Donnerstag, 9. Juli 2015

Wenn ich Kanzler wäre:



Eines dieser dämlichen Zeitvertreibspiele auf Facebook ernannte mich dann kurzerhand zum Kanzler. Meine Gedanken dazu:


Wenn ich Kanzler wäre

… würde sich natürlich gar nichts ändern.

Ein Kanzler in Dland hat nicht die Macht, selber etwas zu entscheiden.
Aus blauäugig demokratischer Sicht gibt es da ja noch das Parlament und Parteien, realistisch betrachtet sind da aber eher Sachzwänge und Drahtzieher des Kapitalismus entscheidend. Armeen, Banken, internationale Konzerne, Strukturen im Hintergrund, so etwas.
Deshalb konnte der Grinsekater in den USA auch so gut wie nix bewegen. Obama ist ja nicht nur Lügner, sondern auch gefangen im System. Vielleicht wollte er wirklich mehr soziale Gerechtigkeit, Frieden und zumindest weniger Waffen und die Schließung von Guantanamo. Erreicht hat er nix, außer seine Glaubwürdigkeit zu verspielen.
Und Merkel macht die Fingerraute, grinst, guckt ernst und spielt die Entscheidungsträgerin.
Wenn überhaupt ein Politiker was bewegt, dann Schäuble, der sich mittlerweile mehr im Hintergrund hält und seine Verbindungen natürlich nie öffentlich zeigen würde. In welche Richtung das geht muss ich nicht betonen.

Trotzdem, ich spiele mal kurz durch, was ich ändern würde, wenn ich autokratischer Kaiser von Dland wäre:

Erstmal würde ich die Macht bündeln und die endgültige Entscheidungsmacht übernehmen, um sie so schnell wie möglich wieder abzugeben.
Eine Demokratie von unten wäre das Ziel, eine Art Räterepublik mit dem Ziel einer libertären Staatsform, aber dafür muss anfangs von oben ganz viel geändert werden.
Ich bin faul, also würde ich versuchen, möglichst kompetente Leute als Minister in mein Kabinett zu holen. Politikern misstraue ich grundsätzlich, aber vielleicht wären Gregor und Sarah mit an Bord.

Arbeitslosengeld und Sozialhilfe würde ich abschaffen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre einer meiner ersten Schritte.

Umfassende Gesundheitsversorgung wäre kostenlos und für alle gleich zugänglich.

Bundeswehr, Verfassungsschutz, Geheimdienste würde ich sofort und kompromisslos abschaffen. Polizei müsste stark abrüsten und würde von Grund auf demokratisiert und reformiert.

Drogen würde ich legalisieren. Alle.
Allerdings würde ich ne psychische Prävention installieren.

Dland muss Weltmacht werden – im kulturellen und sozialen Bereich.
Jegliche Form von Literatur, Musik und Kunst wird von mir gefördert werden. Kreativität, Poesie und Träumerei würden als erstrebenswerte Ideale ins Grundgesetz aufgenommen.

Jeder Haushalt hätte Zugang zum Internet. Kostenlos. Unzensiert. Das Netz und die sozialen Medien wären Garanten dafür, dass ich kontrolliert werden könnte. Und wären Netzwerk für meine Überzeugungsarbeiten.
Handygebrauch würde ich allerdings im öffentlichen Bereich stark einschränken.

Ich könnte noch einiges schreiben und erwähnen.
Hauptsächlich:
Wenn ich Kanzler wäre, würde ich das Kanzleramt abschaffen.
Wenn ich Kaiser wäre, würde ich das Kaiserreich für beendet erklären.

Macht ist gefährlich.
Spaß an der Macht noch mehr.
Ich will keine Macht haben und ich will nicht, dass jemand Macht über mich hat und ausübt.

Zum Glück werde ich nie Kanzler werden…


Mittwoch, 1. Juli 2015

HundstageBlaBla



Mal wieder Zeit für BlaBla vom kleinen alten Hermann.


