Wo zur Hölle liegt St. Ingbert? Da lese ich heute Abend im JUZ ab 20.00 Uhr... Und morgen dann im Zucker in Darmstadt (19.30 Uhr)...
Ich bin gespannt und freu mich auf ein punkiges Wochenende...
Ansonsten soll ja Eigenlob stinken. Deshalb hier drei der ersten Stimmen von Freunden und Bekannten zu meinem neuen Buch:
Hi Hermann,
es ist zwanzig nach drei in der Nacht und ich habe Dein Buch, das heute ankam, im Stück weggelesen - das sagt wohl alles.
Wann kommt die Fortsetzung?!
Werde jetzt versuchen, noch ne Mütze Schlaf zu kriegen, obwohl ich hellwach bin – Dein Roman war einfach überhaupt nicht einschläfernd, ganz im Gegenteil.
Mehr davon!
lieber hermann. ich habs claudia schon per sms geschrieben.
das buch "ausgehöhlt: im krebsstrudel" ist einsame spitze!
es fesselt mich. hab gestern schon angefangen reinzulesen. und schwubs war ich bei seite 70! glückwunsch! wirklich bewundernswert deine literatur!!!
Dein Buch kam heute an. Habe das erste Kapitel im Stehen gleich am Briefkasten gelesen und ich bin nicht ganz sicher, ob ich dabei geatmet habe. Sehr dicht. Kommt Dichtung von dicht? Bin gespannt auf den Rest!
Ansonsten mal ne halbwegs gute Nachricht:
(Da ich faul bin habe ich jetzt einfach mal aus INDYMEDIA kopiert:)
Heute hat Philadelphias Bezirksstaatsanwalt Seth Williams bestätigt, was eigentlich schon lange bekannt ist: die Todesstrafe gegen den afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu-Jamal ist verfassungswidrig. Nun verzichtet der Ankläger endgültig darauf, weiter auf eine Hinrichtung des seit 30 Jahren inhaftierten Menschenrechtsaktivisten zu drängen.
Bereits vier mal hatten US-Bundesgerichte festgestellt, dass das Todesurteil auf Rechtsbrüchen im ursprünglichen Verfahren von 1982 basiert. Zuletzt hat das der Oberste Gerichtshof der USA im Oktober 2011 klargestellt.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat jedoch bereits im Jahr 2000 festgestellt, dass das gesamte Verfahren "einen Bruch internationaler Mindeststandards für die Sicherung fairer Verfahren" darstelle und deshalb ein neues Verfahren gefordert.
Das Todesurteil ist nun endgültig vom Tisch - ein großer Sieg für Abu-Jamal. Dennoch wird die Internationale Solidaritätsbewegung, unterstützt von zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens und verschiedenen Länder- und Kommunalparlamenten, nun erst recht die Freilassung des seit 3 Jahrzehnten inhaftierten Journalisten fordern.
In Philadelphias Constitution Center werden am kommenden Freitag aus Anlass des 30. Haftjahrestages von Abu-Jamal Sprecher und Sprecherinnen aus den gesamten USA die Stimme gegen die anhaltende Inhaftierung erheben. Lebenslänglich ohne Entlassung im Gefängnis ist keine Alternative.
Begleitet wird der Jahrestag von Protesten und Veranstaltungen in Mexiko, Kanada, Frankreich, Großbritanien, der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik: z.B. am Samstag um 16 Uhr vor der Nürnberger Lorenzkirche.
Free Mumia!
Freiheit für alle!
