Samstag, 21. Juli 2012

Wenn die Nacht am tiefsten ist...

Neue Medizin für alte Wunden.
Oder so.
"Oh Love", die neue Single von Green Day macht Spaß und neugierig auf die kommenden Alben (September, November und Januar erscheinen die...),
"Forty Five" von Gaslight Anthem ist toll, auch da bin ich auf das neue Album gespannt (mit allen Vorbehalten gegen Brian Fallon und den Kreationismusvorwürfen...),
aber total witzig ist das neue Album von (haltet Euch fest!) Jimmy Cliff!!!
Ja. Der lebt noch. Und hat in seinem bekannten Stil ein wirklich aufpowerndes und witziges Reggae-Werk abgeliefert. Und dazu tanze ich wahrhaftig durch die Bude und grinse. Auch ohne Dope.

Ansonsten viel Mist. Dazu mal wieder ein Gedicht:



Wenn die Nacht am tiefsten ist…


Wenn schon in der Scheiße
dann auch richtig
und dann ist es meistens nicht nur eine Sache
sondern ein fürchterlicher Berg von Problemen
den ich unmöglich erklimmen kann
eine Riesenmauer
die mir unüberwindbar erscheint

Und ich schlage die Hände über den Kopf
kauere mich vor die Heizung
lege mich ins Bett und
ziehe die Bettdecke über den Kopf
um die Sorgen zu vergessen

Wer kennt das nicht!

Ich kann die Welt nicht retten
ich kann meine Lieben nicht retten
ich schaffe es ja nicht einmal
mich selber zu retten
Meine Schultern sind viel zu schwach
für ihre Sorgen
außerdem
nehmen meine eigenen schon viel zu viel Platz ein

Sorry
aber so ist das nun mal

Meine Hilflosigkeit macht mich betroffen
Eigentlich gelte ich (weshalb auch immer) eher
als Kämpfer
aber jetzt weiß ich nicht
gegen wen
und wie
ich kämpfen könnte

Ja
so ähnlich sieht es aus
Ohne wirkliche Ahnung
wie es weitergeht

Ich will nur
in den Arm meiner Frau
dabei braucht sie momentan mehr als ich
stärkende Arme und Kraft
und ich versuche
ihr das zu geben
auch wenn es mir immer zu wenig erscheint

Aber dann nehmen wir uns
gegenseitig in den Arm
küssen uns ganz sanft und zärtlich
und blicken uns in die Augen
und plötzlich weiß ich wieder:

Keine Ahnung
wann oder wie
aber
ALLES WIRD GUT
und:
wir haben uns
Scheiß auf den Rest!

Dieser Sommer
der ja bekanntlich keiner ist
ringt uns einiges ab
und geht an die Substanz
Trotzdem
überleben wir
und tanken immer wieder Kraft
aus uns selber
Ist Liebe vielleicht die Formel für unser Perpetuum Mobile?
Ist Liebe die Antwort?

Ich habe eine Ahnung
woher ich die Zuversicht nehme
für mich heißt diese Ahnung
Claudia
und damit habe ich gerade noch den Bogen gekriegt
um die Titelzeile gebührend zu beenden:

… ist der Tag am nächsten

In zehn Tagen fliegen Claudia und ich in den Urlaub. Wir können es uns nicht leisten und die Zeit passt überhaupt nicht. Aber wir hatten schon im März gebucht (und noch keine Ahnung von kommendem Chaos...) und keine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen.
Und wir haben den Urlaub irgendwie nötig, glaubt es mir!
ALLES WIRD GUT! 
Und danach greife ich spätestens an... 

Dienstag, 17. Juli 2012

Titen rauß! Schwanz ab! Geil! Hosen runter!


Titen rauß!
Schwanz ab!
Geil!
Hosen runter!

Statistiken sind was für n Arsch. Schließlich ist statistisch erwiesen, dass die bundesdeutsche Geburtenrate parallel mit der Storchenpopulation sinkt und darauf kann ich mir einen runterholen -  aber beweisen tut das nichts.

