Donnerstag, 3. März 2016

Ich brauch Platz und Geld:



R-Ausverkauf !

Da ich dieses Jahr gesundheitsbedingt nicht auf Lesungen gehe und außer meinem Blog nix Neues präsentieren werde miste ich nun aus.
Und verticke meine Restbestände
.

Also:

- „Monsters of Poetry“, Anthologie, Blaulicht Verlag, 9,90 €
- „MAULhURE No.1“, Anthologie, Edition PaperOne, 8,95 €
- “MAULhURE No.3”, Anthologie, RUP, 7,95 €
- “MAULhURE No.4”, Anthologie, RUP, 7,95 €
jeweils nur noch 2 Exemplare!



- “Seifenblasen im Schädel”, Gedichte und Kurzprosa 1998
   Sonderangebot!  3,00 €
- „ExtraBall“, Gedichte 2013,
   Nur noch 5 Exemplare, dann ist das Ding endgültig
   vergriffen!!!  9,90 €                          
- „Versuch: die Liebe“, sowas wie ein langes Gedicht,
    Neuauflage 2015 mit Gestaltung von Marion Vina, 5,00 €                                            
- „Leben gefährdet die Gesundheit“, Gedichte 2015
   12,00 €
- „Ausgehöhlt“, Roman,
   Neuauflage 2015, 12,00 €

Bei Bestellung gilt:
Alles + 1,45 € Porto.
Noch lieber wären mir allerdings Selbstabholer, ich kriege gerne Besuch (dürfte aber für die meisten von euch zu sehr am Arsch der Welt liegen …).
Und:
Wenn weg, dann weg.
Die letzten Drei können bei Rodneys Underground Press weiter bestellt werden.

Bestellungen über: hermann.borgerding@gmail.com





Dienstag, 1. März 2016

Notes of a "braver Patient"



Die Sondennahrung tröpfelt durch meine Nase in meinen Magen. Schmeckt (natürlich) nicht. Sorgt für Flatulenzen, Durchfall und Verstopfungen. Füllt meinen Magen und sorgt für Ernährung, macht aber nur unbefriedigend satt.

Um meine täglichen Ernährungsbedarf zu decken hänge ich drei bis fünf Stunden am Schlauch. Würde ich es schneller durchlaufen lassen würde mein Magen nicht mitspielen.

Die restliche Zeit verschlafe ich größtenteils.
Einmal täglich gehe ich nach Draußen. Um nicht aus der Übung zu kommen, um Sauerstoff zu tanken, meiner Frau, die mir helfen will und nicht kann, zu liebe.
Ansonsten bringen mich ganz viel Musik und einige Bücher durch den Tag.
Ab und zu tippe ich n bisschen Kram, kann mich aber nicht lange darauf konzentrieren.
Schmerztropfen, Mundspüllösung. Viel Wasser. Kaffee. Zu viele Zigaretten.

Morgen dann wieder in die Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie zum ersten Fädenziehen. Ich hoffe, ich bekomme grünes Licht für wenigstens Suppen und Pudding als Zusatznahrung zur Sonde.
Eine Woche später dann sollen die restlichen Fäden raus.
Und ich hoffe, dann bin ich auch die Magensonde wieder los.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so sehr Puddings und Suppen vermissen würde!

Ausnahmsweise halte ich mich größtenteils an die Arztanordnungen.
Vielleicht nutzt es ja was…

Montag, 29. Februar 2016

Ein Nachmittag mit Udo Lindenberg



Ich weiß nicht, worüber ich mit Udo Lindenberg sprechen würde.

Die Wahrscheinlichkeit diesen Mann zu treffen ist eh äußerst gering.

Und ich weiß bei keinem Menschen vorher, worüber ich mit ihm rede, lasse es auf mich zukommen, genieße, wenn es gut läuft, versuche, schnell zu beenden, wenn ich ein scheiß Gefühl habe.



Bei Udo Lindenberg weiß ich nur Eins:

Ich hätte das Bedürfnis, mich bei hm zu bedanken.


„Ich trag dich durch

 die schweren Zeiten

 So wie ein Schatten

 werd ich dich begleiten

 Ich werde dich begleiten

 Denn es ist nie zu spät

 um nochmal durchzustarten

 wenn hinter all den schwarzen Wolken

 wieder gute Zeiten warten

 wieder geile Zeiten warten.“

Der Refrain seines neuen Liedes beschreibt meine Beziehung zu ihm.

Ja: Udo hat mich schon oft getragen.

Dafür würde ich mich bei ihm bedanken.




Seit vierzig Jahren begleitet mich seine Musik. Mal mehr, mal weniger, aber immer präsent.

Udo war immer bei mir. Wenn es mir schlecht ging und wenn ich in Feierstimmung war.



Das fing 1976 mit der „Galaxo Gang“ an. Ich war zwölf, dreizehn Jahre alt und die Platte war eine Offenbarung für mich.

