Montag, 11. Juni 2012

Fußballfieber


Fußballfieber

Manchmal bin ich konservativ. Wertkonservativ – und alles, was alt ist und Tradition hat, muss ja nicht schlecht sein.

Zum Beispiel beim Fußball:
Ich persönlich würde ja am liebsten die alten Lederbälle sehen. Mit schwarz-weißen Flecken, im Idealfall sogar abgewetzt. Mit solchen Bällen haben wir als Kinder gespielt, manchmal waren sie eher eierig statt rund. Aber es war geil, diese Dinger zu treten.
Okay. Mittlerweile habe ich mich an die hochentwickelten Dinger gewöhnt. Die haben ne andere Flugbahn, sind schneller, lassen sich von den Torhütern schlechter festhalten. Aber das Spiel ist eh schneller geworden und somit ist das schon okay.

Eine Sache geht gar nicht:
Diese hässlichen bunten und grellen Fußballschuhe sind eine Beleidigung für das Auge jedes Fußballfans!!!
Fußballschuhe sind Arbeitsgeräte und keine Model-Treter. Grelles Orange, ekliges Hellblau oder Augenkrebs auslösendes Pink sind einfach nur hässlich, albern und zum Kotzen!
Ein Messi darf das vielleicht. Meinetwegen sogar goldene Schuhe. Aber ein normaler Fußballer sollte auch normale Schuhe tragen!
Und die müssen halt schwarz sein, mit weißen Streifen. Es gibt Sachen, die müssen eben erhalten bleiben!
Ich verkneife mir jetzt Äußerungen, die homophob erscheinen könnten. Ich versuche, mir frauenfeindliche Sprüche zu verkneifen, aber diese bunten Schuhe würden zum Frauenfußball passen – und Frauenfußball hat bekanntlich mit Fußball wenig zu tun.
In Bochum gab letzte Saison einen Fußballer, der mit seinen grell orangenen Schuhen auffiel und ansonsten katastrophal über den Platz stolperte.
Je auffallender die Schuhe, desto schlechter der  Spieler. Ich weiß, das stimmt nicht immer. Aber die Vermutung findet häufig Bestätigung…
Und ich habe Alpträume von Fußballschuhen mit Pfennigabsätzen statt mit Stollen.
Nee!!! Bitte nicht!!!

Ansonsten hat die EM angefangen. Und mich natürlich voll im Griff.
Ich habe auch schon meine zwei absoluten Hass-Spieler entdeckt: Gomez und Robben.
Der Deutsche trabt lustlos über den Platz, beschimpft seine Mitspieler und jede Entscheidung des Schiedsrichters, foult hinterlistig und lässt sich theatralisch fallen. Macht aber dann doch das entscheidende Tor.
Der Holländer hat eigentlich alles, um ein riesiges Fußballgenie zu werden. Aber er dribbelt sich fest, sieht seine Mitspieler nicht, beschimpft jede Entscheidung des Schiedsrichters. Und hat dann auch noch Pech. Das gönne ich ihm.

Ich fühle mich an meine Kindheit und Jugend erinnert. Da hatten wir immer solche Spieler. Und ärgerten uns meistens maßlos über diese egoistischen Ärsche.
„Erster Alles!“ schrien die immer sofort. Egal, ob Eckball, Freistoß, Elfmeter oder Einwurf. Irgendeine Sache davon konnten die auch. Aber eben nicht alles.
Während die anderen sich den Arsch aufrissen und den Platz beackerten warteten diese Schönspieler auf den Ball. Und fummelten sich dann fest oder verbaselten den Abschluss. Oder trafen auch schon mal. Für solche Spieler war Fußball Selbstdarstellung, kein Mannschaftssport. Schon komisch, dass diese Typen selbst im Profibereich auf allerhöchstem Niveau anzutreffen sind.
Ich war Verteidiger oder Torwart. Meine Reflexe waren gut, aber ich war langsam. Mein Vorteil: ich hatte keine Angst. Und damit meine Gegenspieler schon n bisschen Sorgen um ihre Schienbeine…
Ich fummelte nicht gerne aber ich liebte es, Flanken zu schlagen. Und die waren gar nicht mal so schlecht und wenn mein Mitspieler so eine Flanke verwandelte, dann war das einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl!
Oder eine geile Parade und der Ball dann in meinen Armen und die Mitspieler klopften mir auf die Schulter. Klasse!
Aber ich verbaselte natürlich auch Bälle. Oder ließ mich überlaufen und meine Grätsche landete im Rasen und nicht am Ball oder den Knochen des Gegners.
Wenn ich ehrlich bin, war ich eher ein mittelmäßiger Fußballer. Und zwar im unteren Mittelfeld.
Trotzdem machte es Spaß!

