Donnerstag, 20. November 2014

Wir Dichter






Vielleicht verpacken wir Dichter
auch nur in schöne Worte
dass
wir nichts zu sagen haben

Persönliche Nabelschau
Exhibitionismus
auf angeblich hohem Niveau
dabei sind wir meist nur arme Würste
ohne Wirkung

Unsere vermeintliche Verlierermentalität
ist allerdings
Anzeichen von guter Wahrnehmung und Analyse
unsere Misanthropie
Ergebnis einer konsequenten Analyse
der Menschen
denen wir begegnen mussten

Hier bestimmen Ausnahmen die Regel
wie immer

Wir Dichter
(nein, ich finde es nicht vermessen, wenn ich mich dazu zähle.
 Seitdem ich den letzten Gedichtband von Günther Grass gelesen habe
 halte ich mich sogar für einen der besseren Dichter in diesem Land)
können natürlich auch
Liebes- und Naturgedichte
aber
unsere Niederlagen sind spannender
aufbauender und optimistischer:
Schließlich ziehen wir immer noch Kraft daraus
Therapieren uns mit dem Geschreibsel
stehen immer wieder auf
und machen einfach weiter

Wir sind die wahren Helden
auch wenn wir nichts zu sagen haben
tuen wir es trotzdem
und solange es immer noch Menschen gibt
die unseren Kram lesen
haben wir sogar eine Daseinsberechtigung

Scheiß der Hund drauf
dass wir nie ausreichend gewürdigt
oder gar bezahlt werden

Wir können eh nicht anders

Mittwoch, 19. November 2014

Die besten Momente






Vielleicht waren die besten Momente
die mit der Band auf der Bühne
Wenn es zwischen uns funkte
und wir Gas gaben
und spürten
dass die Leute mitgingen
Mann
Das war geil!

Vielleicht waren die besten Momente
Lesungen
an denen die Zuhörer an meinen Lippen hingen
mich verstehen wollten
und wirklich dabei waren
Zusammen mit Jerk, Kersten, Marcus, Ron oder Arnd
gaben wir dem Publikum alles
Und überzeugten
Und tankten Kraft
zum weiterschreiben

Vielleicht waren die besten Momente
meine Ficks
aber über die schreibe ich nicht
Ich lasse die Hosen auch so schon
viel zu weit runter

Vielleicht waren die besten Momente
meine Räusche
an die erinnere ich mich nur bedingt

Der beste Moment war aber definitiv
das Ja-Wort im Standesamt
und der gesamte Tag der Hochzeit
und das wird bleiben
Das kann nicht getoppt werden

Dieser Tag
war ein Ja zum Leben
ein Ja zur Liebe
ein Ja zur Familie
und eine Verpflichtung
die ich bis heute nicht bereut habe
Und die Feier war grandios

Eigentlich sind die besten Momente
das Aufwachen am Morgen
und das jeden Tag
Und wir stöhnen
und umarmen oder streicheln uns
und sagen „Guten Morgen“ und meinen
„Es ist schön, dass es dich gibt“
und gehen den Tag irgendwie gemeinsam an
und dies ist immer noch
und wird immer bleiben
und ist wunderschön

Und eigentlich haben wir die besten Momente
noch immer vor uns
Solange wir leben

Let’s go!

Freitag, 14. November 2014

Ich versuche mich am Horror-Genre:



Die Stille

Wo fängt das Gruseln an? Wo der Horror?
Wie kann ich es beschreiben, dass es nachvollziehbar wird, im Idealfall sogar mitfühlbar?
Es sind ja nicht das spritzende Blut, der Bohrer, der in den Kopf eindringt, die abgetrennten Genitalien oder die unpassend in alle möglichen Körperöffnungen gestoßenen Folterwerkzeuge. All das ist Kinderkram.
Es ist die Gänsehaut. Ist das Frösteln, das Unwohlsein. Und die Angst, vor allem die Angst vor dem Unbestimmten und Unfassbaren.
Wie teile ich Euch das mit?

Als ich ungefähr fünf Jahre alt war wurde ein altes Krankenhaus bei uns geschlossen und das Gebäude später dann abgerissen.
Wir Kinder hatten das Glück, in der Ruine Mutproben durchzuführen. Natürlich strengstens verboten aber gerade deshalb spannend.
Die gruseligste Mutprobe war die Leichenhalle der Ruine:
Dort alleine reinzugehen und ein, zwei Minuten drin zu bleiben war der reinste Horror. Ich hatte das Gefühl, irgendwelche Geister würden mich berühren und der Geruch von scharfen Desinfektionsmitteln verursacht mir noch heute Beklemmungen.
Später als erwachsener Mensch sollte ich noch oft Leichenhallen betreten. Als Krankenpfleger muss man das. Aber es machte mir nichts aus, auch die Berührung von Leichen oder das Waschen der Verstorbenen war kein Problem.
Es war fassbar und nachvollziehbar für mich geworden.
Und ich glaube, dass es gerade das Unfassbare, Unbekannte und Unerklärbare ist, was uns Angst macht.

