Samstag, 23. Februar 2013

Im Infektionsmodus, der Papst, Atoms for peace...




Die letzten zwei Tage (diesen Post habe ich vor zehn Tagen begonnen…) habe ich jeweils höchstens fünf Zigaretten geraucht.
Das ist ein eindeutiges Zeichen, das ich krank bin.
Beinahe zwinge ich mir die Zigaretten wie die Nahrung einfach nur rein, um mich aufrecht zu halten.
Ansonsten Novalgin-Tropfen.

Musik und Fernsehen rauschen an mir vorbei, keine Lust zu gar nichts und meine Frau will mich zum Arzt, bzw. am Samstag gar ins Krankenhaus schicken, wogegen ich mich natürlich erfolgreich wehre.

Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Fieber, heftige Knochen- und Muskelschmerzen, heftigste Magenbeschwerden. Mein Kopf ist dicht und der Tinnitus vom Feinsten.
Leider kein Husten und Schnupfen, das würde zeigen, dass ich die Scheiße rausrotze.

Eine Erkältung kann fast so schlimm Krebs sein.
Nee. Das stimmt nicht so ganz, aber es ist trotzdem was Wahres dran.
Krebs an sich – also der Tumor – tut ja nicht weh. Krebs macht schlapp, lässt dich abmagern, die Schmerzen kommen, weil der Tumor irgendwo gegendrückt oder eben nach der Operation und bei der Qual der Bestrahlung (oder Chemo oder beides). Ich weiß, dass ich während meiner Bestrahlung an Selbstmord dachte, weil ich den Schmerz nicht aushielt. Der Schmerz bestimmte dann einfach das ganze Leben.
Bei meiner Erkältung ist der Schmerz auch allgegenwärtig, aber lange nicht so stark. Und deshalb kommen die Gedanken, aus den Quark zu kommen und endlich wieder aktiv zu werden, obwohl es auch da einfach nicht geht.
Und deshalb macht das grantelig und unzufrieden und nervt einfach fürchterlich.
Geht aber auch irgendwann wieder vorbei.

Obige Sätze sind jetzt 10 Tage her, es wird und wird nicht besser.
Und jetzt hat es auch noch meine Frau erwischt.
Am Compi kriege ich gar nichts geregelt, aber ich werde gleich einfach mal irgendwie diesen Text abschicken, um nicht aus meinem Rhythmus zu kommen.
Und dann versuchen, mich zu fangen und neu zu konzentrieren.




(Eigentlich schon wieder überholt, ich poste es trotzdem:)

Ich bin kein Christ, aber ich habe auch nichts gegen Christen.
Ich kann mir schon vorstellen, dass da irgendwas ist. Ich weiß es bloß nicht und es ist mir auch ziemlich egal, würde es mein Handeln doch eh nicht ändern.
Vielleicht gibt es eine Göttin oder einen Gott, vielleicht gibt es auch ganz viele. Wer weiß.
Ich habe überhaupt nichts gegen Glaubende Menschen, woran auch immer sie glauben mögen. Ich habe was gegen Missionare, die mir sagen wollen, woran ich zu glauben und was ich zu tun habe. Das gilt für Christen, wie für Zeugen Jehovas, Veganer und Nichtraucher.
Vielleicht gibt es eine überirdische und übermenschliche Spezies in diesem riesigen und unendlich erscheinenden Universum, ich denke schon: Wenn der Mensch die Krone jeglichen Daseins wäre, dann wäre das ganz schön kümmerlich!
Darum geht es aber jetzt nicht.
Es geht auch nicht um das Christentum.
Es geht um eine kriminelle Vereinigung, es geht um die weltweit größte Sekte, es geht um Fundamentalismus:
Es geht um den Katholizismus.
Und um den Paten der Katholiken. Don Benedikt.
Und der tritt zurück.