Ich bin im Em-Fieber.
Nein. Nicht Schwarz-Rot-Gold beflaggt. Das Gold würde ich abschneiden und den eingekreisten ersten Buchstaben des Alphabets auf die Fahne malen.
Aber Fußball ist schon geil. So wie die Spanier und die Russen ihn spielen zumindest. Italien war auch nicht schlecht, aber die kann ich nicht ab.

Ob da ein Entwicklungshilfeminister bei einem Teppich aus Afghanistan bescheißt geht mir am Arsch vorbei: Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure als an die Ehrlichkeit eines Regierungspolitikers.
Rücktritt? Warum?
Unehrenhaftes Verhalten überrascht doch niemanden mehr. Höchstens die Blödheit, sich erwischen zu lassen…
Fiskalpakte und Rettungsschirme gibt es nur für Banken, nicht für die Menschen.
Und wenn das nicht schon längst Krieg ist, was da in Syrien passiert, dann weiß ich auch nicht mehr…

Brot und Spiele.
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert meistens 93 Minuten.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Nerv!


Also!
Niederlagen gegen Portugal und Dänemark. Bitte nicht gegen die Kaasköppe, aber auch das scheint möglich. Und Merkel ist Schuld:
„Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird heute Abend die deutsche Nationalmannschaft im Trainingslager in Danzig besuchen. Wie ihr Sprecher Steffen Seibert in Berlin ankündigte, wird Merkel am Abend für etwa zwei Stunden mit der Mannschaft und ihren Betreuern in deren Teamhotel in Danzig zusammentreffen. Der Besuch sei gedacht "als Geste der Unterstützung für unsere Nationalmannschaft vor einer vermutlich schwierigen Vorrunde", sagte Seibert.
Merkel werde nach dem Training die Mannschaft und die Delegation begrüßen, sagte der Teammanager der Nationalelf, Oliver Bierhoff, dem Sport-Informationsdienst SID. "Wir freuen uns darauf, das ist natürlich eine schöne Abwechslung und ein schöner Kreis."“
(yahoo nachrichten)


Leute, manchmal schmeiße ich Euch zu und bring Tag für Tag was Neues hier rein. Gönnt mir einfach den Kreativschub. Ich hoffe, nicht alles ist nichtssagend…:

Kein fertiges Gedicht, so wird das wohl nie veröffentlicht werden. Aber irgendwie beschreibt das so meinen heutigen Tag und meine momentane Stimmungslage. Und deshalb poste ish das jetzt einfach:

Nerv!


