Donnerstag, 18. Juli 2013

Grant Hart, Sonnenbrand, Frauenfußball, "sozialistischer" Quatsch und so:



Grant Hart bringt ein neues Album raus. Grant Hart, der neben Bob Mould Hüsker Dü ausmachte. Grant Hart, der wunderschöne Nova Mob Alben schaffte. Grant Hard, der leider viel zu wenig Beachtung bekommt.
Der Guardian bringt einen Vorab-Stream zum Hören.
Also ich bin angetan, wenn auch nicht hin und weg.


Auch wenn es schon sechs Jahre her ist – Neck Dissection (Ausräumen der Halslymphknoten) und Hardcore-Bestrahlung führen dazu, dass ich die Sonne meiden sollte und beim Fliegen Probleme habe.
Nach meinen Flugerfahrungen letztes Jahr nach Portugal kriegt mich so leicht niemand mehr in einen Flieger. Aber Sonne: die mag ich eigentlich.
Gestern waren wir dann sechs Stunden im Zoo (ich hasse eigentlich Zoos, aber Claudia wollte unbedingt, Maya hatte ihren Spaß und ich muss gestehen: auch mir hat es Spaß gemacht und den Tieren schien es gut zu gehen (ich weiß - nicht wirklich…)).
Der große Punk im Himmel bestraft solche Sünden sofort. Und meine heutigen Konsequenzen sind ein Sonnenbrand auf meiner Schulter, eine gerötet Glatze und fürchterlich Schmerzen im geschwollenen Hals, den ich heute kaum bewegen kann.

Die nächsten zwei Tage werde ich die Wohnung nur für Hundegänge verlassen. Und zum Glück habe ich noch genug Novalgin-Tropfen.


Ich bekomme etwas weniger Mails und PNs. Das ist gut, so schaffe ich es vielleicht wirklich, endlich mal alles abzuarbeiten.
Wahrscheinlich ist dies das Sommerloch.
Gut so: Leute, geht raus! Lasst den Computer Computer sein und lebt!
Auch wenn vielleicht gerade ich da der falsche Ratgeber bin…


Kommen wir zu den aktuellen Nachrichten. Greift euch schon mal vorab einen Schnaps, um sie herunter zu spülen.

Nelson Mandela wird heute 95 Jahre alt.
Er „feiert“ in einem Krankenhaus, wahrscheinlich künstlich am Leben gehalten, aber so genau weiß das niemand.
Währenddessen werden Leichen umgebettet, Trauerfeiern geplant und schamlos um sein Erbe geschachert. Scheiße.
Jetzt auf seine Träume, Ziele, sein Lebenswerk und die Größe dieses Mannes einzugehen, würde einer vorgezogenen Nachrede nahe kommen. Deshalb spare ich mir das. Und wünsche ihm einen möglichst schmerzarmen und natürlichen Tod.

Winnie Schäfer wird Nationaltrainer der jamaikanischen Fußballnationalelf. Ich wusste gar nicht, dass Schäfer ein Kiffer ist. Aber bei der Matte, die er früher auf dem Kopf hatte auch kein Wunder.
Und gestern hat die deutsche Frauennationalmannschaft endlich mal verloren.
Als großer Kritiker des Hühner-Treten-Gegen-den-Ball (auch Frauenfußball genannt) habe ich mir einen Teil der zweiten Halbzeit angeguckt. Ich gestehe, langsam wird der Frauenfußball auf hohem Niveau etwas besser. Entspricht ungefähr der Kreisklasse oder der B-Jugend bei den Männern.
Ungenaue Ballannahmen, fürchterliche Pässe und Schüsse, die diese Bezeichnung nicht verdient haben. Aber ich habe noch Schlimmeres erwartet, will also gar nicht meckern.

