Dienstag, 12. September 2017

Ein geklautes Gedicht






Die Regenhunde klatschen in die Hände

während Suzanne & Marianne

zu den Regenbogen sprechen

Ein alter Mann guckt sich mein Leben an

„Alles fördert Krebs“ nuschelt er

in den ersten verschütteten Drink des Abends

& ich?

Ich lasse mich von der Liebe regieren

& warte dabei nur auf einen Freund



Manchmal schneit es im April

aber ihr solltet mich erst wecken

wenn der September zu Ende geht

„Gib nicht auf!“ solltet ihr singen

& ich werde antworten

„Das ist verdammt politisch.

Alles ist politisch!“



Ich warte auf den Mann

dabei ist es schon zu spät

für den Morgennebel

Also schlafe ich in der Mittagssonne

& wir reden danach über eine Revolution

denn da ist zu viel Blut

aber was kann ein armer Junge schon tun?



Zum Beispiele seine Idole töten

oder laut zu fordern

den DJ zu hängen?

Ich träume lieber vom Meer

& suche meine wahre Familie



Ich habe keine Ahnung

was Robert Zimmermann zu diesem Gedicht sagen würde

Hätte er es geschrieben

würde es als Meisterwerk gefeiert




(Anmerkung: Versucht mal ne Song-Compilation daraus zu erstellen. Hörenswert!)

Sonntag, 10. September 2017

Irma



Seit einer Woche höre, sehe und lese ich in den Nachrichten von Irma
ein Sturm
der Haiti und Kuba ziemlich plattgemacht hat (uninteressant)
und jetzt Florida erreicht (zwar abgeschwächt, aber unangemessen interessant)

Ach Irma!
Vielleicht war einer deiner Erzeuger der Klimawandel
vielleicht bist du aber auch nur n normaler Hurricane,
halt bloß etwas übergewichtig
Trotzdem gehst du mir am Arsch vorbei

Und ich wundere mich
warum in dtschen Medien die wichtigen Themen
gerade vor einer Bundestagswahl in den Hintergrund geraten

Weißt du, Irma
hier in Dland wird die Freiheit beerdigt
und der Neoliberalismus
und die hässliche Fratze der Fremdenangst gerade zur Staatsform erklärt
Grüne, SPD, CDU, FDP, CSU machen da mit
selbst die angebliche „Linke“ lässt sich anstecken vom Populismus
und Rechtsradikale werden ins Parlament einziehen

Niemand sagt:
Sorry, wir haben ganz andere Probleme
und das sind unsere Lösungen
Alle machen da mit

So sieht es momentan aus
und das ist scheiße
und eigentlich geht es nur noch um Merkel mit wem
und ich könnte kotzen
aber das ist nicht konstruktiv

Hier in Dland vor ner Wahl
und mit Putin, Trump, Erdogan, Kim Jong-Un
und all den anderen weltweiten Despoten und Idioten
Ach Irma, wie kann ich dich ernst nehmen?

Irma,
du bist nur ein Sturm
und als solcher wirst du vergehen
Auch wenn du für Schäden sorgst

Ich kenne momentan wesentlich wichtigere Katastrophen
und Probleme
und wundere mich
dass die Presse so auf dich abfährt
dass all die Sauereien, wenn überhaupt in kleinen Notizen erwähnt werden

Ich hab zum Beispiel gerade jetzt Verdauungsprobleme
und noch ganz andere Sorgen
Mit denen du nicht mithalten kannst

Irma - du bist mir egal!

Freitag, 8. September 2017

Über Musik und musikalische Sünden und so



Natürlich habe ich viel geschmackliche Sünden in meiner musikalischen Sozialisation und Vergangenheit.
Wer hat die nicht.
Meine erste Single war Bernd Clüver: „Der Junge mit der Mundharmonika“ und meine erste LP war von Phil und John, ich glaube, sie hieß „Hello Phil und John“ aber ich weiß es nicht mehr.
Damals war ich noch Kind, also verzeihbar.

