Freitag, 29. April 2016

Udo haut mich um:



Stärker als die Zeit

der schwarze Abgrund
nur noch einen Schritt entfernt
Und du springst
damit du fliegen lernst

es geht nicht immer geradeaus
manchmal geht es auch nach unten

und ich werde mich nicht aendern
werd kein anderer mehr sein

Ich würd alles so lassen
und gar nix dran tun
denn so n blaues Auge
gehört ja irgendwie dazu

Wir wollten doch die Welt verändern
Irgendwann

Wenn du gehst
kracht der Himmel ein
und meine Sonne
sie hört auf zu scheinen
und die Nächte werden endlos sein

Wir gehen dahin
wohin sich sonst kein anderer traut
Wir sind der Joker in der Tasche
der gewinnt

Alles Zeilen, die nur Udo Lindenberg singen kann, ohne das sie peinlich wirken.
Vielleicht kann das noch Neil Young. Auf Englisch ist es für mich eh nicht so wild, da ertrage ich Pathos.
Auf Deutsch kann Lindenberg Pathos. Und von Unsterblichkeit, Niederlagen, Aufstehen und immer weiter machen singen.
Ihm nehme ich das ab.
und ich werde mich nicht aendern
werd kein anderer mehr sein
Und das ist gut so.
Ich war schon immer so n rollender Stein
mehr so n Anarcho
Dafür liebe ich ihn.

Mit „Stärker als die Zeit“ legt Lindenberg sein Meisterwerk vor unsere Füße.
Zitiert sich selber, nimmt sich nicht zu ernst, erwähnt den Wahnsinn in der Welt und seine Zweifel, ob er was ändern kann / ob man was ändern kann.
Eldorado und ich schwör
dass ich für immer
unsrem Rock n Roll
und euch gehör
In zweieinhalb Wochen wird der Mann siebzig Jahre alt.
Er begleitet mich seit meiner Jugend.
Sein Album „Stark wie zwei“ hat mich umgehauen, ähnlich wie ganz früher „Galaxo Gang“ und die genialen Live-Alben
„livehaftig“ und „Intensivstation“.
Das hat er jetzt sogar noch getoppt.
Musst da durch
schickt das Leben dich mal auf die Bretter drauf
Ey, so n Fighter der steht immer wieder auf
Und dann wirst du deine Sonne wieder sehn
und wie ein Phönix auferstehn
Musst da durch
Udo: Ich liebe dich!

Das Lied „Muss da durch“ ist meine momentane Hymne. Und „Göttin sei Dank“ spiele ich täglich für Claudia, auch wenn mir Göttin nicht von den Lippen kommt, ich sie eher Engel nenne.

Udo Lindenberg hat mit dieser Platte seine Unsterblichkeit zementiert. Und Zitate aus all seinen Schaffensphasen eingebaut und ironisch auf sein Ende hingewiesen und angesichts der Weltlage ganz leise in ein, zwei Zeilen sogar seine Resignation geäußert.

Was soll danach noch kommen?
Immerhin: Die Stadion-Tournee.

Udo: Ich kann dieses Jahr nicht.
Und ich brauche dich noch weiter!
(Angstzeile nach Lemmy und Bowie und Prince:)
Geh du nicht auch noch vor mir!

Wir gehen dahin
wohin kein anderer sich traut














Mittwoch, 27. April 2016

Weltuntergangswetter





Weltuntergangswetter
bedrohlich graublauschwarz
der Himmel
und die ersten Blitze

Gleich geht es los und
ich finde es geil:
In meinen sicheren vier Wänden
bei einer Zigarette, einem Schluck Bier
und Lindenberg aus den Boxen

Unser Hund dreht am Rad
und Claudia auch
Ich nicht

Ich probiere Schriftarten aus
da mir nix besonderes einfällt
und ich so
Kreativität zumindest vortäuschen kann

Das Weltuntergangswetter
brachte dann doch nur n Gewitter
Schade eigentlich


Montag, 25. April 2016

Manchmal schneit es im April



Ein weiterer Stern hat aufgehört zu strahlen.
Mit dem Mann, der früher als Prince bekannt war, seinen Namen gegen ein Symbol tauschte, sich als Sklave bezeichnete und wieder zu Prince wurde, verlieren wir einen der genialsten Musiker überhaupt.
Sein Gesang war nicht mein Stil, nervte manchmal.
Ich stehe auch nicht so auf Funk.
Aber sein Gitarrenspiel war einzigartig. Explosiv.
Und er schrieb unsterbliche Songs:
- Sometimes it snows in April
- Sign O the Time
- Manic Monday
- Nothing compares 2 you
- When doves cry
- What if god is one of us
- Girls & Boys
- Kiss
- Sexy Motherfucker
- Purple Rain
1,58 Meter klein – auf der Bühne ein Riese.
Was interessiert mich sein Lebensstil – er lebte durch seine Töne!



Noch drei Musikthemen:

- Im Oktober kommen NewModelArmy auf Tour.
Unter anderem in die Fabrik nach Coesfeld.
Das ist bei mir um die Ecke.
Aber es ist unsicher, wie fit ich im Oktober bin, gerade da ich mit meiner nächsten OP im August/September rechne.
Ansonsten wäre das ein Pflichttermin gewesen.

