Freitag, 23. August 2013

1996, könnte auch 2013 sein:



Bochum City – 1996





Müde Füße

schleichen über den Asphalt

der Innenstadt



Unbarmherzig

brennt sich der Belag

bis auf die Seele



Und betoniert Herzen zu

(aus „Unbekannt verzogen")

Donnerstag, 22. August 2013

Polizei auf Schalke:



Ich mag Schalke nicht. Ich mag Schalke wirklich nicht, wie jeder vernünftige Mensch im Ruhrgebiet behaupte ich sogar, die Schalker zu „hassen“. Wobei: das ist Fußball-Hass. Wir tun nix, wir wollen nur spielen (Hass ist eine viel zu starke Emotion, so viel haben die Schalker nicht verdient!).
Ich bin Fan des VfL Bochum, sympathisiere mit Rot Weiß Essen und mag St. Pauli (selbst diese Kombination ist ein No-Go). Natürlich „hasse“  ich den BvB und Scheiße 04. Und verabscheue den FC Bayern München aus tiefsten Herzen.
Das vorweg.

Was gestern in der Turnhalle in der Nähe Wanne-Eickels passierte geht auf keine Kuhhaut:
Ein beschissenes Fußballspiel gerät in den Hintergrund. Der Skandal wird in behelmten Uniformträgern mit Pfefferspray sichtbar, die Polizei zeigt wieder einmal ihr wahres Gesicht in unserem Land.

Wegen einer mazedonischen Fahne auf der Nordtribüne fühlten sich die griechischen Fans provoziert. (War wohl auch so.)
Eine Hundertschaft Polizei stürmte daraufhin die Tribüne um diese Fahne zu entfernen.
Schlug um sich, sprühte blindlinks mit Pfefferspray in die Menge und behinderte Sanitäter, sich um die verletzten Menschen zu kümmern.
Pfefferspray ist eine gefährliche Waffe, kein Kinderspielzeug. Es ist bei kriegerischen Einsätzen geächtet und kann zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. Und dieser Polizeieinsatz hätte eine Panik auf der Tribüne auslösen können. Ich will mir nicht ausmalen, was da hätte passieren können!
Natürlich war der Polizeieinsatz unverhältnismäßig. Eine Durchsage des Stadionsprechers oder ein Einsatz von zwei Ordnern hätte reichen müssen, um diese Fahne zu entfernen. Die Schalker Verantwortlichen haben mit dem Einsatz nichts zu tun. Löblicherweise protestierten sie umgehend. Angeblich steckt die UEFA dahinter, aber das ist eine Vermutung.
Tatsache ist, dass manche Polizisten ihren Spaß an solchen Prügeleien haben. Wenn sie losgelassen werden, dann hauen sie drauf. Und sprühen um sich. Warum wurden sie losgelassen?
Tatsache ist auch, dass sich die Fernsehkommentatoren und die WAZ auf die Knochen blamierten: Sie sprachen unisono von Fangruppierungen, die Randale angefangen hätten. Wieder einmal sieht man, wie stark Vorurteile bei angeblichen Journalisten eingebrannt sind.
Darf freier Journalismus Tatsachen dermaßen verdrehen und Hetze betreiben?

Es geht hier nicht um Schalke. Es geht um Polizeigewalt und die übertriebene Kriminalisierung von Fußballfans. Es geht um unverhältnismäßigen Einsatz von Pfefferspray (und dieser Einsatz ist eigentlich immer unverhältnismäßig und gefährlich!). Es geht somit um uns alle.

Auf der Tribüne standen Frauen und Kinder. Auf der Tribüne standen friedliche Menschen und wenn ich so etwas über Schalke äußere, dann muss schon ein besonderer Grund vorliegen. Ich kann heute nicht mal voller Freude über dieses fürchterliche Gekicke lästern.

Gewalt in Fußballstadien ist zu verurteilen.
Gestern wurde deutlich, wer einseitig und grundlos Gewalt ausübt.
Ein Artikel der „11 Freunde“ ist nicht so wütend wie meine Sätze, stellt die richtigen Fragen und verdeutlicht Hintergründe:
http://www.11freunde.de/artikel/zum-polizeieinsatz-beim-spiel-schalke-gegen-paok


Mittwoch, 21. August 2013

This is the place



Plätze voller Geschichten


Die Bude unterm Dach
die Matratze auf dem Boden
Das Bett und die Couch in Bochum-Gerthe
dann der Altbau in Langendreer
für viele Jahre mein Zuhause
die Riesenwohnung mit Kamin
in Wanne-Eickel
und dann das Appartement (oder so) in Bochum Hiltrop
und schließlich lande ich hier
in Essen Kray

So viele Plätze
so viele Bilder im Kopf

Die Tangente, das Strandcafe, die LOK, das Oblomow
all die Tresen und Pissrinnen und
so viele Geschichten