Eigentlich darf und kann er das ja gar nicht.
Ist auch erst der zweite Rücktreter in der Geschichte der Päpste, den letzten Rücktreter gab es irgendwann im 12ten Jahrhundert und das war wohl ein ganz schlechter und dümmlicher Kirchenführer, der durch verdorbene Kardinäle zum Rücktritt gezwungen wurde - aber da müsste ich erst Recherche betreiben, um meine Aussage zu festigen. So genau weiß ich das jetzt nicht.
Aber ich weiß, dass in der katholischen Doktrin das Amt des Papstes als Bürde und Kreuz angesehen wird, dass die Ausgewählten zu tragen haben.
Ist natürlich Quatsch, genau wie die Unfehlbarkeit eines Papstes. Ist aber so.
Ratzinger tritt nun (in guter deutscher Mode) zurück. Das hat was Revolutionäres, wenn es auch das einzig revolutionäre Werk seiner Amtszeit bleibt.
Ratzinger oder (noch zwei Wochen lang) Benedikt war ein Tiefgläubiger, das ist glaub ich unbestritten. Aber das ist egal und selbstverständlich. Schlimmer ist, dass er ein rückwärtsgewandter Kirchenführer war. Erzkonservative und fürchterliche Dogmatiker füllten unter ihn den Vatikan, der sich ja eh nicht durch Fortschrittlichkeit oder Menschlichkeit auszeichnet.
Statt Öffnung ging es unter Ratzinger zurück ins Mittelalter, statt Anpassung an gesellschaftliche Veränderungen wurden überalterte Strukturen gefestigt, es hätte mich nicht gewundert, wenn unter Ratzinger die Hexenverbrennungen und die Kreuzzüge neu entflammt wären.
Na ja, vielleicht wäre das dann doch zu unzeitgemäß und barbarisch gewesen, aber gewollt hätte er es wahrscheinlich schon.
Ökumene? Geburtenkontrolle? Mitwirkung der Frauen? Menschlichkeit oder gar demokratische Ideen? Niemals unter Benedikt!
Es ist gut, dass dieser Papst sich verpisst.

Aber ich befürchte, dass das egal ist. Die katholische Kirche ist halt eine autokratische und fundamentalistische Sekte, die sich auch mit einen neuen Papst nicht ändern wird. Eine Glaubensgemeinschaft mit überholten und veralteten Strukturen, die – wenn überhaupt – nur in jahrhundertelangen Prozessen sich erneuern werden.

Und natürlich ein Schwimmbecken voller Intrigen, Intriganten und Verschwörungen.
Seit Jahrhunderten. Und deshalb würde es mich nicht wundern, wenn in den kommenden Tagen und Wochen auch immer wieder neue Verschwörungstheorien aus dem Vatikan auftauchen.

Was das Ganze mit einem mutmaßlichen Gott zu tun hat?
Nichts.
Es geht nicht um eine Gottheit, es geht um eine Kirche.
Um die schlimmste und gefährlichste Kirche der Welt.
Ich habe nichts gegen Katholiken, aber ich habe was gegen die Institution der katholischen Kirche. Und ich halte sie für gefährlich, weil sie Macht hat.
Ich glaube, es sind weltweit über 4 Milliarden Menschen dieser Kirche untertan. Das ist eine Hausnummer, wenn zum Glück und Göttin sei Dank auch nur die wenigsten Katholiken sich an die Weisungen der Greise aus dem Vatikan halten.
Diese Sekte hat Macht und sie hat massig Geld und bestimmt die Politik dieser Welt mit.
Nicht mehr direkt über Kreuzzüge, aber immer noch ziemlich stark.
Und deshalb ist der Papst auch nicht nur eine Randerscheinung und nicht so unwichtig, wie er eigentlich sein sollte.