Der amerikanische Grinsekater (Obama) schweigt zu dem Freispruch eines weißen Mörders (Zimmerman) an einen Schwarzen (Trayvon Martin). Er schweigt zu Guantanamo, er schweigt zu den sozialen Ungerechtigkeiten in den USA, er schweigt zu der weltweiten Massenüberwachung und der Farce um den Freiheitshelden Snowden und er grinst.
Ich mag ihn nicht.
Das Merkel schweigt auch (so erscheint es mir), blamieren tut sich dafür Friedrich. Und Schäuble spielt weiterhin den deutschen J.R. Eving, bloß, dass er nicht so schön grinst dabei.

Nochmal das Thema Wahlen.
Die „Sozialistische Linke“ (irgend so eine maoistische Splittergruppierung ohne Bedeutung) ruft in einem Pamphlet zum Wahlboykott auf. Okay, das tue ich auch.
Aber ich berufe mich nicht auf Marx und Lenin und würde niemals behaupten, dass der Marxismus „durch den Klassenkampf des internationalen Proletariats immer höher Entwicklungsstufen erreicht“: Peinlich. Genauso peinlich, wie der ganze Text.
Ich wusste gar nicht, dass solche Spinner immer noch existieren. Und bin erleichtert, mit linken Grabenkämpfen und Sekten nichts mehr am Hut zu haben.

Nee.
Ich vergesse nicht Griechenland, Portugal, Brasilien, die Türkei.
Und FREE PUSSY RIOT sowie FREIHEIT FÜR ALLE kann nicht oft genug geschrien werden. Aber nicht jetzt.


So.
(Ich nicht, aber ihr solltet:)
Ab in die Sonne!

Dienstag, 16. Juli 2013

Baggerloch



Noch n älteres:

Baggerloch

Sich treiben lassen
den Boden unter den Füßen verlieren
eingetaucht im abkühlenden Nass
Augen schließen
träumen
an nichts Besonderes denken
und einfach mal nur sein

Und dann doch wieder auftauchen
gegen den Strom schwimmen
kräftig atmen
wieder Land gewinnen


Montag, 15. Juli 2013

Spirituose Sitzung

Mein Compi sagt mir, dass ich das 2008 gespeichert habe. Es ist älter. Ich weiß momentan nicht, ob ich das irgendwo veröffentlicht habe, ich denke schon, zumindest hier im Blog (oder damals auf MySpace). Jetzt gebe ich Euch das nochmal. Genießt den Sommer:



Spirituose Sitzung

Wir trafen uns zur vierten Stunde im Stadtpark
Niemand hatte Bock auf Mathe, Deutsch oder so n Wichs
Wir besorgten uns Six-Packs und Billigwein
Jürgen und Thomas hatten Gitarren dabei
Es war Sommer und wir waren jung.

Während Zigaretten gedreht wurden
laberten wir über unsere Ficks
die waren erfunden
Ich laberte mit
verschwieg die realen ersten Petting-Aktionen hinter dem Busch um die Ecke
die vor einer Woche liefen
Kurz vor der Ejakulation wurde es ihr dann doch zu wild
und mir blieb dann das Taschentuch
unter der Bettdecke.

Jürgen stimmte "Wish you were here" an
Thomas improvisierte ein Solo
und wir gröhlten den Text
während die Rentner und Mütter einen Bogen um uns machten
und uns strafend und grimmig anguckten
Ein Joint mit schlechtem Dope wurde herumgereicht
und wir fühlten uns alle high:
Es war Sommer und wir waren jung.

Nach der sechsten Stunde gingen wir dann zu unseren Elternhäusern
wir versuchten
nüchtern zu wirken
und verkrochen uns in unsere Zimmer
zu den Hausaufgaben, dem Mittagsschlaf und der Onanie.

