Mittwoch, 17. Oktober 2012

einfach mal n paar Infos



Ich Trottel!

Da wollte ich eine Datei löschen, die ich in einem Blogeintrag eingearbeitet habe, war gleichzeitig am Telefonieren und am Putzen, während ich zu der Musik von Dan Stuart schwebte und was passierte: Genau. Ich habe den Blogeintrag gelöscht und die eigentlich dumme und kleine Datei behalten.
Normalerweise würde ich jetzt behaupten, dass der Compi spinnt. Nee. Das war ich.
Scheiße. Egal, ich versuche den Blog einfach jetzt neu zu schreiben…


Heute ist Herbst. Und zwar blöder Herbst: Nass und kalt. Ungemütlich.

Die Verleihung der Nobelpreise geht mir Jahr für Jahr mehr am Arsch vorbei. Ich meine, einen chinesischen Staatsschreiber muss man nun wirklich nicht kennen…
Und die Europäische Union als Friedensstifter?
Was sagen da die ausgebeuteten AfrikanerInnen?
Die streikenden Griechen, Portugiesen und Spanier?

Dafür gibt es massig neue Musik im Vorvorweihnachtsgeschäft. Teilweise wirklich geile Sachen (zum Beispiel Dan Stuart. Ja. Der von Green On Red).
Bevor wir dann bald mit unsinnigen Best-Of-Compilations zum Weihnachtsgeschäft zugeschissen werden. Und die Stones sind mit einer Deluxe-Ausgabe von Greatest Hits inklusive zweier Neuaufnahmen mal wieder die absoluten Preisbrecher mit 99,-€ (und ich Trottel will die haben, weigere mich aber beharrlich so viel Kohle aus dem Fenster zu schmeißen…).


Ab nächster Woche werde ich seltener im Netz sein und kaum neue Blogeinträge posten.
Renoviererei, Umzugskram, Rentenscheiß, all so n Kram.
Aber ab Dezember starte ich wieder durch. Und plane eine Art Adventskalender hier im Blog: Tag für Tag ein kleines literarisches oder musikalisches Präsent, Türchen für Türchen bis Weihnachten…


Bücher und Projekte:
- Die „MAULhURE 2“ gibt es bei mir nicht mehr. Ist generell so gut wie ausverkauft. Die Edition PaperONE verramscht Restexemplare für 2,50€ bei Amazon. Ich empfehle Rodney (http://www.undergroundpress.de) oder ratriot als Vertrieb.
Aber wir machen weiter. Und MAULhURE 3 wird 2013 erscheinen, versprochen!
Wir sind dabei einen neuen Verlag für dieses wunderbare Underground-Projekt zu finden.
Und haben wahrscheinlich einen tierischen Knaller, eine literarische Spezialität zu bieten! Mehr wird nicht verraten…
Also: Schickt eure Texte ruhig weiter an die MAULhURE!

- „Ausgehöhlt“: Ich suche noch nach einen Verlag, der meinen Roman im nächsten Jahr weiter verlegen wird (was sich als gar nicht so einfach erweist).
Bis dahin könnt ihr das Buch für 14,95€ + 1,45€ Porto bei mir bestellen. Woanders wird es durch die Auflösung der Edition PaperONE schwierig. Noch habe ich n paar Exemplare, ich hoffe, das reicht bis zum Neudruck…
- „Mein Mittelfinger dem Krebs“: Mein Gedichtband ist ebenso nur noch über mich zu beziehen. 8,95€ + 1,45 Porto. Keine Ahnung, ob ich den noch mal neu verlegen lasse, der neu erscheinende Gedichtband ist mir momentan wichtiger, auch wenn ich den Mittelfinger generell nur empfehlen kann!
- „Ein Versuch: Die Liebe“ ist ausverkauft. Im nächsten Jahr plane ich eine Neuauflage…
- „Seifenblasen im Schädel“ gibt es definitiv nicht mehr.
Ein Anbieter bei amazon bietet ein Exemplar für 34€ an. Leute, ich hoffe, so bescheuert seid ihr nicht!
Wenn ihr es unbedingt wollt, dann fragt mal bei Rodney nach, ich glaube, der hat noch Exemplare für den reellen Preis von 4,50€!

- „Extraball“:
Hey! Wahrscheinlich noch dieses Jahr wird mein neuer Gedichtband „Extraball“ erscheinen!
Der Acheron-Verlag und ich basteln fleißig und voller Enthusiasmus dran!