Dauerregen kann nerven
und nach meiner Krankenhausuntersuchung bin ich eh
immer genervt
Ich probiere Santana
und lösche ihn sofort wieder
früher mochte ich sein Gitarrenspiel
und sein 3 Stunden Konzert in der Westfalenhalle war göttlich
aber über 30 Jahre später
nervt das Geklimper nur noch
zumal er sich selber kopiert
und da gar nix Neues kommt
Also Slash
aber da mich da der Gesang nervt
schwenke ich auf The Cult um
die nerven weniger
können mich aber nicht ganz überzeugen
Ich rauche mir erst mal eine
Im Krankenhaus ziehen sie ihr Routineprogramm durch
Röntgen, Ultraschall, Maulinspektion
und all so unerfreuliche Sachen
am ärgerlichsten aber immer die Warterei
auf kalten Fluren
mit anderen Opfern
Nach drei Stunden bin ich fertig
und damit eines der schnellsten armen Schweine
der Tumorsprechstunde
und den Befund für die Rentenversicherung
- und die nervt tierisch
das könnt ihr mir glauben –
werden sie mir dann zuschicken
The Cult funktioniert überhaupt nicht
also Joey Ramones
posthume Soloscheibe
könnte kicken, könnte klappen
Meine Hündin Maya pennt auf dem Teppich
noch eine Zigarette
und ein wärmendes Telefonat
mit meiner Frau
die auf ihrer Arbeit genervt wird
und ein Blick in meine Mails
und auf Facebook
Natürlich nervt Facebook
und all die Idioten
die alle anderen User als Idioten shitstormen (so heißt das heute)
und sich für die einzig coolen und wahren Typen halten
- So ein Quatsch:
cool und wahr bin ich
sonst niemand! –
Die Songs aus dem Nachlass von Joey sind okay
kicken aber lange nicht so
wie die Ramones
und weiterhin genervt lege ich was anderes auf
Vielleicht ist ja die neue Willie Nelson die geeignete Therapie
ich mag die Stimme des alten Country-Manns, mag seine Gitarre Trigger
würde sie gerne mal spielen
würde wahrscheinlich keinen schönen Ton aus ihr rauskriegen
aber immerhin:
Willie scheint zu funktionieren…
Im Krankenhaus  nervt mich fastl alles
nur die Raucher vor der Eingangstür nicht:
die machen mich traurig:
In Ballonseide oder Bademantel
mit der Nadel im Arm
und Gips oder Verband oder
Leid
- nur in den Gesichtszügen zu erkennen -
meistens mit Schlappen an den Füßen
sitzen oder stehen sie da
und frieren
und haben ihre unsäglichen Ängste
Ich kenne das
ich fühle mit
Ich öffne mir ein Mittagsbier
und mich nervt
dass ich das gebrauchen kann
und dass das überhaupt Thema ist
aber es schmeckt
und es regnet noch immer
aber Maya muss gleich raus
und natürlich nervt das auch
Genau wie die Kontoauszüge und das Warten auf den Steuerbescheid
oder das Warten auf meinen Schriftstellervertrag
und die unsägliche Sehnsucht nach Erfolg und Verkaufszahlen
Und da geht es nicht nur um Kohle
sondern um Anerkennung
die jeder Schreiberling will und braucht
täglich und
eigentlich
immer
Meine Musiksammlung nervt mich
weil ich nicht mehr durchblicke
meine Bücherregale
und die im Keller gestapelten Kisten sprengen meinen Bedarf
aber ich kann mich nur schwer trennen
und der Input aus dem Netz ist dermaßen nervig
Es ist alles
Viel zu viel
MerkelsMonsterMarionetten verarschen uns
Betreuungsgeld, Pflegeversicherungsdeform, Fiskalpakt
und
kein Rettungsschirm für mich in Sicht
Literarisch und poetisch
müsste ich jetzt von dem Regenspaziergang mit Maya schreiben
aber ich schaffe eine trockene Runde
und ab und zu bricht sogar die Sonne durch
und es ist überhaupt nicht nervig
dass da gerade nichts nervt
Und musikalisch habe ich die Lösung gefunden
Die Beatles und Revolver packen mich mal wieder
„Yellow Submarine“ nervt zwar wie immer
aber
ich überspringe es und schwebe bei „She said She said“
Die Röntgenassistentim im Krankenhaus ist nett
und grinst mich an
und die Sekretärin an der Anmeldung kennt mich nach fünf Jahren persönlich
Die Ärzte wechseln
aber diesmal kann ich zumindest nicht meckern
Er versteht sogar
dass ich von dem ganzen Kram genervt bin
Immerhin
Und jetzt ist es Abend
und ich habe meine Frau von der Arbeit abgeholt

„Got to get you into my life“
Ich schreibe dies hier
und lasse euch damit in diesen Tag meines Lebens

Der Rest des Tages ist intim und versinkt im Meer des Schweigens
                                                                       Nervt mich bloß nicht mit Interpretationen!