Ich mag Splatterfilme, finde sie lustig. Aber durch die explizite Darstellung wird da jeglicher Horror genommen. Grusel oder Horror entsteht eher durch die Atmosphäre. Ne Kamera von hinten, diffuses Licht, spannungsaufbauende Filmmusik. Und unerwartete Wendungen. Ich erinnere mich an Kill Bill, aber der Film löste keinerlei Grusel bei mir aus.
Ich erinnere mich an das Schweigen der Lämmer. Diesen Film guckte ich in einer Sonntagsmorgen-Matinee im Kino, ich war verkatert. Und nach dem Film völlig fertig und noch Tage später ziemlich geschockt.
Das ist für mich Horror.
N Beispiel aus einem anderen Bereich:
Pornos sind langweilig. Agierende Geschlechtsteile in Nahaufnahme braucht doch kein Mensch. Aber Erotikfilme, in denen die Menschen angezogen sind und der Geschlechtsakt nicht in allen Einzelheiten gezeigt wird können mich anturnen.
So in der Art…

Diese lange Vorrede erklärt vielleicht in Ansätzen den Grusel folgender Begebenheit, vielleicht auch nicht. Vielleicht kann ich es gar nicht erklären. Ich versuche es trotzdem.

Es war ein warmer Sommernachmittag und meine Frau und ich beschlossen, mit unserer Hündin einen kleinen Ausflug zu machen und mal eine andere Gegend zu erkunden.
Wir fuhren zu einer entfernten Stelle des Flusses, parkten unser Auto, schulterten den Rucksack und machten uns auf den Weg.
Claudia wollte zu einer Burgruine auf der anderen Seite des Flusses. Als Kind hatte sie dort öfters Ausflüge gemacht, war sich aber nicht sicher, ob sie den Weg noch finden würde. Mir war es egal. Mein Ziel war der Weg. Der Spaziergang mit Frau und Hündin, die enge Verbundenheit und das feste Band zwischen uns. Ich genoss erstmal nur.

Die Sonne knallte und der Himmel war hellblau, mit Schäfchenwolken durchzogen. Für den frühen Abend waren Gewitter angesagt, aber die Schwüle sollte uns erst erwischen, als wir den Fluss überquert hatten.

Manchmal ist es merkwürdig. Die friedliche und freundliche Stimmung unseres Spaziergangs schlug direkt um, als wir die Fußgängerbrücke über den Fluss überquerten.
Der Pfad entfernte sich auf der anderen Seite vom Ufer, endete an einer schmalen Straße, die an einem schmutzigen Waldrand entlang führte.
Eine Industrieruine, alte Abfälle am Straßenrand und plötzlich kein Mensch außer uns auf der Landstraße.
Claudia wurde immer unsicherer, was den Weg anging. Wir entschlossen uns, bergauf zu gehen, da Burgruinen ja eher selten in Tälern zu finden sind. Ich begann zu schwitzen.
Maya, unsere Hündin, zog immer heftiger an der Leine. Nicht weil sie spielen wollte oder irgendeine Kaninchenspur entdeckt hatte, sondern stur geradeaus auf der Straße, als wollte sie nur weg.
Die Atmosphäre wurde drückender. Unerträgliche Schwüle umhüllte uns und auch wenn keine Wolken am Himmel sichtbar wurden, es wurde düsterer. Das lag auch an dem dichter werdenden Wald, der aber eher schmutzig-grünes Laub trug und keinerlei positive Waldgefühle vermittelte.

Wir schauten uns an.
„Spürst du das auch?“
Ich nickte.

Claudia ist für Stimmungen sehr empfänglich. Auch für parapsychologische. Ich normalerweise weniger, was ich allerdings sehr gut wahrnehme, sind zwischenmenschliche Schwingungen und die Atmosphäre in sozialen Gruppen. Diesmal spürten wir beide diese feindliche Stimmung der Umgebung.
Wir konnten es nicht festmachen, aber die Bedrückung und unser ungutes Gefühl verstärkten sich zunehmend.
Wir fühlten uns verfolgt, beobachtet, belauert. Wir fühlten uns scheiße.
Auch Maya merkte etwas und sie jaulte und knurrte leise, was sie sonst selten tut.
Ihr Nackenfell war steil aufgerichtet und der Schwanz eingeklemmt.

