Freitag, 15. Januar 2016

Weil es sich zum neunten Male jährt - und ich immer noch dabei bin:



Montag ist es auf den Tag genau neun Jahre her.
Danach musste ich ca. ein Jahr ohne Zähne leben, bevor mir Implantate gesetzt wurden, an denen eine Prothese aufgesetzt wurde.
Nach 8 Jahren sind die Implantate durch. Beziehungsweise meine Kieferknochen.
So wird also ein neuer Knochenaufbau versucht und ich lebe wieder ohne Zähne.
Mittwoch startet der Scheiß, der aber ein Klacks gegen die Krebsoperation ist.
Diesmal ist es nicht lebensbedrohend, sondern nur lebensqualitätszerstörend.


LESEPROBE aus „Ausgehöhlt – Im Krebsstrudel“ von Hermann Borgerding:


Der entscheidende Morgen. OP-Hemd. OP-Haube. Die Scheißegal-Pillen. Klasse! Jetzt ist es mir wirklich scheißegal. Ich lache und versuche Witze zu machen, aber irgendwie funktioniert das nicht. Dann schieben sie mich durch den Nebel. Ich glaube, mir ist kalt. Ich weiß, ich hab Angst. Dann weiß ich nichts mehr…

Ich habe eine Erektion. Eine geile Blonde fummelt an meinem Penis, manipuliert, benutzt die Hände. Ja! Nimm ihn in den Mund! Schluckst du auch? Sie führt mir etwas in meine Harnröhre, die Erektion schwindet, das ist nicht meine Form von Sex.
Trompetensolo. Eigentlich mag ich keine Trompeten. Es schaukelt. Bin ich auf einem Boot? Ich bin auf einer Fähre auf dem Ozean. An der Reling steht Helga Feddersen und der unvergleichliche Sven Regener singt. „Niemand ist gern allein, mitten im Atlantik / diesmal, mein Herz, diesmal fährst du mit“.
 Ich muss kotzen. Nee, muss ich gar nicht. Überall Blut. Die Putzfrau wischt es auf – halt, das heißt ja jetzt Reinigungsfachkraft. Aber deshalb bekommt sie auch nicht mehr Geld. Es wackelt. Ich knutsche. Ein geiler Zungenkuss mit einer Unbekannten, unser Speichel vermischt sich. Als wir den Kuss beenden greift sie meine Zunge mit den Fingern und schneidet sie ab. Dann kratzt sie mit einem Löffel meinen Mund aus. Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass. Ich habe keine Schmerzen, ich spüre nichts. Ist das hier ein Traum? Träumt man in der Narkose? Ich sehe einen Engel. Ich sehe mich auf dem OP-Tisch. Ach so. Ich habe einen Katheter. Is nix mit Oralsex – war nur das Katheterlegen.
Blut, Schleim, aufgesägte Knochen. Verbranntes Fleisch. Die Decke bröckelt über mir. Merken das diese Idioten denn nicht? Der Putz rieselt auf mein Gesicht, ich habe einen dicken Brocken in meinem Mund, verschlucke mich daran, ersticke. Nee. Jetzt ist er runter gerutscht. Ich ersticke doch nicht. Muss scheißen. Kann es nicht halten. Egal.
 Rio singt von einer vergangenen Liebe. Junimond im Januar. Ich zerfließe. Fühle Brüste, große Brüste. Versteifte Brustwarzen. Ich nuckel immer gerne. Ich trete die Brüste – auf einmal haben sie sich in Fußbälle verwandelt. Ein klasse Schuss von mir, aber der Torwart fliegt und klatscht den Ball noch um den Pfosten. Der Torwart bin ich. Verbranntes Fleisch, brennende Haare. Es stinkt erbärmlich aber meine Nase ist zu, gefüllt mit irgendwas – was weiß denn ich. Ich will schlafen. Das ist ekelhaft. Merken die denn nicht, dass die Narkose gar nicht anschlägt, ich den Horror live erlebe?
Ich springe vom 3-Meter-Brett und tauche glatt in das kalte, perlende Wasser. Schön.
Ich tauche ab und bin wieder weg…
Es stürmt.
Break.
Weiß. Alles weiß. Ich tauche ein in weißes Licht, werde zu weißem Licht. Irgendwie so. Oder anders. Nicht in Worte zu fassen. Ich bin weißes Licht.
Break.
Ich habe Angst vor der Liebe.
Ich habe Bock auf Zärtlichkeit, Bock auf Nähe, Bock auf Wärme und Bock auf Gemeinsamkeit. Aber ich habe Angst vor der Liebe und bei mir kommt die Liebe schon oft bei nur einer dieser Sachen angeschlichen. Und hat mich dann im Griff. Aber volle Kanne.
Eines meiner Probleme: Ich verliebe mich zu schnell. Und dann halte ich zu fest und dann will ich nicht mehr loslassen und dann falle ich irgendwann auf die Schnauze und dann tut es wieder höllisch weh. Und das tut es dann immer:
höllisch weh.
Break.
Wo bin ich? Bin ich noch am Leben? Wer bin ich? Was bin ich? Warum bin ich? Bin ich?
Break.
Ich auf der Schulter meines Vaters. Pferderennen in Castrop-Rauxel. Ich bin ca. 4 Jahre alt. Und fühle mich unbesiegbar. Beschützt. Viel zu selten hat mein Vater mir dieses Gefühl vermittelt.
Break.