Dienstag, 5. Juni 2012

Gimme more truth am 20.06. in der Bastion:


Lesung in der „Bastion“ in Bochum:


Sven-Andre Dreyer – Klaus Märkert – Hermann Borgerding:

„Gimme more truth“
Fußball ist erst wieder Morgen…

Sven-Andre Dreyer, geboren am 9. September 1973 in Düsseldorf, ist Schriftsteller und Redakteur. Seit Anfang 2002 veröffentlicht er seine Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften. Seine erste Einzelveröffentlichung erschien 2007 unter dem Titel "Sechzehn seltsame Stunden" (mittlerweile vergriffen) im Verlag Edition PaperONE in Leipzig. Dreyers literarische Veröffentlichungen sind als eine Mischung aus Lyrik und Kurzprosa zu betrachten, die sich oftmals durch detaillierte Alltagsbetrachtungen und subtile Wortspiele auszeichnen. Aktuell präsentiert er sein hochgelobtes und viel beachtetes neues Werk „Die Luft anhalten bis zum Meer“ (michason & may). Erzählungen voller lyrischer Prosa, die nicht nur den Veranstalter begeistern…
http://www.sven-andre-dreyer.de/

Klaus Märkert ist in Bochum bekannt als 1st DJ des „Zwischenfalls“ und als Autor der Romane „Hab Sonne“ und „Requiem für Pacman“ (beide Edition PaperONE), sowie der Erzählungen „Der Tag braucht das Licht – Ich nicht!“. Mit der Lesebühne „Schementhemen“ und auf zahlreichen Lesungen begeistert er mit seinen skurrilen und unangepasst-schrägen Texten.
http://www.klaus-maerkert.de/

Hermann Borgerding meldete sich letztes Jahr eindrucksvoll zurück und veröffentlichte den Gedichtband „Mein Mittelfinger dem Krebs“ und den Roman „Ausgehöhlt“. Schreibt regelmäßig in seinem Blog „Mein Mittelfinger für den Krebs (http://hermannborgerding.blogspot.de/), versucht sich mittlerweile als Veranstalter der Lesereihe „Gimme more truth“ in der Bastion in Bochum und freut sich wahnsinnig auf Dreyer und Märkert…
http://www.hermann-borgerding.de/

Die drei Autoren bestechen sowohl durch Authentizität, Humor und Lebenslust, als auch durch eine kritische Sicht, hauptsächlich aus der Perspektive der Underdogs, Verlierer, Kinder und Kindgebliebenen.
Am EM-Spieltagfreien Abend werden diese drei Ausnahmeliteraten sich die Bälle literarisch zuspielen und dabei mit Sicherheit Traumkombinationen zeigen.



Mittwoch, den 20.06.2012; Einlass ab 19.00 Uhr, Beginn ca. 20.00 Uhr
BASTION,
Karl-Lange-Straße 53
44791 Bochum
der Eintritt ist frei 


Montag, 4. Juni 2012

Titen rauß!


Rock am Ring:
Die Hosen haben schon ein beeindruckendes Konzert abgeliefert. Campino ist ne absolute Rampensau und ein im besten Sinne des Wortes Kampfschwein. Und spätestens als Greg Graffin von Bad Religion auf die Bühne kam war der Gig groß!
Ich mag die Toten Hosen. Seit 25 Jahren ungefähr, mal mehr, mal weniger. Aber begleitet haben sie mich musikalisch immer. Natürlich hat das nix mit Punk zu tun. Natürlich ist das Kommerzkacke. Aber für mich wirkt der Hosenkram absolut glaubwürdig. Und voller Feeling. Damit ist das schon besser, als der meiste Scheiß.
N paar Bands hätte ich gerne live gesehen. Soundgarden zum Beispiel (am Fernseher hatten die einen beschissenen Sound, das Konzert wirkte aber geil), Peter Doherty alleine an einer A-Gitarre (in der Glotze wurden nur zwei Lieder gezeigt) wirkte nüchtern und vital. Die Stranglers boten witziges Nostalgiekino. The Ting Tings, Tenacious D. und The Subways - Party pur.
Und dann die M‘s: Motörhead, Metallica, Marilyn Manson!!!
Meine Frau mag Metallica nicht. „Die klingen nach ner Waschmaschine beim Schleudern!“ Aber meine Frau hat auch keine Ahnung von Musik. Kann sie auch nicht haben, ist schließlich ne Frau…

