Freitag, 9. Mai 2014

Bernemann, Musik, Lesung in Darmstadt, Stellengesuch:



Dirk Bernemann: Mit Absicht schlechte Musik hören heißt mit Absicht scheiße sein:

Sorry für den scheiß Scan.
Manchmal klappt das nicht so gut, wenn ich spontan n Bild in den Blog packen will…

Dirk Bernemann hat jetzt also ein CD-Buch rausgebracht.
Der Mann kann ja super gut schreiben und seine CD lebt von den Worten, vom Rhythmus, Herz und Wut seiner genialen Texte.
Man merkt, dass er Poetry-Slam geschult ist (ich mag keinen Slam, aber Dirk nutzt seine Erfahrung für einfach guten Vortrag und deshalb gehe ich auch so gerne auf Lesungen von ihm…), man merkt, dass er das, was er vorträgt auch lebt.
Und deshalb ist diese Buch-CD auch einfach nur gut.
Musikalisch ist da natürlich massig Luft nach oben. Dirk ist kein genialer Gitarrist und auch kein guter Sänger. Es klingt eher nach einem musikalischen Versuch, ne Form von Dilettantismus.
Gerade das macht es so klasse!
Ich bin mir sicher, das Ding wird seine Fans finden (und mit der 300er Auflage schnell weg sein…). Einen Fan hat es schon mit mir!



Wo ich schon bei Musik bin.
Meine Lieblingsneuentdeckungen:

The Hold Steady – Teeth Dreams
Red City Radio – Titles
Keb Mo – Blues Americana
Ich habe momentan keinen Bock, da näher drauf einzugehen oder gar Rezensionen zu schreiben. Hört Euch den Stoff mal an, kommt gut! Wirklich!



Nur noch 16 Tage, dann werden der große und großartige Jerk Götterwind und ich in Darmstadt den Raum5 mit unseren Worten füllen.
Und das wird mit Sicherheit toll!
Jerk und ich passen einfach zusammen, schmeißen uns die Texte wie beim PingPong um die Birnen und schaffen es im Idealfall (und ziemlich sicher), das Publikum mitzuziehen. Wer da in der Nähe ist sollte sich das nicht entgehen lassen. Zumal ja jede der wenigen Lesungen mit mir eine der letzten sein kann (muss ich das jetzt betonen? Nee, eigentlich nicht! Egal, ich lasse den Satz trotzdem drin…)



So.
Und jetzt werde ich privat.
Ich bin (so glaube ich) momentan dazu in der Lage und wir brauchen Kohle.
Vielleicht kennt Ihr ja jemanden, der jemanden kennt, der sowas brauchen könnte:


Ein Mann für viele Fälle:

Altentherapeut, Krankenpfleger und Schriftsteller (nach Mundhöhlenkrebs berentet) bietet stundenweise Betreuung, Begleitung, Gesellschaft und Ähnliches auf Minijob-Basis im Raum Essen/Ruhr an.



Und:



Professionelle Biografiearbeit:

Altentherapeut und Schriftsteller (nach Mundhöhlenkrebs berentet) hilft bei Anregung, Koordination, Formulierung, Erstellen von kompletten Biografien bis hin zum Druck.

Honorar individuell nach Umfangswunsch und Aufwand.







Hier stürmt es gerade. Und es wird dunkel. Ich mag ja eigentlich Gewitter, aber dann sollte der Rest des Tages wenigstens warm sein. Nee – der Mai gefällt mir bisher nicht wirklich.
Claudia besucht ihre Mutter. Maya pennt unterm Wohnzimmertisch, ist irgendwie seit gestern unfit. Eben eine alte Hundedame.
Ich höre Schallplatten und tippe Kram. Wie gehabt.

Vielleicht kommt ja auch hier noch was…



Samstag, 3. Mai 2014

Schwankendes Nachtgedicht






Ich schwanke
zwischen Hoffnung
und –slosigkeit

Eigentlich siegt die –slosigkeit
aber
solange ich sowas noch tippe
besteht noch die Erstgenannte

So what!

Ukraine?



Wenn ich nicht genau Bescheid weiß, halte ich ab und zu einfach mal meinen Mund.
Wenn ich sprachlos bin, dann kann es passieren, dass ich schweige.
Ich glaube den öffentlichen Medien nicht. Und in diesem Fall schon gar nicht.
Ich glaube Politikern kein Wort.
Das gilt für Putin, für Obama und natürlich für alle deutschen Politiker.
Ich bin fassungslos und zutiefst besorgt über die Zustände in der Ukraine.
Es stinkt nach Krieg. Das Vokabular der Kalten Kriegszeit ist eh schon wieder ausgepackt.
Ich bin ganz klar auf der Seite der Menschen. Der Mütter, Väter und Kinder.
Die haben Angst. Die wollen nicht in die EU oder nach Russland, die wollen leben.
Ansonsten weiß ich nicht genau Bescheid und glaube einfach niemanden.
Deshalb halte ich meinen Mund.
Und meine Finger bei diesem Thema fern der Tastatur.



Extraball



Mal n bisschen Werbung:

Der Gedichtband "ExtraBall" erschien letztes Jahr im Acheron-Verlag und kann bei mir gekauft werden.
108 Seiten, 9,90€+1,40€ Porto, auf Wunsch mit Widmung.
Einfach ne Mail an hermann.borgerding@gmail.com.