Ich in einem Krankenzimmer. Ich bin 5 Jahre alt und hatte einen Unfall. Die Kette meines Fahrrads war gerissen, ungebremst fuhr ich ein Gefälle runter, knallte mit dem Vorderrad an die Bordsteinkante, flog und überschlug mich, landete mit dem Kopf an einer Mauer. Gehirnerschütterung, Armbruch, Nasenbeinbruch, Kieferbruch. Meine Mutter füttert mich mit einer Schnabeltasse und frisch gekochter Suppe. Meine Schwester und meine Freunde stehen unten vor dem Fenster und rufen nach mir. Sie dürfen das Krankenzimmer nicht betreten. Eine riesige Zahnlücke wird mich bis zu meinem achtzehnten Geburtstag begleiten. Ich bin fest überzeugt, dass der Kieferbruch und die seit frühester Kindheit fehlenden Schneidezähne und die ständige Zahnklammer mit Auslöser für den Krebs sind. Nicht nur das Rauchen.
Break.
„Ich bin doch gerade erst gewaschen worden!“
Ich weiß, dass das nicht stimmt.
„Aua! Du tust mir weh!“
Ich habe sie noch gar nicht berührt.
Die Dame im Bett ist eine meiner Lieblingspatientinnen. Sie hat fürchterliche Angst, vor jeder Bewegung und jeder Berührung.
Ich versuche, zügig und vorsichtig nur das Nötigste zu machen. Eine Intimpflege und den alten Schweiß entfernen. Das muss einfach sein, sonst geht mir diese Dame noch mehr auf, wird zur liegenden Ganzkörperwunde. Und hat dann noch mehr Schmerzen.
Nach der Körperpflege setze ich mich an die Bettkante, nehme ihre Hand. Sie wird ruhig, entspannt sich. Grinst mich an:
„Ich habe dich lieb…“
Ich nicke: „Ich Sie auch…“
Break.
All diese Bilder. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Wie ein Stummfilm läuft das ab. Ist das mein Leben, das sich vor meinem inneren Auge abspult?
Ich sehe Thomas, Susanne, Karen, Anne. Ich sehe meine biologische Schwester, obwohl ich die vier Freunde eher als meine wahren Geschwister bezeichnen würde. Blutsbrüderschaft oder so. Aber von Blut will ich nichts wissen.
Ich sehe meine Mutter, sie weint. Sie soll damit aufhören! Wenn, dann hätte ich einen Grund zu weinen! Jetzt muss ich sie trösten.
Irgendwie weinen plötzlich alle. Selbst Thomas. Da muss ich auch weinen. Meine Tränen vermischen sich mit Blut.
Break.
Ich liege in einer Pfütze. Das Wasser rinnt aus all meinen Poren und füllt das Krankenbett. Wenn die das nicht bald wegmachen, werde ich ertrinken! Ich habe keine Beine und Arme mehr. Was ist das auf meinem Hals? Das ist doch nicht mein Kopf! Was ist das in meinem Hals? Das gehört da nicht hin! Ich kriege keine Luft mehr! Hilfe!
Und dann kommt endlich wieder diese milchige Nebelsuppe. Hüllt mich ein, wie in Watte. So möchte ich bleiben.
Break.
In und um mir Musik. Neben mir Thomas, der seine Riffs auf der Gitarre spielt und mich im Rhythmus stützt. Anne gibt an den Drums einen tierischen Beat vor, treibt uns an. Klaus hämmert das Bass-Grundgerüst. Ich dresche auf meine Gitarre ein, tanze zum Mikro. Singe Jenseits von Eden. Plötzlich steht Rio Reiser neben mir, stimmt ein:
„Heiß heiß kochend heiß
 weiß weiß blühend weiß
 Liebe was ist das
 das ist das Leben in der Stadt
 Was soll daran schlecht sein
 Liebe kommt von Unten
 Liebe hat schwache Worte
 Ich will nicht, dass du in schwarz gehst
 wenn ich tot bin
 Ach ich bin so müde
 Will zurück ins Leere
 Heiß!“
Was soll das? Dieses Lied können wir unmöglich covern! Rio ist viel zu gut! Da kann man sich doch nur blamieren!
Merkwürdigerweise schaffen wir es. Ich komme sogar mit der Atmung und dem Gesang klar. Und wir stecken voller Energie, vereinigen diese, können sie in unsere Instrumente packen und bringen es voll rüber! Dieses geile Gefühl ist unbeschreiblich. Ein gemeinsamer Orgasmus. Ein Rausch, völlig ohne Drogen und deshalb klar und umso intensiver. Heiß!!!
Break.
Ich glaube, langsam tauche ich auf.
Wenn mich nicht alles täuscht, dann höre ich einen fürchterlichen Sturm. Aber das muss draußen sein. Irgendjemand wischt irgendwas auf. Bilde ich mir das ein, oder haben sich da wirklich Fliesen von der Wand gelöst? Wo bin ich?
„Atmen sie! Sie müssen atmen!“
Ich mache es. Werde von der künstlichen Beatmung abgestöpselt. Versuche, zu sprechen.
„Nur ruhig. Sie liegen auf der Intensivstation und haben die Operation überstanden. Gleich werden Sie abgeholt und zurück auf ihr Zimmer gebracht.“
Eine Schwester und ein Pfleger. Ich nehme sie kaum wahr. Bekomme aber mit, dass sie sich fürsorglich und intensiv um mich kümmern.
Bin ich jetzt wirklich wieder da? Oder ist das nur ein anderer, etwas freundlicher Traum?
Ich kann mich nicht bewegen. Es kommt mir vor, als hätte ich überall Schläuche und künstliche Ein- und Ausgänge. Dann kommt eine Krankenschwester, die ich zu kennen glaube.
„Hallo Herr Borgerding. Wir bringen Sie wieder zurück.“
Keine Ahnung, wie oder was. Aber ich habe es überstanden. Aus meinen Augen fließen Tränen. Ein Sturzbach. Ich weine ungehemmt.
Ich lebe.



