Donnerstag, 7. Mai 2015

Über Lesungen:



Bei Lesungen werde ich das Gefühl nicht los, dass ich nur ein kleiner Exhibitionist bin.
Ich öffne mich, mach mich sozusagen nackt, präsentiere meine Gedanken und Gefühle.
Und geile mich daran auf, wenn es gefällt.

Früher soll ich mal ne ziemliche Rampensau gewesen sein. Ist was dran. Als Sänger und Gitarrist war ich Mittelmaß, aber ich brachte den Kram glaubwürdig und mit viel Feeling rüber.
Jetzt bin ich ein sabbernder, schwer zu verstehender kleiner Mann, der seinen Kram liest.
Und hofft, n paar Cent und Anerkennung zu verdienen.
Und sich jedes Mal tierisch auf die Party nach der Lesung und die Möglichkeit, neue Freunde zu finden freut.

Ich genieße einfach das Lampenfieber vor der Präsentation in der Öffentlichkeit, liebe das Feeling, wenn das dann läuft und ne Beziehung zu den Zuhörern und mir entsteht und ich möchte da auch nicht drauf verzichten. Auch wenn ich draufzahle. Und nach Lesungen meistens ne Woche krank und platt bin.

Es ist ähnlich, wie früher mit der Band.
Nur: Ich bin noch nackter als früher.
Aber ich spüre, dass ich lebe. Und vielleicht sogar was zu sagen habe.
Und manchmal bin ich dann stolz auf mich. Sowas brauche ich…

Eigentlich möchte ich meinen Kram in den Fingern von Lesern wissen. Auf Papier, zwischen Buchdeckeln. Und meinen Blog auf dem Bildschirm.
Die Lesungen sind zusätzliche Bonbons.
Mit meiner kaputten Mundhöhle kann ich keine Bonbons mehr lutschen.
Ich mache es trotzdem.

Meine ZuhörerInnen müssen mit mir leiden. Und sich konzentrieren.
Wenn die Chemie stimmt, dann kann das trotzdem oder vielleicht einfach deshalb klasse werden.

Anyway.
Ich freue mich auf euch!


Mittwoch, 6. Mai 2015

Früher war alles besser






Natürlich war früher alles besser
Zum Beispiel die Nassrasierer
Ein scharfes Rasiermesser
womit man wirklich überall hin kam
Heute sind die Klingen hinter Sicherheitsgitter
und vier schmale Klingen
lassen jede Pulsader laut auflachen
Also ich hatte mir glücklicherweise rechtzeitig
noch drei Einweg-Skalpelle besorgt
Die sind sogar steril
obwohl mir das Infektionsrisiko bei einem möglichen Einsatz völlig absurd erscheint

Natürlich war früher alles besser
Zum Beispiel der internationale Frühschoppen
da wurde Sonntagmittags im öffentlich rechtlichen Fernsehen
diskutiert und gesoffen und eine nach der anderen geraucht
Überhaupt wurde überall und immer geraucht
und wir sind trotzdem erwachsen geworden
und die meisten von uns
werden sogar alt
Manchmal denke ich
zu alt

Alles war besser:
Das Kiffen hatte noch was Abenteuerliches und Illegales
und machte mehr Spaß
Zumal der THC-Gehalt wesentlich niedriger
und das Zeug damit ungefährlicher zu dosieren war
Und die meisten von uns interessierten sich einfach nicht für
all den chemischen Scheiß
den sich die Kids heute reinziehen
Und vor dem Kram habe ich gehörigen Respekt
weil ich ihn nicht verstehe
und gar nicht verstehen will

Natürlich war früher alles besser
Kinder hatten noch keine komischen Helme auf dem Kopf
und die Knie und Ellbogen schlugen wir uns
beim Spielen blutig
Das tat weh aber wir lernten daraus
Und konnten noch auf Bäume klettern
und eine Rolle-Rückwärts war kein Problem für uns
Außerdem wussten unsere Eltern nicht immer
wo wir waren
Wir waren auch nicht jederzeit übers Smart-Phone zu erreichen
Vor allem im jugendlichen Sturm- und Drang
war das ein Vorteil

Früher war alles besser:
Im Fernsehen gab es noch einen Sendeschluss
und bei drei Programmen fiel die Auswahl nicht schwer

Natürlich war früher alles besser:
Die DDR wurde in Anführungsstriche gesetzt
und aus Trotz antworteten wir mit „BRD“
und sie wünschten uns nach Drüben
aber da wollten wir nicht hin
Wir wollten hier stören und Fragen stellen
und lasen voller Stolz Henry Miller und Bukowski
und
das hatte damals wirklich noch was subversives!

