Mittwoch, 22. Januar 2014

Schamhaare



Uff.

„Auf Papier gebloggt“ nimmt Konturen an. Es werden ca. 300 Seiten (dafür muss ich noch 200 streichen!), also gebe ich das Ding an eine Druckerei. Dann wird ein Buch zwischen 10,- und 15,-€ kosten.
Streng limitiert auf 50 Exemplare, jedes Teil persönlich nummeriert und signiert und nur bei mir zu bekommen.
Anfang Februar schicke ich es an die Druckerei, Mitte Februar könnt Ihr es dann haben…

Die „MAULhURE #3“ wird. Und wie!

Die „Rock’n’Roll-Notizen bekommen immer mehr Form, wachsen und werden zusammengestrichen und wachsen. Ich denke, wenn man von einer normalen Schwangerschaft ausgeht, dann bin ich im letzten Drittel.



Kiew? Thailand? Syrien?
Ich habe keine Ahnung. Bin spontan eigentlich immer für die Menschen auf der Straße. Für das Volk.
Aber ist es das in Kiew? Ich weiß nicht.
Ist es das in Thailand? Oder doch eher vom reichen Mittelstand gesteuerte Umsturzaktionen?
Und Syrien? Assad ist ein Diktator, keine Frage. Aber ist das noch das Volk, das da im Bürgerkrieg gegen ihn kämpft? Oder ist das nur ein Stellvertreterkrieg?
Ich habe keine Ahnung.
Und schüttele meinen Kopf und verzweifele mit den Menschen.
In diesen Ländern und überall auf der Welt.



Markus Lanz?
Was soll die Aufregung?
Der war schon immer scheiße und wer sich den anguckt ist selber Schuld.
Oder so.
Auf jeden Fall ist er es nicht wert, das eine Petition gegen ihn gestartet wird.
Sarah Wagenknecht hat in dieser unsäglichen Diskussionsrunde schon alleine deshalb gewonnen, weil ihre Intelligenz deutlich wurde.
Kann man von Lanz nicht behaupten…



Ich sabbere wie Sau.
Ich weiß, nix Neues. Aber da meine Atemwege dicht und voller Rotz sind und ich zusätzlich noch ne Entzündung an meinen Implantaten auf Nasenhöhe habe ist das noch heftiger geworden.
Meine Tastatur macht gerade den Freischwimmer…

Ansonsten gesunden wir gerade. Und das ist schön.



Schamhaare?
Wird das das Thema 2014?
In der letzten Woche begegnete mir beim Netz-Surfen immer wieder ein Artikel oder eine Diskussion darüber, scheint in zu sein.

Ich mag Schamhaare.
Ist ne Generationsfrage, glaube ich.
Ich bin mit Schamhaaren aufgewachsen und musste mich erst an Intimrasuren gewöhnen.
Bin halt ein alter Sack (mit Haaren…).
Intimrasur hat durchaus Vorteile (in der Zeit, wo ich mich untenrum rasiert habe, hat es aber nach einen Tag schon störend gejuckt und gekratzt, ich musste mich täglich rasieren und ich bin froh, das meine Frau ne Intimrasur bei Männern nicht mag…). Aber mir fehlt da was, ich mag Schamhaare.

Ich mag auch Intimrasuren.
Ich mag bloß keinen Dreitagebart. Untenrum.
Ich finde, das muss jeder Mensch für sich selber rausfinden.
Und niemand sollte sich von seinem Partner/seiner Partnerin oder gar der herrschenden Mode irgendwas vorschreiben lassen.

Ein Satz aus meiner Jugend fällt mir dazu noch ein. Den unterschreibe ich hier ausnahmsweise mal:
„Ich habe nichts gegen lange Haare – nur gepflegt sollten sie sein!“


Ich will ja LeserInnen. Deshalb werde ich diesen Blogeintrag schamlos „Schamhaare“ nennen.
Auch wenn es nur am Ende darum geht…






Samstag, 18. Januar 2014

Mein siebter Wiedergeburtstag





Vor sieben Jahren, am 18.01.2007 tobte sich Kyrill über Dland aus.