Freitag, 9. Dezember 2011
Montag, 5. Dezember 2011
Ukraine 2012
Ukraine 2012
Brot und Spiele
und kommendes Jahr kicken sie wieder um europäische Ehren
und ich werde vor der Glotze sitzen
und mich fragen
wie so etwas in der Ukraine ausgetragen werden darf
Ukraine 2012
jeder Tritt vor dem Ball
ist ein getöteter Straßenhund
jeder Sieg
ein neuer Korruptionsfall
und wir bekommen schöne Bilder von schönen Städten
und
die beste Europameisterschaft seit Ewigkeiten
aber das sagen die eh jedes Mal
Jeder Tritt vor dem Ball
ein getöteter Straßenhund
vergiftet, erwürgt, erschlagen
und Kiew ist sauber
bis auf die Kotze aller Lebewesen
die den Massenmord mitbekommen haben
Jeder Tritt vor dem Ball
ist ein Tritt vor einen Hundekopf
und wenn sie dürften
würden sie mit allem menschlichen Gesocks genauso umgehen
aber
das trauen sie sich
noch nicht
Ukraine 2012
ich werde mir eintrichtern
dass ich nicht Deutschland bin
und nur Fußball gucken will
(es sei denn
wir spielen gegen Holland
das ist was anderes)
Der schlechte Geschmack wird bleiben
Brot und Spiele
und
die schmutzigen Trikots
sind vielleicht das sauberste in diesem Land
Brot und Spiele
und kommendes Jahr kicken sie wieder um europäische Ehren
und ich werde vor der Glotze sitzen
und mich fragen
wie so etwas in der Ukraine ausgetragen werden darf
Ukraine 2012
jeder Tritt vor dem Ball
ist ein getöteter Straßenhund
jeder Sieg
ein neuer Korruptionsfall
und wir bekommen schöne Bilder von schönen Städten
und
die beste Europameisterschaft seit Ewigkeiten
aber das sagen die eh jedes Mal
Jeder Tritt vor dem Ball
ein getöteter Straßenhund
vergiftet, erwürgt, erschlagen
und Kiew ist sauber
bis auf die Kotze aller Lebewesen
die den Massenmord mitbekommen haben
Jeder Tritt vor dem Ball
ist ein Tritt vor einen Hundekopf
und wenn sie dürften
würden sie mit allem menschlichen Gesocks genauso umgehen
aber
das trauen sie sich
noch nicht
Ukraine 2012
ich werde mir eintrichtern
dass ich nicht Deutschland bin
und nur Fußball gucken will
(es sei denn
wir spielen gegen Holland
das ist was anderes)
Der schlechte Geschmack wird bleiben
Brot und Spiele
und
die schmutzigen Trikots
sind vielleicht das sauberste in diesem Land
Mittwoch, 30. November 2011
X-te Werbung: der "Roman" ist da:
Guten Morgen!
Ich weiß, ich weiß… N paar von Euch lesen jetzt zum x-ten Mal eine Eigenwerbung für meinen Roman und können es nicht mehr sehen und lesen.
Aber bei einigen kommt das hier jetzt zum ersten Mal an und ich bin eben etwas chaotisch mit meinen Mail-Listen und in Sachen Werbung eh äußerst unprofessionell, der Anlass ist heute dermaßen aktuell, da mache ich das halt nochmal:
„Ausgehöhlt - Im Krebsstrudel“
Das Buch ist jetzt endlich erschienen und ich bin dabei die ersten Umschläge fertig zu machen und es zu verschicken.
Nicht nur Betroffenheitsscheiß-Prosa, aber auch: das Buch ist (leider) keine Fiction sondern handelt davon, wie ich mein erstes Krebsjahr erlebt habe. Kein Krimi, keine Fantasy und kaum Sex, dafür aber ein Hermann, der (mal wieder) die Hosen runterlässt und sich ehrlich und authentisch präsentiert und zu dem Schluss kommt, dass das Leben trotz aller Scheiße auch wunderbar sein kann. Und dass Freundschaft, Liebe und Musik absolut lebensnotwendig sind. Und überhaupt.
Lest selber…
Kosten tut das Ding 14,95€, es hat 186 Seiten und ein wirklich klasse Coverbild, über den literarischen Wert sollen andere urteilen.