Ich behaupte mal, dass damit meine Begeisterung für Rockmusik endgültig geweckt war. Und das ging immer weiter.

2008 erschien „Stark wie Zwei“.

Ich war im heftigsten Kampf gegen meinen Mundhöhlenkrebs und da startete Udo mit diesem Album sein x-tes Comeback (eigentlich war er nie ganz weg) und ich setzte mich auf den Boden und heulte hemmungslos.

„Lady Whiskey“, „Baby, wenn ich down bin“, „Der Malocher aus dem Ruhrgebiet“, „Straßenfieber“, … :

Die Liste der unschlagbaren Lieder ist lang, sehr lang.



Ich wünschte mir einen Nachmittag / Abend mit Udo Lindenberg.

Ohne Kameras, ohne Mikros, nur so.
Für ihn eine Flasche Likör, für mich ein Six-Pack Bier. Für ihn ein paar Zigarren, für mich Tabak.

Und dabei dann unschlagbare Musik. Darüber würden wir reden, bestimmt.

Und über Deutschland, mit Sicherheit wären wir beide ähnlich verzweifelt.

Vielleicht würden wir über Hermann Hesse und Charles Bukowski sprechen, gut möglich.

Vielleicht würden wir über unsere Leben sprechen. Unsere Sehn-süchte, unsere Lieben, unsere Leiden und so.

Vielleicht wäre unser Gespräch auch eine einzige Enttäuschung. Möglich, dass ich kein vernünftiges Wort raus kriegen würde. Möglich, dass wir uns nicht verstehen würden. Wer weiß sowas schon vorher. Ich kann es mir allerdings nicht vorstellen.

Ich glaube eher, wir würden Freunde werden. Irgendwie erscheint mir Udo ja jetzt schon wie ein Freund.



2016. Ende April erscheint nach acht Jahren die neue Studio-LP von Lindenberg. „Stärker als die Zeit“.

Laut Werbetext soll sie sich mit Unsterblichkeit beschäftigen. Und eine Fortsetzung von „Stark wie Zwei“ sein. Die Vorab-Single läuft seit Freitag mindestens einmal täglich bei mir und die Platte ist so gut wie vorbestellt.




Udo:

Danke für deine Musik!











Mittwoch, 24. Februar 2016

Das gesundmachende Haus





Endlich wieder
angekommen
wo ich hingehöre

Bei Claudia & Aron
& in meinen vier Wänden
die mir Geborgenheit geben




Claudia umsorgt mich
Ich muss sie da etwas bremsen,
bin ich es doch von früher gewohnt,
für mich selber zu sorgen
Aron ist verunsichert
will mit mir rausgehen & versteht nicht,
dass ich nicht kann
Ich liebe meine Frau & ich werde geliebt
& ich liebe unseren Hund & spüre seine Liebe
&
das ist die beste Medizin

Laute Musik
meine Schnabeltasse aus Porzellan
- ich hasse es, aus Plastik zu trinken –
die Nahrung tröpfelt aus der Sonde in meine Nase
& lecker wäre was anderes
aber hier
habe ich mein Zuhause
& kann (soweit ich es kann) machen
was ich will



Ich bin wieder
angekommen
wo ich hingehöre

Seit gestern ist auch der Infusionsständer da. Ich bin jetzt mobil, auch während die Nahrung in meine Nase tröpfelt.
Ich lebe jetzt seit neun Tagen ohne orale Nahrungsaufnahme, seit acht Tagen ohne Zähne und mit einem aufgeschnittenen und zugenähten Kiefer. Es ist okay.
Ich trinke Wasser und (mittlerweile wieder) Kaffee.
Der erste Kaffee nach der Operation war göttlich – ich spürte, dass ich noch lebe.
Bier fehlt mir nicht, aber ich erwische mich, wie ich Sehnsucht nach Vanillepudding oder einen Milch-Shake entwickele, worauf ich allerdings noch eine Woche warten muss.
Ich gestehe: Ich rauche weiter.
Zwar vorsichtig und reduziert, aber ich schaffte (oder wollte) es nicht, diesen Anlass zum Aufhören zu nutzen.

Ach ja: Ich kann sprechen!
Zwar ziemlich undeutlich, aber es geht. Das ist doch was!
Am Telefon halte ich mich allerdings zurück und in Gesellschaften werde ich mich dieses Jahr nicht begeben.
Aber das wird…

Heute ist schönes Wetter.
So werde ich gleich mit Frau und Hund einen ersten kurzen Ausflug machen. In meine geliebte Wacholder-Heide.
Das Leben ist wunderschön.




Jetzt wieder laute Musik. Und viele Bücher, die ich nun lese. In einer Woche werden die ersten Fäden gezogen, ne Woche später der Rest. Dann kann ich wieder essen (wenn auch zahn- und bisslos). Bevor die nächste OP um den Mai herum ansteht.

So.
Jetzt bastele ich hier n paar Bilder rein.
Dann umarme ich meine Frau.


Hier.
Zuhause.
Wo ich gesund werde.