Dienstag, 16. August 2016

Es gibt immer noch ein Morgen



Bukowskis (96ter) Geburtstag.
Todestag von Elvis.
Madonna hat auch Geburtstag.

Und ich war mal wieder im KrankmachEndenHaus.
Zu einem QCT, ne Art CT, bei dem die Knochendichte untersucht wird.

Das Gerät war kaputt, konnte aber wohl doch noch die Bilder machen, näheres erfahre ich frühestens morgen und auch die MitarbeiterInnen in der Radiologie waren genervt und überfordert.



Irgendwie habe ich Scheiße am Schuh.

Und es geht nicht weiter.



Bei mir geht es TROTZDEM! weiter.

Irgendwie…










(Ich weiß nicht, ob das mit den Links im Blog funktioniert. Wenn, dann würde sich dieses Video lohnen…)







Nach dem KrankMachendenHaus guckte ich mir vor der Rückfahrt ins Münsterland noch kurz den Ruhrpark (ein Einkaufszentrum) an.
Ich mochte das Teil noch nie, aber jetzt ist es herausgeputzt und auf neu gemacht. Ich mag es noch weniger.

Den Stau (harmlos, aber im Münsterland halt unbekannt) mochte ich auch nicht.

Aber meine Frau. Und mein Hund. Und das Durchatmen:
Das mochte und mag ich.







2016 fickt uns alle.

Nicht nur mich.

Die vielen göttlichen Menschen, die bisher schon gegangen sind zum Beispiel.

Dann die politischen Geschehnisse. Der Terrorismus der Terroristen und der Terrorismus der Staatsführer.

Die Abschaffung der Freiheit.



Momentan verliert ein Freund von mir völlig den Boden unter den Füßen. Und ich kann nicht helfen.

Ein anderer zweifelt an sich und an allem. Und ich kann nicht helfen.

Und ich drehe durch wegen der verschleppten OPs und dem verzögerten Kieferaufbau bei mir.

Ich habe für mich mein neues Motto gefunden: TROTZDEM!



Vielleicht so…







„Void“ von Andrea Schröder: Vor der Veröffentlichung ihres Albums in 10 Tagen gibt es die erste Single schon auf iTUnes (und Amazon) als Download.
Ich konnte nicht warten, bis die LP bei mir eintrifft. Und habe mir das runtergeladen.
Und bin begeistert.
Ich freue mich auf die LP.



Und dann sind da noch „Milliarden“.
Ja. Die können es. “Betrüger“, ihr erstes Album auf einem Major, überzeugt. Total.



Und ne neue „Green Day“-Single. Klingt nach Green Day. Also auf keinen Fall schlecht.



Und „Wizo“: Das neue Album „Der“ wächst bei mir. Und läuft täglich.



Und zeitgleich mit „Void“ erscheint die neue „New Model Army“ Scheibe. „Winter“. Passend zur Wetterlage, oder?







Nee. Das Wetter wird ja besser.

Heute konnte ich es noch nicht genießen.

Aber vielleicht morgen.

Und das ist das Beste überhaupt:

Es gibt noch immer ein Morgen.



Gute Nacht!





Freitag, 12. August 2016

Don’t panic (mindestens II)






Ich habe die 16 Jahre unter Helmut Kohl

&

(wie ein alter Freund  & Ex-Nachbar treffend bemerkte)

Alk, Nikotin, Liebeskummer und den Krebs überlebt



Da lasse ich mich doch von einem kranken Haus–System

& einer kleinen Möchtegern-Ärztin nicht fertig machen!



Mag sein

dass ich zahnlos bleibe

& vielleicht keinen Biss mehr habe

aber

Leben geht auch

ausgehöhlt

das sollte gerade ich wissen



Es ist okay

tief unten zu sein

Es ist okay

seine Verzweiflung rauszuschreien

Aber zwei, drei Tage Selbstmitleid sollten dann auch reichen



Zum Beispiel meine Frau

Hilflos gegenüber meiner Verzweiflung

versteht & akzeptiert sie meine Rückzüge

& kochte heute mein Lieblingsgericht

Rouladen

(Eigentlich kann ich sie gar nicht essen

& es tat in der Seele weh

als ich das Fleisch passieren musste

aber alleine der Geruch!

& dann auch die Ahnung von dem Geschmack)

& ihre Liebe beim Kochen:

Ich habe mir den Bauch vollgeknallt

wie lange nicht mehr

&

es sind diese Gesten

die auch Liebe immer wieder spürbar machen

&

da ist es unmöglich

sich zu verpissen



Zum Beispiel meine Mutter

die ist 82 Jahre alt

& hat zwei Schlaganfälle, ne Hepatitis & so n Kram überlebt

Mittlerweile leidet sie an einem ausgeprägten Diabetes

Kein Sohn sollte vor seiner Mutter gehen

So was macht man einfach nicht

&

Meine Mutter ist verdammt zäh



Zum Beispiel all die wunderbaren Freunde & Freundinnen

(sowohl im wirklichen, als auch im Facebook-Leben)

die mitfühlen
& mir mitteilen

dass sie mich weiterhin lesen & erleben möchten

Verdammt nochmal

sowas bauchpinselt

& tut verdammt gut



Ich werde euch auch weiterhin was vorjammern

Das tut mir auch gut

Aber ich denke

jetzt ist da auch mal wieder Pause angesagt

&

ich suche nach schönen Sachen



Eigentlich

schreibe ich eh

am liebsten Liebesgedichte

Donnerstag, 11. August 2016

Vielleicht die letzte Widmung






Vor ca. sieben Jahren
sagte mir ein Arzt
auf meine Frage nach dem Kieferaufbau
„Lohnt sich das überhaupt noch bei ihnen?“