Kaufen könnt ihr es bei der Edition PaperONE (www.editionpaperone.de), bei mir (leider plus Porto, oder aber ihr holt es selber ab(hermann.borgerding@googlemail.com)), auf meinen Lesungen, bei amazon (geht dann eh über den Verlag) und in einigen Buchläden. Die ersten beiden Möglichkeiten sind dabei die besseren.
Ansonsten wünsche ich euch einen schönen Dezember und alles, was man dann zu Weihnachten so wünscht.
Wir lesen uns!
Ich weiß, ich weiß… N paar von Euch lesen jetzt zum x-ten Mal eine Eigenwerbung für meinen Roman und können es nicht mehr sehen und lesen.
Aber bei einigen kommt das hier jetzt zum ersten Mal an und ich bin eben etwas chaotisch mit meinen Mail-Listen und in Sachen Werbung eh äußerst unprofessionell, der Anlass ist heute dermaßen aktuell, da mache ich das halt nochmal:
„Ausgehöhlt - Im Krebsstrudel“
Das Buch ist jetzt endlich erschienen und ich bin dabei die ersten Umschläge fertig zu machen und es zu verschicken.
Nicht nur Betroffenheitsscheiß-Prosa, aber auch: das Buch ist (leider) keine Fiction sondern handelt davon, wie ich mein erstes Krebsjahr erlebt habe. Kein Krimi, keine Fantasy und kaum Sex, dafür aber ein Hermann, der (mal wieder) die Hosen runterlässt und sich ehrlich und authentisch präsentiert und zu dem Schluss kommt, dass das Leben trotz aller Scheiße auch wunderbar sein kann. Und dass Freundschaft, Liebe und Musik absolut lebensnotwendig sind. Und überhaupt.
Lest selber…
Kosten tut das Ding 14,95€, es hat 186 Seiten und ein wirklich klasse Coverbild, über den literarischen Wert sollen andere urteilen.
Kaufen könnt ihr es bei der Edition PaperONE (www.editionpaperone.de), bei mir (leider plus Porto, oder aber ihr holt es selber ab(hermann.borgerding@googlemail.com)), auf meinen Lesungen, bei amazon (geht dann eh über den Verlag) und in einigen Buchläden. Die ersten beiden Möglichkeiten sind dabei die besseren.
Ansonsten wünsche ich euch einen schönen Dezember und alles, was man dann zu Weihnachten so wünscht.
Wir lesen uns!
Dienstag, 22. November 2011
Dezemberlesungen
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![]() | ||||
| Lesung am 09.12. im JUZ St.Ingbert |
Lesung am 10.12. 2011 ab 19.30 Uhr im „zucker“ Liebfrauenstraße 55, Darmstadt
Der zweite Akt der Lesereihe „Leben in den toten Herzen der Städte“ wird diesmal präsentiert vom neugegründeten Kontrapunkt e.V.. Wer auf Dinge wie Reimschema, Versmaß und Wohlklang wert legt und auf Wald und Wiesen Lyrik aus ist, sollte sich einen Besuch ersparen. Ein ungeschönter Blick auf die Welt und das eigene Innere, Worte der Sehnsucht und der Verzweiflung, der Träume und der Abgründe erwarten euch. Früher nannte man das schlicht „Social Beat“.
Diesmal nehmen euch Hermann Borgerding aus Bochum und Markus Hintzen aus Darmstadt mit auf die Reise in die toten Herzen der Städte. Hermann Borgerding ist ein Urgestein der Social Beat Szene und nach einer Krebserkrankung seit 2009 wieder aktiv. Er präsentiert seinen neuen Gedichtband „Mein Mittelfinger dem Krebs“(Edition Paper One, Leipzig). Markus Hintzen ist veröffentlichungstechnisch eher ein Newcomer und vielleicht dem ein oder anderen durch seine Band DISANTHROPE bekannt.
http://hermannborgerding.blogspot.com
www.markushintzen.de.ms
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Gimme some truth:
Klaus Märkert und Hermann Borgerding lesen
am 14.12.2011 ab 20.00 Uhr
in der Bastion in Bochum (Karl-Lange-Str.55);
Eintritt frei
Die beiden Bochumer Autoren werden herzliche, humorvolle und heftige Texte aus ihrem bisherigen Veröffentlichungen vortragen.
