Montag, 13. Mai 2013

Rock'n'Roll gibt es erst im Herbst



Nee.
Ich mach es nicht.

Ich bin an meinem nächsten Buchprojekt:
Rock’n’Roll-Notizen aus meinem Leben und Sterben.
Beinahe hätte ich jetzt die ersten Schritte hier im Blog oder in Facebook gepostet. Mein Verleger warnte mich vor und er hat Recht. Manchmal ist weniger mehr. Und ich werde das schreiben und halt als BUCH fertig machen.
Und nicht im Blog veröffentlichen.

Auf Facebook und im Blog kriegt ihr den anderen Kram, die Rock’n’Roll Notizen gibt es ab Herbst geballt und in einem Buch. Habt Geduld – und kauft dann.

Bis dahin könnt ihr meine anderen (und weiteren – ich kann nicht mehr ohne) Geschreibsel lesen. Und natürlich immer noch meine bisher erschienenen Bücher kaufen.

Nur so viel:
Ich sortiere meine Musik und tanze durch die Bude. Und tippe dazu.
Und es macht wahnsinnig Spaß!

Samstag, 11. Mai 2013

Heute keine Weisheiten von mir:



Keine Weisheiten


Worte voller Weisheit
sind von mir nicht zu erwarten

Ich möchte Liebeslieder und Gedichte schreiben
aber das weltweite Netz und der Fernseher blockieren mich

Ich bin ein alter und fauler Bastard
dem nichts Neues einfällt
Sorry
Keine Ahnung
Wie so oft

Ich bräuchte ein Update
aber mein Arbeitsspeicher ist zugemüllt
und ich mache fast so viele Mucken
wie eine Frau oder mein Compi

Ich sabbere die Tastatur voll
anstatt die Worte durch meine Finger fließen zu lassen
Ich huste und spucke in mein Taschentuch
anstatt göttliche Gedichte auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen

Und bevor dieses
vollständig entgleitet
beende ich es jetzt


Katholische Beerdigung:



Eine Beerdigung

91 Jahre alt. Und am Ende nur noch 32 Kilo. Mehr als zehn Jahre im Alten- und Pflegeheim, die letzten Jahre eher vegetierend.
Altersdepressionen und eine Demenz.

Der Pfaffe spricht von einem erfüllten Leben und spätestens da wäre ich am liebsten geflüchtet:
Ich habe keine Ahnung, ob das Leben meiner Patentante erfüllt war und ich kenne sie mit Sicherheit besser als er.
Und zum Ende hin war dieses Leben nicht mehr erfüllt, sondern eher ein Warten auf den Tod, da bin ich mir sicher.

Ich selber habe meine Patentante nach meiner Krebserkrankung nicht mehr im Heim besucht. Sie hätte mich nicht erkannt und ich wollte ihr meinen entstellten Kopf nicht zumuten.
Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist meine Unlust, mein Widerwillen gegen Heime und gegen Krankheit. Obwohl ich selber damit zu tun habe und früher berufsbedingt mehr als genug mit Demenzen und Krankheiten zu tun hatte.
Meine Tante war umsorgt, wurde gepflegt und war damit beinahe weg aus meinem Leben. Und aus dem Leben aller Verwandten und ganz sicher aus dem Leben der Frauengemeinschaft, der Kolpingleute und der ganzen Kirche. So ist das nun mal.

Ich hatte nie ein enges Verhältnis zu ihr. Zu meiner ganzen Verwandtschaft nicht. Streng gläubige Katholiken. Scheinheilige. Nach außen war alles sauber und rein und was innen abging bekam niemand mit.
In unserer Verwandtschaft haben fast alle meiner Generation einen psychischen Defekt, auch wenn ich einer der wenigen bin, der das offen zugibt (Und das oft auf meinen Krebs schiebe. Manche Sachen sind ja so verdammt einfach…).

Katholizismus.
Mir kommt es hoch.
Freitags gab es Fisch.
All die andere verlogene Scheiße lasse ich jetzt mal weg, habe ich schon oft genug erwähnt und werde ich an anderer Stelle bestimmt wieder erwähnen…

In der Kirche ist es kalt. Die Bänke sind ungemütlich. Ich glaube, das muss so sein. Der Organist ist immerhin nicht der Schlechteste, er spielt meines Erachtens fehlerfrei, auch wenn es nicht meine Musik ist.
Liturgie und Ablauf der Veranstaltung sind mir mittlerweile fremd. Göttin sei Dank!
Es ist nicht mein Ding, aber ich bin mittlerweile tolerant genug, es zu akzeptieren und über mich ergehen zu lassen.
Da ist immer wieder die Rede von Schuld und Sühne. Fuck. Blinder Gehorsam und Gottesfurcht. Ergebenheit. Ich könnte kotzen.