Wir waren nicht willkommen. Eindeutig.
Die vereinzelten Häuser am Straßenrand wirkten grau, wie aus alten Ruhrpottzeiten, als die Kokereien die Farben der Hausfronten in schmutzigem Grau malten. Die Fenster waren mit vergilbten Gardinen behängt. Menschen sahen wir keine.

Wir kehrten um.
Die Schwüle der Luft war mittlerweile unerträglich. Es wehte kein Hauch. Und es war still.

„Hörst du das auch?“
„Ich höre nichts. Und seit gefühlten Stunden sind wir noch nicht mal von einem Auto überholt worden.“
„Stimmt. Es ist still. Keine Vögel. Nichts. Gespenstisch.“
„Ja.“
„Lass uns schneller gehen…“

Das taten wir.

Der Spuk endete punktgenau als wir wieder die Flussbrücke überquerten.
Plötzlich riss der Himmel wieder auf und selbst die Gewitterschwüle war plötzlich verschwunden.
Wir atmeten auf.
Entspannten uns in einem Biergarten.
Und haben diese Gegend nie wieder betreten.

Okay. Das Arrangement für eine Gruselgeschichte ist vorhanden.
Und was passiert?
Nichts.
Vielleicht lasse ich irgendwann irgendwas passieren.
Bis dahin müsst ihr euch mit einer Beschreibung des Gefühls zufrieden geben.
Ich wünsch euch angenehme Träume…


( Geschrieben für „Der lachende Totenschädel Nr.2. Erschien dort im September 2014. Herausgeber: Jörg Herbig.
Weitere Beiträge von Sebastian Brückner, Sybille Lengauer, Jerk Götterwind, Uwe Voehl, Markus K. Korb, Bettina Sternberg, Markus Hintzen, Kai, Andromedar Nebel und Jörg Herbig.
Kontakt über: „Fledermaus und der lachende Totenschädel“ oder Jörg Herbig bei Facebook.)







Montag, 10. November 2014

Was mich wahnsinnig macht, Stubenfliegen, Internetabsturz, Maulhure und n bisschen Musiklaberei



Renovierungskram.
Was mich wahnsinnig macht:
„Kannst Du mal eben?“
Nein. Kann ich nicht.
Und „mal eben“ dauert meistens länger und eigentlich bin ich schon völlig fertig…

Oder:
Ich bin gerade mit einer Tätigkeit beschäftigt, dann kommt:
„Jetzt bräuchte ich das… Kannste mal eben (s.o.)… Hermann, dann musst du noch… Und du wolltest mir doch…“
Und mir rauscht der Schädel und ich kann mich nicht entscheiden, was ich als erstes davon mache.

Oder:
„Hermann, guck mal, … , was meinste? …“
Und ich stehe gerade einbeinig auf der Leiter und hebe gefühlte 30 Kilo, die ich anschrauben will. Antworte nicht sofort und pruste oder fluche gar. Und dann:
„Mann, bist du garstig. Freust du dich denn nicht, dass wir weiterkommen? Haste mich noch lieb?“

Sowas.

Was mich noch wahnsinnig macht:
Mindestens fünfmal habe ich jetzt unsere Lampen umhängen müssen.
„Nee, die passt doch besser dahin… Kannste mal eben austauschen?“
Eben nicht mal eben.
Und über Schulerhöhe schrauben ist Folter für mich.
Und Regale:
„Mach das dann doch lieber daran, zwanzig Zentimeter nach links…“
Kein Problem.
Aber nachdem wir stundenlang überlegt hatten und uns dann festgelegt hatten sind die Löcher in der Wand.
Und es kommen neue hinzu…
Und mit meinen fünfzig Kilo bin ich nicht der Meister an der Bohrmaschine, weil ich wenig Gewicht dagegen halten kann.

Ich so:
„Das passt nicht.“
Claudia so:
„Doch. Ich will aber, dass das passt. Und das passt.“
Ich so:
„Okay. Ich messe mal… Es fehlen zwanzig Zentimeter.“
Sie so:
„Mach doch trotzdem erstmal!“

Drei Wochen nachdem wir eine Wohnzimmerwand absolut perfekt in einem wunderschönen Grau gestrichen hatten bemerkt meine Liebe, dass ihr das doch zu langweilig ist. Morgen streichen wir diese Wand lila.

Claudia malocht wie wahnsinnig. Ich auch.
Unsere körperlichen Grenzen haben wir jetzt so oft überschritten, dass wir sie einfach ignorieren.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir gar nicht weiterkommen.
Das ist falsch:
Wir nähern uns sogar beinahe dem Ende
Es wird!
Es wird schön!
Und eigentlich nervt es kaum, nur manchmal.
Meistens macht es Spaß.