Und die älteren Menschen schüttelten den Kopf
und sagten uns:
„Früher war alles besser“
aber das glaubten wir nicht

Natürlich ist das alles hier völliger Schwachsinn:
Früher war nix besser
Es war nur anders
Und nur, weil ich vieles heutzutage nicht verstehe
muss es ja nicht unbedingt schlechter sein
Selbst die Musik war nicht unbedingt besser
- okay, einige Schlager hatten vielleicht sogar so was wie Niveau –
aber ich erinnere mich gerade
an die Bay City Rollers und die Anfänge von Depeche Mode
und werde schamvoll dazu schweigen

Noch weiter früher
hätte ich meinen Krebs nicht überlebt
Ich denke
dass ist dann heutzutage doch ein Vorteil

Skalpelle sind heute aus Plastik
und Wegwerfartikel
und damit nicht so stilvoll
wie früher
aber
das wäre mir im Bedarfsfall auch egal


Donnerstag, 30. April 2015

Musik, mit der ihr mich vertreiben könnt:



Meine Hate-List.
Bands und Musiker, mit denen ich nix (mehr) anfangen kann, die mich teilweise extrem wütend machen:

- Mumford & Sons
Der Name. Das Banjo. Und irgendwie – Nee!
Da hilft es auch nicht, dass sie jetzt U2 nachspielen…
- Tocotronic
Der Name. Das verkopfte Getue. Und fürchterlicher Gesang.
- Jethro Tull
Ian Anderson kann auf einem Bein stehen und dabei Querflöte spielen. War mal gut, hatte geile Songs. Aber irgendwann wurde das konservative Arschloch auch musikalisch unerträglich für mich.
- Carlos Santana
Früher liebte ich seine Drei-Stunden-Konzerte. Aber mittlerweile spielt der seit über dreißig Jahren den gleichen Sound. Nee!
- Abba
Das war leicht, die in meiner Jugend zu hassen. Seichte Kommerz-Scheiße. Dumme Musik.
Stimmte natürlich nicht. Bin ich aber heute noch immer davon überzeugt…
- Coldplay
Haben auch mal gute Sachen gemacht. Aber es wird nun wirklich Zeit, dass die sich auflösen. Seit gefühlten Jahrhunderten.
- Radiohead
Ich gestehe, ich finde keinerlei Zugang zu „OK Computer“. Und auch sonst nicht.
- Gaslight Anthem
Fallon ist Kreationist. Und kann nur ein Tempo. LAAANGWEILIG!
Dabei hatte ich bei den ersten zwei Platten Hoffnung auf ne große Band (und bin deshalb umso enttäuschter)…
- Madonna
War mal geil (als Sängerin meine ich!) und ist nur noch nervig. Trotzdem bleibt „Ray of light“ ne tolle Platte.
- Cat Stevens
Ist einfach unglaubwürdig geworden. Sein Radikal-Islamismus war/ist Scheiße. Und ein Comeback unnötig. Trotzdem mag ich n paar seiner alten Sachen…
- Queen mit Brian May
Dieser Gitarrensound ist einfach zum Kotzen. Und nach Freddie Mercury war jegliche Existenzberechtigung dieser Band im Arsch.
- Genesis ohne Peter Gabriel
Wurden immer mehr zu Phil Collins‘ Band.
- Phil Collins
Hat zu früh vergessen, dass er mal gar nicht so schlecht am Schlagzeug war. Spielte und produzierte dann immer den gleichen Scheiß. Und zu allem Überfluss sang der auch noch!
- Guns n Roses
Ja. Die gibt es noch. Und der kleine Giftzwerg Axl ist zur Karikatur seiner selbst mutiert. AUFHÖREN!
Auch oder gerade weil ich die früher geliebt habe.
- Ryan Adams
Warum mögen den eigentlich so viele Menschen? Und auch wirkliche Musik-Freaks?
Ich mag ihn nicht.
- Frei.Wild, Böhse Onkelz, Xavier Naidoo und all das Gesocks
- Ach, ich könnte diese Liste endlos fortsetzen.
Dabei habe ich mal behauptet, tolerant zu sein.
Glaubwürdigkeit und Feeling: Das spreche ich oben genannten einfach mal ab. Oder sie können es nicht bis zu meinem Herzen transportieren.