Wie gesagt/geschrieben: die Livekonzerte hätte ich gerne mitgenommen. Das Festival an sich kann mir gestohlen bleiben und das sage ich nicht aus Neid und weil ich das Geld dafür nicht habe.
80.000 Menschen bei Metallica! Das ist mir mindestens zehnmal zu viel.
Mein Hass auf die meisten der heutigen Kids und mein Hang zur Misanthropie verleiden mir dann doch solche Massenspektakel. Drei bis vier volltrunkenen Tagen auf einer wachsenden Müllhalde zelten. Nee! Lasst ma…
Rock am Ring ist mir zu bombastisch und zu groß. Und ich glaube, dass ich es nicht schaffen würde, die oben erwähnten Bands wirklich nah genug live erleben zu können, manche traten wohl auch zeitgleich auf. Ganz zu schweigen von meiner Konstitution und Kondition… Dann lieber Glotze…

Ich verstehe nicht, was an Gummipuppen witzig sein soll. Und diese aufblasbaren Gummigitarren erscheinen mir unbespielbar. Zum Glück sind zumindest diese rosa Plastikhände aus der Mode gekommen.
Ich bin eigentlich nicht prüde. Und ich mag Titten. Aber hässlich und krakelig beschriebene Pappschilder mit der Aufforderung „Titten raus!“ bringen mich höchstens zum Gähnen. Da war nur ein Gutes dabei: „Titen rauß!“ hatte beinahe etwas von einem Gedicht.
Und der Spruch „You are the reason – why I learned to play guitar!” ist n klasse Lob an den Künstler (unverständlicherweise wurde dieses Schild Jack Black entgegengestreckt. Hmm… Das macht es mehrdeutig…).

Okay. Rock am Ring macht auf meinem Fernsehsessel Spaß. Und ich kann bei scheiß Bands einfach umschalten. Könnte ich nicht, wenn ich live dabei wäre…
Soviel dazu.


Parteitag der Linken. Ohne Worte. Und ohne Hoffnung.
Ich halte die Linken nicht für das Allheilmittel, ich halte sie nicht mal für den parlamentarischen Arm der außerparlamentarischen Bewegung (die es eh nicht gibt…).
Aber dass alle fortschrittlichen oder linken Gruppierungen sich seit Urzeiten nur selbst zerfleischen und durch ihre Zerstrittenheit sich selbst kaputt machen, das finde ich schon traurig…

Haben wir dieses Jahr den Sommer der Zecken?
Unsere geliebte Hündin hatte noch nie so viele Zecken wie dieses Jahr. Ich kann diese Viecher nicht ab. Und glaube, dass sie auch überhaupt keinen Nutzen im Ökosystem haben. Trotzdem werden Zecken und Kakerlaken irgendwann (vielleicht schon bald) uns Menschen überleben.
Und das finde ich äußerst unfair!

Und das Wetter ist heute noch fürchterlicher, trotzdem bessert sich merkwürdigerweise meine Laune wieder.

Gehört eigentlich nicht in einen Blog, trotzdem:
Claudia, Maya und ich wollen uns verändern.
Wir suchen eine finanzierbare 3,5-Raum-Wohnung in Bochum LA oder Hiltrop, Harpen, Gerthe. Castrop-Rauxel, Herne Holthausen, Dortmund Lütgendortmund oder Somborn kämen auch in Frage. (Ich würde ja auch nach Leipzig, MeckPomm oder ans Meer ziehen, aber das ist n bisschen schwierig mit der Arbeitsstelle von Claudia…)
Badewanne ist wichtig! Und Balkon oder Terrasse.  Und nette Nachbarn. Und Maya weist nochmal darauf hin, dass ich Hundehaltung erwähnen sollte. Und genügend Grün in nächster Umgebung. Und höchstens zweiter Stock.
01.10. wäre n klasse Datum. By the way unser Hochzeitstag.
Mensch, mir graut es vor dem Umzug und den nötigen Renovierungen und ich werde dann nach allen möglichen helfenden Händen schreien!