Im Rhythmus des Ruhrpotts, im Herzschlag der Nacht sind Authentizität und Wärme garantiert, Musik wird mit Sicherheit nicht zu kurz kommen.
Klaus Märkert: Mitbegründer und 1st-DJ der Diskothek Zwischenfall, seit etwa drei Jahren verstärkt schreibend und lesend (z.B. Lesebühne Schementhemen) unterwegs, Veröffentlichungen: Hab Sonne, 2009 (Edition PaperONE), Der Tag braucht das Licht, Ich Nicht!, 2011 (Edition PaperONE), und gemeinsam mit MYK JUNG: Ich bin dann mal tot, 2010 (Muschelverlag, Köln)
Hermann Borgerding: geboren im Jahr der ersten Stones-Single, Ruhrpott forever. Veteran der Underground - oder Social Beat – Szene, nach schwerer Krebserkrankung wieder schreibend tätig und seit einem Jahr auch wieder ab und zu auf Lesungen zu erleben. Schreibt hauptsächlich Gedichte, was alleine ihn schon verdächtig macht: „Mein Mittelfinger dem Krebs“ erschien im März 2011(Edition PaperONE).
Pünktlich zur Lesung erscheint der Roman „Ausgehöhlt – Im Krebsstrudel“(auch Edition PaperOne).
[no-budget-arts] Bastion
Karl-Lange-Straße 53
44791 Bochum
e-mail: kontakt@no-budget-arts.de
Telefon: 0234/9117790
Fax: 0234/9117796
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Und am 20.12. ziehen wir den Bayern die Lederhosen aus:
Montag, 21. November 2011
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Manche Gedichte werden mich wohl mein Leben lang begleiten. Ich schrieb dieses Gedicht 1993, 1998 änderte ich Kleinigkeiten und veröffentlichte es in „Seifenblasen im Schädel“. 2008 erschien es dann in der Anthologie „Grind the Nazi Scum“. Jetzt haben wir Ende 2011 und seit ein paar Tagen geht es mir nicht mehr aus dem Kopf, so dass ich es wieder einmal rausgekramt habe und in einer neuen Form in den Blog setze.
Mittlerweile wird bei der NSU von ca. 20 Unterstützern und Mittätern ausgegangen, die Zahlen steigen täglich. Über 180 Menschen wurden seit der WiederVereinigung mit rechtsradikalem Hintergrund ermordet. Ich könnte täglich neue Gruselmeldungen diesem Gedicht hinzufügen und das Schlimmste ist, dass es mich nicht mal besonders überrasch:
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben 2011
Ich hab noch immer keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Nazis:
Ich will sie gar nicht wahrnehmen
und wenn
dann will ich sie eigentlich nur auslachen
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Die Sonne durchbricht die Wolken
ein klarer Himmel taucht auf
Mein Kontostand ermöglicht mir eine Auszahlung und einen
dicken Einkauf
Die Verkäuferin an der Käsetheke grinse ich an
sie grinst zurück
und an der Kasse wünsche ich der Kassiererin
einen schönen Tag
und sie strahlt mich an:
“Sie sind heute der erste Kunde
der mich persönlich wahrnimmt”
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
In meinem Auto
der frisch gemahlenen Kaffee - sein Duft lässt mich schweben
nein, das ist kein billiger Werbesatz - das ist so
Und wieder zu Hause
schmeiße ich erst mal einen an
und grinse mir einen
während ich zu Doors-Melodien rumhüpfe
und meine Bude in Ordnung bringe…
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Ich koche eine chinesische Reispfanne
und während des Anbratens
lese ich die Tageszeitung
und habe immer noch keinerlei Bock über Faschismus zu schreiben
Ich hab keinen Bock über
Faschismus, Rassismus, Sexismus, Stammtischpolitik,
Volkesstimme,
