Donnerstag, 29. November 2012

Willkommen in meiner neuen Heimat



“Home is where your heart is” auch wenn das kein Dylan-Zitat ist


Draußen beginnt es zu frieren
und ich erwarte
baldigen Schneefall

Maya und ich erkunden unsere
neue Umgebung
Wir sind beide zufrieden

Die Siedlung scheint in den Schlaf zu gleiten
in einzelnen Fenstern brennt noch Licht
aber Geräusche dringen kaum in die leeren Straßen

Ist da Gemeinsamkeit
oder einsames Nachtleben?
Und: Ist es schlimm
dass mich das momentan nicht wirklich berührt?

So ein Abend:
Ich packe den alten Dylan aus
und suche mir n paar Hymnen zusammen
Maya legt sich zu meinen Füßen
und unsere Liebe guckt im Nebenraum in die Glotze
während ich versuche
Gedichte oder so
zu tippen
Es ist warm und friedlich in der Wohnung
trotz sich stapelnder Kisten ist da schon
Gemütlichkeit
und ich habe
eine Ahnung von einem neuen Zuhause

Eine neue Stadt
eine Art Neuanfang
obwohl wir größtenteils einfach weitermachen werden

Noch kenne ich nur den Marktplatz, zwei Kioske
und eine Pizzeria
aber ich glaube,
ich mag den schmuddeligen Charme von Essen-Kray
und den Halo-Park und die Ruhr in Steele und so weiter
Damit möchte ich natürlich Bochum in keinster Weise abwerten!
Was ich nicht mag
ist die A40 zwischen den beiden Städten
aber als Ruhrgebietler habe ich gelernt
damit zu leben

Ich gestehe
zu viel geht mir momentan am Arsch vorbei
Die Dreistigkeit der Regierung offenbart sich
nicht nur im geschönten Armutsbericht
Der VfL Bochum gibt alles
um schon bald mit Essen in einer Liga zu spielen
Während die Stones ein paar Livekonzerte spielen
und sich eigentlich jeder wie schon seit zwanzig Jahren fragt
ob die alten Männer es wirklich noch drauf haben
und mir selbst das
merkwürdig egal ist

Bob singt „Make you feel my love“
Ich denke
ich werde mit meiner Liebe gleich ins Schlafzimmer gehen
und die Nacht Arm in Arm in Wärme verbringen

Was ist göttlicher?!
Home is where your heart is oder so
Auch deshalb kann mich Essen nicht wirklich schocken
Und wie könnte man ein Gedicht besser beenden?



Mittwoch, 28. November 2012

Ingwer-Tee und Umzug



Ingwer-Tee.
Fenchel und Pfefferminz statt Hopfen und Malz. Vielleicht noch n bisschen Haferschleim.
Nur so lassen sich der Tabak und der Kaffee ertragen.
Und dann ganz viel Bett und so viel wie möglich schlafen.

Uns hat es erwischt. Irgendein Magen- und Darmvirus oder so. Unfair und fies nutzte der unseren Stress und unsere Nervereien aus und nistete sich erst bei Claudia und jetzt bei mir ein.
Der Hündin geht es zum Glück gut.

Ingwer-Tee. Mit Honig. Ich sag es euch: Der hilft wirklich!
Wärmt, schwemmt aus, wirkt beruhigend, schmeckt nicht mal allzu fürchterlich.
Soll sogar geil machen, da habe ich aber nix von, da ich ihn nur trinke, wenn es mir wirklich schlecht geht.


Wir sind umgezogen.
Und dabei, uns einzurichten.
Das dauert wie immer länger als erwartet und da steckt natürlich der Teufel im Detail. Blöderweise in fast jedem Detail.
Wir haben gute Freunde, die uns helfen und für dankbare Wärme sorgen…. Wir haben uns, auch wenn wir uns des Öfteren anzicken. Und wir haben Maya, die die Umgebung für sich entdeckt.
Und Essen-Kray hat jetzt neben Urs Böke noch einen Underground-Dichter dazu bekommen. Mindestens einer von uns beiden ist wirklich klasse.