Der Stadtgarten in Castrop-Rauxel
der Rhein-Herne-Kanal
das Baggerloch
die Sandberge in Haltern
der Volkspark
und nun der Halo oder der Krayer Volksgarten
Zandvoort, Domburg, Egmond,
Heidelberg, Hamburg
Paris, Saint Marie de la Mer, Aix en Provence,
Il de Res, Lagos
…
und so viele Erinnerungen

Und dann
dieser kaputte Schreibtischstuhl
die Tastatur, das Telefon der Aschenbecher
der sentimentale Clown
am alten und zugeaschten Schreibtisch
an dem irgendwann
mal alles enden wird

Dienstag, 20. August 2013

Das erste versprochene Gedicht:



Noch nicht


Noch habe ich mich nicht kleingekriegt
Meine Wunden vernarben
immer wieder
Meine Lethargie
konnte ich immer wieder überwinden
und meine Depressionen
hatten noch keinen gefährlichen Suizidstatus

Musik singt in meinem Herzen
Lieder füllen meine Seele
gierig sauge ich Lächeln auf
widerstehe trotzig dem „No future“:
Was solls
dafür habe ich ne Gegenwart
Noch
habe ich mich nicht kleingekriegt

Totgesagte
leben länger.
Das Kartenhaus meiner Lebenslüge
steht vielleicht auf wackligem Fundament
aber es steht noch.

Ich habe noch so viele Wörter im Kopf
Ist mir scheißegal
ob ihr sie lesen wollt…

Noch habe ich mich nicht kleingekriegt
Angezählt
aber noch nicht am Boden
trotze ich meinem inneren Schweinehund
und
mache
weiter
…

(aus „jede Flasche eine Kugel“)

DON'T TRY!, keine Lesungen, Schlafen!, Bücherliste, Ägypten



Eigentlich mache ich das nicht:
Ich schreibe nix über Bücher, in denen ich selber vertreten bin. Das ist Eigenwerbung und damit Tabu!
Bei „Don’t try!“, der Bukowski Hommage des Acheron Verlags komme ich nicht drum rum ein paar Worte zu verlieren.
Anthologien sind ja immer so ne Sache. Normalerweise bin ich da kein großer Fan von, genau wie bei Musik-Compilations.
Aber hier finde ich ne Art Soundtrack zu Buk, in den ich eintauchen kann.
Verdammt gute Schreiberlinge und unterschiedliche Herangehensweisen an den alten Meister, die bei mir dazu führen, mal wieder in den Bukowski Büchern zu blättern. Und das kann ja nun wirklich nicht schaden!
27 AutorInnen geben auf über 115 Seiten ihre Statements zu dem großen amerikanischen Dichter ab, das Ganze für unschlagbare 9,90€.
Und es ist nur ein Text drin, den ich fürchterlich finde.
Auf die Texte im Einzelnen möchte ich jetzt nicht eingehen. Sollen andere machen.
Aber Beachtung verdient diese Anthologie auf alle Fälle!


Ich habe mich entschieden, ich mache es nicht mehr:
Ich werde keine Lesungen mehr organisieren!

Hauptgrund ist, dass ich mir selber in keiner Weise gerecht werden kann:
Es gibt so viele tolle Dichter und DichterInnen, die ich gerne auf einer Lesung im Ruhrpott erleben würde, dass ich unmöglich eine vernünftige Auswahl treffen kann. Ich hätte sie alle gerne auf einer Lesung, würde mit ihnen allen gerne zusammen lesen. Das ist unmöglich!
Dann stellt sich das Problem der Bezahlung. Und da schaffe ich es nie, mit den Veranstaltern einen fairen Kurs hinzukriegen, der dafür sorgt, dass die Künstler nicht draufzahlen müssen und zumindest ihren Schnitt machen.
Die Frage nach der Werbung für die Lesung und die Anzahl der ZuhörerInnen ist eine ständige Gradwanderung, die auch frustrieren kann: wenn der Veranstalter nicht wirbt, dann bleibt mir nur das Internet und Facebook. Und nur vor ein paar wenigen Menschen zu lesen ist nicht so toll, gerade wenn ich auch an die eingeladenen Dichter und DichterInnen, die einiges an Energie aufgebracht haben, um vorbeizukommen, denke.
Neue Veranstaltungsorte klarzumachen ist ein Unding für mich. Meine Behinderungen machen das unmöglich, ich kann mich nur bei Veranstaltern anbieten, die mich kennen und schätzen (oder das Ding aus Mitleid machen und das will ich schon mal gar nicht!)
Aus diesen Gründen habe ich mich nun also entschieden, dass einfach nicht mehr zu machen.
Da ich (aus all den genannten Gründen) eh nie viele Veranstaltungen geplant habe hält sich der Verlust auch in Grenzen. Und so ist wenigstens ne klare Linie mit einem klaren Nein vorhanden.
Sorry an die KollegInnen, die ich schon gefragt habe und die auf einen Lesungstermin warten! Es geht einfach nicht!
In erster Linie bin ich selber Schreiber und nicht Veranstalter. Und muss mir meine wenige Energie einteilen.