Für diesen Abend war Action angesagt
Hannes, Martina, Kerstin und ich hatten eine spirituose Sitzung anberaumt
Wir trafen uns bei Dämmerung am Friedhof
Billiger Wermut von Aldi und Lambrusco, Kerzen und Tabak
und dann über den Zaun
Eigentlich wünschten wir uns den Pere Lachaise
aber so musste der Friedhof in Castrop-Rauxel halt reichen
Wir suchten uns eine verdeckte große Gruft
und setzten uns im Kreis davor
Die Kerzen in der Mitte
den Wermut geöffnet
für jeden ein tiefer Zug aus der Flasche
und dann erzählten wir uns Gespenstergeschichten.




Offiziell pennte Martina bei Kerstin
und Kerstin bei Martina
Hannes pennte bei mir
und ich hatte sturmfreie Bude
Wir waren jung und es war Sommer.

Es war Vollmond - natürlich
der Wermut knallte
und die Nacht war sternenklar.

Die Geschichten pfiffen nicht ein
aber Kerstins Zunge in meinem Mund
Und dann war ich mit einer Story dran
und erzählte irgendeinen Zombiescheiß
während sich der Wermut leerte.

Und als wir den Wein öffneten
hörten wir den Nachtwächter
und seinen Hund
Wir flüchteten über den Zaun
und ich riss mir die Hose auf
und verschaffte mir ein dickes Knie.

Den Wein hatten wir in unserer Panik stehen gelassen
Aber mein Vater hatte immer eine Kiste Bier im Keller
Zu den Klängen von Neil Young leerten wir diese in meinem Zimmer
und knutschten und fummelten
und legten uns schließlich pennen.

Mehr war nicht.
Martina musste kotzen, Hannes schnarchte
und ich stieß mir taumelnd auch noch die Stirn blutig am Türkreuz
Wir waren jung und es war Sommer
Am nächsten Tag machten wir blau
und frühstückten Spaghetti mit Tomatensoße.

Zur vierten Stunde trafen wir uns mit den anderen im Stadtpark
Den Six-Pack
den wir in die Runde schmissen
rührten wir selber nicht an.

Irgendwann in diesem Sommer kamen Kerstin und ich zusammen
Wir entjungferten uns gegenseitig
und trennten uns wieder
(aber das ist eine andere Geschichte...)
Wir waren jung und es war Sommer
...

Unerheblicher Kram aus einem unerheblichem Leben:





So was kann (beinahe) nur mir passieren:
Samstag, meine Frau ist unterwegs und ich will arbeiten.
Gedichte und Texte aus den „Seifenblasen im Schädel“ abtippen für eine Sonderausgabe des „LaborBefundes“. Tja.
Scheiße: Ich stelle fest, dass ich mein letztes Exemplar verliehen habe und finde die Sachen auf meiner Festplatte und meinen Daten-CDs einfach nicht mehr!
Soviel zu einer vernünftigen Archivierung meiner Ergüsse.

FuckShitFuck!

Aber dadurch habe ich jetzt Zeit, dies hier zu tippen.
Und die alten „3D-Silbig“-Exemplare zu durchforsten…

Und ich räume mal wieder meinen Computer auf. Wird Zeit. Ich kämpfe mit meinen Archiven, meinen Bildern und vor allem mit meinen unzähligen Musikdateien, lagere alles auf eine externe Festplatte aus, mache eine Sicherungskopie und habe wahrhaftig wieder Platz auf meinem Compi! Es kann also weitergehen – bis mich mein Chaos wieder überrollt.





Vielleicht ist es ja wirklich wieder Zeit, nüchtern zu werden.
Die Nervenzusammenbrüche tuen nicht weniger weh, aber die depressiven Anflüge lassen sich besser ertragen und die Möglichkeiten aussem Quark zu kommen werden mehr und größer.
Vielleicht so.

Kontrolliertes Trinken ist schwierig. Abstinenz auch. Beides ist machbar.
Bevor ich die Kontrolle über das Trinken völlig verliere steige ich wieder auf die Abstinenz um. Nicht mehr und auch nicht weniger.
Viel ändert sich dadurch nicht.
Und das ist ein Zeichen dafür, dass ich den Umschwung rechtzeitig vollziehe.