Ich habe davon nichts mitgekriegt, lag 13 Stunden auf einem OP-Tisch. Und musste mir nachher anhören, dass es knapp und sehr blutig abgelaufen war.
„Wir mussten Ihre Patientenverfügung etwas auslegen und haben Sie zurückgeholt…“. So sagte es mir später der Chefarzt.
Und ich schwankte und schwanke immer noch, ob ich ihm in die Fresse schlagen oder dankbar sein soll.

Heute vor sieben Jahren wurde ich sozusagen wiedergeboren.
Ich erwachte Tage später als krebsgeschädigter Krüppel.
Zahnlos, Gaumenlos (aber der war schon aus meinem Unterarm neu geformt und implantiert), nur noch n halber Oberkiefer. Unterm Hals ein Tracheostoma, in der Nase eine Magensonde und in allen möglichen Venen Zugänge für Infusionen.
Mein neues Leben begann.
Ich musste neu lernen zu sprechen, musste lernen, zu schlucken, musste lernen, die Schmerzen zu ertragen, musste lernen, mich unter Menschen zu trauen und die Blicke der Normalos zu ertragen.
Ich habe das meiste davon gelernt, manche Sachen werde ich nie lernen.

Das erste Jahr war Schwäche und Schmerzen.
Das zweite Jahr halbwegs Rekonvaleszenz.
Das dritte Jahr war Liebe, Hochzeit und Hoffnung, dabei sollte es auch die weiteren Jahre bleiben.
Das siebte Jahr war dann Scheiße.
Und das achte Jahr wird jetzt groß.

Vor der OP hatten mir die Ärzte nicht gesagt, was auf mich zukommen würde.
Ich wusste es eh halbwegs, auch wenn ich es mir nicht so schlimm vorgestellt hatte.
Hätte ich gewusst, was ich durchmachen müsste, ich hätte mich nicht operieren lassen. Insofern scheint es besser gewesen zu sein, nicht alles zu wissen.

Bis drei Jahre nach der OP hatte ich zum Beispiel die Hoffnung, nach der Oberkieferrekonstruktion und den Implantaten mit Gebiss wieder normal sprechen und essen zu können.
Ich hatte sogar die Hoffnung, wieder „normal“ zu funktionieren und meinem Beruf nachzugehen.
Ja, Scheiße.
Ist alles nicht mehr.
Andererseits hatte ich sowas wie Liebe oder eine feste Beziehung für mich abgehakt.
Und bin jetzt glücklich verheiratet.
Und statt Beruf habe ich die Schreiberei, die mir zumindest wahnsinnig viele interessante und nette Kontakte gebracht hat.
Und Bestätigung.
Und die brauche ich.

Ich lebe.
Und das ist meistens gut so.

Sieben Jahre.
Ein alter, schwacher Krüppel.
Oft einfach müde und desillusioniert.
Scheiß drauf.

Nach meiner letzten OP sah mich meine Frau kurz auf der Intensivstation und war danach beruhigt:
„Da waren deine strahlenden Augen. Und immer noch Kampfeswille. Da wusste ich – Du schaffst das…“
Und so ist es auch.
Wenn ich sterben sollte, so ist mir das egal.
(Manchmal will ich es auch: Einschlafen und nicht mehr aufwachen hat was Positives. Durchaus.)
Aber meistens will ich leben.
Und noch viele spannende und schöne Sachen erleben.
Keine Ahnung, aber Zuversicht, dass da noch einiges kommen kann.
Und deshalb gebe ich auch nur bedingt auf.

Das Ende wäre okay.
Aber weitermachen ist einfach geil.

Ich rauche immer noch, ich trinke mittlerweile wieder Bier.
Ich kann beide Laster gut gebrauchen, fehlt mir doch in vielen Punkten der Genuss. Tabak und Bier beruhigen und dämpfen hervorragend.
Ich nehme zum Beispiel so gut wie keine Medikamente mehr.
Und kann das noch ein paar Jahre durchziehen.

Ich habe schon fast alles verloren.
Das hat den Vorteil, dass ich nicht mehr viel zu verlieren habe.

Heute also mein siebter Wiedergeburtstag.
Ich weiß nicht, ob es da viel zu feiern gibt.
Aber ich weiß, dass es da was zu feiern gibt. Bin irgendwie dankbar.