- Patti Smith gibt ein Konzert in der wunderbaren Lichtburg in Essen.
Kommt für mich (siehe oben) nicht in Frage. Fuck.

- In der Nachbarschaft:
Gronau erklärt Udo Lindenberg zum Ehrenbürger.
Ja. Klar.
Ich dachte, das wäre er schon lange gewesen…



Ansonsten hänge ich durch. Gerade jetzt im April.
Der VfL hat seine Aufstiegshoffnungen verspielt – trotzdem die beste Saison seit Jahren abgeliefert, die Warterei auf meine nächste OP nervt, mein Gebissloses Dasein nervt, es ist mir grundsätzlich viel zu kalt.
Alles egal.
Das Leben geht weiter, ich hoffe erst mal auf den Mai. Und dann weiter.
Immer weiter.
Oder so.



Manchmal schneit es halt im April. Ist so.
Und haut mich jedes Mal um.
Langsam geht es mir psychisch besser. Und dann werde ich halt physisch runtergezogen.
Ne Erkältung oder so. Und ne Magenverstimmung.
Und Stress mit dem Computer und unserem koreanischen Schachtschiff (KIA Picanto mit 150.000 Kilometern), das gerade seine letzten Atemzüge bei uns abliefert.




Ich habe Aron. Ich habe Claudia, vor allem Claudia.
Ich habe meine Freunde und meine Familie, auch wenn ich da momentan etwas entfernt bin.
Ich habe meine Schreiberei.
Auch wenn da die Aprilflaute vorherrschend war.
Es wird irgendwann richtig Frühling werden. Bald.
Wenn auch nur für ein paar Tage.



Kaum ein Künstler hat so intensiv dafür gesorgt, dass seine Kunst bei YouTube oder sonst wo nicht einfach und nebenbei konsumiert werden kann wie Prince.
Das sollten wir respektieren.
Seine offiziellen Veröffentlichungen lassen uns an seiner Kunst teilhaben.
Trotzdem: Sein Cover von „Creep“ und sein Gitarrensolo bei „While my Guitar gentle wheeps“ sind geniale Dokumente eines Genies.
Wenn ihr im Netz unterwegs seid, dann kennt ihr das wahrscheinlich, wenn nicht, dann solltet ihr suchen.



Ich habe im Moment wenig Muße, um zu lesen.
Und beim Schreiben herrscht Ebbe.
Eigentlich will ich ja wieder Gitarre spielen, aber irgendwie fehlt der letzte Kick.

Manchmal schneit es im April…
(nur noch eine Woche, dann kann ich im Mairegen wachsen…)

Freitag, 15. April 2016

noch n Gedicht:



Daddy Cool im Supermarkt





Ich hasse Supermärkte

an einem Freitagnachmittag

wo gekauft wird

als ob morgen der Bürgerkrieg ausbricht



Ich hasse mich in Supermärkten

wo ich mich

angesichts meiner Narben und meiner Fresse

angestarrt fühle

und versuche

meinen deformierten Mund

mit einem Taschentuch zu verdecken



Ich hasse es

in einer langen Schlange im Supermarkt zu stehen

Manchmal hasse ich die Kinder

die mich neugierig anstarren

manchmal liebe ich sie

und versuche

ihnen freundlich entgegen zu grinsen



Ich hasse Supermärkte

die meine Bedürfnisse und

meine finanziellen Möglichkeiten

gegeneinander ausspielen

und mit meiner Frau sind Supermärkte der Horror

da es gefühlt Stunden länger dauert



All das


Zum Beispiel heute

kam alles zusammen

Und direkt hinter uns

drei Kids

(knapp über 20, vielleicht auch an die 30 – ich bin eben alt)

mit je einer Vodka-Flasche, Zigaretten und Schnuckerkram

Und sie lachten

und sprachen laut

und dann:
„Guck mal der vor uns!“

„Lass mal!

Der ist cool…“

„HaHa! Daddy Cool!“

Und da drehte sich meine Frau um

und ich bekam richtig Angst

denn wenn sie meint

mich verteidigen zu müssen

kann sie zum Tier werden

aber sie sagte nur:
„Geht einfach vor.

Wir haben ja mehr Lebensmittel.“

Und da liebte ich sie

und hasste immer noch Supermärkte.



Hier auf dem Land werde ich öfters angesprochen

auf meine Bücher und Zeitungsartikel

Da sich das kaum in Verkaufszahlen ausschlägt

ist mir das egal

Die Anonymität des Ruhrpotts hatte mehr für sich

und manchmal denke ich

dass selbst Castrop-Rauxel

die bessere Alternative für mich wäre

Ich will schließlich nur meine Ruhe

und die psychisch kranke Schwiegermutter

die dazu noch zunehmend dement wird

trägt nicht unbedingt zur Ruhe bei


Ich hasse Supermärkte

aber ich habe eindeutig mehr Arsch in der Hose

als diese Kids

die dann vor uns standen

(vielleicht ist das eine Modefrage:
Bei denen hing der Arsch in ihren Hosen

unterm Oberschenkel…)






Nach unserem Einkauf

laufen wir mit unserem Hund über die Felder

und das Aprilwetter hat Erbarmen

und es ist einfach schön



Wir begegnen keinen Menschen:


Es ist schön hier.