Bei dem symbolischen Abendmahl bleibe ich sitzen. Aspirationsgefahr.
Andererseits: es hätte eine schöne Symbolik, an einer Hostie zu ersticken!

Und dann habe ich die Messe überlebt ohne durchzudrehen.

Es geht zum Friedhof. Im Auto rauche ich mir eine Zigarette.
Weitere Gebete, weitere sinnlose Riten. Dann wird der Sarg runtergelassen.

Ich stelle mich ans Grab, lasse ein paar Blütenblätter fallen. Meine Tante ist eine der letzten aus der Liste meiner Kindheit, ich erinnere mich an Begegnungen und an Geschenke. Ist nun mal so.
Kann ich da was für? Ich war das Kind!

Ich habe mit meinen Onkels und Tanten nicht gespielt. Habe nie ernsthafte Gespräche mit ihnen geführt. Obwohl ich vielleicht gerade das gebraucht hätte.
Unsere Verwandtschaft war von Distanz und Etikette geprägt, nicht von Menschlichkeit.
Bürgertum. Katholizismus. Heuchelei.
Ich erinnere mich an einen Onkel, der viel zu früh verstorben ist. Der spielte mit uns. Die anderen Onkels und Tanten eher nicht. Vielleicht war da auch Familie und Wärme, aber wenn, dann auf eine Art, die mich schon als Kind eher nervte und kalt ließ. Nochmal sorry, war halt so.

Und dann ist es vorbei.
Und ich fühle wenig, ich habe meine Pflicht getan, letzte Ehre erwiesen oder so. Der Blick in die Augen der anderen Trauergäste bestätigt, dass sie ähnlich fühlen. Das Kaffeetrinken schenke ich mir und besuche lieber noch mal das Grab meines Vaters und fahre danach zu meiner Mutter.

Ich denke an meine Cousinen, die Töchter meiner Patentante. Die eine lebt in Bayern, leidet an Morbus Crohn und war nicht bei der Beerdigung. Die andere hat einen Sohn verloren, eine Scheidung und ein familiär nicht einfaches Coming Out hinter sich und lebt mittlerweile mit ihrer Lebenspartnerin (hoffentlich) glücklich.
Ihnen sende ich meine Liebe.

Ich glaube, ihre Trauer hält sich in Grenzen. Und vielleicht ist gerade das ein Grund zu trauern.

Vielleicht ist auch gerade der Katholizismus ein Grund zu trauern.
Vielleicht ist es ein Grund zu trauern, dass wir uns nicht als selbstverantwortliche Menschen sehen, sondern einer Religion unterordnen, die die Sünde ab der Geburt propagiert. Und uns in Regeln presst, die kein Mensch verstehen kann.

Zum Beispiel Freitags gibt es Fisch. Und das ist noch harmlos.

Ich glaube, ich hätte meine Patentante gerne lieb gehabt. Ich glaube, ich hätte gerne eine intensivere Beziehung gehabt. Hatte ich nicht. Anyway.
Ich kann nicht über andere Menschen urteilen.
Aber ich habe meine eigene Art der Trauer.

Und habe mich beim Segen des Priesters weggeduckt, um ja nichts davon abzubekommen.



Donnerstag, 9. Mai 2013

Vatertagsnotizen (Wohnzimmerlesung, Rauchen, Musik,...):



Die Idee der Wohnzimmerlesung war okay.
Die Wohnzimmerlesung war dann einfach genial.
Torsten an der Gitarre passte.
Ron Hard war ein riesiger Bär und hatte Herzenswärme ohne Ende. Und viel erlebt, davon erzählte er ein bisschen. Und las Texte, die begeisterten.
Naja. Und dann ich. Ein kleiner alter Mann, der sich einfach nur wohl fühlte und seine Texte zum Besten gab.
Einen Tag vorher in der Bastion war schon klasse. Zwar wenig Leute, aber dafür ein persönliches Highlight für mich: eine an Krebs erkrankte Frau, die extra wegen mir kam und zum ersten Mal eine Lesung überhaupt besuchte und dann von uns allen angetan war! So was bestärkt mich. Das sind dann die Momente, wo ich weiß, wofür ich den ganzen Scheiß mache.
Dann das Wohnzimmer.
Es war voll (auch wenn eigentlich vier Menschen mehr erwartet wurden…) und es war gemütlich. Und wir machten Party und wir lasen und da war nix gekünsteltes, sondern es war einfach geil.
Ich glaube, ich werde es wiederholen. Gerne mit den anwesenden Menschen, gerne auch mit n paar neuen Freunden. Mal sehen…
Torsten formulierte es treffend: „Begegnungen“.
Darum ging es hauptsächlich. Und wir begegneten uns, lernten uns kennen, hatten Spaß und Tiefgang.