Aber damit habe ich mich jetzt schon viel zu lange und ausführlich mit dieser Sekte und dem zurückgetretenen Chef beschäftigt…

(Nachtrag: 10 Tage später und die ersten Gerüchte tauchen auf…)


Was soll ich nun bitte mit „Atoms For Peace“ und dem Album „AMOK“ anfangen?
Ich war noch nie „Radiohead“-Fan und einer der wenigen Menschen, die „OK – Computer“ einfach nur langweilig fanden. Das war auch mein erster Eindruck, beim Halb-zuhören der neuen angeblichen Supergroup.
Aber dann hörte ich es nochmal. Und nochmal. Und dann machte mich gestern meine Frau darauf aufmerksam, dass dieses Album den ganzen Tag laufen würde und da merkte ich es plötzlich: irgendwas daran hat mich gefangen. Keine Ahnung was, ich hoffe, es ist der Bass von Flea (obwohl der keineswegs das Album dominiert). AMOK hat was. Fragt mich nicht, keine Ahnung.
Zum Runterkommen höre ich wieder „Push the sky away“ von Nick Cave und den Bad Seeds. Da weiß ich hundertprozentig, dass das einfach genial ist.


„Er (ein Düsseldorfer Fußballspieler, der humpelnd in der ersten Halbzeit den Platz verlässt) hat Oberschenkel oder Leiste.“
Also ich hoffe für ihn doch sehr, dass er Beides hat. Sonst wäre es echt ein armes Schwein…

In der Halbzeitpause dann:
„Er (ein anderer Ddorfer) hatte letzte Woche Magen und Darm…“
Scheiße. Ich hoffe. Er hat beides auch diese und noch viele folgende Wochen…


Also ich habe Oberschenkel, Leiste, Magen Darm und alles Mögliche.
Vor einem Monat wurde ich gesundheitlich voll durchgescheckt und bin soweit möglich organisch gesund.
Blöderweise fühle ich mich (eigentlich durchgängig) seit meiner Reha krank.
Aber so geht es momentan total vielen Menschen.
Kein Grund zur Panik.
Bloß Quengeln: das gönne ich mir.


Während meiner momentanen Unpässlichkeiten habe ich relativ wahllos den ganzen alten Social Beat-Kram aus meinen Bücherregalen geholt. Und in Erinnerungen geschwebt. Eben Fieber-Wahn. Daraus ist ein langes Gedicht entstanden, das ich im Anschluss posten werde. Das ist dann wahrscheinlich größtenteils wirklich nur was für Insider…


Und weil es passt, heute mal ein ehrlicher, wenn auch abgenudelter Gruß:

Gesundheit!

Donnerstag, 14. Februar 2013

Zum gestrigen Geburtstag von Peter Gabriel



Zum Geburtstag von Peter Gabriel stelle ich mal nen Auszug aus meinen Roman „Ausgehöhlt“ in diesen Blog.
So habe ich Peter erlebt und ich würde ihn gerne auf seiner diesjährigen Tour wieder erleben, aber die Konzertpreise sind unerschwinglich und ich finde, irgendwann muss man sich dieser Wahnsinnspreise auch verweigern:

Es ist Mitte Juni im Jahr des Krebses. Thomas, Anne, Jürgen und Susanne holen mich ab. Ich habe eine lange Unterhose an, drei Sweat-Shirts übereinander und noch meine Lederjacke. Dazu meinen schwarzen Stetson, den mir Anne vor zwei Monaten geschenkt hat, da ich eigentlich keine Sonnenbestrahlung haben darf. Es ist 18.00 Uhr und wir fahren nach Gelsenkirchen zum Amphitheater. Peter Gabriel gibt sich die Ehre.
Ich verfolge Peters Meisterwerke seit seiner Zeit als Frontmann bei Genesis, damals, als sie noch Musik machten. Mehrere Konzerte von ihm bleiben mir in ewiger Erinnerung. Zusammen mit Tony Levine und David Rhodes beschert  er uns wahnsinnig geile Songs und Rhythmen, die mich seit langem schweben lassen. So war mir klar, als ich zum ersten Mal von diesem Konzert in Gelsenkirchen las, dass ich hier mein Konzertbesucher-Comeback probieren werde.
Auf dem Weg zum Amphitheater bewölkt es sich bedrohlich. Als wir den Bulli von Thomas parken, beginnt es zu donnern und die ersten Tropfen fallen. Die Schlange vor dem Einlass ist lang, es beginnt ein tierischer Gewitterschauer. Ich bekomme Angst, entschuldige mich und verkrieche mich erstmal wieder in den trockenen Bulli. Nach einer halben Stunde hört das Gewitter auf und ich begebe mich zu meinen Freunden, die in der Schlange schon weit nach vorne gekommen sind. Kurze Zeit später können wir das Gelände betreten.
Das Amphitheater Gelsenkirchen liegt direkt am Rhein-Herne Kanal. Auf den Betonstufen (und fürsorglich, wie ich momentan manchmal bin, habe ich ein Kissen dabei…) sitzt man im Halbkreis und blickt auf die Bühne und den Kanal. Äußerst idyllisch das Ganze.
Ich zittere, mir ist wie immer kalt. Ich bin nervös: Werde ich angestarrt? Kann ich durchhalten?  Meine Freunde geben mir Sicherheit und Geborgenheit und schließen mich in ihrer Mitte ein. Natürlich ist gerade heute mein Kopfrauschen wieder extrem. Scheiß drauf!
Die Vorgruppe fließt an mir vorbei. Spürbar steigt die Erwartung des Publikums. Und dann kommt endlich Peter.
Die Konzerte von ihm, die ich bisher erleben durfte, waren alle von technischen Spielereien und Gimmicks umgeben. Peter Gabriel spielt nicht nur seine Lieder, er bietet eine visuelle Show der Extraklasse. Auf dieser Tour, die er selber als „Warm-Up-Tour“ bezeichnet, ist dies eingeschränkt. Blaues, tiefes Laserlicht in einer Art Lichtgitter: That’s all.
Und das ist verdammt gut und passend in dieser Umgebung. Die ersten fünf Lieder bin ich nicht hundert Prozent bei der Sache. Mein Tinnitus nervt mich doch extrem und ich habe das Gefühl, dass der Sound nicht ganz stimmt. Die Gitarren von David und der Bass von Tony dringen nicht voll zu mir durch, das Schlagzeugspiel überzeugt mich nicht. Ich erinnere mich an die Konzerte mit Manu Katche am Schlagzeug und das war unschlagbar. Die ersten Gänsehäute beschert mir Peter dann mit „Washing of the water“. Ein Stück, wie extra für dieses Gelände und mein Feeling geschrieben. Und die Stimme von Peter Gabriel erreicht die Höhen, spielt mit der Melodie und lässt mich schweben.
Ab jetzt wird es einfach wunderbar. Bei „Blood of Eden“ meine ersten Tränen. Und Gabriel spielt wahrhaftig „Moribund The Burgermaster“ von seiner ersten Soloplatte! „Family Snapshot“ singt er auf Deutsch und natürlich verstehe ich kein einziges Wort, was aber völlig egal ist.
Kurze Atempause, während seine Tochter Melanie singt. Okay, das ist seine Tochter. Aber trotzdem hat sie nicht sein Format. Aber dann: „I Grieve“!

“it was only one hour ago
it was all so different then
nothing yet has really sunk in
looks like it always did
this flesh and bone
its just the way that we are tied in
but there’s no-one home

i grieve for you
you leave me
'so hard to move on
still loving what’s gone
they say life carries on
carries on and on and on

the news that truly shocks is the empty empty page
while the final rattle rocks its empty empty cage
and i can’t handle this

i grieve for you
you leave me

let it out and move on
missing what’s gone
they say life carries on
they say life carries on and on and on

life carries on
in the people i meet
in everyone that's out on the street
in all the dogs and cats
in the flies and rats
in the rot and the rust
in the ashes and the dust
life carries on and on and on and on
life carries on and on and on

it’s just the car that we ride in
the home we reside in
the face that we hide in
the way we are tied in
life carries on and on and on and on
life carries on and on and on

did i dream this belief?
or did i believe this dream?
now i will find relief
i grieve“

Ich habe das Gefühl, als würde Peter Gabriel für mich singen. Ich habe das Gefühl, als würde Peter über mich singen. Natürlich völliger Blödsinn. Aber schön.
Innerlich singe ich mit. „I grieve“ – ich trauere. Ich trauere um meine Gesundheit, ich trauere um meinen Oberkiefer, ich trauere um meine Zähne. Ich trauere, weil ich nie mehr laut singen kann. Ich trauere, weil ich kaum noch tanzen kann. Ich trauere, weil ich wahrscheinlich nie mehr unbeschwerte Körperlichkeit erleben werde. Ja. Ich meine Sex.  Aber: „Live carries on and on…“
Ich weine. Die Tränen fließen und ich versuche, dass zu verbergen. Anne nickt mir zu, zwinkert mit den Augen.
Es ist okay. Es ist wunderschön. Das Leben geht weiter.