Wer das Ding schon hat und wem es gefällt darf natürlich auch gerne Werbung dafür machen.
Und als Appetitanreger wieder mal das "Titelgedicht" daraus: 


Extraball

Ich weiß noch
wie wir uns abrackerten
am Star Treck oder am Eight Ball
das waren uns die liebsten Flipper
und wir hauten mit unseren Fingern auf die Knöpfe
spielten mit ganzem Körpereinsatz
und waren immer an der Grenze
zum Tilt
oder zum Game Over

Locker aus der Hüfte raus
war das Erfolgsgeheimnis
Es galt auch für andere Sachen

Auf der schmierigen Glasplatte stand der Aschenbecher
und das Bier auf einem Barhocker neben dem Flipper
und wir wechselten uns immer ab
auf der Jagd nach neuen High-Scores
Wir spielten zusammen
gegen den Kasten
und jubelten über jeden Extraball
der das Spiel verlängerte
und ein weiteres Freispiel
in realistische Nähe brachte

Die Kneipe war damals rauchverhangen
und es fanden sich Mitspieler
Immer
Zur Abwechslung maßen wir uns auch
am schmutzigen Billardtisch oder am Kicker
um letztendlich bei den Würfeln zu landen und Tequilas auszuspielen

Harte Nächte
harte Zeiten
und ich habe wirklich keinerlei Ahnung mehr
wie ich das damals finanziert gekriegt habe
mein Deckel war oft beängstigend voll
aber irgendwie am Ende des Monats immer bezahlt

Laute Musik aus den Boxen
Gespräche und Baggereien am Tresen
Joints vor der Tür um die Ecke
und wenn ich Glück hatte
ein geiler One-Night-Stand
aber den nahm ich nur mit
darum ging es nicht
Eigentlich ging es
um das Leben
und eigentlich
war dass das Leben:
Möglichst viele Extrabälle
und Freispiele und High-Scores
und legendäre Siege am Kicker
bei Zigaretten, Bier und Musik
Ich brauchte nicht mehr

Wir verabredeten uns nicht
wir waren eh immer da
Irgendeinen traf man jeden Abend
Das Leben war ein Spiel
und das fertige Inventar am Tresen die Schattenseite
zu der wir natürlich nie gehören würden
da waren wir uns sicher

 Jetzt
30 Jahre später
kenne ich keine Kneipe mehr
die ähnliche Anziehungskraft
wie meine damalige Stammkneipe auf mich hat
Die Kneipen meiner Jugend haben alle dicht gemacht
Statt am Flipper
haue ich mit meinen Fingern auf die Tastatur meines Laps
zu Hause am nächtlichen Schreibtisch
Und es ist nix mehr mit
aus der Hüfte heraus
während mein Nacken schmerzt
und ich ganz andere High-Scores probiere

Nein
ich vermisse es nicht
Nein
ich bereue gar nichts
Ich erinnere mich gerne
mit einem Grinsen im Gesicht
das ist es aber auch schon

Mein heutiger Extraball ist mein geschenktes Leben
Ich genieße jede Sekunde und kämpfe
um ein weiteres Freispiel zu erreichen
Nicht aus der Hüfte
dafür aber aus tiefstem Herzen
oder so ähnlich








Donnerstag, 1. Mai 2014

Neil Young - A letter home:





Gibt es noch Telefonzellen?
In Essen werden momentan die alten Telefonzellen an Privat verkauft. In Amerika gibt es zumindest für Neil Young noch eine Telefonzelle. In dieser hat er sein neues Album „A letter home“ aufgenommen. Das wurde dann auf Vinyl gepresst und erschien zum Record Store Day. Klammheimlich. Und trotzdem ist die Scheibe sofort ausverkauft.
Im Juni soll die Scheibe dann offiziell auf den Markt kommen, in einer dicken, exklusiven und teuren Vinyl-Box und später auch auf CD.
Dank Internet konnte ich eine MP3-Fassung der raren LP hören. Ich bin (mal wieder bei Neil) äußerst zwiegespalten.

„A letter home“ ist ein Cover-Album. Neil covert geniale Songs. Minimal instrumentiert, Harp, Kneipenpiano, A-Gitarre.
Neil schrammelt. Neil näselt. Und der Sound hat die Qualität alter Schelllackplatten. Eher sogar noch schlimmer.
Manches grenzt an Unhörbarkeit.
Schlimmer als die schlimmsten Bootlegs meiner Jugend.
Darf man so eine schlampige Platte veröffentlichen?
Eigentlich nicht.
Und niemand außer Neil Young hätte dies getan (Okay: Er macht es mit Jack White zusammen). Und damit auch noch Erfolg gehabt.
Trotzdem entwickeln die Aufnahmen Wärme, Respekt gegenüber den Originalen und große Momente. Trotzdem höre ich fasziniert zu (und selbst wenn ich mitsingen würde könnte es die Musik nicht mehr verschandeln…). Und genieße.

Ich werde sie mir nie leisten können und ertappe mich trotzdem bei dem Wunsch nach der Vinyl-Box. Die ich dann nur sehr selten hören würde.

Ich bin ratlos und froh, dass ich diese Scheibe nicht bewerten muss. Je nach Laune würde ich „fürchterlich“ oder „grandios“ sagen. Zwischenwertungen sind nicht drin.

Vielleicht ist es gerade das, was dieses Projekt so groß macht…