Freitag, 17. April 2015

Notes from a tired old man






Es ist schön
wenn man sich
und vor allem den Leuten
nichts mehr beweisen muss

Diese göttliche Gelassenheit
kann mir niemand nehmen

Ich weiß
dass ich nie gut genug werde
um meinen Ansprüchen zu genügen
Ich weiß nicht
ob ich den Ansprüchen der Leute genüge
aber
das ist mir scheißegal

N paar Menschen gefallen
n paar meiner Texte
Selbst ich finde
Einiges ist mir ganz gut gelungen
& ich freue mich
wenn es gefällt

Ich werde immer seltener richtig wütend
& finde
dass die vorderste Front eh den Jüngeren gehören sollte
trotzdem
kann ich immer noch nicht mein Maul halten
& werde das wohl auch nie schaffen
& finde das auch gut so

Die Jungen
sollen meinetwegen vom Ficken und Saufen schreiben
ich brauche das nicht mehr
& frage mich
warum da so viel Wirbel drum gemacht wird

Vielleicht gab es mal Zeiten
wo ich zweimal täglich vögelte
& mir zwischendurch einen runterholte
weil ich Bock drauf hatte
Aber
diese Zeiten sind vorbei

Vielleicht gab es mal Zeiten
wo ich tagelang durchfeierte
& das Bier kistenweise leerte
Jetzt gibt es Tage
da bin ich nach drei Flaschen Bier betrunken
Aber
dafür halten sich die völlig verkaterten Morgen
in Grenzen
& glaubt mir:
Das ist ein Vorteil!

Provozieren?
Hab ich immer gerne gemacht
Womit kann man heute noch provozieren?
Ich probiere es
immer wieder gerne mit Romantik-Scheiß

Vielleicht war ich früher mal
ein harter Junge und hatte es drauf
Ich glaube
eher nicht

Vielleicht habe ich es jetzt drauf
wo ich kein harter Junge mehr sein muss
Keine Ahnung
– Wie immer

Ich brauche nicht auf dicke Hose zu machen
Es ist völlig egal
ob und was für Eier ich habe
& das gefällt mir

Zum Beispiel der Sternenhimmel
oder die Wolken am Tag
über den Feldern hier im Münsterland
& Aron & Claudia neben mir
& unsere Umarmungen & Streicheleinheiten
& dass wir alle Scheiße durchgestanden haben &
unser Glück leben:
Besser
als alle Exzesse
die ich erleben durfte

Ich strebe nicht mehr
nach Geld & Macht & beruflicher Anerkennung
Ich mag zwar Statussymbole & Luxus
aber ich kann auch ohne

Wichtig sind mir meine Freunde
meine Familie(n)
& vor allem meine über alles geliebte Frau
Sie hat mir erst gezeigt
wie wichtig das ist
& wenn sie zufrieden ist
bin ich es auch
& wenn sie an irgendetwas leidet
dann leide ich auch

Ich bin jetzt über 50
& wollte früher niemanden über 30 trauen
& hätte nie gedacht, so alt zu werden
(Ich fühlte mich irgendwie immer dem Club der 27er verbunden)

Ich bin jetzt 5 Jahre verheiratet
& vor zehn Jahren
hätten alle meine Freunde mir keine 10 Tage gegeben
beziehungsweise nie mit einer Hochzeit von mir gerechnet
& ich bereue keinen einzigen Tag

Ich habe meinen Krebs 8 Jahre überlebt
& zerstöre wieder einmal jede Statistik
(Mit den Worten der Ärztin:
 „Wir haben selten Patienten
  die so lange bei uns sind…“
 (So ähnlich sagte die das, war wohl lieb gemeint…)

Ich bin sichtbar alt
(& sehe eindeutig noch älter aus, als mein Ausweis aussagt…)
aber ich kann immer noch mit Aron an den Feldern rumtollen
& werde mich die Tage sogar wieder auf ein Fahrrad trauen
(was bei mir bisher dreimal zu fürchterlichen Unfällen führte &
 was ich nach meiner Neck-Dissection ausgeschlossen hatte…)

Ich bin offiziell arbeitsunfähig & berentet & kann mir davon nix kaufen
geschweige denn meine kleine Familie ernähren &
mit meiner Schreiberei verdiene ich leider nur
Streicheleinheiten für mein Ego
& n paar Cent
aber auch das
ist völlig okay

Ich bin sichtbar behindert
& sabbere
& kann nicht so artikulieren
wie ich gerne möchte
& das ist Scheiße & macht mich fertig
aber ich lasse mich davon selten unterkriegen
& meine Aspirationsanfälle bei der Nahrungsaufnahme
& meine Hustenanfälle
machen mich zwar jedes Mal fertig
aber ich überstehe sie mit Routine
& selbst die Schmerzmittel nehme ich so gut wie nie

Alles läuft
irgendwie
Life goes on and an on
Kein Leben ist leicht
vielleicht jammere ich einfach zu viel

Selbst das:
Ich darf das
Ich darf alles!