Nach und nach wird es. Der Schreibtisch steht, das Internet läuft, die Küche ist so gut wie eingeräumt.
Noch müssen wir über massig Kisten klettern, noch suchen wir stundenlang nach irgendwelchen Sachen, die irgendwo versteckt sind.
Es scheint, als würde sich alles Mögliche absichtlich vor uns verstecken, um uns zu ärgern.
Vielleicht haben wir Wichtel oder Heinzelmännchen in unserer neuen Wohnung. Aber keine lieben, helfenden, sondern eher solche Scherzkekse, die Schabernack (endlich kann ich dieses klasse Wort benutzen!) treiben. Fuck! Irgendwann erwische ich euch!

Ich bin übrigens alles andere, aber sicherlich nicht der geborene Handwerker. Und immer noch ein Chaot.
Selbsterkenntnisse, die einige Schwierigkeiten des Umzugs erklären…


Okay. Und jetzt baue ich den Spiegelschrank im Bad auf. Und wundere mich ehrlich gesagt nicht besonders darüber, dass „unsere“ Regierung ihren Armutsbericht nun in bereinigter und verschönter Form veröffentlicht…


Dienstag, 13. November 2012

Merkel und Hakenkreuze und Zustandsmeldungen



Weiterhin Umzugskram und Nervereien.

Dazu noch ne richtig fiese Erkältung, die mich jetzt seit einer Woche umhaut. Und fertig macht. Und meine Unzufriedenheit stärkt. „Du bist richtig eklig knatschig und gnasselig!“, sagt meine Frau. Und sie hat Recht.
So ein Scheiß macht aber auch wirklich keinen Spaß.
Und nachts schlafe ich vor lauter Hustenanfällen nicht mehr durch.

Anyway, in elf Tagen geht es dann nach Essen. Mann, ich kann es kaum noch erwarten…

Dann haben wir da noch die Musik.

Noch eine Greatest Hits von den Rolling Stones. Grrr heißt die.
Eigentlich brauche ich dieses Dreier-Album nicht, wenn, dann würde mich die De-luxe-Ausgabe interessieren aber die ist unbezahlbar. Ansonsten: zwei neue Stücke, die sich nicht wirklich neu anhören. Die Stones covern sich selber.
Immerhin: eine Zusammenstellung, der ich eigentlich zustimmen kann. Selbst „Waiting on a friend“ ist drauf.

Und den zweiten Teil der Green Day Trilogie.
„Dos“ macht Spaß. Ist abwechslungsreicher als „Uno“ und lässt auf „Tres“ hoffen.
Einfach mal den Kopf ausschalten und tanzen. It’s fuck time!
Mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben.

Feine Sahne Fischfilet schaffen es jetzt in die Charts. Dem Verfassungsschmutz sei Dank!
Die Bläser nerven mich etwas, aber die Texte sind okay, die Gitarren knallen und das Ding ist netter Deutsch-Punk der besseren Art. Ich gönne den Jungens den Erfolg. Und die Dummheit des Verfassungsschutzes hat da wirklich mal was Gutes!
Und „Ich bin komplett im Arsch“ ist meine momentane Hymne.

Porcupine Tree bringen die Tage ein neues Live-Album raus. Ich höre es jetzt dank Internet vorab. Steve Wilson ist ja an Kreativität und Output kaum zu toppen. Und ich liebe seine alten Porcupine Tree Sachen. Octane Twisted erscheint mir spannend und gelungen. So habe ich Steve und seine Mitstreiter auch live in Erinnerung (mittlerweile sind die Konzerte einfach zu teuer für mich…). Stimmungsvoll. Klasse. Und „Time Flies“ ist ein absolutes Meisterwerk!

Ich müsste die letzten Korrekturen und Erweiterungen an meinem Gedichtband vornehmen, vor allem müsste ich das Titelbild machen, aber ich komme zu nix.
Verlage kontaktieren oder der eBook-Kram steht auch noch an.
Meine Homepage will ich schon seit Anfang Herbst auffrischen.
Jetzt verschiebe ich all diese Tätigkeiten auf den Dezember.