Deutschland, Italien, Frankreich, USA, China, Russland, Ungarn, Somalia, Libyen, Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Palästina, Nigeria,
Solingen, Mölln, Dresden, Rostock, Leipzig, Jena, Zwickau,
Dortmund-Dorstfeld, Bochum, Bad Kleinen,
Stuttgart Stammheim
zu schreiben
Ich denke an ihre Brüste, ihren Arsch, ihr Zwinkern,
Ich denke an ihre Augen, die mich angrinsen,
selbst beim Erwachen
das ist schöner
…
Scheiße
ich hab jetzt keinen Bock über Faschismus zu schreiben
aber
brennende Menschen
grölende Horden
Wut über Asylverhinderung und Abschiebung, was nichts anderes besagt als
Deutschland den Deutschen
und das Grundgesetz ein Scherz und
polizeiliche Übergriffe an der Tagesordnung und
eine Bundeswehr mit braunen Dreck an Springerstiefeln und
braune Modeläden in Rostock und anderswo und
Aufmärsche in Dortmund von der Polizei gesichert und
die mordenden Neonazis
natürlich alle Einzeltäter
und aus Dreizelgängern werden in Stunden Achtelgänger und dann
gibt es doch Verbündete und Netzwerke und plötzlich
taucht das unaussprechliche Wort auf:
Rechtsterrorismus
den es ja eigentlich offiziell gar nicht geben soll
Ich hab keinen Bock über Neonazis zu schreiben
Der Verfassungsschutz
schützt Nazis und V-Leute
bespitzeln sich gegenseitig
und ich bin gegen ein NPD-Verbot:
Verbote haben wir schon mehr als genug
was uns fehlt
ist ein Klima der Menschlichkeit
dann bräuchte man diese Hohlköpfe nicht verbieten,
sie würden irgendwann von selber in der Bedeutungslosigkeit verschwinden
da bin ich sicher
Antifaschisten leben hier und heute mit der ständigen Angst
vor Schlägen, Anschlägen und mehr
Menschen mit Migrationshintergrund
(manchmal brauch es fürchterliche Worte)
meiden U-Bahnen oder betreten sie nur in Gruppen
Sogenannte No-Go-Areas
gibt es bald öfters als Fußgängerzonen
Faschismus und Neonazis hier in Deutschland
Jetzt
Nicht vor 70 Jahren
Damals wurden erst die Bücher
und dann die Menschen verbrannt
Heute läuft das raffinierter
und brennende Menschen
sind eher noch Schönheitsfehler vorschneller Aktivisten
Scheiße
Ich weiß kein Asylland für uns
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
würde Nazis viel lieber ignorieren
In Halberstadt verprügelten sie Schauspieler
einfach weil die anders aussahen
Die Polizei guckte weg
Zwei Freisprüche gab es für Aussageverweigerer
und nur einen Schuldspruch – ein politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen
und die Morde an den ausländischen Mitbürgern
wurden in den letzten zehn Jahren auf die Mafia oder
Stammesfehden oder die bekannten Einzeltäter geschoben
bis die NSU auftauchte
und den Verfassungsschmutz entlarvte
und plötzlich landesweite Empörung regiert
Alleine der Begriff Döner-Morde
zeigt mir
in welch dunklen Zeiten ich lebe
Aber ich möchte ja gar nicht über Faschismus schreiben
Wenn ich ihn nicht täglich spüren würde
wären die Sternschnuppen dieser Nacht
ein viel schöneres Thema
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Ich habe keinen Bock über Krankheit, Geldsorgen, Krieg und Politik
zu schreiben
Ich habe keinen Bock über Demokratie zu schreiben
es gibt genug gute Märchenbücher
und mittlerweile wird auch dem letzten Gutgläubigen klar
dass nur der Finanzmarkt die Macht hat
Ich habe keinen Bock
auf solche Gedichte
aber diese Themen hetzen mich durch den Tag
und dieses Gedicht wird
immer unpoetischer
weil wütender
Ich habe Bock über meine Frau und unsere Liebe zu schreiben