(Wer auf Neil Young keinen Bock hat, kann den kommenden Absatz problemlos überspringen…)




Natürlich äußere ich mich zu dem neuen Neil Young-Album. Ich habe mich in den letzten Jahren zu jedem Album von Neil geäußert und bin bekennender Bewunderer dieses Gitarristen und Sängers.
Psychodelic Pill war ein Meisterwerk und hörte sich an, wie der endgültige Schlusspunkt seiner Alben mit Crazy Horse. Ich hatte das Gefühl, danach könne nichts mehr kommen. Zumindest nichts mit dieser Power.

Überraschenderweise kamen dann relativ schnell zwei weitere Alben:
A letter home und Storytone. Naja… Beide in ihrer Art besonders, aber musikalisch und qualitativ eher unter ferner liefen.

Und jetzt schon wieder ein neues Ding:
The Monsanto Years, eingespielt mit promise of the real.

Neil Young ist ein alter Hippie. Und Neil Young ist wütend und äußert sich politisch.
Das hat er schon öfters gemacht und lag dabei oft überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge. Ein Kanadier, der auch für Kernkraft, für Reagan, für US-Patriotismus und gegen Linke sang. Ging bei mir nicht. Vieles erschien mir unüberlegt und unstimmig. Freundlich formuliert einfach zu naiv.
Jetzt hat er sich Monsanto angenommen. Und erkennt die Macht und den zerstörenden Einfluss dieses Multikonzerns. Und singt dagegen an.
Und lässt seine Gitarre sprechen.
Und überzeugt.
Vielleicht sind es nicht seine besten Lieder, manche wirken wie mit der heißen Nadel gestrickt. Aber die Aussage ist wichtig und ich bin mir sicher, sie erreicht einige Menschen.
Und die Gitarre schneidet.
Neils Waffe ist immer noch scharf.
Und Promise of the Real klingen manchmal sogar wie Crazy Horse.

Doch.
Monsanto Years lohnt sich. Wirklich.




Ich höre gerade Nationalgalerie.

Streaming sei Dank:
Apple Music gibt es drei Monate für Nüsse. Und da ich ja meine Sachen alle auf iTunes gespeichert habe und darüber höre (wenn ich nicht gerade nur genießen will und meine Schallplatten rauspacke…) habe ich das jetzt mal installiert und probiere rum.

Ist Streaming der Beginn eines neuen Musikkonsums oder das Ende des Musikgenusses?
Für mich eher das Ende.

Musik über Compi höre ich nur, wenn ich am Compi arbeite oder die Musik generell eher nebenbei hören will.
Musik über Compi ist kalt und seelenlos. Selbst CDs haben da mehr Seele.
Aber immerhin – es ist noch Musik.
Streaming ist noch eine Steigerung zur gespeicherten Compi-Mucke.
Ich bekomme die Musik mit einem simplen Klick und höre mit wenig Gefühl.
Ganz schlimm, wenn ich dafür auch noch ein Smartphone nutze:
Der Sound zerstört die Musik, was bleibt, ist n Rudiment der Melodie und des Gesangs.

Der einzige Vorteil ist, dass ich wirklich fast alles hören kann, ohne es besitzen zu müssen.
Ich kenne Leute, die haben Spotify aboniert und ihre CDs in den Keller geräumt.
Wird mir nicht passieren…

Nationalgalerie mussten schnell weichen, jetzt läuft die neue The Fall – Sub-Lingual Tablet. Und die ist so geil, dass ich sie mir anschaffen werde.

Genug Musik-BlaBla.




Poststreik?
Nervt. Mittlerweile mehr, als die Post, die ich ansonsten bekomme.
Ich erwarte einige Bücher und Schallplatten. Die Rechnungen und Werbungen kann die Post behalten…
Und natürlich geht dieser Kommentar nicht gegen die Streikenden, sondern gegen die verantwortlichen Ausbeuter!