Internetabsturz.
Weshalb auch immer, ich habe da zu wenig Ahnung.
Fahre den Computer runter und wieder hoch, ziehe die Frizz-Box aus der Steckdose, bleibe erfolglos.
Und bin nahe dran, zu verzweifeln.
Am zweiten Tag kapituliere ich.
Ein Techniker kommt, zieht die Frizz-Box aus dem Stecker, steckt sie wieder ein und stellt fest, dass nix läuft. So weit war ich auch schon.
Immerhin: er nimmt die Frizz-Box mit und verspricht, am Abend wieder zu kommen.
Das war vorgestern. Seitdem warte ich.

Kein Netz! Katastrophe! Was fang ich jetzt bloß mit mir an?!

Wieder einmal stelle ich mir die Frage, warum das überhaupt eine Katastrophe für mich ist und wie es geschehen konnte, dass ich mich vom Netz dermaßen abhängig machen konnte.
Aber gerade hier auf dem Land brauche ich für mich das Internet, um Außenkontakte zu halten, mich über den VfL Bochum zu informieren und meinen Kram zu regeln, bei dem ich mich eben vom Netz abhängig gemacht habe.
Außerdem genieße ich es, in meinen Arbeitspausen kurz bei Facebook reinzugucken und vielleicht irgendeinen dummen Kommentar abzugeben.

Fuck.

Mit meinem Handy habe ich hier auch keinen Netzempfang.
So fühlt es sich an, wenn man von der Welt abgeschnitten ist…

Na ja.
Solltet ihr dies hier irgendwann mal lesen, dann läuft das Ding wieder…

(Nachtrag: Acht Tage später. Ich bin wieder da…)




Stubenfliegen.
Pessimisten oder Optimisten die wir sind entfernten wir Mitte Oktober die Fliegengitter von den Fenstern. Jetzt haben wir beinahe Mitte November. Und immer noch massig Stubenfliegen in der Bude.
Landleben eben.
Es ist nicht dramatisch, aber die Viecher nerven.

Ich entwickele langsam Routine und ein gewisses Geschick mit der Fliegenklatsche.
Hermann, der Killer von Ottenstein…



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Es macht Sinn, ab und zu die Tastatur abzusaugen.
Es macht keinen Sinn, dies zu tun, wenn man gerade einen Text geöffnet hat…



Hermann der Killer:
Manche Fliegen sind einfach zu erwischen. Selbst ohne Fliegenklatsche, nur mit der Hand. Wahrscheinlich wären sie eh bald einen natürlichen Tod gestorben.
Manche sind schwer zu erwischen.
Das sind die, die sich direkt auf mich setzen, feist grinsen und bei einer Bewegung auf die Tastatur des Compis fliegen. Von dort gucken sie mich an, verharren und warten.
Ich greife zur Fliegenklatsche und sobald ich aushole fliegen sie weg.
Und grinsen mich von einem anderen Platz an. Den sie sofort verlassen, wenn ich mich mit der Klatsche nähere.
Sobald ich die Fliegenklatsche weglege setze sie sich auf meine Jeans oder schwirren um meinen Kopf. Und wenn ich sie jage, dann machen sie oft irrsinnig schnelle Fluchtbewegungen. Und gewinnen oft.
Aber ich bin hartnäckig.
Und kriege sie alle.
Irgendwann…

Irgendwann wird die Natur zuschlagen.
Jetzt haben wir ja beinahe richtiges Herbstwetter.
Und dann kommt der Winter.
Und damit keine Fliegen mehr.

Und im nächsten Frühjahr werden wir wieder Fliegengitter an die Fenster machen. Frühzeitig.



Hermann wieder im Netz.
Hermann am Schraubenzieher und Hermann an der Fliegenklatsche.

Hermann hat neue Musik im Netz gefunden:
- Pink Floyds „neue“ Platte ist belanglos und scheiße. Wie zu erwarten.
- Die Foo Fighters enttäuschen beim ersten Hören. Dafür der ganze     Hype?
- Die Einstürzenden Neubauten fesseln mit Lament.
Könnte ein weiteres Meisterwerk sein.
Muss ich unbedingt laut und in Ruhe hören.
Erstes Hören begeistert!

Hermann am Computer. Hermann an der Bierflasche.




Nein.
Es war keine Absicht, dass mein Internet gerade in der Schlussphase der Zusammenstellung der neuen MAULhURE abkackte.
Urs, Jerk und Roland machen einen geilen Job. Und ich bin zwangsweise out of order.
Aber ich glaube, dass Ding wird wieder einmal klasse.
Vielleicht gerade weil ich nicht viel (eigentlich nix) dazu beigetragen habe.