ich habe Bock
die Musik und den Rhythmus im Herzen zu beschreiben
Unsere Hündin oder die Reiher auf unserem Dorfteich und
die gewaltigen Bäume im Park
- in ihren Rinden entdecke ich eingekratzte Hakenkreuze
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
vielleicht ist das ja wirklich
irgendwann nicht mehr nötig
Dann verspreche ich euch Liebeslieder
die
schreibe ich jetzt schon viel lieber
Mittlerweile wird bei der NSU von ca. 20 Unterstützern und Mittätern ausgegangen, die Zahlen steigen täglich. Über 180 Menschen wurden seit der WiederVereinigung mit rechtsradikalem Hintergrund ermordet. Ich könnte täglich neue Gruselmeldungen diesem Gedicht hinzufügen und das Schlimmste ist, dass es mich nicht mal besonders überrasch:
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben 2011
Ich hab noch immer keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Nazis:
Ich will sie gar nicht wahrnehmen
und wenn
dann will ich sie eigentlich nur auslachen
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Die Sonne durchbricht die Wolken
ein klarer Himmel taucht auf
Mein Kontostand ermöglicht mir eine Auszahlung und einen
dicken Einkauf
Die Verkäuferin an der Käsetheke grinse ich an
sie grinst zurück
und an der Kasse wünsche ich der Kassiererin
einen schönen Tag
und sie strahlt mich an:
“Sie sind heute der erste Kunde
der mich persönlich wahrnimmt”
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
In meinem Auto
der frisch gemahlenen Kaffee - sein Duft lässt mich schweben
nein, das ist kein billiger Werbesatz - das ist so
Und wieder zu Hause
schmeiße ich erst mal einen an
und grinse mir einen
während ich zu Doors-Melodien rumhüpfe
und meine Bude in Ordnung bringe…
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Ich koche eine chinesische Reispfanne
und während des Anbratens
lese ich die Tageszeitung
und habe immer noch keinerlei Bock über Faschismus zu schreiben
Ich hab keinen Bock über
Faschismus, Rassismus, Sexismus, Stammtischpolitik,
Volkesstimme,
Deutschland, Italien, Frankreich, USA, China, Russland, Ungarn, Somalia, Libyen, Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Palästina, Nigeria,
Solingen, Mölln, Dresden, Rostock, Leipzig, Jena, Zwickau,
Dortmund-Dorstfeld, Bochum, Bad Kleinen,
Stuttgart Stammheim
zu schreiben
Ich denke an ihre Brüste, ihren Arsch, ihr Zwinkern,
Ich denke an ihre Augen, die mich angrinsen,
selbst beim Erwachen
das ist schöner
…
Scheiße
ich hab jetzt keinen Bock über Faschismus zu schreiben
aber
brennende Menschen
grölende Horden
Wut über Asylverhinderung und Abschiebung, was nichts anderes besagt als
Deutschland den Deutschen
und das Grundgesetz ein Scherz und
polizeiliche Übergriffe an der Tagesordnung und
eine Bundeswehr mit braunen Dreck an Springerstiefeln und
braune Modeläden in Rostock und anderswo und
Aufmärsche in Dortmund von der Polizei gesichert und
die mordenden Neonazis
natürlich alle Einzeltäter
und aus Dreizelgängern werden in Stunden Achtelgänger und dann
gibt es doch Verbündete und Netzwerke und plötzlich
taucht das unaussprechliche Wort auf:
Rechtsterrorismus
den es ja eigentlich offiziell gar nicht geben soll
Ich hab keinen Bock über Neonazis zu schreiben
Der Verfassungsschutz
schützt Nazis und V-Leute
bespitzeln sich gegenseitig
und ich bin gegen ein NPD-Verbot:
Verbote haben wir schon mehr als genug
was uns fehlt
ist ein Klima der Menschlichkeit