Der Tag meiner Operation ist der Tag, an dem Kyrill über Nord-Rhein-Westfalen tobt.
Das wird mir später erzählt. Ich bekomme vom Sturm nichts mit. 13 Stunden liege ich auf dem OP-Tisch. Es ist verdammt knapp und der Professor erzählt mir später, dass er meine Patientenverfügung „ein wenig auslegen“ musste. Es fließt viel Blut, eine Halsschlagader muss geflickt werden. Mein Hals und fast der gesamte Oberkiefer werden massiv leer geräumt.
Nach zwei Tagen komme ich von der Intensivstation wieder auf mein Zimmer. Ich bin noch nicht ganz da. Ich glaube, meine Schwester und meine Nichte zu sehen. Ich sehe Susanne und hebe den Daumen hoch, als Zeichen, dass alles gut gegangen ist.
Ich weiß nicht genau, ob alles gut gegangen ist. Aber ich lebe. Und weiß genau: ich will weiter leben. Will kämpfen. Scheiß auf die nachfolgenden Behinderungen – im Spiel Krebs gegen Hermann steht es 1 : 0 für mich. Das Tor ist ne geile Kombination des gesamten Teams, welches aus meinen Freunden, dem Operationsteam und mir besteht. Vollstreckt habe schließlich ich. Man könnte sagen, es ist eines meiner seltenen Kopfballtore.

Auszug aus „Ausgehöhlt – Im Krebsstrudel“, veröffentlicht bei
 edition PaperONE, Leipzig 2011, zweite Auflage 2015 bei Rodneys Underground Press
vom Autor als Leseprobe zur Veröffentlichung und Weiterverbreitung freigegeben. Jede weitere Nutzung oder Verbreitung nur nach schriftlicher Genehmigung des Autors und des Verlags.



Darum:


Weil ich demnächst wieder so aussehe (acht Jahre älter, aber wieder mit ohne Zähne und Kauleiste).
Und weil der beschissene Krebs drei wertvolle Künstler gerade in kürzester Zeit geklaut hat.
Und weil Montag der neunte Jahrestag meiner heftigen Krebs-OP ist.