Krank in einer kranken Zeit in einer kranken Welt. Bei mir ist es Krebs, damit habe ich Glück: Ich habe eine konkrete Krankheit erwischt.




Ach ja. Nachrichten von der Rentenfront. Bei der Rentenanpassung bekomme ich netto wahrhaftig -,90€ mehr.
90 Cent im Monat – davon kann ich mich dann ja hervorragend besaufen (ach nee, mach ich ja nicht mehr…) – einmal im Jahr.
Und das ist doch okay!





Durch den Tag bringen mich Pearl Jam. Meine Frau ist nicht da, ich drehe laut auf.
Ne Live-Aufnahme vom letzten Jahr in Berlin. Geil.

Gestern spielten Neil Young and Crazy Horse in Köln.
Ich war nicht da.
Manchmal fange selbst ich an, mit meinen Finanzen zu rechnen…




So.
Und schon haben wir wieder Montag.
Der Compi ist aufgeräumt, ich stöbere durch meine Musik. Macht Spaß.
Die Schreiberei blieb am Wochenende etwas auf der Strecke, aber ich bin frohen Mutes. Obwohl jetzt das Wetter besser wird und ich auch mal nach draußen muss.
Und dann ja auch noch meine Frau da ist. Und die hat Liebe und Aufmerksamkeit verdient! Viel mehr, als ich geben kann!
Und wie immer all meine Freunde und Freundinnen und das Leben und überhaupt.

Die Tage sind wie immer zu kurz, meine Kraft zu gering.
Aber das geht vielen Menschen so. Und ist besser, als wenn es umgekehrt wäre, oder?




Gestern einen wunderschönen Nachmittag bei sehr guten Freunden verbracht.
Auf der Terrasse von Anne kann man fantastisch entspannen. Und irgendwann schwelgten wir in Konzerterinnerungen und sie kramte eine Kiste mit alten Tickets hervor. Klasse Sachen dabei. Und mir fiel auf, auf wie vielen Konzerten wir auch schon gemeinsam waren (schließlich kennen wir uns über 20 Jahre). Und ich ärgere mich, dass ich zwar ein Jäger und Sammler bin, in meinem Chaos aber auch vieles verliere.
Meine Konzertkartensammlung aus vergangenen Tagen ist sehr unvollständig. Und manchmal lässt einen auch die Erinnerung im Stich.
Wie oft habe ich mittlerweile NewModelArmy gesehen? So ca. 10 mal. Genau weiß ich es nicht mehr.
Mein erstes Konzert war Santana in der Dortmunder Westfalenhalle. Aber welches Jahr? Ich denke, es war 1979. Ungefähr.
Und dann die Weihnachtskonzerte von Herman Brood!
Und TonSteineScherben! In der Fabrik in Bochum und in der Uni-Mensa, aber schlagt mich tot, das Jahr weiß ich nicht mehr!
Egal: Ich bin mir sicher, mit Anne nie auf einem Queen-Konzert gewesen zu sein. Da habe ich Glück gehabt! Auch bei The Police war sie ohne mich. Da bin allerdings etwas neidisch.




Über den Abhöhrskandal und Geheimdienste rege ich mich nicht mehr auf. Das überrascht mich auch nicht. Aber die Dreistigkeit, mit der Merkel und Friedrich behaupten, nichts davon gewusst zu haben, die überrascht mich schon.

Die Politik geht ja eh in die Sommerpause. Das finde ich gut. Positives hat Politik schon lange nicht mehr bewirkt. Und das Negative passiert eh.

Und auf den bevorstehenden Wahlkampf scheiße ich.
Wahlen ändern nichts. Sonst wären sie verboten.

Nein. Ich will mich heute nicht aufregen…




Irgendwie erscheint mir dieser Blogeintrag unerheblichen Kram zu beinhalten.
Na und?
Auch das Leben ist manchmal unerheblich.

Gehabt euch wohl!