Zwei Nächte bis halb vier / halb drei. Ich bin zu alt für so n Scheiß!

Ich will aufhören zu Rauchen.
Da ist der Schreibtisch der denkbar ungeeignetste Ort für. Da ist ne nervige und frustige Lebensphase die schlechteste Zeit für.
Ich bin psychisch immer noch angeschlagen von meinen gesundheitlichen Rückschlägen, finanziell sieht es diesen Monat beschissen aus und ich will endlich Sommerfeeling!
Stattdessen tigere ich durch die Wohnung. Putze, räume auf, poliere meine Gitarren und sortiere die CD-Regale. Lenkt alles vom Rauchen ab.
Eigentlich sollte es Sonntag meine letzte Zigarette sein. Ich habe leichte Rückfälle, konnte meinen Konsum aber um Dreiviertel verringern und bleibe bei meinem kurzfristigen Ziel, endgültig aufzuhören.
Was soll ich hier irgendwelche Lügen posten?
Ich will da ehrlich mir und allen Menschen gegenüber bleiben.
Und ich verspreche nochmal: Ich höre auf mit dem Mist!

Über die Anlage Stephen Malkmus. Der von Pavement. Gerade wiederentdeckt (war ja nie weg…), schön, macht Spaß. Ansonsten ganz viel dEUS und (weiß die Teufelin, was mich da reitet) Prince. Den Frühsommer erzwingen. Oder ähnlich.

Vatertag.
Nee. Ich mag den nicht. Besoffene Männer, die durch die Gegend ziehen und sich abartig gegenüber Frauen und Behinderte und Ausländer benehmen habe ich schon genug im Alltag. An Tagen wie heute ist das massiv zu beobachten und da habe ich kein Bock drauf und trinke mir lieber n gepflegten Kaffee am Schreibtisch. Und später auch n Bier, aber zivilisiert.

Dave Gahan wird heute übrigens 51 Jahre alt. Happy Birthday Dave!
Depeche Mode und Daves Solosachen begleiten mich erst seit knapp über zehn Jahren. Vorher ging der Elektrokram überhaupt nicht für mich. Meine damalige Freundin war totaler Depeche Mode Fan und überzeugte mich.
DM sind geil. Dave Gahan ist ein toller Sänger mit einer Stimme voller Seele. Und mit einer Persönlichkeit, die durch seine Lebensgeschichte gereift ist.
Auch wenn mich persönlich die neue Depeche Mode nicht vom Hocker haut – ich hoffe, sie bleiben uns noch lange erhalten.
Mach es gut, Dave!

Wo ich schon beim Thema bin:
Rock’n’Roll. Oder so. Musik, hauptsächlich Gesangs- und Gitarrenbetont. Eine meiner großen Lieben. Und mein neues Projekt:
Ein Rock’n’Roll-Notizbuch. Mit Gedichten, Nachrufen, Kritiken und ganz viel persönlichen Gefühlen.
Interessiert das irgendeine Sau? Keine Ahnung.
Mich interessiert es und es ist mein größtes Thema.
Ich habe da nicht unbedingt Ahnung von, aber ich habe meine Feelings. Und die will ich rüberbringen. Meine persönliche Deadline ist Anfang Herbst, lasst Euch überraschen (und wie ich mich kenne, werde ich öfters Auszüge in den Blog setzen…).

So.
Und jetzt drehe ich eine Runde mit der Hündin.
Und schreibe danach an anderen Sachen weiter…
Habt Euch lieb!





Dienstag, 7. Mai 2013

Leute, es ist nicht einfach mit dem Rauchen aufzuhören:



Rauchen aufgeben


Trotz Glatze
fühle ich mich wie der letzte Hippie
Ein ausgemergelter und dünner Freak
mit Narben übersät
vom Leben gezeichnet

Ich sehe die Leute über mir
aus der Entfernung
Sie sind mir egal
Ich sehe die Menschen neben mir
und die am Abgrund
auf Augenhöhe

Ich werde geliebt
daraus ziehe ich Stärke
Ich liebe
dafür wird meine Kraft reichen

Um zu überleben
höre ich auf zu Rauchen
und schränke das Saufen ein
dabei tigere ich wie ein Irrer durch die Bude
putze und räume um
und
frage mich
nach dem Sinn des Ganzen

Auf der Tabakpackung:
„Raucher sterben früher“
Das ist doch mal ne Aussage
da
kann ich was mit anfangen

Irgendwie
will ich leben
auch wenn es oft verdammt schwer fällt

Auch wenn dieser Text anders rüberkommt
es lohnt sich
noch immer

Und darauf rauche ich mir jetzt eine meiner letzten Zigaretten