Ich war entsetzt
und verweigerte danach jede Weiterbehandlung
von diesem Arzt

Es hat sich gelohnt
und ich hatte sechs Jahre
eine sehr hohe Lebensqualität
nach meinen OPs

Jetzt ist es wieder soweit
und den Krebs habe ich erst mal besiegt
wenn er mich auch mit seinen Folgeerscheinungen im Griff hat

Der Kieferaufbau wird wieder verzögert:
Ist ja nicht überlebenswichtig
Ist ja nur Lebensqualität

Falls es dazu kommt:
Meinen Suizid widme ich
der Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie
in Bochum Langendreer

In ihrer Statistik werde ich als erfolgreich behandelt geführt

In der Falle der Krankenhausignoranz



Ein Termin in der Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer kann im wahrsten Sinne des Wortes kafkaest sein.

So erging es mir heute.

Ich hatte einen Arzttermin zur Abklärung meines Kieferaufbaus.
Um halb Elf machten meine Frau, die mich unbedingt unterstützen wollte, und ich uns also auf den Weg in den Ruhrpott: Erst in Herne die Überweisung vom Zahnarzt abholen (die bestehen im Krankenhaus immer auf die Überweisung, auch wenn es eine Weiterbehandlung ist. Auch so kann man den Krankenkassen Geld abluchsen…).
Dann um 13.30 der Termin im Krankenhaus.
Um 14.00 Uhr sagten sie uns, dass wir durchaus noch eine Stunde in die Cafeteria oder woanders hingehen könnten. Erstmal wären die Patienten dran, die schon über vier Stunden warteten.
Das war sehr freundlich von denen! Wirklich.
Um 15.00 Uhr waren wir wieder da und kamen wahrhaftig auch um 15.30 Uhr ins Behandlungszimmer.
Dort erwartete uns eine Ärztin (oder AIPlerin?) ohne Plan.

Nachdem ich sie aufklären musste, dass ich nicht zur Routine-Tumornachsorge, sondern zur Abklärung des Kieferaufbaus den Termin hatte guckte sie hilflos in meine Krankenakte auf den Computer.
„Ja. Da machen wir dann mal eine Röntgenuntersuchung. Ich schreibe ihnen eine Überweisung, aber sie müssen sich beeilen, die schließen in fünf Minuten. Und dann rufen sie uns morgen an.“
Mit einer kurzen Verabschiedung drehte sie sich um.
Untersucht hatte sie mich nicht.
Und wir rannten los.

In der Radiologie erklärte uns die freundliche Dame an der Anmeldung, dass sie seit einer halben Stunde zu hätten und die Ambulanz der Kieferchirurgie dies wissen müsste.
Wir sollten die Tage wiederkommen, einen Termin bräuchten wir nicht.

Ja.
Und so standen wir hilf- und planlos rum.

Mein Kiefer wurde vor ca. 3 Monaten geröntgt.
Ich hatte eigentlich eine Mundinspektion erwartet. Und dann auf das Okay zur Operation und einen Termin gehofft.
Unser Hinweis, dass wir über 100 Kilometer jedes Mal fahren müssen und doch eigentlich auch eine Radiologie immer eine Bereitschaft haben müsse, wurde ignoriert.

Eigentlich hätte ein Oberarzt sich mein Maul angucken müssen. Oder irgendjemand mit Plan oder wenigstens Einsatz.
Dieser Ärztin (?) musste ich sagen, dass mein Oberkiefer neu aufgebaut wurde, aber eben auch der Unterkiefer betroffen und durch die Bestrahlung halt nicht mehr die Implantate halten konnte.
Aber eigentlich interessierte es sie nicht. Sie guckte auf den Computer, nicht auf mich. Geschweige denn in meine Mundhöhle.
Und da ich in acht Jahren Krebsnachsorge und unzähligen Krankenhausterminen Bescheid wusste ballte ich meine Faust und verzog mich mit meiner Frau aus dem KrankMachendenHaus.
Manche Weißkittel (nicht alle!) sind einfach nur zum Kotzen.
Meine Person, meine Krankheitsgeschichte oder gar meine Empfindung waren egal.
Und Ärger machen hätte wahrscheinlich nichts gebracht.

Ich werde nächste Woche nochmal nach Bochum fahren.
Zum eigentlich unnützen Röntgen.
Aber danach kann ich versuchen, telefonisch einen OP-Termin zu vereinbaren.
Oder muss warten, bis ich Mitte September meinen nächsten offiziellen Termin habe.

Kafkaesk.
Und ich renne gegen Mauern.
Und niemand sagt mir etwas.
Und ich bin am Durchdrehen.
Aber das ist egal.

Fazit:
230 Kilometer fahren, ein Tag unterwegs, 5 Minuten Ärztekontakt.
Keinerlei Information, geschweige denn Fortschritt meiner Genesung.
Aber meine Mutter freute sich, als wir auf dem Rückweg bei ihr einen Kaffee tranken.

Prost!