Anyway. Die Statistik meiner Blogeinträge zeigt mir, dass mein Kommentar zu Rock am Ring 2012 wesentlich mehr Klicks als jeder andere Beitrag bekommen hat. Ich glaube, das lag nicht am Inhalt, sondern am Titel:
„Titen rauß!“

Ich will eigentlich auf Statistiken und Klicks auf meinen Blog scheißen - aber seien wir doch mal ehrlich: Jeder Schreiber will gelesen werden. Und als Beleg hat er eben die Statistiken. Also…

Ich sollte ein verstärktes Maß auf meine Überschriften legen.
Titen rauß war definitiv klasse. Schwanz ab! Geil! Hosen runter! könnten dem folgen.
Dabei lasse ich meiner Meinung nach immer meine Hosen runter, auch wenn ich selten (vielleicht für meine Statistik zu selten) von Sex schreibe.

Will ich Leser, die nur auf „Titen rauß“ stehen? Ich weiß nicht. Eher nicht.
Aber ich will Leser. Welcher Schreiberling will das nicht!?

Also sollte ich ein verstärktes Maß auf meine Überschriften legen. Das gibt Klicks. Ob die Leute dann den Rest lesen ist egal.
Oder?

Dieser Blogeintrag hat zumindest die Überschrift, die ich nicht mehr toppen kann.
Ansonsten ist er eher belanglos…



Gläser sind meine Krücken


Könnte ich bitte ein Glas bekommen?


Ich war das geborene Flaschenkind
liebte es
den Kronkorken mit einem Feuerzeug plöppen zu lassen
und die Flasche anzusetzen
und einen tiefen Zug zu nehmen

Es floss
es perlte
es schmeckte, stillte den Durst, beruhigte
und machte angenehm besudelt
(diese Phase, bevor es unangenehm betrunken machte
- was ich auch zur Genüge kennengelernt habe…)

Bier
keine Ahnung
wie viele Liter früher meinen Körper durchflossen haben
Es waren zu viele

Danach machte ich siebzehn Jahre Pause
und mied jeglichen Alkohol
wie die Pest
und
das war nicht nur in Ordnung
sondern nötig

Ich blieb ein Flaschenkind
und konnte eine Mineralwasserflasche in vier, fünf Zügen leertrinken
Das törnte zwar nicht
war aber völlig okay
Cola
mochte ich nur aus der 0,33er Dose
Aufziehen, trinken, …leer
Im Glas oder aus der Flasche hatte ich da
immer ein schales Gefühl
und zu viel Zucker auf der Zunge
(und die Gewissheit
 mit jedem Schluck einen Blutzoll zu entrichten
 aber das ist ein anderes Thema)
Das einzige Getränk
für das ich ein Glas oder eine Tasse wirklich brauchte
war Kaffee

Okay
als mir dann
mein Oberkiefer und Gaumen
entfernt  und rekonstruiert wurden
und nach der OP mein rechter Mundwinkel etwas runterhing
und gelähmt war
war es vorbei mit dem Flaschenkind

Ich sabbere jetzt
und mir läuft die Flüssigkeit aus dem Mundwinkel
Ich brauche Gläser zum Trinken
Ein Taschentuch vor meinem Mund
ist mein neues Markenzeichen

Zum Beispiel Strohhalme:
die funktionieren überhaupt nicht
Auch Filterzigaretten sind schwierig
am besten funktionieren meine Selbstgedrehten
mit einer leicht konischen Form
aus der Macht der Gewohnheit heraus
Und Zungenküsse sind nicht mehr so der Bringer
dabei habe ich früher liebend gerne geküsst

Egal
auch wenn es mir manchmal peinlich ist
nach einem Glas zu fragen

Meine Geschmacksnerven sind ziemlich hinüber
(scharf gewürzt essen geht wegen der Speiseröhre nicht mehr)
aber dafür schmeckt mir jetzt wieder Bier
ich muss allerdings die Maße deutlich niedriger ansetzen
und vorsichtig sein
Ich meide Restaurants
und wenn ich doch öffentlich esse
dann nur meiner Frau zuliebe
oder weil es grade nicht anders geht

Ich liebe Punkschuppen
alternativ angehauchte Kneipen
und Schmuddelcharme
Öffentlichkeit fällt mir schwer
aber dort ist es meistens okay

Ich bin (hoffentlich) noch immer kein Spießer
und ich bin nicht so alt
wie ich aussehe

Trotzdem:
Könnte ich bitte ein Glas bekommen?