Einzelheiten dazu dann später…

Dann war da noch vorgestern eine äußerst fruchtbare und interessante Foto-Session mit der Fotografin Ina Caspari.
Sie machte Portrait-Aufnahmen von mir. Wir redeten, gingen spazieren und andauernd machte es Klick. Irgendwann vergaß ich das Objektiv der Kamera, irgendwann entwickelte ich richtig Spaß dabei und experimentierte mit meiner Mimik.
Ich glaube, die Bilder werden klasse. Auch wenn ich meine behinderte und deformierte Fresse nicht besonders liebe, sie scheint ausdruckstark zu sein.
Ergebnisse gibt es dann demnächst auf Facebook und auf meiner neugestalteten Homepage (was aber bis Ende des Jahres dauern kann…).

Danke Ina! Hat viel Spaß gemacht!






Freitag, 12. Oktober 2012

Das erste Herbstgedicht dieses Jahres:



Herbstbeginngedanken


Ich mag die bunten Blätter
mag es
wenn sie fallen
sind sie doch Zeichen für Vergänglichkeit
aus der wieder Neues sprießen wird
da bin ich mir (noch) ziemlich sicher

Im Nebel und Dunst
genieße ich meine innere Ruhe
und gebe mich der Illusion hin
dass Überwachungskameras
diese Schleier nicht durchbrechen können

Selbst der Regen
ist nicht mehr sauer
(oder es wird einfach nicht mehr erwähnt)
und Gummistiefel
sind politisch korrekt vegan

Rechnungen
sind irgendwie nur
fallende Blätter

Schmetterlinge mutieren
Fukushima beschert uns
neue Artenvielfalt
Es sind die kleinen Meldungen
die mich frösteln lassen

Ein Hohelied auf die Badewanne!
Nicht nur
aber besonders im Herbst
Ein Hohelied auf Kuscheligkeiten
und auf die Liebe!
Vorgeschmack auf das Hohelied
auf Glühwein und Ingwertee

Leben vergeht – Leben entsteht
Ach Nils,
eröffnest du dieses Jahr den Reigen
der im Herbst gehenden und im Leben fehlenden?
Vergänglichkeit kann schockieren

Von der Sommerpause direkt
in die Winterschlafvorbereitung fallen
wäre eine Option
aber
gerade jetzt
ist da so viel zu tun und zu erleben
und zu leben
Schlafen kann ich auch noch später

Scheiß auf meine Empfindsamkeiten!
Ich darf die Heizung aufdrehen
ohne ein schlechtes Gewissen zu haben
und packe fürsorglich meine Winterklamotten
im Schrank nach Vorne
Nur wenn ich Claudia
(Sorry Rodrigo
 aber da sie mein Leben ist
 bleibt es nicht aus
 dass ich ihren Namen so oft erwähne…)
streicheln will
muss ich mir jetzt vorher die Hände warm rubbeln
Es gibt
Schlimmeres

Ich mag den Herbst
Er hat goldene Tage
und ist eine prima Metapher für mein Altersgefühl
Ich mag den Herbst
Ich lebe ihn
was immer ich damit sagen will

Weisheiten:
Auf den Herbst folgt der Winter
aber
auf den Winter
folgt auch der Frühling und der Sommer
Das sind
bessere Prognosen

als alle politischen Barometer






Donnerstag, 11. Oktober 2012

Der Morgen beginnt traurig



Der Morgen beginnt traurig: Nils Koppruch ist gestorben.
Der Hamburger Sänger brachte uns wunderbare Songs, Solo, mit der Band Fink und in diesem Jahr zusammen mit Gisbert zu Knyphausen die wunderbare Kid Kopphausen, die gerade zu seinem Gedenken über die Kopfhörer in mein Hirn rauscht.
Noch habe ich keine Ahnung, woran er gestorben ist, aber eigentlich ist das auch egal: ich werde ihn vermissen, hätte mich noch auf viele neue Lieder dieses fantastischen Sängers gefreut.

Bei solchen Nachrichten ist es völlig unerheblich, wie ich die Neuerscheinungen des Herbstes finde. Trotzdem: Bob Mould gefällt mir, bei John Cale weiß ich noch nicht genau (der erste Song ist Meisterklasse, der Rest?), Tanita Tikaram hat mich absolut positiv überrascht, John Hiatt ist okay. Und so weiter.