Griechenland?
Was soll eine DEMOKRATISCH GEWÄHLTE REGIERUNG tun, die von den Banken und der EU in den Untergang getrieben wird und gezwungen werden soll, die arme Bevölkerung unseres Nachbarn noch mehr in das Elend zu treiben?
Eigentlich mag ich keine Volksbefragungen (hätten wir sowas in Dland, dann hätten wir wahrscheinlich die Todesstrafe und Freie Fahrt für freie Bürger auch in Tempo 30-Zonen…).
In Griechenland gab es keine Alternative mehr.
Und so ist jetzt allzu deutlich, wer die Macht in Europa hat.
Die Bevölkerung nicht…

Verfassungsschutzbericht?
Auch wenn endlich zugegeben wird, dass Rechtsextremismus eine große Gefahr für die Demokratie ist, immer noch wird mit dem rechten Auge höchstens geblinzelt…

Ach Ruhrpott!
Ach Essen!
Ach A40!
Mann, bin ich froh, da im Moment nicht herfahren zu müssen!
Die Vollsperrung eines Teilstücks der A40 ist eine Katastrophe für viele Ruhrgebietler. Und bestätigt den Vorteil unseren Umzug ins Münsterland…




Und ich?
Mir ist warm.
Ich schwitze.
Ich mag den Sommer trotzdem.

Aron liegt apathisch in einer Ecke, ich tippe diesen Kram und werde mich gleich irgendwo im Garten in den Schatten legen.
Und natürlich erst heute Abend ne längere Hunderunde drehen.

Ansonsten?
Mein Gedichtband wächst.
Hier gibt es ein Abfallprodukt daraus, dass als Gedicht nicht viel taugt, aber meine momentane Stimmung gut beschreibt:


Auszeit vor mir selber


Vielleicht brauche ich ja
eine Auszeit
von mir selber

Glücklich sein
ist relativ
Dieses Land macht mich nicht glücklich
dieses Leben nicht
selbst die Liebe schafft es momentan nicht mehr

Aussteigen?
Wo? Wohin?
Die Welt anhalten
bringt ja gerade in miesen Zeiten nichts
Auch wenn sich viel zu viel dreht
& zu wenig bewegt

Auswandern?
Portugal, Spanien, Griechenland
oder Kuba
In der Reihenfolge, ans Meer
Ja:
Ich bin mir bewusst
dass ich nicht entfliehen kann

Momentan werde ich mir selber nicht gerecht
wie soll ich dann meine Lieben zufriedenstellen?

Draußen ist es heiß
Hundstage
& selbst der Hund liegt apathisch in der Ecke
& Kaffee & Zigaretten schmecken nicht
sondern sind Gewohnheiten &
Ich weiß mal wieder nicht…




So.
Ab in den Garten…






Sonntag, 21. Juni 2015

Vorgarten fegen & Ein Tag im Leben des Hermann B.



Oh Mann!

Ich kenne wenig blödere Tätigkeiten, als den Vorgarten zu harken und zu fegen.
Hier in Ottenstein scheint das eine der Hauptbeschäftigungen der Leute zu sein.
Alles muss Blätter- und Schmutzfrei sein. Nach außen hin sauber. Die Beete unkrautbefreit und mit dem Zentimetermaß bepflanzt.
Am besten, dann noch mit einem Laubbläser arbeiten, ein Nachbar benutzt sein dämliches Teil täglich. Wenn er schon nicht gesehen wird, dann macht er sich wenigstens unüberhörbar nützlich. Wobei man über den Nutzen eigentlich nur den Kopf schütteln kann.
Und jetzt hat es mich auch erwischt: Ich fege den Weg zur Haustür, wohlwissend, dass es sonst die Schwiegermutter machen würde, die sich momentan nur unter Schmerzen bewegen kann.
Ich komme mir erbärmlich bei dieser spießigen und sinnfreien Tätigkeit vor. Aber was tut man nicht alles…

Überhaupt Vorgärten und Sein und Schein:
Jedes zweite Haus hat eine Gartenbank vor der Tür stehen.
Wahrscheinlich soll dies Gastfreundschaft symbolisieren und zum Hinsetzen einladen.
Vorsicht! Das ist nur ein Symbol! Ich glaube, diese Bänke wurden nie benutzt und in Wirklichkeit sind sie dafür auch nicht aufgestellt.
Die Gastfreundschaft existiert durch das Bild dieser Bank, nicht durch die Offenheit der Bewohner.

Ansonsten werden in Ottenstein alle Feiermöglichkeiten und Geselligkeiten ausgenutzt. Erster Mai (aber nicht als Tag der Arbeiter, die sind hier im Münsterland nicht so angesehen…), Vatertag (na klar), Generalprobe der Einweihung des Dorfparks, Einweihung des Dorfparks, Kirmes, Schützenfest, Feuerwehrfest, Erntedank undundund.
Es wird gelästert. Es wird gesoffen. Es wird sich präsentiert.
Es ist zum Kotzen.