Und:
Ich muss mir nix mehr beweisen
Erwartet also nichts Neues von mir

Ich bin alt
laut ärztlichen Gutachten „frühgealtert“
Ich bin müde
Immer
Das gehört wohl dazu

Aber ich bin meistens zufrieden
& habe immer noch Flausen im Kopf
& spüre täglich die Liebe zu meiner Frau
& tanze & singe
- wenn auch nur in mir –
Ich lebe

Ich muss mir nichts mehr beweisen
ich muss den Leuten nichts mehr beweisen

Ich bin – was auch immer –
aber ich bin

Ich bin fast immer müde
& will meistens meine Ruhe
- Ich glaube
selbst damit
kann ich immer noch wach machen

Wie immer:
Oder so…














Montag, 13. April 2015

Schnipp Schnapp – Koitus Interruptus





Vor ca. fünfundzwanzig Jahren hätte ich mich beinahe sterilisieren lassen.
Hey, bei uns Männern wirklich ne kleine Sache. Und ungefährlich.
Und Kinder wollte ich nicht, konnte ich damals (wie auch heute) die Verantwortung nicht für übernehmen. Also Schnipp Schnapp.
Ich habe es dann doch nicht getan:
Sex sollte damals (gerade mit wechselnden PartnerInnen) eh mit Kondom praktiziert werden, da Safer Sex Pflicht war (ist es eigentlich heute auch – oder?). Kondome machten keinen Spaß, waren aber sicherer. So wie Keyboarder in ner Rockband. Und wenn ich eh ein Gummi überstreifen musste – weshalb dann noch Schnipp Schnapp?
Außerdem: Wir Männer lassen uns nur ungern unserer Männlichkeit berauben. Das passiert zwar nicht bei einer Sterilisation, wir verlieren nur unsere Zeugungsfähigkeit, aber im Kopfkino liefen ganz andere Filme.
Das fiel mir jetzt gerade beim Gassigang alles wieder ein.

Meinen besten Freund nannte ich damals manchmal mit ironischen und leicht verzweifelndem Grinsen C.I.: Coitus Interruptus (eigentlich wird das mit „K“ geschrieben, ich wusste es aber nicht).
Wir wohnten im gleichen Haus und wenn ich mit meiner damaligen Liebe gerade so richtig schön zugange war, dann klopfte oder klingelte er oft an. Er hatte da ein Talent für, brauchte gerade Zucker oder Mehl, während wir vögelten. Und grinste und entschuldigte sich, wenn ich im ausgebeulten Bademantel die Tür öffnete.
Ich öffnete immer. Ich ging auch immer ans Telefon. Eine meiner schlechten Eigenschaften: Es könnte ja wichtig sein…
Auch daran erinnere ich mich gerade.

Meine Frau und ich hätten gerne Kinder gehabt. Wir lernten uns leider zu spät kennen. Und ihre Endometriose und meine Krebsgeschichte machten uns beide unfruchtbar. Ich fand das nicht schlimm: Ich war aus dem Alter raus. Außerdem: Diese Verantwortung!
Wir wären tolle Eltern gewesen.
Ich hätte wahrscheinlich zu viel erlaubt. Claudia wäre überängstlich gewesen. Wir hätten uns ergänzt.
Außerdem wären unsere Kinder wunderschön und hyperintelligent geworden. Aber hallo!
Egal. Ist nicht. Hat nicht sollen sein. Punkt.