dann bräuchte man diese Hohlköpfe nicht verbieten,
sie würden irgendwann von selber in der Bedeutungslosigkeit verschwinden
da bin ich sicher
Antifaschisten leben hier und heute mit der ständigen Angst
vor Schlägen, Anschlägen und mehr
Menschen mit Migrationshintergrund
(manchmal brauch es fürchterliche Worte)
meiden U-Bahnen oder betreten sie nur in Gruppen
Sogenannte No-Go-Areas
gibt es bald öfters als Fußgängerzonen
Faschismus und Neonazis hier in Deutschland
Jetzt
Nicht vor 70 Jahren
Damals wurden erst die Bücher
und dann die Menschen verbrannt
Heute läuft das raffinierter
und brennende Menschen
sind eher noch Schönheitsfehler vorschneller Aktivisten
Scheiße
Ich weiß kein Asylland für uns
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
würde Nazis viel lieber ignorieren
In Halberstadt verprügelten sie Schauspieler
einfach weil die anders aussahen
Die Polizei guckte weg
Zwei Freisprüche gab es für Aussageverweigerer
und nur einen Schuldspruch – ein politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen
und die Morde an den ausländischen Mitbürgern
wurden in den letzten zehn Jahren auf die Mafia oder
Stammesfehden oder die bekannten Einzeltäter geschoben
bis die NSU auftauchte
und den Verfassungsschmutz entlarvte
und plötzlich landesweite Empörung regiert
Alleine der Begriff Döner-Morde
zeigt mir
in welch dunklen Zeiten ich lebe
Aber ich möchte ja gar nicht über Faschismus schreiben
Wenn ich ihn nicht täglich spüren würde
wären die Sternschnuppen dieser Nacht
ein viel schöneres Thema
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
Ich habe keinen Bock über Krankheit, Geldsorgen, Krieg und Politik
zu schreiben
Ich habe keinen Bock über Demokratie zu schreiben
es gibt genug gute Märchenbücher
und mittlerweile wird auch dem letzten Gutgläubigen klar
dass nur der Finanzmarkt die Macht hat
Ich habe keinen Bock
auf solche Gedichte
aber diese Themen hetzen mich durch den Tag
und dieses Gedicht wird
immer unpoetischer
weil wütender
Ich habe Bock über meine Frau und unsere Liebe zu schreiben
ich habe Bock
die Musik und den Rhythmus im Herzen zu beschreiben
Unsere Hündin oder die Reiher auf unserem Dorfteich und
die gewaltigen Bäume im Park
- in ihren Rinden entdecke ich eingekratzte Hakenkreuze
Ich hab keinen Bock über Faschismus zu schreiben
vielleicht ist das ja wirklich
irgendwann nicht mehr nötig
Dann verspreche ich euch Liebeslieder
die
schreibe ich jetzt schon viel lieber
Mittwoch, 16. November 2011
Montag, 14. November 2011
n Gedichtfragment:
Ruhrpott im Herbst
Feuchtkaltes Knochenwetter
oder so
In der Luft der Geruch von nassem Laub
und Abgasen
Da kannste nichts machen
und die Fluchten in Suizid und Droge
helfen nur bedingt
Es ist nun mal so
Das Wort „Hoffnung“
endet mit „-losigkeit“
Die Stricke sind geknüpft
die Bahngleise laden ein zum Probeliegen
und Schmerz- und Schlafmittel haben Hochkonjunktur
Optimisten hingegen
lassen sich gegen Grippe impfen
Feuchtkaltes Knochenwetter
oder so
In der Luft der Geruch von nassem Laub
und Abgasen
Da kannste nichts machen
und die Fluchten in Suizid und Droge
helfen nur bedingt
Es ist nun mal so
Das Wort „Hoffnung“
endet mit „-losigkeit“
Die Stricke sind geknüpft
die Bahngleise laden ein zum Probeliegen
und Schmerz- und Schlafmittel haben Hochkonjunktur
Optimisten hingegen
lassen sich gegen Grippe impfen
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