Samstag, 22. Dezember 2012

23. Türchen:



23. Türchen:


Bach, Borgerding; nach Jagger, Richards:

Folgender Songtext ist mindestens n viertel Jahrhundert alt. Unsere Band coverte damals „Life with me“ von den Stones.
Keith ist zwanzig Jahre älter als ich, ich sehe zwanzig Jahre älter aus. That’s live.
Damals haben wir mit diesem Text provoziert, heute juckt das keine Sau mehr. Aber da ich heut Geburtstag habe kann ich auch mal in postpubertären Erinnerungen schwelgen:


Komm schon Mädchen

Ich hab keine Manieren
ich frühstück mittags um Vier
will kleine Kinder verführen
und trink schon morgens Bier
Ich bescheiß die besten Freunde
nehm alten Omas Spielzeug weg
glaub mir, hier ist auch noch n Platz für dich
zwischen all dem Dreck

Komm schon Mädchen
bleib nicht stehn da an der Tür
Komm schon Mädchen
gib dir n Ruck und leb mit mir

Meine Nachbarin ist Hure
das ganze Haus ist asozial
der Hauswirt ist n kleiner Dealer
der saß auch nicht das erste Mal
Ich fühl mich hier so richtig glücklich
ich hoff, dass es auch dir gefällt
hier ist genau der rechte Fleck für dich
für dich – und für dein Geld

Komm schon Mädchen
bleib nicht stehn da an der Tür
Komm schon Mädchen
gib dir n Ruck und leb mit mir
Komm schon Mädchen
bleib heut Nacht ganz einfach hier
Komm schon Mädchen
- gib dir n Ruck und leb mit mir!

Freitag, 21. Dezember 2012

22. Türchen



22. Türchen:

Ich mach jetzt mal ne Ausnahme und poste einen genobelten Dichter.
Günther Grass hat das Gedicht des Jahres 2012 geschrieben.
Nicht, weil es besonders lyrisch oder poetisch oder kunstvoll ist. Ich halte es für eigentlich nicht besonders.
Auch nicht, weil er weltbewegende Neuigkeiten verkündete. Eigentlich alles bekannt, eigentlich auch nicht hundertpro meine Meinung.
Aber ein weltweit anerkannter deutscher Intellektueller traut sich, Israel zu kritisieren. Da er nicht doof ist, weiß er natürlich auch, welchen Wirbel sein Gedicht auslöst. Und veröffentlicht es und lässt es weltweit verbreiten.
Soviel Mut verdient Respekt!
Also darf ich das Gedicht des Jahres hier nicht rauslassen:


Was gesagt werden muss

"Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen."

Weltuntergangsabgesang



Der Weltuntergang fand/findet  also nicht statt.
Obwohl: sind nach MEZ noch vier Stunden Zeit. Und nach mexikanischer Zeit sogar noch länger, ich glaub dann so um die elf Stunden. Ich sollte also den Tag nicht vor den Abend loben oder so.
Das beste Gedicht über den heutigen Tag ist von Jerk Götterwind. Ich zitiere mal:

Dem Trend geschuldet
Jetzt geht’s los
Diese ganze Untergangsstimmung
Wird zu Geld gemacht
Bücher Zeitungen und schlechte Filme
Gehen uns auf die Nerven
Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht

Der neue Bahnhof am Frankfurter
Flughafen sieht aus wie einer der Archen
Aus diesem Film und wer weiß
Wie viele sich einfinden und glauben
Sie werden in ein neues Paradies reisen

Mal unter uns von wegen
21.12.12 Weltuntergang
Meint ihr wirklich
Wir kommen so leicht davon
?

Nee.
So leicht kommen wir nicht davon.
Es gilt jetzt also weiter leiden, weiter ärgern, weiter streiten, weiter kämpfen und weiter lieben, weiter lachen, weiter leben.
Okay. Eigentlich finde ich das gar nicht so doof…

Und selbst der VfL Bochum gewinnt ja plötzlich wieder.

Und nächstes Jahr kommt Peter Gabriel mit Levin, Rhodes, Sancious und Manu Katche am Schlagzeug auf Tour.
Und Neil Young mit Crazy Horse!
Und Leonard Cohen!
Vielleicht auch die Stones, wer weiß.
Unbezahlbare Träume für mich (Cohen bekomme ich allerdings von einer guten Freundin geschenkt. Freu!). Aber Sachen, die auf 2013 neugierig machen.

Falscher Platz, falsches Timing: der Jahresrückblick kommt noch, allerdings erst in zehn Tagen. Und das neue Jahr wird für mich erst am 17.01. anfangen, wenn ich aus dem Reha-Knast entlassen werde.

Anyway. Es wird ein 2013 geben. Höchstwahrscheinlich (wie erwähnt, noch läuft der Countdown).
Heute war übrigens kein Weltuntergangswetter. Nee – es war absolutes Suizidwetter. Feucht, neblig, eklig, aber ohne irgendeine Action und wenn schon Weltuntergang, dann mit Action! Da sollte es doch schon knallen, oder?

Übrigens: Ich bin jetzt offiziell Essener!
Auch wenn ich mich erst ab Mitte Januar ernsthaft damit beschäftigen werde.
Und ich kann sogar schon selbstständig Regale andübeln!
Auch wenn es Stunden und Nerven ohne Ende kostet…

Kein Weltuntergang. Also doch mein neuer Gedichtband Anfang des Jahres: „Extraball“ beim Acheron-Verlag.
Und im Laufe des Jahres dann irgendwie ne Neuauflage von meinem Roman „Ausgehöhlt“, zumindest als eBook.
Und natürlich immer weiter dieser/dieses Blog. Das macht einfach Spaß.








21. Türchen



21. Türchen:


Thomas Reich

Weltuntergang

Die Welt ist nicht untergegangen
und ich mache mir
ein neues Bier auf
genieße für einen kurzen Moment
das Zischen
frisch & kalt
die Kehle hinab.

Dabei hätte sie
es redlich verdient
kaum ein Jahr
in dem sie nicht
gevögelt hätten
betrogen hätten
gestohlen hätten
gemordet hätten

und auch für Frieden gekämpft
die armen Trottel
um nur die nächste Diktatur
vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Die Mayas sind ein blödes Pack
bloss weil ihre Kultur
unterging
gönnen sie uns nicht
die unsere.



Thomas Reich habe ich über Facebook entdeckt. Blogger, (Dirty) Dichter, Schreiber, Darsteller, Fotograf, …, Kreativkünstler in vielen Bereichen.
Und dieses Gedicht hat Thomas heute über Facebook geteilt und ich packe es mal aus aktuellen Anlass in dieses 21te Türchen…

Donnerstag, 20. Dezember 2012

20. Türchen



20. Türchen:


Jens Buschmeyer (FRIZZ):


Später

Im Licht der frühen Hitze bessern
Bleierne
Menschen
fluchtartig
notdürftig
aufgeschüttete Gebirge
am Wasser geschmolzener Eisberge
Aus! Aus
der Traum
neben strahlenden Meeren überfluteter Energiezentren
träumt es sich
nicht so schön.


1994. Lange vor Fukushima. Und mit Jens Buschmeyer haben wir nun das 3D-Silbig Quartett komplett.
Jens lebt in Unkenbach. Nee – ich verarsche euch nicht! Zusammen mit Manuela macht er das Kran-Magazin. Auch Fachmagazine für Lastkräne können also durchaus in ihren Reportagen literarische Tiefe haben…