Weshalb ich gerade jetzt auf dieses Thema komme:
Es ist Frühling. Und unser Hund Aron ist noch nicht kastriert / sterilisiert.
Vorgestern (der wirkliche Frühlingstag) wollten wir uns in den Garten legen. Aron nervte schon ein paar Tage, war unruhig, fiepte und heulte und fraß unregelmäßig.
„Ist bestimmt irgendwo in der Umgebung ne läufige Hündin.“, sagte ich.
Wir lagen noch nicht, da tauchte plötzlich Bella auf, die Nachbarshündin. Ich dachte, die beiden wollten spielen und so sah es auch zuerst aus. Bis ich wahrnahm, dass sie unserem Aron ihr Hinterteil anbot, er schnüffelte und sich sofort startklar machte.
Mit viel Mühe konnte ich ihn noch gerade wegziehen und dann hatten wir einen kleinen Kampf mit zwei Hunden, die sich unbedingt vereinigen wollten und leicht hysterischen Menschen, die dies verhindern wollten. Und verhinderten. In letzter Sekunde. Ein Zentimeter vor dem Einschlag.
Aron ist ein vierzig Kilo schwerer Schäferhund-Mix, Bella eine zehn Kilo leichte kleine Dackelmischung.
Wäre für sie nicht lustig geworden.
Und für die Besitzerin schon gar nicht…
(Obwohl: Ich hätte mich ja auf die Welpen gefreut. Interessante Mischung…)

Ich hatte Claudia vorgewarnt und wollte bei Aron das Schnipp Schnapp machen lassen.
Zumal er auch bei anderen Rüden sehr ausgeprägtes Dominanz-Verhalten zeigt. Und manchmal eben den Rüpel-Rüden raushängen lässt.
Und gerade bei Rüden ist das nur ein kleiner Eingriff, der uns (s.o.) und auch ihm (weil wir es immer verbieten werden) viel Stress nehmen wird.
Trotzdem bleibt da dieses männliche und dumme ungute Gefühl…

Nächste Woche – oder spätestens übernächste Woche, wenn ich wieder richtig fit bin – ist Aron reif.
Nein. Ich habe kein schlechtes Gewissen. Würde sogar aus Solidarität mitmachen. Aber bei mir ist da keine Notwendigkeit mehr vorhanden.

Wuff.


Donnerstag, 9. April 2015

Hatschi! Meine Osterwoche:



Freitag die Schwiegerfamilien & wunderschönes Wetter & Samstag meine zwei besten Freunde & Sonntag nur Frau und Hund & immer noch kalt aber Frühlingsvorflimmern & Claudia geht es besser & mir damit auch – da kratzt mich selbst die Niederlage der VfL Bochum nicht.




Doch. Ein schönes Ostern.

& der Vorabstream der neuen Blur ist klasse & ich freu mich auf die Platte während die „Best of“ zum 25ten von Grateful Dead zwiespältig ist -  welche „Best of“ ist das nicht? –
Doch. Sowas ist wichtig: Sowas ist mir wichtig.
Musik ist mein Lebenselixier. Oder so.
„Go Out“ von Blur hat sich mir ins Herz gebrannt.  Und ich hüpfe damit durch die Ostertage.




Montag dann ab in den Ruhrpott und zu meiner Mutter & auch das war wirklich schön & alle waren gut drauf &

Wirklich ein schönes Ostern.




Dienstag und Mittwoch & der Frühling kommt langsam & mich packt die Erkältung & leichtes Fieber & ich bekomme Schreib- & Hundegangverbot & das ist nicht so toll.
Aber erträglich & sinnvoll.

Immerhin ist dadurch mein Tabakkonsum auf ein Drittel reduziert.





&:
Da hätte ich doch über Ostern und meine Erkältung beinahe den heutigen Nachsorge-Termin im Krankenhaus in Bochum vergessen!
Fiel mir zum Glück gestern Nacht noch ein, so konnten die mich heute mal wieder so richtig schön ärgern...
Und ein Kommentar der Ärztin: „Sie kommen ja schon acht Jahre zu uns. So lange haben wir selten Patienten mit ihrer Tumor-Erkrankung.“
Ich glaube, sie meinte es nett...




Neben Zahnarzt (Überweisung) & Krankenhaus hatte ich Leerlauf & so „genoss“  ich den Frühling in der Herner Fußgängerzone & im Bochumer Ruhrpark.
& sehnte mich nach dem beschaulichen Münsterland.

Als ich die ganze Scheiße hinter mir hatte konnte ich nicht schnell genug nach Hause fahren. & hielt mich an das Versprechen, vorsichtig zu fahren. & dann war ich wieder bei Claudia & Aron & das Leben ist doch schön.





& dann waren die Exemplare der „Fledermaus“ (Super Anthologie vom Gonzo-Verlag!) bei mir angekommen. Freu!