Melanie Gabriel, Angie Port, Richard Evans, Jed Linch, vor allem David Rhodes und Tony Levine begleiten den Meister perfekt. Klar, man merkt, dass dieses Programm, das die Zuschauer selbst auswählen durften, noch nicht hundertprozentig eingespielt ist, aber das ist völlig Wurst. Und dann als letztes Stück und als Höhepunkt „Lay your hands on me“ und nach dem Stück singen wir das alle und holen Peter zu den obligatorischen Zugaben wieder auf die Bühne. Natürlich „Solsbury Hill“, natürlich „Sledge Hammer“ und ganz am Ende dann mein Highlight „In your eyes“. Das Publikum steht und tanzt und wahrhaftig: Es ist ungelenk und tut weh, aber ich tanze auch.
Nach über zwei Stunden habe ich es überlebt und falle völlig kaputt in Thomas Bulli.

Ich bin wieder einen Schritt weiter zurück im Leben. Musik und Konzerte sind mein Salz des Lebens. Unverzichtbar. Und wenn auch schwerlich, es geht. Und Peter Gabriel ist ein absolut würdiger Mensch und Musiker für mein Comeback. Danke Peter! Ich lebe! Und das Leben ist wunderbar.
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Donnerstag, 7. Februar 2013

Helau! Und diesmal ein Gastbeitrag, passenderweise eine Satire



Helau! Alaf! Kamelle!
Oder so.
Habe ich nix mit am Hut. Ich trage meine Narrenkappe das ganze Jahr über und werde sie mein Leben lang nicht mehr abnehmen. Ich brauche keine „tollen Tage“ um über die Stränge zu schlagen und ich will nicht karnevalsmotivierten Sexismus ausleben – da lobe ich mir eher meine ständig gelebten Chauvinismen – und meinen Respekt vor den Menschen und damit auch den Frauen.
Bleibt mir weg damit (auch wenn ich gestern Besuch von einem gebürtigen Bonner hatte, der auf Karneval abfährt – by the way: ein sehr netter Abend!).

Ich hab nix Neues, mir fällt nix ein.
Da trifft es sich, dass Rolf Wienhusen mir vorgestern einen Text geschickt hat, den ich dann doch witzig finde und den ich hiermit in meinem Blog veröffentliche (das bleibt aber ne Ausnahme, genau wie der Adventskalender – generell veröffentliche ich hier meine Sachen…):

Rolf Wienhusen
„Kleine Satire zum Thema Prostitution:
Stells in deinen Blog, wenn sie dir gefallen sollte :


Sin City

Interview aus der Vereinszeitung "Rammlerfreude" des Kaninchenzuchtvereins "Schwarze Pfote - Erinville/End"

Interviewer ist Johan van der Lubbe, in dessen bewährten Händen die Pressearbeit von "Schwarze Pfote" liegt.
Befragt wurde Anfisa Pickleboob, 39, Vorstandssprecherin der internationalen Hordell-Kette "Best Lüstern-Inc"

Frage van der Lubbe (vdL): Madame Anfisa ,was bitte ist eine Hordell-Kette?

Anfisa Pickleboob(AP): Mit seinen internationalen Niederlassungen ist "Best Lüstern" im
wesentlichen ein Übernachtungs- und Beherbungsunternehmen mit einer Palette besonderer Zusatzleistungen ...

vdL: Sie meinen käufliche Liebe ?

AP: Jetzt schminken Sie sich mal ihr Kirchentagsvokabular ab. Liebe ist nicht käuflich!
Bei "Best Lüstern" geht es um gewerblich organisierte Triebabfuhr. Die Beteiligten lieben
einander nicht, sondern tauschen aus: eine biologische Dienstleistung gegen das allgemein
umläufige Wertäquivalent ...

vdL: ... also gegen Geld ...