Ein Zitat von Konstantin Wecker:
"mit Gedichten wird heute keiner reich, aber sie können einen ab und an bereichern."
Jau. Da hat der große Mann mal wieder absolut Recht!
Ich habe zum Beispiel meinen nächsten Gedichtband fertig. Er besteht zur Hälfte aus einer überarbeiteten Neuauflage von „Versuch: Die Liebe“ und zur anderen Hälfte aus Gedichten dieses Jahres. Und der Krebs taucht so gut wie gar nicht auf!
Tja. Und jetzt ist das Ding auf einem Ordner in meinem Compi und ich habe noch keine Ahnung, was ich damit machen soll. Irgendwie werde ich das Ding wohl dieses Jahr noch veröffentlichen lassen, jetzt kann es sich erst mal auf der Festplatte ausruhen…

Neil Young und Crazy Horse rocken ab. „Americana“ ist ne Sammlung von Traditionals, die mit kreischenden Gitarren, hämmernden Beats und der Stimme von Neil durch meine Gehörgänge segeln. Das ist nicht die größte Platte von Neil, da ist nichts wirklich Neues und auch kein Schmash-Hit zu finden. Aber es macht verdammt nochmal viel Spaß!

Ich bin müde. Mir tuen alle Knochen weh. Mir ist kalt. Das habe ich schon oft geschrieben.
Mir geht es gut. Ich freue mich am Leben und an meiner Liebe.
Auch das habe ich schon oft geschrieben, kann ich aber gar nicht oft genug schreiben.

Jedes weitere Jahr, eigentlich ja sogar jeder weitere Tag ist für mich ein Geschenk. Statistisch habe ich meine Lebenserwartung nach dem Krebs längst übertroffen. Und habe eine Hündin, die mich liebt und die ich liebe. Und habe meine Freunde, die mir Wärme geben, auch wenn wir uns mal weniger sehen. Ich habe meine Familie und die Familie meiner Frau, die irgendwie zu mir gehört. Familienbande können nerven. Sie geben mir aber auch Zugehörigkeitsgefühle, Identität  und Halt. Früher habe ich mich immer mehr und immer stärker von allem familiären Kram abgekapselt. Seit meiner Erkrankung und seit meiner Hochzeit sehe ich das anders. Und finde es gut.
Und natürlich meine Frau. Claudia.
Liebe. Wärme. Zweisamkeit. Natürlich entpuppt sich manchmal auch meine Muse als Zicke (Hallo Rolf! Schöne Formulierung!). Es gibt neben der großen Liebe auch Streitereien und Nervereien. Aber die sind gut, immer von gegenseitigem Respekt geprägt und immer mit dem Wissen um unsere Liebe geführt. Ich beschwere mich zum Beispiel, dass sie Glucken-Verhalten an den Tag legt, mich bevormundet und beschützt und mich in Watte packen will. Trotzdem will und kann ich sie nicht mehr missen. Und manchmal brauche ich auch eine Aufpasserin, ich gestehe…
Claudia hat mich weich gemacht, mir Liebe gegeben und meine Lebenskraft gestärkt. Ich hoffe, ich kann ihr etwas zurückgeben.
Und solche Sätze hättet Ihr vor sechs Jahren von einem überzeugten Macho und Einzelgänger mit Sicherheit nicht gelesen!
Deshalb jetzt auch erst mal n Break. Und im nächsten Blogpost dann wieder ein Gedicht oder eine Geschichte…
Regnet es bei Euch auch den ganzen Tag?




Samstag, 2. Juni 2012

Manchmal geht halt auch was daneben...


Ein leerer Bildschirm vor mir, die Finger an der Tastatur und die Kippe im Mundwinkel.
So in der Art.