Genug für heute.
Ich muss kotzen…

Literarisches Gipfeltreffen im Stuttgarter Torhaus!!! - Gemeinsamer Auftritt der Autoren Hermann Borgerding und Ralf Preusker -

Ein sehr schöner Artikel, leider erschien er in der Ludwigsburger Presse um ca. 50 Sätze gekürzt:

Litera Freak e.V. präsentiert:
Literarisches Gipfeltreffen im Stuttgarter Torhaus!!!
- Gemeinsamer Auftritt der Autoren Hermann Borgerding und Ralf Preusker -
09.05.2015, 20 Uhr - Stuttgarter Torhaus, Stuttgarter Straße 62, 71636 Ludwigsburg
Es ist nicht einfach, den Dichter, Schriftsteller und Blogger Hermann Borgerding für eine Lesung zu bekommen. Seine schwere Krankheit lässt nicht allzu viele Events im Jahr zu. Dennoch hat es Litera Freak e.V. anno 2014 schon geschafft, Borgerding zusammen mit dem Dichter Jerk Götterwind zu einem großartigen Literaturmeilenstein ins Torhaus zu lotsen, wo die Beiden das Publikum mehr als begeisterten. Diesmal trifft er den Ludwigsburger Dichter und Literaturmacher Ralf Preusker zu einer gemeinsamen Lesung. Für Litera Freak e.V. und sein Publikum geht ein großer Wunsch in Erfüllung, wenn die beiden Autoren sich endlich, wie schon lange angekündigt, den Lesetisch teilen und im Wechsel wohl improvisiert einen Abend mit Lyrik, Prosa und Teilen aus ihren gemeinsamen Projekten und Zukunftsideen „durchziehen“. Da steht literarischer Rock’n’Roll auf dem Zettel! Und da es Hermann Borgerdings einziger Auftritt in Süddeutschland sein wird, kann sich die Ludwigsburger Literaturszene ein weiteres Mal geehrt fühlen. Für seine Fans zählt Hermann Borgerding längst zu den wichtigsten deutschen Autoren. Als mutiger und unermüdlicher Kämpfer gegen den Krebs und gegen eine erkaltete, viel zu oft unmenschlich agierende Welt, ist er für seine Leser ein kontinuierlich literarisch und menschlich agierendes Vorbild.
In seinen Schriften zeigt er seiner Krebserkrankung den Mittelfinger und schreibt unermüdlich auch zu vielen anderen brisanten und aktuellen Themen, die uns alle angehen dürften. Seine Blogs und Bücher sind wunderbare Beispiele für eine große und ungekünstelte poetische Kraft und Zeichen einer sehr tiefen Liebe zu den Menschen, die sich aber auch herber Kritik und Ironie unterziehen lassen muss. Borgerding unterstellt die oft scheinbar schöne Welt lyrischer und philosophischer Prüfung und kämpft gegen humane Kälte, Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit, Ungerechtigkeit und Depression. Dies geschieht stets ohne politische Allüren oder Larmoyanz. Immer bewahrt er seine literarische und menschliche Authentizität und seinen wohlfeilen Humor und letztendlich kanalisiert sich sein Werk stets aus der Anklage heraus in Hoffnung und den Mut zur unverstellten Liebe und bewusst gelebter Solidarität mit den Schwachen. Die Autorin und Verlegerin Nì Gudix beschreibt seine Texte als „eine schnörkellose Darstellung der Wirklichkeit und zugleich eine Hommage an sie.“
In einer Neuauflage erschien dieses Jahr sein Buch „Ausgehöhlt – Im Krebsstrudel“, das nicht nur knallhart die Krankheit „Mundhöhlenkrebs“ mit Entstellung und Todesangst beschreibt, sondern auch das Leben danach: Ein Leben in Hoffnung und dem Wunsch nach Liebe und Anerkennung als Gezeichneter; begleitet von unermüdlicher Schreibenergie als fruchtbare Strategie für das Überleben. Borgerding, der seinen VfL Bochum und Rockmusik über alles liebt, war lange Sänger einer Rock-Punkband, Gitarrist und Liedschreiber. Dann folgten erste literarische Publikationen und Gründungen mehrerer Literatur- und Kunstzeitschriften im sog. „Underground“. Nach der schweren Krebs-O.P. waren Lesungen durch die massive Sprachbehinderung fast unmöglich. Heute steht Hermann Borgerding wieder selbstbewusst und ungehemmt am Lesepult und liefert Grandioses ab. Neben Gedrucktem veröffentlicht Hermann Borgerding regelmäßig seine Gedanken und Literatur in seinem Blog „Extraball - Mein Mittelfinger dem Krebs“.
Der in Ludwigsburg geborene Autor und Vorleser Ralf Preusker, der bei dieser Lesung einem selten großartigen Freund und schreibendem Vorbild begegnet, wird am Ende des Abends aus der Autobiographie „Ausgehöhlt“ lesen und Borgerding umgedreht aus Preuskers Arbeit „Das Zimmer“. Der Essener Dichter Urs Böke beschreibt Preuskers Werk, das mittlerweile ausschließlich verlags- und rechenschaftsfrei veröffentlicht und gebloggt wird, wie folgt: „Preusker schreibt seine Existenz an die Wand in Zeilen, die manchmal erst beim zweiten Blick ihre Verzweiflung und Trauer offenbaren. Der Dichter hier braucht keinen Egolärm, sondern nimmt die Hoffnungslosigkeit der Welt sacht an die Hand, um den Versuch Mensch bodentief auszuloten. Was helfen könnte ist Liebe, doch auch die verstrickt sich halbseiden und angetrunken im Alltag.“ Preusker veröffentlicht zudem derzeit wieder Texte in der Eremitage des LFL Ludwigsburg.
Also? Fernseher aus und raus aus dem Haus!!!