„Ich hab im Krieg die Seiten gewechselt
 und kam doch nie irgendwo an“

Ich bin jetzt gerade mit meinem Herzen in diesem zauberhaften Garten in Beverungen beim Glitterhouse. Orange Blossom Festival und ich bin ziemlich bekifft und lausche verzückt den Country-Songs von Fink. Oder Jahre später im klaren Kopf Nils Solo.

„Nichts ist größer
 als der Himmel auf der Welt
 Nichts ist gelber
 als der Weizen auf dem Feld
 Nichts ist schöner
 als vom Hochzeitstag die Nacht
 Nichts brennt heller
 als das Licht der Leidenschaft“

Mann, der war jünger als ich! Was soll so was!


Eigentlich wollte ich heute was zu meinen Büchern und Plänen schreiben, wollte Werbung für mich machen.
Vielleicht später.
Jetzt bin ich mit meinen Gedanken bei Nils.

Er wird mir fehlen.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Wieder einmal das KRANKmachENdeHAUS



Schreiberlinge wollen alle nur das Eine: Schreiben.
Stimmt natürlich nicht ganz. Sie wollen gelesen werden, sie wollen Anerkennung, sie wollen als Menschen auch Liebe, Freiheit, Rausch und Glück.
Egal. Vorrangig will ich schreiben. Und da kommt mir verdammt nochmal zu viel dazwischen.

Heute kam wieder das KRANKmachENdeHAUS dazwischen.
Eigentlich Kinderkram: Routinemäßige Krebsnachsorge. Circa alle drei Monate wird mir das Maul aufgerissen und geguckt, ob sich ein neuer Tumor ankündigt. Bei einer Plattenepithelerkrankung in der Mundhöhle ist diese Untersuchung lebenslänglich insistiert. Ich mache das jetzt über fünf Jahre mit und habe im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll.

Also fahre ich auf den Parkplatz des Knappschaftskrankenhauses Bochum Langendreer. Damit bin ich schon privilegiert, nicht jeder Patient oder Besucher ist in der Lage selber zu fahren. Und muss dann die äußerst unerfreuliche Busfahrt oder ein teures Taxi in Kauf nehmen. Ich nicht.

Vor dem Krankenhaus die Raucher. Sie leiden am meisten, abgeschoben in einen kalten von Plexiglas umzäunten Pavillon beruhigen sie sich und versuchen sich mit ihrem Krankenhausschicksal abzufinden. Sie haben müde oder tote Augen, wie fast alle anderen Menschen in einem Krankenhaus auch.

Ich gehe zielstrebig auf die Kiefer- Mund und Gesichtschirurgie-Ambulanz zu, betrete die Anmeldung und zücke meine Krankenkassenkarte und die Überweisung. Das ist wichtig, ohne dem darf man nicht mal sein Begehren äußern. Ich kenne das, wurde ich im Laufe der Jahre doch auch schon mal wieder nach Hause geschickt, weil die Überweisung falsch ausgestellt war.
Dann gehe ich in den Warteflur. Der ist kalt und unfreundlich, noch nicht mal ein Garderobenständer oder Zeitschriften befinden sich dort und oft werden die Türen zu den Untersuchungsräumen einfach aufgelassen und alle Patienten bekommen das Leid der anderen mit.

Über fünf Jahre Krebsscheiße. Eigentlich habe ich alles erreicht, ich lebe immer noch!
Zu Beginn meiner Krebserkrankung hatte ich mir vorgenommen, meinen Roman zu beenden und Tom Waits live zu sehen. Beides hat sich erfüllt, der Roman wurde sogar veröffentlicht und löste viel positive Kritiken aus und für Tom Waits machte ich mich mit Kersten auf einen beschwerlichen Weg nach Paris.
Viel mehr noch, was ich mir nie hätte träumen lassen:
Ich habe meine Liebe gefunden, bin verheiratet und wir haben zusammen den besten Hund der Welt (auch wenn das alle Hundehalter von ihren Tieren behaupten…).
Jetzt wird es also Zeit für neue Ziele. Oder einfach nur fürs Genießen.
Gerade auf einem Krankenhausflur fällt es schwer zu genießen…