Die letzte Woche hatten wir Sommer im Ruhrpott. Schön. Und seit gestern ist der Hiltroper Teich wieder Kindergarten, die Enten und Gänsebabies sind geschlüpft. Ich mag so was und grinse während ich am Teich mit unserer Hündin entlang spaziere.

Eine Woche Schreibtischpause liegt hinter mir. Meine Texte werden dadurch auch nicht besser.
Und kaum sitze ich wieder hier, schreibe ich all diesen unwichtigen und quengelnden Kram, den ihr mittlerweile zur Genüge kennt. Fuck it. Oder auch nicht. Was weiß ich. Egal.
Irgendwie können mich eh alle am Arsch lecken.
Irgendwie ist mir momentan alles zu viel.
Und alles zu nervig.
Ich bin sauer:
Die Waschmaschine ist kaputt.

Es gibt ein neues Interview (na ja: im Prinzip habe ich zu fünf Fragen einfach was geschrieben…) mit mir im Netz:
http://wasmitbuechern.de/index.php/2012/05/21/hermann-borgerding-schreiben-ist-ja-auch-eine-sucht/
Lest es Euch mal durch, wenn Ihr Bock habt. Beschreibt sehr schön meinen Alltag.

Mein Lap auf meinem Schreibtisch. Aschenbecher, Kaffeetasse, Tabak. Eine kleine Leinwand (ich will mal wieder malen), ein Manuskript von Urs Böke, dass ich lektorieren darf.
Ich bin allerdings noch nicht dazu gekommen, weil ich bei seinen Gedichten immer vor Ehrfurcht erstarre. Dem supertollen Urs der nächste Link: http://ratriot.jimdo.com/
(Bloß die Maulhure 2, da warten wir immer noch sehnsüchtig drauf…)

Heute ist der erste Juni (okay: jetzt schon der Zweite…). Drei Wochen bis zum offiziellen Sommeranfang.
Passend wird es wieder kälter hier im Pott.
Und gleich drei Must-Have-Neuerscheinungen an einem Tag: Neil Yong und Crazy Horse: Americana, Patti Smith: Banga und dEUS: Following Sea.
Eigentlich kann ich mir das nicht leisten (ich höre die Helden gerade durch, schreibe vielleicht später noch mehr dazu…).

Roland Adelmann (und damit Rodneys Underground Press) ist jetzt aus Bochum geflüchtet.
Und für alle, die Rodney nicht kennen der lohnende Link:
Auch wenn er jetzt Doofmunder ist, er ist eine Legende der Underground-Literatur und es lohnt sich, ihn zu lesen oder bei ihm auf der Seite nach wirklich guter Literatur zu stöbern.

Und noch n Link. Der große Jörg Herbig glänzt vor allem mit zwei Projekten. „Die Fledermaus“ ist ein Horror- und Phantastik-Zine mit wirklich lohnenden Texten (http://fledermaus-zine.jimdo.com/) von ihm. Und mit knutimbauch (http://www.youtube.com/user/knutimbauch) hat Jörg einen Kanal auf youtube geschaffen, wo er die Creme de la Creme der Undergrounddichter zu Wort kommen lässt.
Jörg ist im besten Sinne der Worte ein Literatur-Junkie. Ich mag ihn.

Schreibblockade. Ich bin genervt, aber das habe ich schon erwähnt.
Die Waschmaschine läuft wieder. Thomas sei Dank! Auch dazu hat man Freunde.
Sonst läuft nicht viel. Außer „Banga“ auf meiner Anlage.
„Banga“ von Patti ist ein super Album. Ihre Lyriks sind ja eh unschlagbar. Genau wie ihre Stimme. Dazu kommen diesmal schöne Melodien, klasse Instrumentierung und massig Feeling.
Die alte Frau hat es drauf. Besser, als all die jungen Mädels.

Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt und hier schreiben soll oder kann…

Irgendwie passiert nix. Oder zu wenig. Oder doch zu viel.
Das Auto musste über den TÜV, die Waschmaschine war kaputt, Besuche bei Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Nichte, Schwager. Ein Tag am Meer (das war schön!), das Pfingstfestival in Essen-Werden (schönes Wetter…). Nachbarschaftsnervereien. …
Es ist einfach alles too much for me.
Und die Rentenversicherung verlangt ein ärztliches Gutachten nach dem anderen. Nach fünf Jahren Krebs ist man ja wieder gesund. Oder tot. Davon, dass jede Krebserkrankung unterschiedlich verläuft und Operationen, Amputationen, Bestrahlungen usw. durchaus chronische Folgen haben können, haben die in Berlin scheinbar nichts gehört.
Egal. Ich werde da weiter machen. Ich brauche die Rente. Finanziell und auch als passenden Status. Wenn ich könnte, dann würde ich nämlich durchaus bereit sein, als Krankenpfleger oder Altentherapeut zu arbeiten. Mir hat die Arbeit Spaß gemacht und ich vermisse sie.

Nächste „Gimme more truth“-Lesung in der Bastion in Bochum am 20.06. Und dann mit Sven-Andre Dreyer aus Düsseldorf, Klaus Märkert und mir als Moderator mit kurzem Beitrag. Nähere Informationen folgen…

Und dann wären da noch Ordnungskräfte und Sicherheitsdienste. Meist witzige Männchen, bei jedem Konzert oder Fußballspiel anzutreffen. Oder wenn man zum Gericht muss. Oder am Flughafen.
Okay, die machen ihren Job und der ist vielleicht auch nötig und oft sind die Männchen dabei korrekt und sogar freundlich. Oder es ist die andere Sorte. Die, die sich einfach wichtig fühlen und die Besucher schikanieren.
Letztes Wochenende hatte ich so einen beim Open-Air in Essen-Werden. Das ist ein kleines Festival an der Ruhr, früher wirklich mit guten Bands, diesmal allerdings nur Kinderscheiße (soweit ich das mitbekommen habe…).
Das Publikum war sehr jung. Freakig, lässig, auf alle Fälle friedlich. Und es war von der Besucherzahl her sehr überschaubar (kleine Gehässigkeit: bei dem Programm kein Wunder). Und ich hatte das Gefühl, auf zwei Besucher käme ein Polizist oder privater Wachmann.
Völlig unnötige Sicherheitsmanie, wahrscheinlich als Folge der letzten Love Parade. Auch egal.
Drei Kontrollschneisen bis zum Festivalgelände waren schon Banane. Das Verbot von Tetra-Packs und allem Ess- und Trinkbaren auch. Dann kam ich zum Männchen an der letzten Kontrolle. So ein Jüngelchen um die 20 mit schöner Frisur. Ich öffnete meine Tasche und zeigte den Inhalt, ließ mich widerwillig aber verständnisvoll abtasten und wunderte mich über seine Sorgfalt, die allerdings bei zwei Fächern meiner Tasche nicht vorhanden war. In meiner Jeans hatte ich wie immer ein Stofftaschentuch. Ich brauche das, da ich manchmal wie eine Sau sabbere. Als dieser Milchbubie mich aufforderte, mein Taschentuch auseinanderzufalten, wurde ich dann doch etwas ungemütlich. So ein Scheiß war mir nicht mal bei Hochsicherheitsspielen im Ruhrstadion oder bei Knastbesuchen passiert.
Was soll das?!

So.
Wenn ich dieses Geschreibsel noch länger bearbeite wird es auch nicht besser! Und die Hündin will nach draußen.
Selbst meine Frau flüchtet heute vor meiner Laune und ich kann es ihr nicht verdenken.
In der Glotze läuft Rock am Ring. „Soundgarden“ und „Gossip“ gestern waren okay. „The Ting Tings” und “Thenacious D.”  waren geil. “Evanescence”, “Kasabien” und “Billy Talent” peinlich. Gespannt warte ich auf “Marilyn Manson”.

Ach Mensch, guckt Euch meine älteren Blogbeiträge an, die sind oft besser, als der heutige Kram!
Und leckt mich alle mal!