(Das Bild war die Arbeitsvorlage für meinen gleichnamigen Gedichtband, der aber leider vergriffen ist...)

Montag, 11. Januar 2016

Who’s next?


(nach dem Tod von Lemmy & Bowie)

Oder:
Ich sollte langsam lernen
mich beim Schlangeanstehen
auch mal vorzudrängeln

Ich kann keine Abschiede mehr ertragen

Bowie ist nun ein schwarzer Stern



Wenn berühmte Künstler sterben geht oft auch ein Teil von uns.
Freunde, die wir nicht gekannt, aber gebraucht haben.
Freunde, die uns ihre Kunst und ihre Kunstwerke schenkten.
Ich finde es völlig verständlich und normal, dass unsere Trauer manchmal genauso tief sitzt, wie bei einem Familienangehörigen oder einen Freund.
Deshalb werden wir in sozialen Netzwerken von Nachrufen und Musikvideos überschüttet. Das ist okay und auch wichtig. Trauerbewältigung.

Lemmy und David Bowie haben mich mein Leben lang begleitet.
Und sie werden mir fehlen. Sie haben mich mit Musik beschenkt, sind an meiner persönlichen Entwicklung beteiligt und auch weil es sie gab bin ich der Mensch geworden, der jetzt an dieser Tastatur trauert.

Am Wochenende nahm ich wie so viele andere am Compi an der Trauerfeier von Lemmy Kilmister teil. Motörhead lief seit Tagen in Endlosschleife.

Heute Morgen dann die erschütternde Nachricht vom Tod David Bowies.
Fuck.

Das Album „Blackstar“ ist drei Tage alt, erschien an seinem 69ten Geburtstag. Den überlebte Bowie nur zwei Tage…
„Blackstar“ erklingt nun plötzlich anders:
Meine Begeisterung hatte ich ja schon beim ersten Hören geäußert - nun klingt eine Menge Trauer aus diesem Meisterwerk.
Es scheint, dass Bowie sein Ende ahnte und uns nochmal ein Abschiedsgeschenk machen wollte.
Und es ist ein großartiges Abschiedsgeschenk. Wie so viele seiner Alben.
Wie so viele seiner Lieder.
Wenn ich Bowie höre läuft fast immer auch ein Nostalgiekino in meinem Kopf ab. So viele Erinnerungen aus meinem Leben sind an diesem Gott gebunden. Ach!
Mit dem Abgang jedes Sterns am Rock’n’Roll Himmel wird diese Welt etwas dunkeler. Mit Bowies Abgang auf jeden Fall.
Auch wenn sie ja nie ganz gehen, uns ihre Musik erhalten bleibt.
Bowie ist nun der Schwarze Stern. Für immer. Er wird für mich aber auch immer Ziggy Stardust sein.

„Look up here, I’m in heaven
I’ve got scars that can’t be seen
I’ve got drama, can’t be stolen
Everybody knows me now“


Ich bin geschockt, ich bin traurig.
Mit David Bowie hat ein großer Freund diese Welt verlassen. Auch wenn ich ihn nicht wirklich gekannt habe.

Danke David, für deine Musik!

Freitag, 8. Januar 2016

Leider nicht nur ne Schraube locker ...





Es gäbe viel zu schreiben und zu kommentieren.
Ich lasse das jetzt alles. Habe im Kopf nur mich und meine Zukunft.
Dieses Jahr beginnt beschissen:

Nachdem über die Feiertag einer der Implantatstifte in der Prothese hängenblieb, anstatt im Kiefer, wo er hingehört, dachte ich noch, dass man dieses Teil vielleicht wie eine Schraube einfach wieder im Knochen verankern könnte.
Kein Problem: Ich hatte halt nur eine weitere Schraube locker.
Heute dann der Termin in meiner geliebten Mund, Gesichts- und Kieferchirurgie im KrankMachendenHaus.

Okay. Mit Schraube reindrehen war nix.
Meine Kieferknochen sind rückläufig und brüchig. Anstatt ein Implantat wieder einzubauen (wie ich gehofft habe) müssen die anderen Implantate auch raus.
Dann wird ein Knochenaufbau probiert.
Und danach vielleicht neue Implantate.

Heißt also doch demnächst stationär ins KrankMachendeHaus.
Und danach krieche ich auf dem Zahnfleisch und grüße euch als der wahre Nachkomme von Wolfgang Neuss (zumindest für ne recht lange Zeit).
Okay: In Deutschland gibt es eh nicht viel zu lachen.
Und Essen wird überbewertet.
Wozu brauche ich dann noch ein Gebiss...