Dienstag, 28. April 2015

Ich kann es nicht lassen:


Warten auf den Fußball-Abend



Mann! Kalt!
Schon wieder.
Und windig. Bei den Hundespaziergängen fällt es schwer, die Zigarette mit Genuss zu rauchen.
Und meine Schafe haben die Weide leergefressen und tummeln sich nun woanders.
Mist.

Vorgestern in einer Doppelkopf-Nacht doch eine Zigarette und ein Bier zu viel genossen.
Gestern festgestellt, dass ich keine 18 mehr bin.
(Eigentlich weiß ich das aber schon länger…)

(und eigentlich tippe ich das jetzt auch noch einen Tag später…)




ICH HABE DIE SYTEMFEHLER BEREINIGT

leider nur an meinem zickenden Compi
Der stürzte völlig ab
& nix lief mehr
& ich probierte planlos fünf Stunden rum
& jetzt scheint das Ding wieder zu laufen

Ich traue ihm noch nicht
- vor allem traue ich meiner Reparatur nicht

SYSTEMBEREINIGUNG
versuche ich ansonsten
seit ca. 40 Jahren
& scheitere
immer wieder
Andererseits:
Das System scheitert auch
& konnte mich noch nicht bereinigen

Mein Compi scheint halbwegs wieder zu funktionieren
- ich hätte mir auch keinen Ersatz leisten können -
Ich laufe mit dem Hund über die Felder
& funktioniere halbwegs
- außerdem kann man mich nicht ersetzen


Nach dem xten Neustart
öffnet der Compi seine Programme relativ stabil
ich habe ihn repariert
& keine Ahnung
wie ich es geschafft habe

Systembereinigung, Anti-Virus
Neustart
Wiederherstellung
Formatierung
…:
Wunderbare Metaphern
auch für das Leben neben der Tastatur


Computerabstürze
bringen mich mittlerweile mehr aus der Rolle
als ein Vollrausch

Ich habe
das SYSTEM BEREINIGT
am Computer
ohne Plan & Ahnung

Manchmal wünsche ich mir
dass das Leben so einfach wäre
wie ein Compi
(den ich auch nicht durchblicke)




Über die wirklich wichtigen Sachen will ich nicht schreiben.
Also Fußball.
Heute Abend: Doofmund gegen Bayern.
Ich freue mich drauf.

Für Doofmund geht es um alles, eigentlich sogar um noch mehr.
Und kein vernünftiger Mensch wünscht den Bayern einen Sieg.
Es ist doch so:
- München ist spießig und nur ne Touri- und Reichen-City (okay, dafür ist Doofmund Nazi-Hochburg. Trotzdem Ruhrpott. Und auch mit viel Widerstand, Toleranz und libertären Menschen…)
- Eigentlich egal, ich habe es nicht so mit Patriotismus. Aber Bayern gehört einfach nicht zu D-land! Never!
- Geld scheißt Tore. Und das ist nicht schön. Und die Bayern sind da eben die Mannschaft Nr.1 (okay, so ganz anders ist das bei Doofmund auch nicht…).
- Es fiel schwer, den BVB unter Klopp zu hassen. Schnelles, schönes und ehrgeiziges Spiel wurde da fabriziert. Und auch wenn es diese Saison nicht lief – die Doofmunder waren die einzigen, die versucht haben, die Bayern zu ärgern. Und Klopp hat nochmal ne Sause um den Borsigplatz verdient und dafür muss eben (eigentlich) der Pokalsieg her.
- Und überhAupt…

Also Ole-BVB!
Dafür hasse ich euch ab nächste Saison beinahe so, wie die Schalker und die Bayern!




Schon wieder Regen.
Und Wind.
Frau und Schwiegermutter seit 4 Stunden beim Doc.
Das macht definitiv keinen Spaß.
Ich stattdessen höre gerade in die neue Tocotronic rein.
Und warte eigentlich nur auf den Fußballabend…