Ich habe keinen Manager und werde mir auch nie einen leisten können. Den bräuchte ich aber wenn ich weiter Veranstaltungen organisieren würde.
Jemand Interesse an ein Ehrenamt?

Grundsätzlich bin ich ja immer bereit an einer Lesung teilzunehmen.
Es ist immer wieder aufregend und macht Spaß, auch wenn es mich sehr anstrengt und ich selber nur eingeschränkt einsatzfähig bin.
Die Kontakte, die ich aufgebaut habe, möchte ich um nix in der Welt missen!

Ich lese am liebsten vor bekannten Menschen und an mir bekannten und schönen Orten.
Hier muss ich die Bastion in Bochum (Oh ja! Klasse!), die Bahia in Castrop (leider nur noch Geschichte) und den Raum 5 in Darmstadt (ich komme gerne nach Darmstadt, auch wenn es sehr weit weg ist…) besonders hervorheben. Klasse!

Ich nehme gerne an einer Lesung teil, lerne neue Menschen und Orte kennen und verbreite meinen Kram. Dieses Jahr freue ich mich auf Ende September und Darmstadt und auf Mitte November Berlin. Vielleicht läuft im Oktober was in Bochum, aber das ist noch nicht klar. Wie erwähnt: ich veranstalte nicht mehr selber.
Das scheint es dann auch in diesem Jahr gewesen zu sein. Es sei denn, jemand lädt mich ein. Ich selber sage da selten ab.

Soviel dazu.


Schlafen!
Schlafen ist schön.
Momentan kann ich das zwanzig Stunden am Tag. Fatigue. Immer noch und wahrscheinlich bleibend. Manchmal habe ich Probleme, mich bei Gesprächen oder Aktivitäten wach zu halten und nicht in den Sekundenschlaf zu fallen. Beim Autofahren habe ich es im Griff, also keine Panik!
Auch nachts schlafe ich durch. Und träume.
Meine Tätigkeiten schränkt das ein und meine Frau macht sich Sorgen, aber ich finde schlafen schön.
Eigentlich könnte ich immer schlafen.
Und lege mich jetzt erst mal hin und tippe nachher weiter…


HalliHallo!
Eine Stunde gepennt, ein Hundegang, ein leckeres Essen, ein entspannendes Vollbad und zwei Zigaretten später bin ich jetzt wieder da.
So laufen momentan meine Tage.
Gleich noch n kleiner Einkauf und dann werde ich mich heute nicht mehr vom Schreibtisch wegbewegen. Außer zur Toilette. Und vielleicht n kleines Nickerchen. Und dann ins Bett.
Nebenan telefoniert Claudia.
Ich habe „The Who“ aufgelegt. Brav, wie ich nun mal bin, relativ leise.
Später kommen dann die Kopfhörer.
Wo war ich stehengeblieben?


Das Handwerkzeugs der Schreiberlinge sind Tastaturen, Notizzettel, Stifte. Und natürlich Bücher.
Irgendwie sollte jeder Schreiber auch lesen. Egal was, aber lesen gehört einfach dazu, wenn man schreiben will. Und sorgt für Weiterentwicklung (Nein, ich meine nicht irgendeinen Stil kopieren oder etwas klauen!). Bei mir momentan die wirklich gute Autobiographie von Pete Townshend: „Who I am“, das Buch für Neil Young Fans von Narvid Kermani: „Das Buch der von Neil Young getöteten“ (ist aber wirklich nur was für Fans), „DON’T TRY!“ (siehe oben) und „Schlagt sie tot in den Wäldern“ von Klaus Märkert. Die Kurzgeschichten von Freund Klaus sind toll, die Titelgeschichte unschlagbar gut. Eigentlich will ich seit zwei Wochen ne Rezi zu diesem Buch schreiben, tue mich aber schwer, da Kurzgeschichten ansonsten eben nicht mein Ding sind. Aber was nicht ist kann ja noch werden…
Und dann natürlich immer wieder die Gedichte in den Zeitschriften und Mags (LaborBefund, Rogue Nation etc.) und im Internet. Wobei ich doch lieber auf Papier lese. Na ja. Nur mal so erwähnt…


Ägypten? Scheiße.
Aber ich hab dem Militär eigentlich von Anfang an nicht getraut. Und weiß nicht, was ich von den Muslim Brüdern halten soll.
Momentan sieht alles nach Bürgerkrieg und Militärdiktatur aus. Profitieren wird die Rüstungsindustrie. Nicht die Menschen.
Ich habe zu wenig Ahnung, um eindeutig Position für eine Seite zu beziehen. Ich weiß nur, dass die friedlichen Protestler und alle Menschen die Verlierer sind. Und denen gehört meine Anteilnahme.


Irgendwie reicht das jetzt auch mal wieder.
Und dann demnächst wieder Gedichte.
…