicht viel zuzusetzen.
Meine Atemwege, soweit man überhaupt noch davon sprechen kann, sind völlig verschleimt. Abhusten und ausrotzen funktioniert nicht. Das wird mich wahrscheinlich bis zum Frühling begleiten. Egal. Scheiß drauf.

Noch weigere ich mich, die Heizung aufzudrehen. Kerzen spenden Wärme. Und Licht: schon um halb acht Abends wird es dunkel – Herbst eben.



Sonntag wird gewählt.
Dann ist endlich der ganze Scheiß davor vorbei.
Und unsere Auswanderungspläne wahrscheinlich wieder einen Schritt wahrscheinlicher (obwohl sie unwahrscheinlich bleiben…).
Kein weiterer Kommentar dazu.


Irgendwie fließt es nicht so richtig aus meinen Fingern.
Es gibt schließlich auch ein Leben neben dem Schreibtisch. Und das hat mich im Griff.
Wünsche, Träume, Zukunft.
Gegenwart.
Alltagssorgen und Liebe.
All das.

Mir reicht es für heute…

Freitag, 13. September 2013

Steinbrücks Mittelfinger



Bin ich sauer, ist es mir egal oder werde ich berühmt?

Peer Steinbrück hat in einem Interview, in dem er nur mit Gesten antworten sollte, eindeutig mich zitiert.
Finde ich okay, aber er hätte durchaus die Quelle angeben können:



Wir hatten damals lange überlegt, ob wir so ein heftiges Cover für den Gedichtband wählen.
Dann entschieden wir uns mutig zu sein: schließlich sagt dieses Bild verdammt viel über den Inhalt aus.
Und über mich:
Der Mittelfinger war schon immer eine meine Lieblingsgesten. Und der Krebs hatte ihn verdient und meine Antwort besiegte ihn.
Hier ist das Originalbild:



Meine OP lag ca. ein Jahr hinter mir. Ich hatte keine Zähne und mein Oberkiefer befand sich noch im Aufbau.
Und ich machte meine erste Lesung nach der OP. In Darmstadt in der Oettinger Villa.
Und es war klasse und der erste Schritt zurück ins Leben und ein weiterer Schritt, mich zu der Schreiberei zu bekennen und mich darauf zu konzentrieren.

Die Geste des Mittelfingers gehört mir, nicht Steinbrück.
Andererseits steht sie ihm ganz gut und ist eine angemessene Antwort auf die Frage der SZ. Schon okay.
Trotzdem werde ich ihn nicht wählen.

Sauer bin ich aber auf die überzogene und unangemessene Kritik an Peer:
- Einem Kanzlerkandidat nicht angemessen? Wenn ich das darf, darf das auch ein Kanzlerkandidat.
Witz und Power gibt es in der Politik viel zu selten.
Und verdammt nochmal: was ist am Mittelfinger unseriös?!
Ich finde, der Mittelfinger von Steinbrück ist die konkreteste Wahlkampfaussage aller Politiker bisher. Der Rest ist hohles BlaBla.

„Mein Mittelfinger dem Krebs“ könnt ihr übrigens bei mir bestellen. Kostet 8,95€ + 1,45€ Porto, Mail mit Adresse und Bestellung an: hermann.borgerding@gmail.com.
Ich wäre ja bescheuert, wenn ich diese Werbechance nicht nutzen würde…

Donnerstag, 12. September 2013

Stehaufmännchen



Steh auf, Stehaufmännchen!
Du hast schon ganz andere Sachen überstanden
und Elvis Costello liefert dir den Soundtrack
zum goldenen Herbst
Zusammen mit den Roots zieht Reggae und Dub
durch die fallenden Blätter und diesmal
gefällt dir das ausgesprochen gut

Steh auf, Stehaufmännchen!
Kontozahlen sind fast immer rot
wie die Liebe
auch wenn du genau weißt
dass das nun wirklich in keinerlei Zusammenhang steht

Steh auf, Stehaufmännchen!
Schmeiß die neue Mark Lannegan in den Müll
erfreue dich an Placebo
und all die angekündigten Neuerscheinungen im Herbst
die du dir eigentlich nicht leisten kannst
Molko singt „Rob the Bank“
und wenn du dich trauen würdest
wäre es jetzt an der Zeit das wirklich zu tun

Steh auf, Stehaufmännchen!
Deine Temperaturfühligkeit
lässt dich die langen Unterhosen nach oben holen
noch zierst du dich
Während deine Frau Pflaumen pflückt und einkocht
und:
das hat was von Ernte und du hast den Geruch und das Gefühl
von „Früher war doch einiges besser“
und genießt einfach nur

Steh auf, Stehaufmännchen
(Mir gefällt diese Zeile, könnte auch n geiler Song werden)
auch als alter Mann kann man noch Gipfel erklimmen
und Höhepunkte erreichen
Auch wenn es schwerer fällt
und seltener der Fall sein wird
Nimm dir ein Beispiel an Leonard Cohen, Udo Lindenberg
oder an Keith Richards
(obwohl – an letztgenannten vielleicht dann doch nicht
Du willst ja nicht als Rock’n’Roll Mumie enden)

Steh auf, Stehaufmännchen!
Reduziere ruhig mal wieder die Zigaretten
und koche dir einen frischen Minze-Tee
aus den Kräutern auf deiner Küchenbank
Ignoriere die Tagesschau und Zeitungen
auch die Wahlfarce und den Krampf davor
wirst du wieder vergessen können
Schließlich hast du 16 Jahre Kohl
und geistig moralische Wende
und sogar den Schröder überlebt
Merkel und Co. können dich nicht schocken
und die Banken und Versicherungen und Ämter
haben keine Gesichter

Steh auf, Stehaufmännchen!
Die Musik lässt dich mal wieder tanzen
und nach dem Hundegang ein kleiner Schluck Wein
Dann kommt deine Frau aus dem Bad
du machst dich frisch
und ihr geht schlafen
und du grinst
und stehst