Nach außen sind die Menschen sehr freundlich und höflich.
Ich mag das.
Aber es nutzt nichts, wenn ich von allen Ureinwohnern freundlich begrüßt werde und trotzdem weiß, dass hinter meinem Rücken gelästert wird. Ich fühle mich fremd, werde als Fremder wahrgenommen und will gar nicht in diese falsche Gemeinschaft integriert werden.
Bei meinen wenigen Gesprächen mit Nachbarn erfahre ich, dass der Eine über alle anderen ablästert. Ohne Ausnahme.

So.
Genug ausgekotzt.
Ich fühle mich generell wohl hier auf dem Dorf. Bin ja hier hingezogen mit dem Wunsch, meine Ruhe zu finden. Und da bin ich auf dem richtigen Weg.
Ich mag das Dorf, ich liebe die Felder und die Landschaft.
Täglich sehe ich, wie der Mais wächst. Ich stelle fest, dass die Mohnblüten nur morgens oder im Schatten in voller Blüte stehen, bei Sonnenschein schließen sich die Blütenkelche.
Und das Blau der Kornblumen kann ich nicht in Worte fassen.
Ich habe keine Ahnung, wann welches Getreide gepflanzt oder geerntet wird. Trotzdem betrachte ich die Felder, als wären sie ein Teil meines Lebens.
Auf den kleinen Landstraßen entdecke ich überfahrene Maulwürfe, auf den großen Landstraßen geplättete Hasen, Rebhühner und Fasanen.
Traurig. Aber auch ein Zeichen, dass es noch einige dieser Viecher geben muss…

Und dieser Horizont! Dieser Himmel! Diese Ruhe!
Schön…

Ich bin angekommen.
Und so langsam finden wir unseren Rhythmus, zumal Claudia jetzt eine befriedigende und korrekte Arbeitsstelle gefunden zu haben scheint (ich formuliere mal vorsichtig…).
Unsere Fürsorge für die Schwiegermutter nervt manchmal und kann anstrengen, aber wir ernten gesundheitliche Erfolge und viel Anerkennung und Liebe. Und Claudia braucht das und ich mag das. Scheiß auf die Begleiterscheinungen!

Ein Durchschnittstag von mir sieht zum Beispiel so aus:
8.30 Uhr:
Ich stehe auf. Begrüße Claudia, die sich voller Hektik zur Arbeit fertig macht und eine Umarmung braucht, ansonsten aber keine Störung. Ich nehme mir einen Kaffee, rauche den Tag an und verabschiede meine geliebte Frau.
Dann gucke ich, ob unten bei der Schwiegermutter alles in Ordnung ist.
9.45 Uhr:
Ein zweiter Kaffee, noch zwei Zigaretten, dann gehe ich mit dem Hund raus.
Aron rennt über die Felder und schnüffelt und ich genieße.
10.45 Uhr:
Ich frühstücke. Ein Brötchen – eine halbe Stunde mindestens.
Nahrungsaufnahme ist bei mir immer noch langwierig und anstrengend.
11.45 Uhr:
Haushalt, Hausarbeit, Kochen, all so ein Kram.
Dabei immer mal unten vorbeischauen.
Und natürlich im Compi nach Neuigkeiten surfen.
14.30 Uhr:
Warten auf Claudia. Gemeinsames Mittagessen. Entspannen (vor allem für sie…).
Dann den Verband der Schwiegermutter erneuern.
16.00 Uhr:
Erneuter Gang über die Felder. Mindestens fünfundvierzig Minuten.
Danach wenn nötig ein gemeinsamer Einkauf.
Und Kram.
Und vielleicht im Garten liegen.
19.00 Uhr:
Schreiben, Surfen, Compikram. Musik hören.
Der Abend wird eingeleutet. Ich gestehe, meistens besteht er aus der Glotze oder ich sitze an meinem Schreibkram während Claudia mit Freundinnen telefoniert.
22.45 Uhr
Eine kurze Runde mit Aron, eine Gute Nacht Zigarette und dann Ab Ins Bett.