Warten, warten, warten.
Ein alter Mann im Rollstuhl wird auf dem Flur darüber aufgeklärt, dass er noch mal operiert werden muss. Seine hilflose Frau, die den Rollstuhl schiebt bekommt eine Wegbeschreibung zur Anästhesieabteilung, die sie unmöglich verstanden haben kann. Dann schieben die beiden ab.
Ich erinnere mich, wie oft ich hilf- und orientierungslos über all die Flure des Hauses geschlurft bin. Begleitung gab es nur am Anfang und natürlich während der Immobilität…

Ich frage mich, was ich hier eigentlich will oder soll!
Selbst wenn ein neuer Tumor entstehen sollte, diese Tortur würde ich kein zweites Mal auf mich nehmen! Ich bin im Bonusprogramm und das ist wunderschön! Und wenn noch etwas passieren sollte, dann passiert es eben! Dann nehme ich noch mit, was irgendwie mitzunehmen ist vom Leben, dann möchte ich möglichst schmerzarm sein und alles andere ist dann egal!
So viel Elend auf den Fluren…

Ich werde unerwartet schnell aufgerufen und darf das Behandlungszimmer betreten. Ich soll mich schon auf den Behandlungsstuhl setzen, bleibe aber auf der Kante sitzen, solche Stühle hatte ich schon zur Genüge!
Dann kommt der Oberarzt in den Raum, er geht zielstrebig zum Computer, an dem meine Akte liegt und in dem die Schwester schon meine Datei geöffnet hat. Immer noch mit dem Rücken zu mir:
„So sie sind also…“
Ich antworte:
„Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag.“
Immerhin, er dreht sich zu mir um, blickt nochmal auf die Akte.
„Ach, Herr Borgerding. Setzen sie sich bitte ganz in den Stuhl.
Dann wieder die Akte. Wie immer hat auch dieser Arzt keinen Plan. Zu oft wechseln die behandelnden Ärzte in der Uni-Klinik.
„So. Es geht also um ihren Implantationsantrag…“
Ich will nur noch raus. So freundlich, wie möglich, weise ich ihn darauf hin, dass dieser mindestens vier Jahre zurückliegt und die Implantate schon lange in meinem Mund sind.
Er merkt meinen Unmut und wird etwas freundlicher. Überraschenderweise inspiziert er dann meine Mundhöhle ziemlich gründlich und sagt mir sogar, dass alles sehr gut aussieht.
Sehr gut?
Ich würde eher sagen, den Umständen entsprechend. Ich habe keine Lust und keine Kraft mehr, irgendwas zu meinen Beschwerden zu sagen. Ich weiß ja eh, dass diese chronisch sind und bleiben. Aber sein „Sehr gut“ kann er sich sonst wohin schmieren!

Dann habe ich es hinter mir und mache mit der Schwester die neuen Termine klar.

Ich nehme meinen Mut zusammen und besuche kurz die Station 17, auf der ich vor fünfeinhalb Jahren gelegen habe.
Mittlerweile gibt es kein Raucherzimmer mehr, dafür ist vor jedem Patientenzimmer ein Desinfektionsmittelspender installiert worden.
Die Bilder auf dem Flur wurden irgendwann ausgetauscht. Schade: bei meinen Gehübungen auf dem Flur hatte ich mich immer an dem Bild von Chaplin und dem Spruch „Jeder Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag“ gefreut. Das finde ich nicht mehr.
Auf der Tafel des Personals sehe ich, dass beim Pflegepersonal scheinbar wenig Wechsel stattgefunden haben. Das finde ich gut. Ansonsten ist der Flur menschenleer und still.
Das Elend findet sich hinter den Türen, das weiß ich.

Ich verlasse das Krankenhaus. Stecke mir eine Zigarette an. Bin genervt, trotz zumindest vorläufig optimistischer weiterer Prognose.
Ich beschließe, den Tag am Schreibtisch bei ganz viel Musik zu verbringen und heute einfach mal auf alles zu scheißen. Außerdem habe ich nach dem Krankenhaus immer massig Bierdurst. Ich finde das nicht beängstigend, sondern all zu menschlich.
Und zu Hause warten meine Frau und unser Hund auf mich.
Das Leben ist schön!

Mein Roman braucht einen neuen Verlag, da der alte zum Ende des Jahres aufhört. Und Anfang nächsten Jahres erscheint ein neuer Gedichtband von mir.
In zwei Wochen fangen wir an, eine neue Wohnung zu renovieren und dann umzuziehen. Ich freu mich drauf! Irgendwie ein Neuanfang für alles Mögliche.

Und das KRANKmachENdeHAUS sieht mich erst im Januar wieder.