Montag, 16. Juli 2012

Jobs und andere Krankheiten


Jobs und andere Krankheiten

In meinen bisherigen Leben
habe ich massig Scheiße gebaut
und viel Scheiße erlebt
Meine Jobs gehörten eindeutig
zu den schlechteren Erfahrungen

In einem Auto teilweise über 14 Stunden zu sitzen
mit Defekten
die der TÜV nun wirklich nicht wissen darf
und dann mit Höchstgeschwindigkeit durch die Nächte rasen
und stupide, besoffene, kranke und sonstige Menschen
durch die Gegend kutschieren
für manchmal weniger als 100 Mark die Nacht
war kein reines Vergnügen
Und trotzdem war meine Zeit als Taxifahrer
oft spannend

In einem Container zu stehen
und Pakete bis zu 35 Kilo
im Akkordtempo zu stapeln
und dabei auch noch die Postleitzahlen zu kontrollieren
verschaffte mir nen muskulösen Körper
Der Lohn schien okay zu sein
Aber das amerikanische Management bei UPS war
Verarschung ohne Ende

Fotos wurden damals noch mit PH geschrieben
und am Fließband entwickelt
KODAK war dick im Geschäft
Menschen hatten zumindest im Bochumer Werk
eine untergeordnete Handlangerfunktion
und so
war das eine Art stumpfer Hölle
in der ich es nicht lange aushielt

Mein Chef bei der Medikamtenkurierfirma war ein Chaot
aber nett, solange man zuverlässig durch die Gegend fuhr
Selbst privat durfte ich die Autos benutzen
und – ich weiß nicht,
ob er es nicht bemerkte oder nur so tat –
oft ließ er mich halbbesoffen auf die Straße
Auch wenn es nicht allzu viel Kohle gab:
Ich hätte den Job mit Sicherheit noch länger gemacht
wenn mein Chef sich nicht
mit einem unseriösen Konkurs vom Acker gemacht hätte
und wir alle doof vor verschlossenen Toren gestanden hätten

Ich habe Reformhauskost transportiert
Müslis gemixt, Kartoffeln entkeimt
Bier gezapft und hinterm Tresen gestanden
Ich hab bei Chrysler im Autohaus gearbeitet
und ich hab Zeitungen und Prospekte verteilt
und kurzfristig Gartenarbeiten ausgeführt
Ich hab Jugendliche bewacht und betreut
Fußball und Billardturniere für sie organisiert
Freizeiten geleitet
und Kinder bespaßt
bis ich mich dazu nun wirklich zu alt fühlte

Ich hab dann über zehn Jahre lang
alte und kranke Menschen gepflegt und versorgt
Krankenpflegeschüler ausgebildet
und mir verdammt viel anhören dürfen
und das würde ich auch heute noch tun
wenn mir nicht
der doofe Krebs n Strich durch die Rechnung gemacht hätte

Langweilig war es selten
aber eine goldene Nase habe ich mir nicht wirklich verdient
und meine Rente wird mein Existenzminimum niemals gewährleisten
Na ja

Ich kann viele Geschichten erzählen
lustige und weniger lustige
Zum Beispiel die Hure
die mir zu Weihnachten ne Freinummer schenken wollte
als ich Taxifahrer war
Oder die verloren gegangenen Opiate als Medikamentenkurier
und die habe ich nicht genommen und das war nicht witzig
aber zum Glück entdeckten wir sie dann
unterm Fahrersitz beim Chef
sie waren einfach da runtergerutscht
kann passieren
wäre aber dumm gewesen
wenn es nicht gerade dem Chef passiert wäre
Mit Krankenpflegestories könnte ich n Buch füllen
aber nicht jetzt

Momentan ist es so
dass ich mich beim Schreiben dieses Textes fühle
wie einer dieser alten Männer
die von ihren Schützengrabenerlebnissen erzählen
Ich bin behindert und berentet
und habe meine Joberlebnisse nur noch als Erinnerungen
und gerate in Gefahr
die ganze Scheiße zu verherrlichen

Bevor das passiert
mache ich jetzt lieber n Punkt.