& auf der Autofahrt konnte ich endlich Bilderbuch hören. Hatte mir ein Kollege geschickt.
Ich sag mal so: Falco der 2015er.
&: Wirklich gut.
Aber irgendwie bin ich wohl zu eingefahren & zu alt dafür, nicht ganz mein Ding.




Ich mach mal Schluss mit den Worten der Schwiegermutter, die wie Öl runtergingen. Sie vermisste mich und:
„Gut, dass du wieder da bist und alles in Ordnung ist.
 Schließlich brauchen wir und Claudia dich noch hier!“

Das Leben ist schön.
Trotz Erkältung. Trotz Behinderung. Trotz all dem Scheiß.

Gute Nacht!

Montag, 30. März 2015

Heute mal wieder ohne Fotos



Der Wind bläst mich ja beinahe um hier auf den Feldern!
& das Wetter letzte Woche war scheiße & soll ja auch nicht wirklich besser werden & nächste Woche ist Ostern.

Guten Morgen!

Alle bisherigen Bestellungen der MAULhURE  #4 und „Ausgehöhlt“ sind jetzt verschickt & das waren ganz schön viele Exemplare & das Signieren machte sogar Spaß & beim Porto habe ich mich dann selbst beschissen, weil die Päckchen/Briefe doch etwas schwerer waren & mehr Porto kosteten aber das ist egal:
Ich bin stolz auf die Bücher & n kleines bisschen auch auf mich!

&
natürlich könnt ihr weiterhin bestellen!

Guten Tag!

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Rentner und Erwerbslose am meisten über die Zeitumstellung meckern?
Finde ich gut. Ich meine das Meckern. Die Zeitumstellung ist mir mittlerweile ehrlich gesagt völlig egal…

Nicht egal sind die Todesfälle im Rahmen des NSU-Prozesses.
Das passt doch alles in meine Idee eines kranken Krimis! Ich sollte Urheberrechte einklagen!
Aber ich habe den ja nicht geschrieben, weil ich dachte, dass würde mir kein Schwein glauben…

Moin…!

Zu Flugzeugabstürzen äußere ich mich übrigens nicht.
Ich bin nicht die Bild-Zeitung.

Gute Nacht!

Weiterhin erfreue ich mich an den Lämmern auf den Wiesen. & an den Vogelschwärmen & all die Knospen, die jetzt aufbrechen & da kann mir das scheiß Wetter nix vermiesen!

Weiterhin kämpfen wir uns durch das Leben & haben immer wieder neue Ideen & Pläne & irgendwann wird auch irgendwas klappen.

& ich vertraue einem Physiotherapeuten tausendmal mehr als einem Orthopäden.
& manchen Krankenschwestern und Pflegern wesentlich mehr als hochnäsigen Oberärzten.
Die kümmern sich. Denen geht es um Menschen.
& die haben oft Plan.
Mehr als Ärzte. Die haben ein Konto.

Hallo!
Aber Hallo!

Bücher schreiben macht mehr Spaß, als die geschriebenen Bücher zu verkaufen.
& jetzt ist mein Kopf frei für neue Bücher.
Vorher räume ich mein Arbeitszimmer um & erledige allen Papierkram & atme durch.
Nach Ostern fange ich an – habe schon einige Ideen in meinem Kopf…

Auf Wiedersehen!

Montag, 23. März 2015

Wunder erwartend (Noch ne halbe Stunde bis Anpfiff)






Jetzt wird es langsam dunkel
& mich beschleicht das dumme Gefühl
dass es das eigentlich immer wird
bzw. immer ist
- dunkel

Wieder mal &
wie immer
auf Wunder wartend
Vielleicht bringen die
Rettung & Ruhe

Andererseits:
Bloß nicht zu viel erwarten
Zu leben & zu überleben
ist ja irgendwie auch ein Wunder
oder so

Schutzengel gibt es auch im Prekariat
und unsere
leisten weiterhin Überstunden
unbezahlt –
so ist das nun mal in modernen Zeiten

Auf der Suche
nach dem ultimativen Schmerzmittel
& Antidepressivum
mixe ich Kaffee, Zigaretten & Bier
Manchmal bilde ich mir ein
dass das hilft

&
Niemanden stört es
wenn ich auf der Party nicht erscheine
That’s good:
Mein schlechtes Gewissen
hält sich folglich in Grenzen

In einer halben Stunde
spielt der VfL Bochum
& ich werde mir das entspannt in der Glotze angucken

Dann komme ich wenigstens nicht mehr in Versuchung
solchen Kram zu tippen