Die ersten Bilder meiner Foto-Session mit Ina Caspari auf Facebook: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.425158667546530.99363.100001572023886&type=3
(ich hoffe mal, der Link funktioniert…)

Die Frankfurter Rundschau meldet Insolvenz an. Und Prinz erscheint nur noch als Online-Magazin.
Zwei Druckwerke, die mich seit meiner jungen Erwachsenenzeit begleitet haben, die ich in letzter Zeit allerdings auch selten in den Fingern hatte.
Trotzdem ertappe ich mich bei einer Art Mitgefühl und Bedauern.
Der Zeitungs/Zeitschriften-Markt wird immer einseitiger und banaler. Auch wenn Prinz und Rundschau sich diesem Trend anpassten und nun die Quittung dafür bekommen: ihr Untergang macht die ganze Scheiße definitiv nicht besser.

Merkel und Hakenkreuze oder Merkel mit Hitler-Schnäutzer. Das passt natürlich nicht.
Ich mag Merkel nicht und ich verabscheue ihre Politik. Aber sie ist keine Nationalsozialistin, sie ist keine Diktatorin im Sinne des Nationalsozialismus.
Sie und ihre Regierung unterdrückt mit ihrer Politik die einkommensschwachen Menschen in Europa und sie vertritt ein Deutschlandbild, dass nur auf Geld und Macht ausgerichtet ist.
Aber die Plakate aus Griechenland und Portugal bei den Demonstrationen sind daneben.
Und sie tun weh.
Nicht weil sie Merkel beleidigen, sondern weil sie zeigen, was Merkel und ihre Politik bei den Menschen in Europa für Ängste auslöst.
Der Tod ist immer noch ein Meister aus Deutschland.
Das Kapital ist ein Meister aus Deutschland.
Oder so. Scheiße. Ja.

Roth bleibt Grün.
Immerhin: Ich habe ein neues Wort gelernt, der Begriff CANDY-STORM war mir vor der Grünen-Urabstimmung und der heftigen Niederlage von Claudia Roth völlig unbekannt. Ansonsten gehen mir die Grünen am Arsch vorbei, aber das war klasse.

Warum schaffe ich es einfach nicht den neuen Gedichtband von Grass zu lesen?
Er liegt bei mir rum und ich hab da einfach keinen Nerv drauf.
Warum liegt die Neil Young Biografie noch ungelesen auf meinem Stapel? Psychodelic Pill ist doch mein eindeutiger Sieger der Platten des Jahres. Aber die Biografie – vielleicht wenn ich mal Langeweile habe…
Warum gehe ich nicht ins Kino um mir den neuen Bond anzusehen? Nur weil ich Craig als Bond nicht mag?
Warum geht mir der VfL Bochum mittlerweile am Arsch vorbei?

Übermorgen dann noch Doofmund auf eine Bernemann-Lesung. Hoffentlich sprenge ich mit meinen Hustenanfällen nicht die ganze Lesung.

So long…

Dienstag, 6. November 2012

Koalitionsgipfel, USA, amazon, Zustandsmeldung, Dünnebacke, ...



Koalitionsgipfel:
Die Abschaffung der Praxisgebühr – längst überfällig. Und Rösler wird deshalb trotzdem nicht glaubwürdiger oder sozial.
Der Rest ist Kleinkram (2% der Rentner profitieren minimal) oder einfach nur Blödsinn (Betreuungsgeld).
Gibt es jemanden, der wirklich glaubt, dass damit den Geringverdienern in D-land geholfen wird?

USA:
Natürlich Obama. Auch wenn der in seiner ersten Amtszeit nur enttäuscht hat. Oder aber das wahre amerikanische Gesicht zeigte: die Machtlosigkeit der Politiker gegen die Interessen der Wirtschaft.
Und die Dummheit der Amis.
Und damit ist es eigentlich auch egal, wer die nächste Marionette wird.
Ansonsten singe ich seit Tagen „Sandy“ von Springsteen. Ein Ohrwurm, ein Liebeslied. Ich denke dabei hauptsächlich an das Leid, dass der Wirbelsturm auf Haiti und Kuba gebracht hat…