AP: ... Sie sind ja eine richtige Blitzbirne ! Im Angebotspaket von "Best Lüstern" ist dieses
Element ...

vdL: ... der käufliche Geschlechtsverkehr ...

AP: ... schon besser, Herr van der Lubbe ..., ist dieses Element nur ein Teil der ge-
samten Dienstleistungen wie Beherbergung, Escort-Service, Bewirtung,Entertainment,
Wellness, Billard, Bowling und Wassertreten ...

vdL: Madame Anfisa, das hier ist ein Interview. Ich nehme keine Inserate auf.

AP: Sie haben gefragt, Johan, was also ....?

vdL: Und ich frage weiter. Was hat Ihr Unternehmen ausgerechnet nach Erinville geführt ?

AP: Na ja, zunächst fanden unsere ... äh... Analysten die wirtschaftlichen Kenn-
daten dieser Kommune nicht so prickelnd, aber ein Flächenpreis von 3 Euro ... äh
69 Cent pro Tag und angefangene 10 Quadratmeter für unseren Kernbereich ist
definitiv kapitalsexy. Zudem kommt ein profitabler Umlandeinzug hinzu.
Ausserdem ist Erinville ein ziemlich verschlafenes Nest, was dann unserer
Unternehmensphilosophie im Beherbergungsbereich deutlich entgegenkommt.

vdL: Und das Bumsen ...? !

AP: Aber Johan! Der von Ihnen so despektierlich erwähnte Gewerbezweig ist in
allen grossen Kommunen zu allen Zeiten ein erheblicher Wirtschaftsfaktor gewe-
sen. Wo Umsätze erzielt werden, fallen Steuern an. Wo Einnahmen erlöst werden,
fallen Abgaben an. Das ist so neu nicht. Das alte horizontale Gewerbe schafft an,
und das nicht ganz so alte vertikale Gewerbe legalisiert die fiskalischen Zugriffe.
Die normgebenden Körperschaften entdecken zunehmend ihre Lust an der Sex-
steuer.

vdL: Lust und Sex , das sind ja jetzt meine .... äh ... Stichwörter. Glauben Sie
nicht, dass sich "Best Lüstern" in einer moralischen Grauzone bewegt ?

AP: Sagen Sie mir, was das ist ?! Wir verkaufen keine Panzer und U-Boote,
wir verleihen kein Geld, auf unserem Firmengelände wird kein Strahlungsmüll
zwischenendgelagert und wir beliefern die Bevölkerung nicht mit vergammeltem
Fleisch !! Herr van der Lubbe, sagen Sie mir bitte , was das ist, eine moralische
Grauzone und wer , bitte , bewegt sich darin ?

vdL: Von "Best Lüstern" und seinem Personal gehen also keine Gefahren für das
Sozialgefüge von Erinville aus ?
 
AP: Oh wir bedrohen schon , wir bedrohen die Absatzstrategien der Pharma-
Industrie, die sich mit "standfest&steinhart" und ähnlichen Stützpräparaten eine
sprudelnde Geldquelle erschlossen hat. Unsere Mitarbeiterinnen sind mit jedem
ihrer Gramme Körpergewicht auf natürlichste Weise potenzfördernd ohne die
geringsten Nebenwirkungen für Herz und Leber. Wir bedrohen niemandes Privat-
leben, aber wir bedrohen diese Libido-Spitäler, auch eigene 4 Wände genannt, in
denen langjähriges Siechtum jegliche erotische Substanz neutralisiert hat. Wir
wiederbeleben sozusagen mindestens einen der Ehebrocken. Kollateralfreuden
sind nicht ausgeschlossen.

vdL: Madame Anfisa, wir danken Ihnen für dieses Gespräch :!



Ich hatte echt Spaß beim Schreiben, glaub mir .“

Danke Rolf.
Und ich hatte Spaß beim Lesen!
Warum muss ich bei diesem Text bloß irgendwie immer an Castrop-Rauxel denken?