Meine drei Jahre ältere Schwester war bei meiner musikalischen Findung kaum eine Hilfe. Musik war nicht unbedingt ihr Ding. „Je taime moi non plus“ von Gainsbourg spielte sie mir nur deshalb vor, weil es für uns verboten war. Immerhin: Durch sie hörte ich „Let’s spend the night together“ von den Stones und zum ersten Mal in meinem Leben Led Zeppelin (ich glaube, es war der „Immigrant Song“).

Heute hatte ich durch Zufall ein Video von Barcley James Harvest auf meiner Facebook-Seite: „Hymn“.
Es war grausam. Banal, billig, albern und schlecht.
Damals, ungefähr mit 13, liebte ich dieses Lied.
Voller Skepsis legte ich die „Live Tapes“ von Barcley James Harvest, die ich mal aus Nostalgiegründen auf einem Flohmarkt gekauft habe, auf und stellte fest: Eigentlich ist die gesamte Musik einfach nur scheiße.





Meine Lieblingsband damals war America.
Eindeutig besser als BJH, aber bei heutigen Hören auch ziemlich seicht (Obwohl: Während ich dies tippe habe ich sie aufgelegt – und bin wieder irgendwie dabei).

Und dann die Krautrock-Bands! Grobschnitt und vor allem Jane!
Ich habe es letztens mal probiert und keine fünf Minuten ausgehalten.
Damals hörten wir die Platten oft mehrmals hintereinander…

Es gab (und gibt auch immer wieder) musikalische Sünden, zu denen ich stehe und von denen ich hier einige erwähnen möchte.

The Slade, 10CC, Supertramp, ELO, The Sweet und natürlich T.Rex:
Keine Sünden. Dazu stehe ich!
Stephan Sulke packte mich zum Glück nur kurzfristig.
Klaus Hoffmann dafür aber viel zu lange (obwohl: Seine frühen Sachen sind gar nicht so schlecht!).
Ich war mal Santana-Fan! (Und die Konzerte waren früher wirklich magisch…) Heute nervt mich der typische Gitarrensound nur noch. Und bei „Samba Pa Ti“ muss ich flüchten.
Ich war sogar mal Cat Stevens-Fan! Ich gestehe!
Ich mochte ein Album des fürchterlichen Oberlehrers HR Kunze!
Ich mag immer noch U2 und Green Day und finde die alten Sachen von Robbie Williams gut.
Eine zum Glück sehr kurze Zeit lang habe ich sogar Coldplay gehört!

Ab meinem fünfzehnten/sechszehnten Lebensjahr änderte sich der Musikgeschmack, da ich zu älteren Schülern Kontakt bekam, die selber Musik machten und ich anfing, Gitarre zu klimpern und ein musikalisches Gehör (was für eins auch immer…) zu entwickeln.
Ich entdeckte TonSteineScherben, Zappa, The Who, Grateful Dead, Bob Dylan, Patti Smith und all die anderen für mich.
Die passten zu Udo Lindenberg, den ich schon immer liebte und zu den Stones, die ich ebenfalls schon immer verehrte.
Und dann überrollte mich der Punk.


Heute. Jetzt. Ich höre gerade die neue Scheibe vom Dream Syndicate und bin begeistert.

Mein Musikkonsum ist vielfältiger geworden. Immer noch und auf Dauer gitarrenlastig, klar. Aber zwischen Country, Punk, Rock haben mittlerweile sogar Metal und Pop ne Chance bei mir. Schlager (aber nur die alten und nur ganz wenige) geht auch manchmal mit einem ironischen Grinsen. Techno und Volksmusik wird nie funktionieren. Und Jazz (mit Ausnahmen) und Klassik sind mir meist zu anstrengend. Werde ich wohl keinen Draht mehr zu entwickeln.

Meine Favoriten-Playlist aus diesem Jahr hat mittlerweile 217 Titel. Und wir haben ja erst September.

Ich könnte ohne Ende weiter tippen.
Mein Projekt über Musik „Rock n Roll Notizen“ umfasst mittlerweile über 500 Seiten und ich komme nicht klar. Und auch die Hilfe befreundeter SchriftstellerInnen bringt mich da nicht ans Ziel. Es wird wohl mein Lebenswerk werden.
Vielleicht.
Irgendwann.


Genug Musiklaberei für den Moment.
Kommt ja immer wieder was nach.
Aber immerhin: Besser, als Kommentare zum Wahlkrampf, oder?