Meine Tage sind erfüllt.
Schreiben, Lesen, Musik, …: Da kommt ja noch einiges hinzu.
Es ist okay.




Und dann wären da noch 6 musikalische Neuerscheinungen, über die ich schreiben möchte:

Franz Ferdinand & Sparks  
Wirtz  
James Taylor
Desaparecidos
Sun Kil Moon  
Konstantin Wecker

Und 6 Bücher, die ich gerade lese und über die was schreiben sollte:

Christoph Kleinhubbert: “alles auf einmal“
Lütfiye Güzel: „hey anti-roman“
Sven-Andre Dreyer: „Kleiner Vogel Tod“
Ralf Preusker: „privatsachen“
H.-P- Gansner: „superherz“
Roland Adelmann: „Bier im Frühstück Tschernobyl im Arsch“

Aber dieser/dieses Blog ist eh schon lang genug.
Vielleicht im Laufe der nächsten Woche.
Je nach Bock und Muße…









Montag, 15. Juni 2015

MAULhUREnfestival & die Schwangerschaftsphasen meines neuen Gedichtbandes




Kommen wir zum MAULhUREnfestival.
Es war schön in Recklinghausen und Dortmund.
Für das Wetter konnten wir mit dem Publikum halbwegs zufrieden sein, wenn es auch in Doofmund ein paar Leute & n bisschen Stimmung mehr hätte sein können.
Die Schreiberlinge waren durch die Bank klasse:
Großartige komprimierte Dichtung von Lütfiye Güzel!
Ich hatte die Ehre, neben ihr sitzen zu dürfen. Mann! Da war ich stolz!


Kersten Flenter wie immer äußerst professionelle Rampensau! Sehr humorig mit nachdenklichen Zwischentönen. Einfach immer klasse.

Christoph Kleinhubbert kannte ich noch gar nicht.
& ich verbeuge mich vor wirklich ganz tollen Gedichten, die ich morgen dann auch lesen werde.

Alex Gräbeldinger vom Ox kannte ich auch noch nicht. Ich habe mich köstlich amüsiert. Und den Schnaps, den er spendierte, um das Publikum zu bestechen, hatte er nun wirklich nicht nötig!


Jenzz Dieckmann kannte ich als genialen Gestalter der Cover der MAULhURE, meines Romans „Ausgehöhlt“ & seiner absolut genialen Zeitschrift „Inside“. Er las (soweit ich das verstanden habe) zum ersten Mal. Und überzeugte.

Und zu Roland Adelmann muss ich eigentlich nix schreiben. Der Poet vom Rhein trug seine Gedichte & einen Auszug aus seinem Roman „Bier im Frühstück Tschernobyl im Arsch“ gewohnt souverän vor, wenn es auch etwas peinlich war, dass er seine Texte zur Lesung vergessen hatte & seine Frau Eva die noch holen musste.

Zwei klasse Lesungen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten!

Zu erwähnen wäre da noch mein verschleimter Schlund, der meinen Part etwas erschwerte & zu peinlichen & störenden Hustenanfällen führte. Außerdem Aron, der sich in Recklinghausen als Lesungsunkompatibel & nervend präsentierte (lag vielleicht an der städtischen Umgebung oder der Gewitterluft – sorry dafür!).
& der Kicker: Kersten Flenter & ich siegten gegen die Trierer (Jenzz Dieckmann & Sylvie Kirakaro). Ich sag mal SOUVERÄN – aber eigentlich war es sehr knapp & glücklich. & ich hatte am Samstag nen Muskelkater.
Ein kleiner alter Mann ist nix mehr gewohnt…
& der Mann hinterm Tresen in Doofmund trug ein Slipknot T-Shirt & wirkte ansonsten auch lustlos, uninteressiert & störend. Bei dem Shirt keine Überraschung…

Alte Freunde & Mitstreiter getroffen, neue Menschen kennengelernt & natürlich ein Bier zu viel getrunken & die Gastfreundschaft von Eva & Roland genossen & da war auch Nostalgiefeeling an alte Social-Beat-Zeiten & da war Hoffnung in die Zukunft (Hey Alex! Du könntest der Sohn von Roland, Kersten, Christoph, Jenzz oder mir sein!)