Und ich weiß, dass ich meine sozialen Bindungen feiern sollte:
Meine Familie, meine FreundInnen – sie alle standen und stehen bei mir und haben mir den Arsch gerettet.
Irgendwie mehr als die Chirurgen, die es eben nur halbwegs vom Handwerk her geschafft haben, heilten und bewahrten Familie und FreundInnen meine Seele.
Und dann Claudia:
Die brachte mein Herz ans Tageslicht, sorgt für Wärme und Zukunft und ist eine Verpflichtung, die ich wahrnehme, auch wenn ich mich anfangs gar nicht traute, diese Verpflichtung anzunehmen.

Verpflichtungen sind wichtig. Auch ein Grund weiterzuleben.
Neben mir stimmt mir gerade unsere Hündin Maya zu.

Vorgestern aspirierte ich mal wieder beim Essen.
Irgendwas blieb in der Speiseröhre hängen, drückte mir die Luftröhre zu.
Äußerst unangenehm, äußerst anstrengend. Danach bin ich stundenlang platt.
An der Tankstelle verstehen sie wieder mal meine Tabakbestellung nicht. Das nervt, das frustet. Macht mich wütend, auch wenn die Bedienung da nichts für kann.
Am Telefon legt eine Frau einfach auf. „Ich verstehe Sie nicht!“ brüllt sie wütend an mein Ohr und lässt mich mit meinem Frust alleine.

Ich erinnere mich an die Dame bei der Agentur für Arbeit:
„Ich schreibe jetzt mal, dass Sie für einen Pförtnerjob geeignet sind. Ohne Telefon- und Kundenkontakt. Ich glaube, wir werden da keine passenden Jobangebote für Sie finden.“
Oder ein begutachtender Arzt:
„Sie können Bleistifte anspitzen. Ach nee. Solche Jobs gibt es ja heute nicht mehr…“

Jetzt ist das egal. Ich habe meine Erwerbsminderungsrente durch. Und wenigstens in diesem Punkt Ruhe.

Ich bin verpeilt. Kriege wenig geregelt. Stehe aber jeden Morgen auf, drehe meine Runden mit dem Hund und schreibe Kram. Und lebe mit meiner Frau.

Manchmal ist es schwierig für mich, festzustellen, für was ich noch von Nutzen bin.
Aber eigentlich ist die Frage an sich schon egal.
Ich bin.
Punkt.
Wie ich bin.
Punkt.
Eben Hermann.
Ein verkrüppelter krebsgeschädigter Schreiberling, der das Leben, seine Frau und die Musik und Poesie über alles liebt.
Und noch n bisschen Spaß haben will.
Und weitermacht.

Der Opa meiner Frau hatte am 18.01. Geburtstag.
Meine Frau liebte ihn über alles.
Und betete vor sieben Jahren, dass er ihr helfen sollte, noch einmal in ihrem Leben eine Liebe zu finden. Die dürfte durchaus auch behindert sein, müsste nur etwas von ihm in sich haben. So in der Art. Vor sieben Jahren tobte sich Kyrill aus. Und ich wurde überlebt (Diese Formulierung ist Absicht!).
Man kann zu so einem Kram stehen, wie man will. Ich glaube da nicht unbedingt dran. Aber es berührt mich.

Okay.
Kyrill ist Geschichte.

Meine Frau und ich haben unsere Probleme so wie alle Menschen ihre Probleme haben.
Die sind dazu da, überstanden zu werden.
Und weiter zu leben.
Und ich finde es sogar schön, dass es immer wieder Stolpersteine im Leben gibt. Dass man immer weiter kämpfen muss.

Das Leben ist das schönste und beste, das wir kriegen können.
Aber man muss kämpfen.
Immer wieder.
Nur wer die Scheiße kennt kann die wahre Schönheit genießen.
Die Scheiße kenne ich zur Genüge.

Ich sag mal so:
Herzlichen Glückwunsch zu meinem siebten Wiedergeburtstag!
Ohne Wenn und Aber.
Ich habe es mir verdient!












Mittwoch, 15. Januar 2014

Money?



Geld macht nicht glücklich.
Aber es beruhigt.