amazon:
Noch weiß ich nicht genau, aber die Tendenz geht in die Richtung, meinen Roman „Ausgehöhlt“ über amazon und Kindle als e-Book zu verticken.
Verkaufe ich mich damit dem Feind?
Verrate ich meine Ideale?
Ich finde eigentlich, Bücher müssen gedruckt sein.
Auf Papier, mit Einband, umblättern und so.
Aber ein Autor will gelesen werden. Und schreiben. Und dieser Roman ist mir wichtig.
Welcher Verlag veröffentlicht noch ein Buch, das es schon bei einem anderen Verlag gab?
Noch habe ich einige Restexemplare. Die verkaufe ich bei Lesungen und falls jemand bestellt. Aber es geht dem Ende entgegen. Und ich will, dass weitere Menschen meinen Kram lesen können. Es ist mit Herzblut geschrieben.
Das e-Book ist und wird nicht mein Teil sein.
Aber genauso habe ich vor dreißig Jahren über Computer geschimpft. Und die Entwicklung total lange verpennt, bevor ich mir auch so ein Teil angeschafft habe.
Ich habe irgendwie keinen Bock, Klinken zu putzen und lange auf eine Wiederveröffentlichung zu warten. Kindle ist da also die einfachste und bequemste Lösung, um den Roman wenigstens als e-Book anzubieten.
Keine Ahnung.
Noch schrecke ich davor zurück.
Irgendwelche Tipps für mich?

Zustandsmeldung:
Ein Fragment, wahrscheinlich wird es nie ein Gedicht werden:

Mir tun alle Knochen weh
obwohl ich weiß
dass das eher die Muskeln und Gelenke
oder noch genauer Nerven oder irgendwelche chemischen Prozesse
in meinem Körper sind

Man nennt das
Alter
(ich bin noch U50,
aber man sagt, dass Krebs den Alterungsprozess beschleunigt)
oder
schlechte Konstitution
oder
postkarzinomes Belastungsdefizit
In meiner Krankenpflegerzeit benutzte ich offiziell den Begriff
„verschlechterter Allgemeinzustand“
was hieß
das ich mir Sorgen um meine Patienten machte
und ansonsten keine Ahnung hatte

Is mir eigentlich scheißegal:
Ich kann nicht mehr so
wie ich will
Und finde das zum Kotzen

Meine Frau und ich renovieren eine Wohnung
und bereiten unseren Umzug vor
Es sollte Spaß machen – es macht Spaß
aber unsere Knochen (s.o.) spielen nicht mit

Auf der Leiter und bei Über-Kopf-Arbeiten
bin ich nicht zu gebrauchen
Tragen und Schleppen ist nicht mehr mein Ding
Ich brauche lange Pausen
und genieße ein riesiges Zeitfenster

und jetzt kommt noch eine doofe Erkältung dazu
„Ich bin komplett im Arsch“
von Feine Sahne Fischfilet ist mein momentaner Soundtrack

Kein Wunder
dass da textlich nur Scheiße entsteht

Ja. So sieht es aus.

Arnd Dünnebacke - Glück ist ein brennendes Flugzeug:

Es gibt Bücher, die liest man durch und fängt sie sofort von vorne an.
„Glück ist ein brennendes Flugzeug“ gehört zu diesen Perlen.
Die Sprache ist deutlich und verzichtet auf gekitschte Bilder. Die Poesie entsteht aus den Situationen und aus den Verknüpfungen des Alltäglichen mit dem Herzlichen. Oder so. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll.
Dünnebacke liebt und fühlt. Er säuft, er kifft, er hat gefixt und er schreibt ehrlich und authentisch über seine Erlebnisse und Empfindungen. Das ist nicht immer leicht verdaulich aber es ist tiefgehend und stark.
Ich habe das Glück Arnd persönlich zu kennen und eine Art Freundschaft mit diesem Dichter zu führen. Ich weiß, dass er das nicht mag, trotzdem: für mich ist er ein Romantiker und besonders stark in seinen romantischen Momenten und seinen Liebesgedichten.
Was kann ich schreiben?
Ich habe „Glück ist ein brennendes Flugzeug“ durchgelesen, war angetan und habe es direkt nochmal gelesen. Und werde immer wieder Gedichte daraus lesen.
Ein Buch, das mich begleiten wird. Kann ich ein größeres Lob aussprechen?

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass unsere Hündin uns Sonne beschert? Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich meine Frau liebe? Habe ich schon erwähnt, dass der Rock noch immer meinen Herzschlag bestimmt?
Ich glaube, ich quengele in letzter Zeit zu viel.
Dabei bleibt dieses Leben einfach einzigartig.
Weil: Das ist es einfach.

In diesem Sinne. Gute Nacht.