Ach ja. Urs Böke war da. Hat natürlich nicht gelesen.
Dafür ausnahmsweise wenig gelästert!
& seine Partnerin Nadine (sorry Nadine, dass ich dich ungefragt erwähne & dein Bild veröffentliche! Wenn es dich nervt, dann lösche ich das wieder!) feierte ihren Geburtstag auf der Lesung in Doofmund. Das muss Liebe sein!




So entsteht bei mir ein Gedichtband:

- Phase 1:
Ich stelle fest, dass sich massig Lyrik auf meinem Computerordner gesammelt hat. & ich entwickele Spaß an den Sachen. Bei Lesungen probiere ich den ein oder anderen Text schon mal aus. Scheint zu klappen.
Also, warum nicht?

- Phase 2:
Ich sammele. Lege einen neuen Ordner an & packe die Gedichte, die in Frage kämen, da rein. Ich durchwühle meinen Blog & kopiere interessante Teile in den neuen Ordner. Ich durchwühle die Fragmente & gucke, was unter Umständen brauchbar wäre.

- Phase 3:
Ich überlege noch mal, ob sich das wirklich lohnt oder ob ich nicht was anderes schreiben sollte.
Ich nicke mir zu.
Dann belabere ich meinen Verleger, der zähneknirschend (Lyrik verkauft sich nicht) zusagt, dass Ding zu machen.
Ein lockerer Zeitplan wird festgelegt.

- Phase 4:
Ich gehe jeden Text am Compi durch. Korrigiere, erweitere, streiche zusammen. Ein Arbeitstitel wird festgelegt.
Ab jetzt wird keine Zeile aus dem Gedichtband mehr im Netz erwähnt.

- Phase 5:
Ich drucke alle Texte aus.
Versuche eine Reihenfolge zu finden. Korrigiere, streiche & mache Notizen auf Papier.

- Phase 6:
Ich tippe die Änderungen in die Texte, lege eine Datei an, in der ich die Dinger in der gewählten Reihenfolge anordne, drucke dann das ganze Ding aus.

- Phase 7:
Ich zeige den Kram meiner Frau & vielleicht ein paar FreundInnen & warte auf ihr Urteil.

- Phase 8:
Ich ändere unter Umständen nochmal, dann schicke ich den Kram meinem Verleger zum Lektorat & zur Korrektur.

- Phase 9:
Nach den Veränderungsvorschlägen des Lektorats überarbeite ich das Teil nochmal & hoffe, dass das dann steht.
Jetzt beginnt die Festlegung auf einen Titel & die Covergestaltung

- Phase 10:
Irgendwann ist das dann fertig & kann zur Druckerei.

- Phase 11:
Ich korrigiere die Druckfahnen & warte sehnsüchtig.

- Phase 12:
Ich starte die Werbung, warte sehnsüchtig.

- Phase 13: Ich habe das Buch in den Händen & trinke mit meiner Frau eine Flasche Sekt darauf.
Dann fahre ich zu ein paar Freunden & gebe ihnen das fertige Buch & signiere & verschicke die ersten Vorbestellungen.


Ich bin jetzt bei Phase 4. Arbeitstitel: „Notes from a tired old man“.
Ab morgen werde ich Phase 5 beginnen.
Mein Verleger soll den Kram Anfang August bekommen. Da er im September im wohl verdienten Urlaub ist, wird es dann ein bisschen dauern.
Phasen 10 bis 13 sind für Spätherbst/Winteranfang geplant.
Ich halte euch auf dem Laufenden…




Außer der Arbeit am Buch & den normalen Kram ist bis Mitte August sowas wie Urlaub angesagt.
Klingt komisch aus den Fingern eines Erwerbsminderungsrentners, der entweder immer oder nie sowas wie Urlaub hat.
Aber zumindest Lesungen stehen die nächsten 6 Wochen nicht an & ich habe den Plan, meine Internetpräsenz etwas zu reduzieren.
& zum Beispiel auch mal wieder was zu lesen.

Ach ja. Da mein Lesemarathon (is übertrieben – egal…) mir Spaß gemacht hat, bin ich ab September wieder buchbar.
Ich bin für alles zu haben, mache alles, was Spaß verspricht, will bloß nix dabei draufzahlen.