Zwei Tage innerhalb einer Woche

Eigentlich könnte ich zwei Postings daraus machen. Aber gerade weil diese beiden Gedichte so unterschiedlich sind setze ich sie mal in einen gemeinsamen Post rein:


Ein Tag zum Heldenzeugen


Heute ist so ein Tag
zum Heldenzeugen
(Nicht dass ich das noch könnte oder wollte
 aber im Prinzip halt schon
 außerdem ist das doch n nette Bild, oder?)
Der Sommer packt mich und zieht durch alle Poren
obwohl das Wetter alles andere als sommerlich ist
und ich schaffe es
meine körperliche Konstitution zu ignorieren

Ich spaziere mit der Hündin durch den Regen
und wecke danach meine Frau
Es macht Spaß
Claudia zu wecken:
Sie liegt ausgebreitet im Bett
hat die Augen fest zugekniffen
ich streichele ihr über den Kopf und über den Arm
dabei rekelt sie sich
öffnet kurz die Augen
ein wohliger Seufzer
dann umarmen und begrüßen wir uns

Wir frühstücken gemeinsam
und läuten diesen Tag ein
so wie es sein sollte
Selbst ich zwinge mir ein Brötchen rein
und verspüre sogar so was wie Geschmack und Appetit
Maya bekommt einen dicken Schinkenknochen
den sie innerhalb einer Stunde verschlingt
und Claudia und ich
tanken Energie, Kaffee
und ganz viel Liebe

Der Alltagskram frisst uns
ausnahmsweise mal nicht auf
und wir bewältigen ihn mit einem Grinsen
Dann legen wir uns ins Bett
halten Mittagsschlaf
machen diese Sache
bei der man Helden zeugen kann
und stehen wieder auf

Ein langer Spaziergang
mit Gummistiefeln und Regenjacke
so ist das halt diesen Sommer
aber
wir umarmen uns
und betrachten die Gänse auf dem Teich und
alles scheint gut zu sein

Ihr könnt dieses Ding noch mit
Musik, Fernsehen (unwichtig, aber da), Badewanne (oh ja!!!), Schreibtisch
und all so was füllen
Natürlich wird Maya auch noch ausgebürstet
und
ich kille mal wieder ein paar Zecken

Ich weiß:
Hinterm Horizont warten noch einige solcher Tage
Das Leben darf auch einfach mal schön sein
und ich
darf das einfach auch mal so aufschreiben

ohne Interpretationsbedarf
zwischen den Zeilen

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Ein verlorener Tag


Manchmal fällt es mir schwer
dieses Leben zu lieben

Die unschlagbaren Bücher und Zeilen wirken nicht
und die wunderbaren Songs rauschen an mir vorbei
und selbst wenn wir einen fantastischen Sommertag hätten
(haben wir nicht…): Es wäre mir egal

Ich hangele mich von Zigarette zu Zigarette
und inhaliere Trübsal statt Leidenschaft

Irgendwie funktionieren meine
Taschenspielertricks und Zauberkunststücke nicht

Keine Lust auf Menschen
nicht im realen Leben
nicht per Telefon oder Internet
Lasst mich alleine auf meiner Wolke

Mein Briefkasten bleibt unbeachtet
und mein Paketbote, den ich sonst eigentlich mag
und der bei mir auch die Pakete für die Nachbarn abgibt
klingelt heute umsonst bei mir

Mein Glaube an Engel und Wunder
hilft heute nichts
und meine Frau und unsere Hündin sind auch hilflos
Eigentlich könnte ich heute auch
alle Spiegel zerschlagen
eigentlich könnte ich
alles zerschlagen
aber ich weiß
dass das nichts bringt
und habe keine Energie
und auch keine Lust

Noch eine Zigarette
und dann die Bettdecke über den Kopf ziehen
und ein möglichst traumloser Schlaf
Mehr ist nicht drin

Und morgen dann
ein neuer Tag

mit anderen Gedichten