Befürchtet hatte ich diese Scheiße ja schon im letzten Jahr. Natürlich: Implantate sind zeitlich begrenzt. Und durch die Bestrahlung an meinem Kiefer ist mein Knochen eben eh im Arsch.
Trotzdem schockt es einen, wenn es dann wirklich so weit ist.
Positiv dabei: Der Chefarzt (Hey! Der hat wohl Ehrgeiz, weil er meine dreizehnstündige OP vor neun Jahren miterlebt hat und dann vor acht Jahren mir die Implantate selber gesetzt hat. Jetzt ist er wieder am Start. Obwohl ich kein Privatpatient bin…) sieht noch Chancen. Und wenn das dann wieder klappen sollte, dann habe ich halt einige Jahre wieder Zähne. Ein Gebiss. Und ohne Implantate hält halt nix mehr in meinem Schlund, da so viel damals entfernt werden musste.
Mein Szenarium war eigentlich, dass ich den Rest meines Lebens ohne Zähne verbringen müsste. So, wie im ersten Jahr nach dem Krebs.
Und das war die Hölle!
Jetzt habe ich zumindest Hoffnung.

Tja.
Wenn es ähnlich wie vor acht Jahren abläuft, dann erwartet mich folgendes:
Ich gehe für ca. eine Woche stationär ins Krankenhaus. Mir werden die Implantate entfernt, aus der Hüfte (vielleicht ja diesmal links, dann kann ich wieder gerade laufen J) wird ein Stück Knochen entnommen und im Kiefer eingepflanzt. Ich bekomme eine nasale Magensonde, weil ich vierzehn Tage keine Nahrung aufnehmen kann und Krücken, um meine Hüfte zu entlasten.
Ich bin dann erst mal zahnlos.
Nachdem der Knochenaufbau gelungen ist (ca. n dreiviertel Jahr) bekomme ich dann neue Implantate eingesetzt und dann darf mein Zahnarzt wieder ran.
Damals habe ich mir (Im Schlaf! Ich schwöre!) die Magensonde frühzeitig selber gezogen, diesmal werde ich versuchen, sie so lange wie nötig drin zu lassen und zu benutzen.
Auch die Krücken werde ich erst dann in die Ecke schmeißen, wenn es angesagt ist. Ich muss mir nichts mehr beweisen.
Ich befürchte, neben passierter Nahrung auch wieder hochkalorische Zusatzkost (Fresubin) zu bekommen. Ich hasse es, aber bei 50 Kilo habe ich keine ernsthaften Argumente. Und eine PEG (Magensonde über die Bauchdecke zur dauerhaften künstlichen Ernährung) kommt für mich nicht in Frage.
Außerdem habe ich eine Frau, die Krankenschwester war. Und bei mir die (geliebte) Schwester Rabiata rauskehren wird.

Übrigens habe ich Silvester noch behauptet, nie wieder stationär in ein Krankenhaus zu gehen.
Egal, um was es gehen würde.
Heute habe ich dann sehr schnell umgeschwenkt.
Es wird eine scheiß Zeit, es wird weh tun, aber ich habe das Gefühl, dass ich doch noch einiges an Leben vor mir habe.
Und ich habe auch eine Verpflichtung gegenüber meiner Frau.
Und die soll mich wieder lachen sehen.

Okay soweit.
Lesungen mit mir finden dieses Jahr natürlich definitiv nicht statt.
Vielleicht werde ich es im März nach Ludwigsburg schaffen, aber ich glaube kaum, dass ich persönlich da meinen Kram vortragen werde. Der Rest ist gecancelt (gecancert hört sich auch gut an).

Ich werde sehr viel Zeit für Schreiberei haben.
Und hoffe auf Besuche, da ich wenig in der Lage sein werde, meine eigenen Wände zu verlassen.

Montag weiß ich genau, wie es laufen wird…



Eigentlich gäbe es genug andere Sachen zu kommentieren.
Die geniale neue Bowie-Scheibe.
Köln. Polizei. Lügen. Reaktionen. Hetze. Und all der Scheiß.
„Mein Kampf“ auf Platz Eins der Verkaufslisten.
Sexueller Missbrauch an mindestens ein Drittel aller Kinder der Domspatzen bis zu den Neunzigern.