Finanziell kriechen meine Frau und ich auf dem Zahnfleisch. Irgendwo zwischen Hartz IV und Prekariat. Meine vollständige Erwerbsminderung, ihre Krankheit und Arbeitslosigkeit: es sieht nicht gut aus.
Da geht es uns so, wie immer mehr Menschen in diesem reichen Land.

Deshalb sind wir nicht unglücklich, nur manchmal gefrustet und erschlagen von Alltagssorgen.
Und Zukunftsängsten (obwohl: sollte ich in das Alter der normalen Rente kommen, dann geht es uns wieder gut…).

Geld macht nicht glücklich.
Aber Rücklagen würden es wesentlich einfacher machen, wenn Reparaturen oder Hundearzttermine oder Zahnersatz (habe ich ja alles hinter mir…) anstehen.
Geld macht nicht glücklich.
Aber es wäre schön, einfach mal spontan ins Kino, Theater, zu Konzerten oder so was gehen zu können.
Es wäre schön, einfach mal ins Auto zu steigen und seine Freunde zu besuchen, die weiter weg wohnen.
Ein Urlaub wäre wunderschön und eigentlich auch nötig.

Geld macht nicht glücklich.
Aber kein Geld kann unglücklich machen.
Und schlaucht.

Ich hätte gerne n guten Compi und ne bessere Musikanlage. Aber mit dem alten Kram funktioniert das auch. Ich hätte gerne n gutes und vernünftiges Auto, im Moment würde mir eines reichen, das auch fährt.
Ich hätte gerne n vernünftigen Schreibtischstuhl…
Aber all das sind Kleinigkeiten.

Banken machen unglücklich. Und sind Verbrecher. Das ist nichts Neues.
Ich bin für einen ordentlichen Bankraub nicht geeignet.
Schade eigentlich.

Überleben und Glück ist keine Finanzfrage.
Kinderlachen und Liebe und Musik sind unbezahlbar und somit auch umsonst zu kriegen. Irgendwie.
Ebenso Sonne, Natur, Schlaf und Wärme (im Moment ist meine Frau im Bett neben mir ein Heizkissen: ne fiebrige Erkältung hat für den Partner auch Vorteile…).

Bevor man sich wegen Schulden oder Geldsorgen umbringt, sollte man alles andere probiert haben. Zum Beispiel nen Bankraub.
Oder n Sozialverband, ne Schuldnerberatung, egal…
Braucht auch nicht mehr Mut als n Suizid. Finde ich zumindest…

Meine Frau und ich haben finanzielle Probleme.
Aber meine Frau und ich haben uns und unsere Hündin.
Und massig Liebe.
Das kann man mit Geld nicht aufwiegen.

Dies alles musste ich mir mal aus meinen Fingern saugen…

12.03.2014 in der Bastion:



Gimmie more truth:

Lütfiye Güzel,
Marvin Chlada,
Hermann Borgerding




Bastion, Bochum
12.03.2014
Einlass 19.00 Uhr

Da die Plätze in der Bastion beschränkt sind ist eine Voranmeldung nötig.

[no-budget-arts] e.V.
Karl-Lange-Straße 53
44791 Bochum
e-mail: kontakt@no-budget-arts.de
Telefon: 0234/9117790

Lütfiye Güzel: Poetin aus dem Ruhrgebiet. 3 Bücher.
Gedichte. Short-Stories. Beat.
"Herz-Terroristin". "Let`s go Güzel!" "Trist Olé!"
Die Topfblumen. Die Tauben. Und dazwischen
liegt der Supermarkt.

Marvin Chlada, seit Ende der 80er Wegbegleiter des literarischen und musikalischen Undergrounds, präsentiert eine Auswahl aus 25 Jahren Wortarbeit. Info: wwww.chlada.de
…

Hermann Borgerding ist in der Bastion kein Unbekannter, wenn er sich im letzten Jahr auch rar gemacht hat.
Der Ex-Bochumer lebt im Essener Exil, hat mehrere Bücher veröffentlicht (Aktuell: „ExtraBall – Prosaische Lyrik“, Acheron Verlag Leipzig) und wird dieses Jahr seine „Rock’n’Roll-Notizen“ präsentieren.



Kontakt:

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Karl-Lange-Straße 53
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Fax: 0234/9117796

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