Kommt vielleicht noch.
Vielleicht auch nicht…







Samstag, 2. Januar 2016

Zwischen den Jahren 5





Direkt nach Neujahr n Wochenende verlängert ja irgendwie die Zeit zwischen den Jahren.
Der Alltag hat uns erst wieder ab Montag im Griff – und viele von uns dann so richtig - mein Alltag unterscheidet sich ja nur geringfügig von Wochenenden und Feiertagen. Bei mir sind Wochenenden öfters stressiger als Wochentage …

Okay.
Heute wurde abgerüstet. Der Weihnachtsschmuck ist weg.
Und wird erst ab (frühestens – I hope so) März durch Frühjahrsschmuck ersetzt.
Und:
Ich habe zum Jahresstart alle kaputten Glühbirnen ersetzt (spezielle Birnen sind schweineteuer, aber andere passen halt nicht) und endlich die Armatur und den Anschluss der Spülmaschine dicht gekriegt. Jawohl! ICH SELBER!

Also ein guter Start ins neue Jahr.

Ein wahrscheinlicher (zumindest die zwei Single-Auskoppelungen stimmen – und die Stimme von Bowie kann man ja auch nicht mal eben fälschen) Vorab-Stream von „Blackstar“ von David Bowie macht Spaß auf das reguläre Album.
Nicht besonders eingängig, sehr jazzig, aber diese Wahnsinnsstimme und geile Songs!
Nächste Woche weiß ich eindeutig mehr.
Ich denke, ich werde begeistert sein.



Und sonst?
In meinen Zwischen den Jahren-Texten habe ich noch gar nicht zu Facebook, meinen Blog und meine Internetpräsenz geäußert (oder? wenn, dann nur am Rand).

Nein.
Ich werde nicht viel ändern.
Noch mehr bloggen (macht einfach Spaß, außerdem veröffentliche ich ja nächstes Jahr keinen Gedichtband), meine Homepage mehr pflegen, vielleicht n bisschen weniger Facebook. Und irgendwann mal endlich alle meine Mails und anderen Kram abarbeiten.
Facebook bleibt ein zweischneidiges Schwert, aber es schneidet.
Heißt bei mir: Ich erreiche Menschen und Freunde (mit und ohne Anführungszeichen) darüber. Und verkaufe das ein oder andere Buch.
Mit rechten Patridioten und Rassisten streite ich nicht mehr:
Die werden blockiert und bekämpft. Aber da persönlich drauf einzugehen lohnt sich nicht.
Und bevor ich was verlinke oder like (fürchterliches Wort!)  sollte ich mich mehr über den Veranstaltungsersteller informieren.
So hatte ich vor n paar Tagen die Veranstaltung „Saufen für Lemmy“ geliked, ohne mitgekriegt zu haben, dass der Veranstalter aus einer äußerst zwielichtigen Ecke kam. Sorry dafür!

Apropos saufen.
Und rauchen. Und Fleisch essen.
Und sexuelle Vorlieben.:
Ich bin der Meinung, jede/r so, wie er will.
Ich missioniere nicht.
Ich will aber auch nicht missioniert werden!
Und wenn ich flache Witze über Pferdefleisch, Veganer, Besoffene oder Raucher mache, dann schlägt vielleicht manchmal schwarzer Humor durch, aber das finde ich völlig okay.
Nee. Ich bin nicht immer politisch korrekt.
Bloß bei rassistischen und homophoben Äußerungen gebe ich mir Mühe, eindeutig Stellung dagegen zu beziehen.
Ich stehe zu meinem Chauvinismus und teile halt manchmal auch gegen Frauen und/oder Emanzen aus. Ich hoffe, niemals wirklich frauenfeindlich: Ich liebe nämlich Frauen (okay, hauptsächlich eine und zwar meine, aber auch generell!)!

Ach ja:
Ab und zu mache ich solche Spielchen wie „Was für ein Einhorn wärest du, wenn du ein Fabelwesen wärst…“ oder so ähnlich.
Aber nur solche, die nicht auf meine Freundesliste oder ähnlich sensible Daten zurückgreifen.
Ich finde, ich müsste die Menschen aus meiner Liste vorher fragen, bevor ich ihre Daten freigebe. Und erwarte dasselbe auch umgekehrt.
Denkt mal drüber nach…



Seit einer Woche wollte/sollte ich die Kurzbiografien für die MAULhURE #5 fertig haben.
Stattdessen tippe ich diesen Kram.
Irgendwie werde ich nie ein Freund von Abgabeterminen.
Aber Montag setze ich mich da ernsthaft dran!